Volkswagen: Vorserienmodelle und weitere Rückrufe im Abgasskandal

von | 09.12.2018 | AUDI, Autobauer, Dieselgate, Mobilität, News, Volkswagen | 0 Kommentare

Volkswagen kommt nicht zu Ruhe. Schuld sind sie aber selber: Das Verkehrsministerium prüft nach Informationen von emobicon und dem SPIEGEL Strafen wegen diverser Verstöße gegen die Zulassungsbestimmungen.

von Harald M. Depta | emobicon - Bilder: Spiegel Archiv | dpa

Ausserdem muss VW Tochter Audi erneut über 64000 Diesel Fahrzeuge zurückrufen. Betroffen sind erneut Motoren mit der Abgasnorm Euro 6, die als sauber galten und noch 2018 gebaut wurden.

Was ist da bloß los? Über drei Jahre, nach dem heraus kam, das Volkswagen über Jahre bei seinen Dieselfahrzeugen betrogen hat kommt die VW Gruppe nicht zur Ruhe. Schuld sind sie aber selber und ob es nun endlich Konsequenzen hat, die viele erwarten, wird man sehen. Denn wie man weiss, werden sie politisch geschützt. Es versteht nur kaum noch einer, wenn man die Verfehlungen der letzten Jahre sieht. Auch deshalb, weil Modelle von Volkswagen ein Grund sind, warum es in Kürze, ganz offensichtlich zu Fahrverboten kommt.

Skandal auf Skandal

Die Welt dreht sich und Trump droht. Keine guten Vorzeichen, auch für die deutsche Automobilindustrie, die gerade noch versucht hat, im Gesprächen im Weissen Haus und mit US Präsident Trump den drohenden Handelskonflikt mit China und den USA zu lösen. Der Industrie droht Ungemach und so war auch VW Chef Diess dort, um in Gesprächen seine Position zu vertreten. Zur gleichen Zeit hatte Volkswagen verkündet, das man aus dem Verbrennungsmotor aussteigen wolle. Ab 2026 kommen die letzten kraftstoffbetriebenen Modelle auf den Markt. Zudem teilte Volkswagen mit mehr als 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren zu wollen.

So sehr VW Chef Diess sich bemüht, das schlechte Image seines Konzern loszuwerden. Es holt VW immer wieder ein, Die Dieselaffäre endet nicht. Doch da ist eine neue hässliche Affäre, die der Konzernchef eigentlich still und heimlich lösen wollte. Daraus wird nun nichts. Denn seit der SPIEGEL veröffentlicht hat, wie sein Unternehmen illegale Geschäfte mit dem Verkauf von Vorserienwagen an ahnungslose Kunden gemacht hat, steht Diess wieder negativ im Scheinwerferlicht.

Herbert Diess (Archiv)

VW Chef Diess | Bild: Spiegel Archiv

"Vorserienmodelle zu vermarkten ist nicht illegal"

Volkswagen behauptet aber, das Vorserienautos zu verkaufen nicht illegal sein. 

Man habe dennoch mit Hochdruck aufgeklärt, sagt er. Der Rückruf der betroffenen Fahrzeuge sei nun eine „vorsorgliche, proaktive Vorgehensweise“, um mögliche Risiken auszuschließen.

Fast 17.000 solcher Versuchsmodelle, die „Problematiken unterliegen“ hat VW von 2006 bis 2015, „ohne Prüfung und Korrektur vermarktet“, wie es in einem Bericht der VW-Revision heißt. Deren Prüfer hatten im Juli 2016 Alarm geschlagen und in einer als „vertraulich“ eingestuften Mitteilung „dringenden bereichsübergreifenden Handlungsbedarf“ festgestellt.

Und wieder fühlen sich ganz offensichtlich tausende Fahrer von Modelle des VW Konzern betrogen. Richtig kriminell scheint dabei die Tatsache, das diese Vorserienmodelle teils jahrelang ohne gültige Betriebserlaubnis durch die Gegend fuhren. Auch in der Bundesregierung ist man einmal mehr sauer auf den Konzern. Denn schliesslich versucht man die Interesse des Konzern zu schützen, aber immer neue Affären bringen diesmal die Politik in eine eigene Bedrängnis. Genau deswegen.

Empfindliche Bußgelder drohen

Es drohen Strafen, die diesmal sehr empfindlich ausfallen könnten. Denn auf Anfrage von emobicon hat das Bundesverkehrsministerium Volkswagen dazu verpflichtet, sein internes Qualitätsmanagement zu prüfen. Der verpflichtende Rückruf von tausenden Vorserienfahrzeugen wird damit aber für VW in der Konsequenz kein Ende haben. Könnte es sein, dass das Vertrauen in die Führungsetage in Berlin also aufgebraucht ist ?

