THG-Quote 2027: Mehr Potenzial für schwere E-Lkw

Schwere E-Lkw profitieren 2027 von einer höheren THG-Strompauschale und Faktor 4. Was das für mögliche Erlöse und die Flottenplanung bedeutet.

Schwerer Elektro-Lkw lädt an einer DC-Ladestation im Depot mit Photovoltaik auf dem Hallendach.

Für Unternehmen mit schweren Elektro-Lkw verbessert sich die THG-Quote ab 2027 deutlich: Die berechnete Quotenmenge je Fahrzeug der Klasse N3 steigt auf mehr als das Doppelte. Dafür sorgen eine höhere Strompauschale, ein stärkerer Anrechnungsfaktor und ein günstigerer Strommix-Wert. Was bedeutet das für die Flottenplanung?

Stand: 3. November 2026 · Änderungen gelten ab dem Quotenjahr 2027.

Beitragsbild: KI-Illustration eines E-Lkw-Depots.

Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick

  • Mehr Strom wird pauschal berücksichtigt: Bei schweren E-Lkw der Klasse N3 steigt der Jahreswert von 33.400 auf 54.800 Kilowattstunden.
  • Stärkere Anrechnung: Für diese Fahrzeugpauschale gilt ab 2027 der Faktor 4 statt 3.
  • Besserer Strommix-Wert: Der für die Quote verwendete Emissionsfaktor sinkt von 119 auf 113 Kilogramm CO₂-Äquivalent je Gigajoule.
  • Ergebnis unserer Rechnung: Die vermarktbare Quotenmenge steigt von rund 12,67 auf 25,53 Tonnen CO₂-Äquivalent je N3-Fahrzeug und Jahr.

Die neuen Pauschalen, der Faktor 4 und der Strommix-Wert stammen aus unterschiedlichen Regelungen. Ihr Zusammenspiel ist entscheidend.123 Die genannten Tonnen sind eine gesetzliche Rechengröße mit Mehrfachanrechnung. Sie beschreiben keine entsprechend hohe, tatsächlich gemessene CO₂-Einsparung.

Was ist die THG-Quote überhaupt?

THG steht für Treibhausgasminderung. Unternehmen, die Benzin und Diesel in Verkehr bringen, müssen ihre gesetzliche Klimaschutzverpflichtung erfüllen. Dafür können sie unter anderem die anrechenbare Wirkung von Strom nutzen, der Elektrofahrzeuge antreibt.4

Halter reiner Batterie-Elektrofahrzeuge können dafür eine jährliche Strompauschale bescheinigen lassen und über einen Dienstleister oder einen entsprechenden Vertrag vermarkten. Vereinfacht gesagt: Die E-Flotte kann eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen. Das Umweltbundesamt zahlt dabei keine feste Prämie aus.35

Warum schwere E-Lkw 2027 besonders profitieren

1. Die Strompauschale steigt um rund 64 Prozent

Bei der Fahrzeugpauschale wird ein festgelegter Jahresverbrauch angesetzt. Für die Klasse N3 steigt dieser Wert von 33.400 auf 54.800 kWh. Diese Pauschale bildet den Anteil ab, der nicht an öffentlichen Ladepunkten geladen wird. Ein einzelner Betrieb muss dafür keine persönliche Jahresverbrauchsrechnung erstellen.16

Die Pauschale ist ein einheitlicher Ansatz für die Fahrzeugklasse. Mehr gefahrene Kilometer oder ein höherer gemessener Stromverbrauch erhöhen sie nicht individuell.

2. Der Faktor steigt von drei auf vier

Für die pauschal berücksichtigte Strommenge schwerer E-Lkw gilt ab 2027 ein höherer Multiplikator. Dadurch bekommt dieselbe Strommenge mehr Gewicht bei der Quotenerfüllung. Dieser Faktor 4 gilt für die Klassen N3 und M3, also auch für entsprechende Elektrobusse.2

Für die Planung ist die Fahrzeugklasse wichtig: Ein mittlerer E-Lkw der Klasse N2 erhält diesen Zuschlag nicht. Prüfen Sie deshalb den Eintrag in der Zulassungsbescheinigung Teil I.

