Volkswagen: Eigenzulassungen als Boom für die Elektromobilität?

von | 13.02.2021 | Allgemein, VOLKSWAGEN | 0 Kommentare

Volkswagen: Eigenzulassungen als Boom für die Elektromobilität?

Bild: emobicon®

Schöne neue Welt der Elektromobilität. Die Marketingabteilungen der Hersteller geben sich alle Mühe viel Gutes zu verbreiten. Dabei ist die Außen-Darstellung das eine – die Realität oder die Fakten eine andere. Kenner wissen das und so verwundert es nicht wirklich, dass Volkswagen den Absatz seiner Elektroautos mit Zehntausenden Eigenzulassungen angekurbelt hat. Das geht aus Berechnungen der Umweltorganisation Greenpeace hervor. Demnach hat Volkswagen 20,5 Prozent aller reinen E-Fahrzeuge und 21,7 Prozent aller Plug-in-Hybride in Europa auf sich oder die Händler zugelassen. Immerhin sind das 65.000 Fahrzeuge.

Flottenziel erreicht?

Ja, gerade Händler brauchen Vorführfahrzeuge. Der ID.3, e-up, ID.4, einige Plug-in Modelle wie GTE, die für Probefahrten der potentiellen Kunden zur Verfügung stehen. Greenpeace, so der SPIEGEL, stört sich indem am CO2-Flottenausstoß. Denn ohne diese große Anzahl der Vorführmodelle und eigenen Fahrzeugen, zum Beispiel als Dienstwagen, wären die Zahlen nach reinem Verkauf deutlich anders als bislang bekannt. Im Jahr 2020 hat VW das von der EU vorgegebene durchschnittliche Flottenziel nur um ein halbes Gramm pro Kilometer verfehlt. Theoretisch. Die dafür anfallende Strafe hat der Konzern nach Greenpeace-Berechnungen mithilfe der Eigenzulassungen sogar um 140 Millionen Euro gedrosselt.

Auch bei der Tochter AUDI heißt es, dass man auf Basis vorläufiger Werte seine CO2-Flottenziele für Europa im Jahr 2020 übererfüllt habe. Mit rechnerisch 101,5 g/km unterschritt das Unternehmen den gesetzlich vorgegebenen Zielwert von 105,6 g/km deutlich. Das Ergebnis soll damit einer Verbesserung von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt entsprechen. Aber ist dem so? Auf dem Papier vielleicht, in der Realität sicher nicht.

Ist der CO2 Wert realistisch?

Ist das nun eine Trickserei, so wie Greenpeace es einschätzt? Fest steht: Plug-in Modelle sind Mogelpackungen, wenn es um den tatsächlichen CO2-Ausstoß geht. Der Verbrauch ist in der Realität deutlich über den Angaben der Hersteller. Außerdem wurden schwere (Verbrenner-) SUV in der CO2 Statistik noch nicht berücksichtigt. So lässt sich vermuten, dass bei den statistischen Zahlen eine große Differenz zwischen Theorie und Praxis herrscht. Greenpeace sieht die Eigenzulassungen als Trick und fordert den VW-Konzern auf zügig aus dem klimaschädlichen Geschäft mit Dieseln und Benzinern auszusteigen. Lange Lieferzeiten zeugen nicht automatisch von hohem Interesse, denn Hersteller haben immer noch Beschaffungsprobleme bei den Akkus. Außerdem, wird gerade soviel produziert, um die CO2- Vorgaben zu erfüllen. Das sagen auch viele Beobachter der Branche.

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VW rechtfertigt sich

In einem Statement von Volkswagen heißt es, dass ab 2020 einige neue E-Modelle angelaufen sind und man deshalb den Händlern gezielt Vorführwagen zur Verfügung gestellt habe. Volkswagen stellt außerdem im Rahmen seiner eigenen Mobilität die Dienstwagenflotte systematisch auf Elektrofahrzeuge um. Zwar will der VW-Konzern sich nicht zu konkreten Zahlen äußern, betont jedoch, der hohe Absatz von Elektroautos sei »kein Strohfeuer«

