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Stellt die Weichen auf Elektromobilität !

Der von uns hoch geschätzte Volker Quaschning ist Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin. 

Seit einigen Jahren ist er dort Sprecher für den Studiengang Regenerative Energien.

An der Hochschule Berlins hält er Vorlesungen zu verschiedenen Themenkomplexen der erneuerbaren Energien, betreut jede Menge Projekte und Abschlussarbeiten und bereitet hochmotivierte Studierenden auf eine künftige regenerative Energiewirtschaft vor. Auch das Thema Elektromobilität beschäftigt den Professor. Mit ganz normalen Argumenten, wissenschaftlich fundiert.

 

Der Artikel: erschienen in der Zeitschrift agrarheute ENERGIE 

 

Volker Quaschning
Professor Volker Quaschning (rechts) mit einigen Studenten (Foto: V. Quaschning)

Im For­schungs­bereich beschäftige ich mich zusammen mit einem phantas­tischen Team unter anderem mit Szenarien einer klima­verträg­lichen Energie­versorgung und mit dezen­tralen Solar­strom­speichern.

Kaum ein Thema im Energiebereich polarisiert derzeit so stark wie die Elektromobilität. Mein Youtube-Video zur Ökologie von Elektroautos hat inzwischen mehrere hundert Kommentare bekommen.

Während die einen die Elektromobilität feiern, halten andere eisern am Verbrenner fest.

Fakt ist: Die Elektromobilität wird kommen. In China gilt ab dem Jahr 2019 eine Elektroautoquote von 10 Prozent. Rund 2,5 Millionen Elektroautos werden dann in Reich der Mitte jährlich neu auf die Straße kommen – kein Problem für chinesische Hersteller.

Für die auf den Export angewiesenen deutschen Automobilkonzerne ist das aber existenzbedrohend. Nur gut 50.000 Elektroautos rollen derzeit auf deutschen Straßen. Politik und Autolobby haben bislang die Elektromobilität bei uns erfolgreich verhindert.

Seit kurzem sammele auch ich mit unserem asiatischen Hybridauto Erfahrungen. Das Fahrerlebnis ist wirklich genial. Wer Umwelt und Klima einen Dienst erweisen will, muss allerdings erst einmal sehr tief in die Tasche greifen. Wenn man eine der wenigen Ladesäulen ansteuert, wird diese oft durch einen Verbrenner zugeparkt.

Und wenn nicht, lässt sich der Ladevorgang nicht starten, wenn man nicht vorher die richtige Ladekarte bestellt hat. Der Strom kostet dann auch gerne mal bis zu einem Euro pro Kilowattstunde und zum Laden braucht man ein 250 Euro teures Kabel. Bis heute habe ich nicht verstanden, wie ein Kabel 25 Euro pro Meter kosten kann.

Bei einer Spritztour in eine nahegelegene Therme findet man dann mit etwas Glück auch wirklich eine freie Ladesäule. Voraussetzung ist natürlich, dass man bereit ist, die zwei Kilometer vom nahgelegen Industriegebiet zur Therme zu laufen.

Der grüne Ministerpräsident Kretschmann bezweifelte, dass die Elektromobilität bis 2030 flächendeckend durchzusetzen sei, weil man die Autos ja nicht laden kann. Das ist heute sicher richtig. Aber hilflos zu jammern nützt da wenig. Die Politik muss einfach nur für die richtige Infrastruktur sorgen anstatt Geld für wenig attraktive Kaufprämien rauszuschmeißen. Sie sollte jedem Laden, Hotel, Restaurant oder Sporteinrichtung Ladesäulen schenken, wenn diese in den nächsten Jahren im Gegenzug für Gratis-Ladestrom sogen. So erreichen wir eine kostengünstige Ladeinfrastruktur, von der alle etwas haben.

Aber vielleicht will die deutsche Politik mit ihrer Untätigkeit einfach nur die Konkurrenz aus China fernhalten. Ob das klappt, wenn deutsche Gerichte demnächst flächendeckend Diesel-Fahrverbote in Innstädten verhängen, würde ich aber stark bezweifeln.

 

2 Gedanken zu „Stellt die Weichen auf Elektromobilität !

  1. Solange die Reichweite von Elektromobilen nicht vergleichbar sind mit der von Verbrennern, und die Lande-Infrastruktur jnicht dem Tankstellen-Netz entspricht, hat die Elektromobilität keine Chance. Die viel zu hohen Anschaffungspreise und der fehlende Gebrauchtwagenmarkt tun ein übriges.
    Warum ist China Weltmarktführer? Ein Nummernschild für ein Auto kostet in manchen Städten in China mehr als das ganze Auto. Nummernschilder für Elektromobile werden in diesen Städten kostenlos abgegeben – die allgegenwärtige Luftverschmutzung zwingt dazu. Als erste Strecke wurden in China die 500 km Autobahn von Peking nach Shanghai mit Ladestationen ausgestattet, noch vor den Großstädten. Die meistbefahrene Strecke in Deutschland führt von München zum FJS-Flughafen (35 km) und wurde von BMW mit Ladestationen ausgestattet.

    1. Die Denkweise ist FALSCH @ Heinz
      eMobilität hat alle Chancen. Nicht jedes Fahrzeug muss zig Reichweite haben und muss nicht für alles sein.
      Mobilität verändert sich und nur wenige und das sind weit unter 1 % müssen täglich hunderte Kilometer unterwegs sein (LKWs z.B. ne Ausnahme)
      Auch unsere Umweltverschmutzung, dank Betrug durch die Autobauer und des Handlangers Bundesregierung ist enorm und auch das ist durch eMobilität in verbesserter Form möglich. Unsere Rahmenbedingungen sind noch nicht optimal, noch nicht in allen Fahrzeugklassen gibt es Fahrzeuge. Kommt aber.
      Unsere Ladeinfrastruktur ist schon weit – sicher noch nicht ausreichend, wenn man aber weiss das gut 80 % der Fahrten im urbanen Umfeld statt finden, ist eMobilität da schon längst möglich. Das ist gut so.

      Schwarz zu malen, statt weiter zu denken hilft weder der eigenen Mobilität und auch nicht der Umwelt. Aber jeder kann und sollte sich mit seiner Mobilität auseinander setzen !

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