3. Der Strommix wird günstiger bewertet

Das Umweltbundesamt setzt für 2027 einen niedrigeren Emissionswert für Strom an. Je sauberer der Strom rechnerisch ist, desto größer fällt sein Beitrag zur Quotenerfüllung aus. Die Bekanntmachung vom 2. November 2026 liefert damit einen weiteren positiven Baustein.37

Ein schwerer E-Lkw im Vergleich: 2026 und 2027

Berechnungsgröße je N3-Fahrzeug
2026
2027
Strompauschale pro Jahr
33.400 kWh
54.800 kWh
Anrechnungsfaktor
3
4
Berechnete vermarktbare Quotenmenge
12,67 t CO₂e
25,53 t CO₂e

Das entspricht einem Plus von rund 101,5 Prozent. Unsere Berechnung berücksichtigt auch den gegenläufigen Effekt der höheren gesetzlichen Minderungsquote: Sie steigt von 12 auf 17,5 Prozent. Deshalb genügt es nicht, nur die neue Strompauschale mit dem höheren Faktor zu vergleichen.4

Für Leser, die nachrechnen möchten: Strompauschale × 0,0036 × Anrechnungsfaktor × (94 × (1 − gesetzliche Minderungsquote) − 0,4 × Strommix-Wert) ÷ 1.000. Das Ergebnis steht in Tonnen CO₂-Äquivalent. Die Zahl 94 ist der gesetzliche Basiswert; 0,4 berücksichtigt die höhere Effizienz des Elektroantriebs.248910

Wie viel Geld könnte das bringen?

Entscheidend sind zwei Größen: die vermarktbare Menge und der dafür erzielte Preis. Mehr Menge verbessert die Ausgangslage. Die tatsächliche Auszahlung hängt jedoch vom Tonnenpreis sowie von Gebühren und Vertragskonditionen ab.

Rechenbeispiel, kein Marktangebot: Bei frei angenommenen 300 Euro je Tonne ergeben sich vor Abzügen folgende Beträge:

  • 2026: 12,6684864 Tonnen × 300 Euro = rund 3.801 Euro je N3-Fahrzeug.
  • 2027: 25,528032 Tonnen × 300 Euro = rund 7.658 Euro je N3-Fahrzeug.
  • Bei zehn berechtigten N3-Fahrzeugen wären das 2027 zusammen rund 76.584 Euro, bevor Provisionen, Gebühren und mögliche Steuern berücksichtigt werden.

Diese Beispielpreise sind keine Prognose. Die höhere Pflichtquote kann die Nachfrage nach Erfüllungsoptionen stützen. Gleichzeitig dürfen 2027 auf Antrag bislang gesperrte Überschüsse aus den Jahren 2024 und 2025 eingesetzt werden.11 Wie sich diese Kräfte im Preis ausgleichen, bleibt offen.

Gilt das auch für andere Fahrzeuge und öffentliche Ladesäulen?

Die Verbesserungen unterscheiden sich nach Fahrzeugklasse. Bei Transportern N1 steigt die Strompauschale von 3.000 auf 4.300 kWh. Mittlere E-Lkw N2 bleiben bei 20.600 kWh und dem Faktor 3. Für sie ergibt unsere Rechnung wegen der übrigen Parameter rund 7,9 Prozent weniger Quotenmenge als 2026. Ein allgemeines Versprechen für alle Elektro-Lkw wäre deshalb falsch.16

Öffentliche Ladepunkte bilden einen eigenen Anrechnungsweg mit nachgewiesenen Lademengen. Der neue Faktor 4 für die N3-Fahrzeugpauschale lässt sich nicht einfach auf jede dort an einen Lkw abgegebene Kilowattstunde übertragen. Auch eine eigene PV-Anlage erhöht die feste Fahrzeugpauschale nicht automatisch.28

Was Flottenbetreiber jetzt tun können

  1. Fahrzeuge zuordnen: Welche E-Lkw gehören tatsächlich zur Klasse N3? Welche Unterlagen liegen vor?
  2. Kalkulation für 2027 aktualisieren: Neue Pauschale, passenden Faktor und mehrere mögliche Tonnenpreise ansetzen.
  3. Vermarktungsvertrag prüfen: Werden die höheren Mengen vollständig berücksichtigt? Handelt es sich um eine feste Prämie oder eine Erlösbeteiligung? Welche Abzüge und Laufzeiten gelten?
  4. Depot und Fahrzeuge gemeinsam planen: Ladestromkosten, Netzanschluss, PV und Energiemanagement beeinflussen die Wirtschaftlichkeit zusätzlich zur THG-Quote.

