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Elektroautos, Kobalt und Kinderarbeit. Die Fakten

Es gibt viele Mythen der Elektromobilität. Gegner und Zweifler verweisen oft auf Kinderarbeit in Kobalt-Minen. Diese Diskussion verzerrt aber die Probleme vor Ort und damit werden mögliche Lösungswege verhindert.

von Micha|emobicon aus EDISON von Jonas Gerding

E-Autos brauchen Batterien und diese Batterien brauchen Kobalt. Im Moment technisch undenkbar, das Elektrofahrzeuge ohne diesen wichtigen Rohstoff Kobalt funktionieren. Bei dessen Förderung geht es aber oft nicht sauber zu. Es geht um Kinderarbeit, Korruption, Waffenhandel, Ausbeutung.  Im Kongo etwa, wo rund 60 Prozent des weltweit geförderten Kobalts herkommt, arbeiten auch Kinder in Minen. 

Es wird eine Menge  falsch dargestellt

Bild: dw.de

Kommentare und Diskussionen werden zu oft zu einseitig gesehen und bilden nicht die gesamte Situation wieder. „Bizarr“ ist oft die Meinung und das Bild ohne sich wirklich mit den Hintergründen zu beschäftigen. So geht es um Emissionen in den Städten und den Schutz der Kinder hier, anderseits werden Kinder für die neue Mobilität ausgebeutet. Nur verdrängt wird, das überwiegend das Thema Elektrotechnik, wie Smartphone, Laptop und Co die selben Rohstoffe benötigen und das offensichtlich ausgeklammert wird.

So tönt es aus dem Lager jener Kommentatoren, die den Klimawandel anzweifeln, am Diesel-Auto festhalten und auch sonst möchten, das alles beim Alten bleibt. „Elektroautos brauchen Kobalt aus dem Kongo“, schreibt beispielsweise Vera Lengsfeld. „Anstieg der Kinderarbeit vorprogrammiert“, prophezeit sie bereits im Titel ihres Textes, den sie auf der deutschsprachigen Seite der Epoch-Times und in anderen rechtspopulistischen Medien verbreitetet.

Nicht mal 20 % des Kobalts stammen aus dem Kleinbergbau

Foto: Welt.de

Nun wohnt dem Vorwurf ein wahrer Kern inne. Im Süden des zentralafrikanischen Landes gibt es auch Kinder, die am Abbau von Kobalt beteiligt sind. Möglich also, dass so geförderten Rohstoffe in die Produktion von Autobatterien gelangen, die bislang auf Kobalt angewiesen ist. Und ohne die kongolesischen Minen, die rund 60 Prozent der weltweiten Kobaltförderung stemmen, wären die Hersteller erst recht aufgeschmissen.

Die Forschung arbeitet, nach eigenen Angaben bereits an Lösungen, die den Einsatz, zum Beispiel von Kobalt drastisch senken soll, aber das wird  noch dauern, bis es marktreife Lösung gibt. Wir wollen KINDERARBEIT nicht Kleinreden. Es ist ein weltweites Problem und nicht nur beim Abbau von Rohstoffen wie Kobalt. Aber Diskussionen über mögliche Lösungen und deren Wege werden der Realität vor Ort nicht gerecht und spiegeln nicht die ganze Wahrheit wieder.

Automobilhersteller in Erklärungsnot

Denn die Aussage, dass durch die Nachfrage nach E-Autos der „Anstieg der Kinderarbeit vorprogrammiert“ sei, das ist, wenn überhaupt, nur die halbe Wahrheit. Richtig ist: Minderjährige sind vor allem rund um den Kleinbergbau tätig, jene teilweise illegalen, unsicheren, unregulierten und ohne großes Gerät betriebenen Minen. „Darunter sind auch siebenjährige Kinder, die in weggeworfenen Abfallprodukten der industriellen Minen nach Kobalt suchen und die Erze sortieren und waschen, bevor sie verkauft werden“. Das schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem Report, der Ende 2016 für internationale Schlagzeilen sorgte und Automobilhersteller in Erklärungsnot brachte.

Gesagt wird zum Beispiel nicht: Jener Kleinbergbau beschäftigt Amnesty zufolge zwar zwischen 110.000 und 150.000 Menschen, hat jedoch nur einen Anteil von weniger als 20 Prozent an der Gesamtproduktion. Tendenz sinkend: So lag der Anteil im Jahr 2002 noch bei 90 Prozent.

