Großbatteriespeicher als Wirtschaftsfaktor: Systemnutzen, Marktlogik und Chancen für Unternehmen

Grossbatteriespeicher

Großbatteriespeicher entwickeln sich zu einem zentralen Baustein der Energiewende und des modernen Strommarkts. Sie senken Systemkosten, stabilisieren Strompreise, reduzieren CO₂-Emissionen und erhöhen die Integration erneuerbarer Energien – selbst dann, wenn sie ausschließlich marktbasiert betrieben werden.
Eine aktuelle Studie von Neon Neue Energieökonomik und Consentec zeigt, dass der volkswirtschaftliche Nutzen bereits heute erheblich ist – und dass unkoordinierte regulatorische Eingriffe diesen Nutzen gefährden könnten.

Warum Großbatteriespeicher an Bedeutung gewinnen

Der steigende Anteil von Wind- und Solarstrom verändert die Dynamik des Energiesystems. Stromerzeugung wird volatiler, Preisunterschiede nehmen zu, Netzengpässe werden häufiger.

Batteriespeicher übernehmen in diesem Umfeld eine neue Rolle:

  • Sie verschieben Strom zeitlich von Niedrigpreis- in Hochpreisphasen
  • Sie reduzieren Lastspitzen und den Bedarf an teuren Spitzenlastkraftwerken
  • Sie erhöhen die Verfügbarkeit erneuerbarer Energie
  • Sie stabilisieren Märkte, Netze und Systembetrieb

Damit sind Großspeicher nicht nur ein technisches Element – sondern ein wirtschaftlicher Systemhebel.

Primärer Nutzen eines Großbatteriespeichers

Marktbetrieb funktioniert – und bringt messbaren volkswirtschaftlichen Nutzen

Die Studie zeigt, dass Großbatterien bereits im heutigen Marktdesign einen erheblichen Beitrag leisten, wenn sie ausschließlich auf Börsenpreissignale reagieren.

Konkret bewirkt der marktorientierte Betrieb:

  • Sinkende Gesamtkosten des Stromsystems
  • Reduzierte Preisvolatilität am Großhandelsmarkt
  • Weniger Abregelung von Wind- und Solarstrom
  • Geringere CO₂-Emissionen durch reduzierte Nutzung fossiler Kraftwerke
  • Entlastung des Regelenergiemarkts durch Ersatz thermischer Reserveleistung

Ein praxisnahes Zahlenbeispiel aus der Studie:
Eine 100-MW-Batterie hätte im Jahr 2024 allein im Day-Ahead-Handel einen volkswirtschaftlichen Mehrwert von rund 9,1 Millionen Euro erzielt.

Dieser Effekt entsteht, weil Batterien Strom in Phasen sehr niedriger Preise aufnehmen und ihn in Hochpreiszeiten einspeisen – wodurch teure und emissionsintensive Kraftwerke seltener benötigt werden.

Warum Marktnutzen nicht automatisch Netznutzen bedeutet

Trotz des hohen gesamtwirtschaftlichen Effekts zeigt die Studie eine zentrale strukturelle Grenze des aktuellen Strommarkts:

Netzengpässe spiegeln sich für Speicherbetreiber nur eingeschränkt in Preissignalen wider.

In einer einheitlichen Strompreiszone entstehen sogenannte externe Effekte – also Systemwirkungen, die wirtschaftlich relevant sind, aber nicht im Marktpreis auftauchen.

Die Autoren identifizieren unter anderem folgende Einflussfaktoren:

  • Auswirkungen des Speichereinsatzes auf Redispatch-Kosten
  • Kurzfristige Effekte auf Netzengpässe
  • Fahrplanänderungen innerhalb der Viertelstunden-Bilanzierung
  • Übergänge zwischen Bilanzierungsperioden
  • Einfluss auf Spannungsstabilität

Das bedeutet:
Speicher können das Netz entlasten – erhalten dafür aber nicht automatisch die richtigen wirtschaftlichen Anreize.

Regulierung: Zwischen Systemoptimierung und Investitionshemmnis

Die Studie warnt ausdrücklich vor einem Flickenteppich aus Einzelmaßnahmen zur Netzdienlichkeit, etwa durch:

  • Starre Betriebsvorgaben
  • Restriktionen im Kurzfrist-Handel
  • Uneinheitliche Netzanschlussregeln
  • Pauschale Lade- oder Entladebeschränkungen

Solche Eingriffe könnten zwar lokal Netzentlastung erzeugen, gleichzeitig aber:

  • Die Wirtschaftlichkeit von Speicherprojekten verschlechtern
  • Den weiteren Zubau bremsen
  • Den gesamtwirtschaftlichen Nutzen überkompensieren

Statt isolierter Netzdienlichkeitsziele empfehlen die Autoren eine systemdienliche Ausrichtung, bei der Markt- und Netzeffizienz gemeinsam betrachtet werden.