Die emobicon-Einordnung: Die neuen Regeln verbessern die wirtschaftliche Ausgangslage schwerer E-Lkw erheblich. Eine Investitionsentscheidung sollte auf der gesamten Fahrzeug- und Standortrechnung beruhen. THG-Einnahmen gehören als veränderliche Position in diese Rechnung.

Sie möchten die Umstellung Ihrer Flotte und das passende Depotladen bewerten? Unsere Standortanalyse betrachtet die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Sprechen Sie mit emobicon über Ihren Betriebshof.

Häufige Fragen zur THG-Quote für E-Lkw 2027

Welche E-Lkw profitieren 2027 am stärksten?

In diesem Vergleich profitieren schwere reine Batterie-Elektrofahrzeuge der Klasse N3 besonders. Ihre Strompauschale steigt auf 54.800 kWh; zugleich gilt Faktor 4. Prüfen Sie die Fahrzeugklasse in der Zulassungsbescheinigung.12

Verdoppelt sich damit auch die Auszahlung?

Das ist nicht garantiert. Unsere berechnete Quotenmenge steigt um rund 101,5 Prozent. Die Auszahlung hängt zusätzlich vom erzielten Tonnenpreis, dem Vertrag und den Abzügen ab. Bei gleichem Preis vor Abzügen würde der Rechenerlös entsprechend steigen.

Muss ich für die Fahrzeugpauschale jeden Ladevorgang messen?

Für diese Anrechnung wird der festgelegte Jahreswert der Fahrzeugklasse verwendet. Die gesetzlichen Nachweise zum Fahrzeug bleiben erforderlich. Öffentliche Lademengen werden separat nachgewiesen.28

Erhalten mittlere E-Lkw der Klasse N2 ebenfalls Faktor 4?

Nein. Der besondere Faktor 4 für die Fahrzeugpauschale betrifft N3 und M3. Bei N2 bleibt der übliche Faktor 3; die Pauschale beträgt weiterhin 20.600 kWh.128

Gelten die neuen Werte schon für die THG-Quote 2026?

Nein. Die neuen Stromfaktoren und Fahrzeugpauschalen gelten ab dem Verpflichtungsjahr 2027. Für das Quotenjahr 2026 bleiben die bisherigen Werte maßgeblich.13

Quellen und weiterführende Primärinformationen

  1. BMUKN: Neue Fahrzeug-Schätzwerte ab 2027, Bekanntmachung vom 06.10.2026, BAnz AT 28.10.2026 B4
  2. 38. BImSchV § 7: Fahrzeugpauschale und Faktor 4 für N3/M3 ab 2027
  3. Umweltbundesamt: Strom-Emissionsfaktoren 2027, Bekanntmachung vom 07.10.2026, BAnz AT 02.11.2026 B6
  4. BImSchG § 37a: Gesetzliche Minderungsquote und Referenzwert
  5. Umweltbundesamt: Anrechnung von Strom für Elektrofahrzeuge, Seitenstand 30.10.2026
  6. Bundesumweltministerium: Bisherige Fahrzeug-Schätzwerte, Bekanntmachung vom 10.08.2023, BAnz AT 28.08.2023 B2
  7. Umweltbundesamt: Strom-Emissionsfaktoren 2026, Bekanntmachung vom 15.10.2025, BAnz AT 05.11.2025 B7
  8. 38. BImSchV § 5: Stromanrechnung und Anrechnungsfaktoren
  9. 38. BImSchV § 3: Basiswert ab 2026
  10. 38. BImSchV Anlage 3: Effizienzfaktor des Elektroantriebs
  11. 38. BImSchV § 4a: Übertragbare Überschüsse aus 2024 und 2025

Quellen geprüft am 3. November 2026. Mengenvergleiche und Erlösbeispiele sind eigene Berechnungen aus den amtlichen Parametern. Angenommene Verkaufspreise sind keine Marktangebote.

Keine Kommentare

Foto des Autors

von Ralf Herzig

Schreibe einen Kommentar

TCO-Rechner E-Lkw