Es sind vor allem international tätige Konzerne, wie „Glencore“ aus der Schweiz und „Huayou Cobalt“ aus China, die Lizenzen erwerben, um riesige Tagebaue auszuheben. Ein lukratives Geschäft angesichts des Kobaltpreises, der sich allein in den vergangenen beiden Jahren vervierfacht hatte. Bei so vielen Menschen, die nun ihr Glück in der boomenden Regionen versuchen, sind die industriellen Minen auf Kinderarbeit nicht angewiesen.

Kinderarbeit ist nur ein Teil des Problems

Foto: picture-alliance

Trotzdem waren es die Bilder einzelner Kinder rund um den Kleinbergbau, mit denen die Washington Post, CBS und CNN für Empörung sorgten. „Offenbar ist dies das Thema, das reizt“, sagt Esther de Haan: „Das will man nicht in der Produktionskette haben.“ Für das niederländische Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) hat sie in einem Report untersucht, welche Auswirkungen die Minen auf angrenzende Gemeinden haben.

„Es sollte sich nicht nur auf Kinderarbeit fokussiert werden, weil sich die Lage nur verbessert, wenn das ganze Paket angegangen wird“, merkt sie an. „Solange Minenarbeiter nicht genug fürs Leben verdienen, werden immer auch Kinder tätig sein.“

Wenn nur einseitig die Kinderarbeit thematisiert wird, könnten sich internationale Konzerne zu leicht aus der Affäre ziehen. Dabei hat SOMO die Probleme dokumentiert, für die sie auch verantwortlich sind: Umsiedlungen, Umweltverschmutzung und teils tödliche Gewalt von Sicherheitskräften gegen jene, die unerlaubt ihr Areal betreten.

Trotz der erschütternden Berichte, die sie für den Report auswerten musste, ist de Haan sich sicher: Beim Autokauf sind E-Fahrzeuge nach wie vor die richtige Wahl. „Elektronische Autos lösen eine Menge anderer Probleme“, sagt sie und folgert: „Grundsätzlich ist es der beste Weg, die Arbeitsbedingungen vor Ort zu verbessern.“

3 Gedanken zu „Elektroautos, Kobalt und Kinderarbeit. Die Fakten

  1. Sehr guter Bericht. Es gäbe noch einiges anzumerken, denn auch ohne eAuto gab es diese Kinderarbeit in den Kobaltregionen. Was den meisten gar nicht bewusst ist, wie alle verwenden Kobalt an recht unbekannten Stellen. alle gehärteten Stähle zB. im normalen Automotor.
    Das habe ich in einem Blogartikel beschrieben und eben auch, was hinter diesen Kampagnen steckt.
    Mit sonnigen Grüßen
    Klaus Müller – Energiewende-Rocken

    https://energiewende-rocken.org/leise-pr-leise-luegen-001/

  2. Und noch ne kleine Anmerkung,Kobalt wird tonnenweise zur Entschwefelung von Erdgas,Diesel,Benzin,und Super verbraucht! Nur mit dem Unterschied da landets hinterher in anderer Leuts Lungen oder auf dem Teller! Im Akku wird das Zeug gebunden und kann nach 30-40 Jahren gebrauch dann wieder recykelt werden! Ergo ein rießen Schuss ins Knie ,wenn bestimmte Leute der Pro Verbrenner Fraktion meint Stimmung gegen E-Autos zu machen, die lieben Kinderlein wurden vorher schon für Euren Sprit geopfert!

  3. Gratulation zu diesem sehr gelungenen Artikel !
    Eine Bitte an den/die Blogger muss ich aber deponieren. Bitte lasst vor der Veröffentlichung eines Artikels diesen durch irgendeine Rechtschreibprüfung laufen. Ein bis zwei Flüchtigkeitsfehler bei dieser Artikelgröße wird wohl hinnehmen, aber die vorliegende Menge stört den Lesefluss doch gewaltig. Dass / das – Verwendung und Gross-/Kleinschreibung kann heute jede Rechtschreibprüfung in Sekundenschnelle korrigieren – diese Zeit muss sein.
    lg und lasst Euch in Eurem Eifer nicht bremsen (alte Rechtschreibung 😉 )

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