Plug-in Hybrid als Mogelpackung

Ein Problem bleibt: Die Glaubwürdigkeit, wenn es um die „elektrifizierten Modelle“ – also Plug-in Modelle geht. So rechnet sich das Zahlenwerk schön, aber hatten wir das nicht schon mal? Zuletzt hatte Volkswagen gemeldet: Der CO2-Durchschnittswert der Pkw-Neuwagenflotte läge in Europa rund sechs Millionen Gramm unter gesetzlichen Zielen – ein Minus von 22 Prozent gegenüber 2019. Das darf man hinterfragen. Denn die umstrittenen Plug in Hybrid Modelle sind nur in der Theorie und auf dem Papier sauber – kaum in der Realität. Man baut ein Verbrenner und gibt ihm noch einen Elektroantrieb, nebst Akku. Schon hat man ein „elektrifiziertes Modell“. Für die Statistik und Außen- Darstellung ein wertvolles Modell. Damit hat man aber ein Problem: Das Aufladen. Es findet zu selten statt, es wird oft sogar ignoriert. Man nutzt die Vorteile der E-Mobilität, nebst Förderungen und gibt sich den grünen Anstrich.

Die Realität kommt erst noch

Die Momentaufnahme aus Vorgabe und Statistik spiegelt nicht die Realität wider. Denn jeder Autohersteller hat dabei je nach Marktposition und Gewicht der produzierten Autos eigene individuelle Ziele zu erfüllen. Klar ist zudem: Je schwerer die Modelle, desto höher der Verbrauch. Außerdem gab es „Supercredits“ etwa für die Anrechnung von E-Modellen, womit der relative Beitrag von Verbrennern gedrückt werden kann. Weichen die realen Emissionswerte allerdings davon ab, drohen hohe Strafen: Pro verkauftem Fahrzeug und durchschnittlichem Gramm CO2 zu viel sind 95 Euro fällig – was sich im Fall großer Absatzzahlen bis zu Milliardenzahlungen addieren kann.

Haben wir schon den nächsten Skandal?

Der Eindruck bei vielen ist: PKW werden immer effizienter, damit CO2 – ärmer. Und die Elektrifizierung wird es richten. Zumindest erwartet das die Öffentlichkeit und die theoretischen Angaben der Hersteller erfüllen somit den Anspruch.

Es erinnert doch sehr an die Geschichte mit den Stickoxid-Emissionen von Diesel-Pkw. Diese waren damals stufenweise immer stärker eingeschränkt worden. Zähe Verhandlungen mit dem Ergebnis, dass man glauben machen wollte, dass die neuen Standards verschärft worden sind. Doch die Stickoxidemissionen von Dieselfahrzeugen spiegeln diese Reduktion in der Wirklichkeit nicht wider. Höhepunkt war dann noch zusätzlich der kriminelle Akt, den wir alle kennen. Der eigentliche Skandal ist aber geblieben. Denn die Abweichungen zwischen den Labortests und den Realemissionen ist sogar völlig legal. Das war nicht zuletzt auch die Folge eines komplizierten und undurchschaubaren Testverfahrens mit einer Menge an Flexibilität und Schlupflöchern. Völlig unrealistisch – dennoch zum Gefallen der Hersteller. Der Gesetzgeber ist blind und vielleicht will er das auch. Für die Bilanzen dieser Firmen mag es gut gewesen sein, jedenfalls kurzfristig, aber auch sie bezahlen mit einem Verlust an öffentlichem Vertrauen.

Der nächste Trick liegt längst in den Schubladen. Wasserstoffmobilität und E-Fuels. Schöngeredet, obwohl ineffizient für den Individualverkehr. Die Fakten wollen die meisten nicht hören.

Fazit

Klar ist: Elektromobilität kommt den Herstellern auch aus einem anderen Grund sehr entgegen. Man kann mehr emittieren, denn ein lascher Ausgleich durch Elektrofahrzeuge macht das offensichtlich möglich. Der europäische Green Deal hat die notwendige Anpassung der Verordnung auf Mitte 2021 vorverlegt. Das kommt gerade so rechtzeitig. Die Einführung einer zusätzlichen Ebene an Standards nur für Verbrenner bzw. nur für Nullemissionsfahrzeuge könnte die Chance bieten, jede Fahrzeugkategorie in sich selbst effizienter zu machen. Das könnte schlussendlich helfen eine Welle an hochemittierenden Fahrzeugen abzuwenden. Das Absurde wäre doch: Verbrenner (und Plug-in Modelle) können weiter unnötige Emissionen produzieren, während Nullemissionsfahrzeuge erstmals auch Effizienzanforderungen unterworfen wären.

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Autor: Harald M.

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