Weiter heisst es aus dem Ministerium das ein empfindliches Bußgeld droht, da man gegen Zulassungsregeln verstossen habe. „Im Moment wird dies geprüft, da es um verschiedene Verstöße aus dem Bereich der Typgenehmigungsvorschriften gehen könnte“, teilt das Ministerium auf Anfrage mit.

Der Bußgeldkatalog sieht bis zu 5000 Euro für das Vergehen vor – pro Auto. In der Summe könnte das Ministerium eine Rechnung von 20 Millionen Euro nach Wolfsburg schicken.

Das wäre aber kein Vergleich zu der Geldbuße, die der Hersteller, wegen Manipulation an Dieselfahrzeugen nach einem Urteil der Justiz zahlen musste.  Eine Milliarde Euro musste Volkswagen an die Justizbehörden des Landes Niedersachsen überweisen, die Premium-Tochter Audi weitere 800 Millionen Euro.

Die Glaubwürdigkeit wird auch diesmal gelitten haben

Die Konzernkultur bei Volkswagen ist längst noch nicht so verändert, wie man es nach aussen glauben machen will. So wollte man Regelverstösse schnell und auch konsequent aufklären. Was auch angekündigt war, das man auch nach Aussen kommunizieren will. Da scheinbar wieder der Beweis erbracht wurde, das es nicht erfolgt ist, dürfte das auch für den amtierenden VW Chef Diess eher schädlich sein. Zudem leidet die Glaubwürdigkeit des Konzerns erneut. 

Zwar reichen die Vorgänge weit in die Zeit vor Diess zurück, doch als Markenchef von VW war er seit 2016 verantwortlich dafür, die Affäre aufzuklären. Aber erst im Mai dieses Jahres entschloss sich der Konzern dazu, die unzulässig verkauften Autos zurückzuholen. Danach dauerte es noch bis September, bis VW die Behörden informierte, und erst jetzt, Anfang Dezember, schrieb man die Autobesitzer an.

Aber warum wollte man den Kunden den wahren Grund verschweigen ? Volkswagen hat die Problematik zwar erkannt, allerdings nicht schnell genug behoben und erneut nicht entsprechend informiert. Der Eindruck bleibt: Es wird weiter getrickst und nur in der Aussendarstellung von Aufklärung und Transparenz gesprochen. Klar dürfte auch sein, das diese Erkenntnis den US Aufseher, der seit der Dieselaffäre auf die Geschäfte achten soll, nicht erfreuen wird. 

Das wird wahrscheinlich auch Bundesverkehrsminister Scheuer so sehen. Man kann davon ausgehen, das er diesmal und in dieser Sache keine Milde zeigen wird. Das darf er auch nach all den Vorkommnissen nicht mehr. Schließlich will er sich nicht – wie sein Vorgänger und Parteifreund Alexander Dobrindt in der Dieselaffäre – nachsagen lassen, mit den großen Autokonzernen kuscheln zu wollen – zu Lasten der Kunden. Denn das wäre erneut die grösste Enttäuschung, wenn die neuen  Verfehlungen der Autoindustrie ungeahndet blieben.

Tesla trifft nun auch deutsche Hersteller

Deutsche Hersteller tun sich nach wie vor schwer in der Elektromobilität aus den Ankündigungen Taten folgen zu lassen. Wie jetzt bekannt ist, wird Rivale TESLA sein Model 3 ab Februar 2019 nach Europa bringen. In den letzten Monaten hatten die deutschen Hersteller in Amerika, auch Volkswagen, zum Teil empfindliche Rückgänge in den Zulassungen hinnehmen müssen. 

Während dessen feiert Tesla seine Zuwächse in den Zulassungen. Auch andere, überwiegend asiatische Hersteller, punkten mit neuen Modellen. So wird der Hyundai Kona bereits ausgeliefert, während der KIA e-Niro und der e-Soul kurz vor dem Marktstart sind. Der Renault ZOE aus Frankreich ist aber auch hierzulande sehr beliebt und im Vergleich zu den angekündigten deutschen Modellen recht günstig zu haben.

Wieder Diesel, wieder AUDI - Modelle von 2018

Während dessen ist erneut ein verpflichtender Rückruf bei der VW Tochter AUDI bekannt geworden. 

Weitere 64.000 Fahrzeuge werden zurückgerufen. Bei den betroffenen Autos mit V-TDI-Motoren sollen Teile einer Software aus der Motorensteuerung entfernt werden. Betroffen sind erneut Motoren mit der Abgasnorm Euro 6, die als sauber galten und noch 2018 gebaut wurden.

Damit seien dann Änderungen an rund zwei Drittel der insgesamt 151.000 von Dieselmanipulationen betroffenen Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6 erfolgt.

Audi A6 Avant

Audi A6 Avant – ein betroffenes Modell
mit V-TDI Motor | Bild: AUDI AG

Quelle: emobicon und Spiegel Online
Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

Autor: Harald

Kategorien