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Warum sich die Autobranche auf magere Jahre einstellen muss

Neue Höhen bei Absatz und Gewinn, dazu satte Renditen: Deutsche Autohersteller und viele ihrer internationalen Konkurrenten eilten in den vergangenen Jahren von Rekord zu Rekord.

Doch diese goldenen Zeiten neigen sich dem Ende zu, wie eine weltweite Studie der Unternehmensberatung AlixPartners zeigt, die manager-magazin.de vorliegt. Autobauer brauchen laut Studie nun „langen Atem“  

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Zwar haben die 13 weltweit größten Autohersteller auch noch 2017 neue Umsatzrekorde vorgelegt, zeigt der „Global Automotive Outlook 2018“ der Unternehmensberatung. Doch erstmals seit 2013 sank die Profitabilität leicht. Die durchschnittliche EBIT-Marge der 13 größten Autohersteller lag 2017 bei 6 Prozent, 2016 waren es noch 6,3 Prozent.

In den kommenden Jahren dürften die Margen der Autohersteller weiter unter Druck geraten, prognostizieren die Unternehmensberater. Für die Studie hat AlixPartners die Bilanzen von mehr als 300 Automobilherstellern und -zulieferern ausgewertet sowie eine Vielzahl von Experteninterviews sowie Verbraucherumfragen durchgeführt.

Die Ergebnisse künden von härteren Zeiten für die erfolgsverwöhnte Autobranche. Zum einen verlangsamt sich das Wachstum des globalen Automarktes, heißt es in der Studie. Bis 2025 legt der weltweite Auto-Absatz jährlich im Schnitt nur mehr um 2,3 Prozent zu, von 2010 bis 2017 waren es noch im Schnitt 3,8 Prozent jährlich.

Zum anderen müssen die Autohersteller in den kommenden Jahren hohe Investitionen stemmen. 2017 haben die 13 weltweit größten Autohersteller 200 Milliarden Euro investiert, 2016 waren es noch 180 Milliarden. Und in den kommenden Jahren dürfte das Investitionsvolumen noch steigen – weil die Autohersteller viel Geld für die Elektrifizierung ihrer Flotten in die Hand nehmen müssen.

Elektroautos werden sich für Hersteller anfangs kaum rechnen

„Die Investitionen nehmen massiv zu“, sagt Elmar Kades, Managing Director von AlixPartners und einer der Studienautoren. Bis 2022 wollen die 13 weltweit größten Autohersteller über 200 neue Modelle mit Elektroantrieb auf den Markt bringen. Im Jahr 2025 sollen bei Autoriesen wie Volkswagen bereits ein Viertel des Gesamtabsatzes Elektro-Modelle sein.

Die dafür notwendige rasante Elektrifizierung der Fahrzeugflotten mittels Hybridantrieben und die komplette Neuentwicklung rein batteriegetriebene Autos verschlingt viel Geld – das sich zumindest zum Anfang kaum rechnen wird. „Die Stückzahlen solcher Autos sind erstmal relativ gering“, so Kades. Mehr als ein paar zehntausend Stück pro Jahr sind da je E-Modell kaum drin. Neuauflagen herkömmlicher Mittelklasse-Wagen kommen schon zu Anfang auf sechsstellige Absatzzahlen pro Jahr.

Zusätzlich müssen die Autohersteller mit steigenden Preisen für Nickel und Kobalt zurechtkommen, die für leistungsstarke Elektroauto-Batterien benötigt werden. Zwar arbeiten Batterieexperten daran, den Anteil der beiden Rohstoffe in Lithium-Ionen-Batterien zu reduzieren. Doch laut den aktuellen Prognosen werden die Autohersteller bis 2022 mehr Kobalt benötigen, als aktuell abgebaut wird.

Das lässt die Preise steigen – und bringt eine Annahme der Autobranche ins Wanken. Denn deren Einkaufsabteilungen hatten bislang kalkuliert, dass der Preis pro Kilowattstunde Batterieleistung bald auf 100 Dollar sinken wird. „Der Preisverfall wird nicht so zügig gehen wie erwartet“, warnt Kades angesichts der steigenden Kobalt- und Nickelpreise. Und das bedeutet wiederum, dass sich Elektroautos für die Hersteller langsamer rechnen werden als erhofft.

Für die vielen neuen E-Modelle, deren eher niedrige Absatzzahlen und Unsicherheiten punkto Standards benötigen die Autohersteller „viel Geld und einen langen Atem“, meint Kades. Nur sehr große Hersteller können diese Investitionen bewältigen, meint der Autoexperte. Kleinere Hersteller müssen künftig mit den großen Playern kooperieren – oder sich zusammenschließen.

Auch die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge, an denen alle großen Autohersteller arbeiten, wird erstmal kein großer Umsatzbringer, meint AlixPartners-Managing Director Jens Haas, ein weiterer Autor der Studie. „Da müssen die Hersteller sehr viel investieren, um mit Millionen von gefahrenen Kilometern die Fehlerquoten der Selbstfahrtechnik zu senken. Doch anfangs werden die Hersteller kaum Fahrzeuge dafür verkaufen können“, meint Kades. So wollen US-Konsumenten im Schnitt nur 2300 Dollar zusätzlich für ein Auto mit umfangreichen Selbstfahr-Systemen ausgeben, zeigt eine repräsentative Studie. Die aktuellen Kosten für solche Systeme liegen aber rund zehnmal höher.

Wachstum in China verlangsamt sich

Neben den hohen Investitionen wird der Branche auch die sinkenden Wachstumsraten in wichtigen Märkten zu schaffen machen, prognostiziert die Studie. Der gesamteuropäische Markt wird bis 2025 im Schnitt jährlich um 1 Prozent wachsen – allerdings nur aufgrund des starken Wachstums in Osteuropa und da vor allem in Russland.

In Deutschland hingegen schrumpft der Autoabsatz laut der Studie bis 2025 jährlich um ein Prozent. Und auch die weltweite Wachstumslokomotive China fährt künftig langsamer. In den vergangenen sieben Jahren legte der chinesische Automarkt im Schnitt jährlich um 7,8 Prozent zu, in den kommenden sieben Jahren werden es im Schnitt „nur“ mehr 3,8 Prozent jährlich sein. Für Nordamerika sieht die Studie bis 2020 einen zyklischen Rückgang der Verkaufszahlen; dann erholt sich der Markt und nähert sich bis 2024 wieder dem aktuellen Niveau an.

Und noch einen weiteren potenziellen Profitabilitäts-Dämpfer lässt die Studie erwarten: Die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zölle auf die Einfuhren von Pkw in den USA und im Gegenzug auch solche für die Einfuhr von US-Modellen nach Europa oder China. Für die Studie habe man die möglichen Wirkungen von höheren Einfuhrzöllen auf die Umsätze und Gewinne der Autohersteller nicht in Zahlen umgerechnet, so Jens Haas – aus einem einfachen Grund. „Wir wissen noch nicht genauer, was da kommt“, erklärt Haas. „Aber sollte es zu zusätzlichen Zöllen kommen, würde sich das auf jeden Fall negativ auswirken“.

FOTO: manager-magazin

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