Welche marktbasierten Steuerungsansätze als sinnvoll gelten

Die Studie spricht sich für gezielte, transparente und investitionsfreundliche Marktanpassungen aus, darunter:

  • Zeit- und ortsvariable Preissignale
  • Einheitliche Netzanschlussstandards
  • Marktmechanismen, die netz- und systemdienliches Verhalten ökonomisch abbilden
  • Klare und verlässliche Investitionsrahmen für Speicherprojekte

Der Kerngedanke:
Batteriespeicher sollten durch intelligente Preis- und Marktsignale gelenkt werden – nicht durch starre Einschränkungen.

Kritische Einordnung: Warum „Grünstromspeicher“ kein Allheilmittel sind

Speicher, die ausschließlich mit direkt gekoppeltem Solar- oder Windstrom geladen werden („Grünstromspeicher“), erscheinen intuitiv besonders nachhaltig.

Die Studie bewertet dieses Konzept jedoch kritisch:

  • Die operative Flexibilität wird stark eingeschränkt
  • Marktpotenziale werden reduziert
  • Ein automatischer Netznutzen entsteht nicht zwangsläufig

Damit gelten solche Einschränkungen nicht als bevorzugtes Instrument zur Verbesserung der System- oder Netzdienlichkeit.

Relevanz für Unternehmen, Kommunen und Infrastrukturbetreiber

Für Unternehmen mit hohem Energiebedarf, Ladeinfrastruktur, PV-Anlagen oder Netzanschlusspunkten ergeben sich konkrete Chancen:

Wirtschaftliche Potenziale

  • Reduzierung von Leistungsspitzen und Netzentgelten
  • Optimierung von Strombeschaffungskosten
  • Nutzung von Preisvolatilität am Großhandelsmarkt
  • Integration in Energiemanagementsysteme (EMS) und Lastmanagement

Strategische Vorteile

  • Skalierbarkeit von Ladeinfrastruktur für Elektromobilität
  • Netzanschluss-Optimierung bei Gewerbe- und Industriestandorten
  • Verbesserung der Versorgungssicherheit
  • Reduktion von CO₂-Emissionen und ESG-Risiken

Übertragbarkeit auf kleinere Speicherlösungen

Auch wenn sich die Studie auf Großspeicher konzentriert, sind viele Effekte grundsätzlich auf Gewerbespeicher, Quartiersspeicher und größere C&I-Speicherlösungen übertragbar.

Insbesondere bei:

  • Lastspitzenmanagement
  • dynamischen Stromtarifen
  • PV-Eigenverbrauchsoptimierung
  • Ladeinfrastruktur-Kopplung
  • Standort-Energiemanagement

lassen sich ähnliche wirtschaftliche Mechanismen nutzen – skaliert auf Unternehmens- oder Standortsebene.

Sie prüfen, ob ein Gewerbe- oder Standort-Speicher bei Ihnen wirtschaftlich ist?
emobicon analysiert Lastprofile, Netzanschluss, PV und Ladeinfrastruktur und leitet daraus ein belastbares Speicher- und EMS-Konzept inkl. Kosten-/Nutzenabschätzung ab.

Jetzt kostenfreie Erstberatung sichern

FAQ: Großbatteriespeicher, Marktlogik und Systemnutzen

Was ist ein Großbatteriespeicher?

Ein Großbatteriespeicher ist ein stationärer Batteriespeicher im Megawatt-Bereich, der an das Stromnetz angeschlossen ist. Er erzeugt keinen Strom, sondern speichert elektrische Energie zeitlich zwischen. Einsatzbereiche sind unter anderem der Stromhandel, Regelenergie, Systemstabilisierung und die Integration erneuerbarer Energien.

Worin unterscheidet sich ein Großbatteriespeicher von einem klassischen Kraftwerk?

Ein Kraftwerk erzeugt Energie aus Primärenergiequellen. Ein Batteriespeicher verschiebt bereits erzeugte Energie zeitlich. Sein wirtschaftlicher und systemischer Nutzen entsteht durch Flexibilität: Er reagiert schnell auf Preissignale, Laständerungen und Systemanforderungen.

Warum sind Großbatteriespeicher für das Stromsystem wirtschaftlich sinnvoll?

Großbatteriespeicher senken die Gesamtkosten des Stromsystems, indem sie:

– teure Spitzenlastkraftwerke verdrängen
– Preisschwankungen am Strommarkt reduzieren
– erneuerbare Energien besser nutzbar machen
– CO₂-intensive Erzeugung in Hochpreisphasen ersetzen

Studien zeigen, dass dieser Nutzen bereits beim rein marktbasierten Betrieb entsteht.

Was bedeutet „marktbetriebener Speicher“ konkret?

Ein marktbetriebener Speicher lädt Strom, wenn die Börsenpreise niedrig sind, und speist ihn ein, wenn die Preise hoch sind. Grundlage sind Preissignale aus dem Day-Ahead-, Intraday- oder Regelenergiemarkt. Der Speicher reagiert dabei nicht auf explizite Netzvorgaben, sondern auf ökonomische Signale.

Warum ist ein marktbetriebener Speicher nicht automatisch netzdienlich?

Netzengpässe, Redispatch-Kosten oder lokale Überlastungen spiegeln sich im heutigen Strommarktdesign nur begrenzt in Preisen wider. Dadurch kann ein Speicher systemweit sinnvoll agieren, ohne gezielt lokale Netzentlastung zu erzeugen. Dieses Spannungsfeld ist ein zentrales Ergebnis der zugrunde liegenden Studie.

Was ist mit „Systemdienlichkeit“ gemeint?

Systemdienlichkeit beschreibt den Gesamtbeitrag eines Speichers zur Effizienz des Energiesystems – einschließlich Markt, Netz, Emissionen und Versorgungssicherheit. Sie geht über reine Netzdienlichkeit hinaus und betrachtet den volkswirtschaftlichen Nutzen als Ganzes.

Welche Rolle spielt Regulierung bei Batteriespeichern?

Regulierung kann helfen, netz- und systemdienliches Verhalten zu fördern. Die Studie warnt jedoch vor unkoordinierten Einzelmaßnahmen, die Flexibilität einschränken und Investitionen ausbremsen könnten. Als sinnvoll gelten marktorientierte Instrumente wie zeit- oder ortsvariable Preissignale statt starrer Betriebsvorgaben.

Sind Batteriespeicher nur für Energieversorger relevant?

Nein. Auch Unternehmen, Kommunen und Betreiber von Lade- oder PV-Infrastruktur profitieren von Speicherlösungen. Insbesondere bei hohen Leistungsspitzen, begrenzten Netzanschlüssen oder dynamischen Stromtarifen können Speicher wirtschaftliche Vorteile bringen.

Lassen sich die Ergebnisse auch auf kleinere Speicher übertragen?

Die Studie fokussiert auf Großspeicher, viele Mechanismen gelten jedoch auch für:
– Gewerbe- und Industriespeicher
– Quartierspeicher
– Speicher an Ladeparks oder Logistikstandorten
Dort stehen weniger der Stromhandel, sondern Lastmanagement, Eigenverbrauchsoptimierung und Netzentgeltreduktion im Vordergrund.

Was ist ein „Grünstromspeicher“?

Als Grünstromspeicher werden Speicher bezeichnet, die ausschließlich mit direkt gekoppeltem Wind- oder Solarstrom geladen werden. Die Studie bewertet dieses Konzept kritisch, da es die Flexibilität stark einschränkt und keinen automatischen Netznutzen garantiert.

Sind Batteriespeicher eine Alternative zum Netzausbau?

Batteriespeicher können Netzausbau ergänzen, aber nicht grundsätzlich ersetzen. Sie eignen sich besonders zur zeitlichen Entlastung und zur Abmilderung von Lastspitzen. Langfristig bleiben Netzinvestitionen notwendig, Speicher können diese jedoch verzögern oder gezielter machen.

Warum sind Batteriespeicher auch für die Elektromobilität relevant?

Mit wachsender Ladeinfrastruktur steigen Leistungsspitzen und Netzanforderungen. Speicher können:
– Ladeleistung puffern
– Netzanschlüsse entlasten
– Ladeparks skalierbar machen
– Betriebskosten senken
Damit werden sie zu einem wichtigen Baustein für wirtschaftlich tragfähige Ladeinfrastruktur.

Sind Großbatteriespeicher bereits heute wirtschaftlich?

Ja. Die Studie zeigt, dass Speicher bereits im aktuellen Marktdesign einen messbaren volkswirtschaftlichen Nutzen erzeugen. Wirtschaftlichkeit hängt jedoch stark von Standort, Marktanbindung, Betriebsstrategie und regulatorischem Rahmen ab.

Was sollten Unternehmen bei Speicherprojekten strategisch beachten?

Entscheidend sind:
– saubere Analyse von Lastprofilen und Preissignalen
– Integration in ein Energiemanagementsystem
– realistische Annahmen zur Markt- und Netzentwicklung
– langfristige regulatorische Stabilität

Speicherprojekte sind keine Standardprodukte, sondern systemische Infrastrukturentscheidungen.

Fazit: Batteriespeicher sind marktwirtschaftlich sinnvoll – und strategisch unverzichtbar

Großbatteriespeicher sind bereits heute ein volkswirtschaftlicher Gewinn, auch ohne zusätzliche regulatorische Eingriffe.
Ihr Potenzial wächst weiter, wenn Marktmechanismen gezielt weiterentwickelt werden – ohne Investitionssicherheit oder Flexibilität zu untergraben.

Für Unternehmen, Netzbetreiber, Projektentwickler und Standortverantwortliche bedeutet das:
Speicher sind nicht nur Energietechnik, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor.


Quellen

Keine Kommentare

Foto des Autors

von Ralf Herzig

Schreibe einen Kommentar