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Energiewende: Wir brauchen mehr Elektroautos in der Zukunft

Ohne Elektroautos keine Energiewende und ohne Energiewende funktioniert die Mobilität von morgen nicht. Einer der Mythen lautet: Das Stromnetz verkraftet viele Elektroautos nicht. Die Energiebranche ist zuversichtlich.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Die Politik scheint nicht viel zu verstehen – zumindest kann man daraus schliessen, wenn man die oft falschen Annahmen und Handlungen der Entscheider sieht. Das die Energiewende nicht nur wichtig ist, sondern kein Weg an ihr vorbei führt, dürfte auch in Berlin angekommen sein. Aber jetzt kommt es auf die Umsetzung, den Rahmenbedingungen an und wie man das Mamutprojekt steuert. Einigkeit scheint es nur in einem Punkt zu geben: Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge bringt viel für den Klimaschutz – und das zu wesentlich geringeren Kosten als beispielsweise der Kohleausstieg.

Es ist alles gar nicht so schlimm

Wenn man sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigt stellt man schnell fest, dass die Energiewende gar nicht so schlimm ist. Auch das Thema Elektroauto mit seinen Mythen löst sich meistens in Luft auf – widerlegt dürfte nun mittlerweile alles sein. Ein Argument gegen Elektrofahrzeuge ist häufig, dass das Stromnetz zusammenbricht, wenn alle Elektroauto fahren. Alle werden nie Elektroauto fahren – schnell schon mal gar nicht. Wie will man denn schnell, oder sofort alle 47 Millionen PKW elektrisch machen ? Sie sind schlicht nicht da. 

Nur mal ein Vergleich: Volkswagen baut weltweit gut 10 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Den erst kann man sich selber denken. Klar ist heute längst: Selbst bei zehn Millionen elektrischen Fahrzeugen würde der Bruttostromverbrauch nur vier bis fünf Prozent höher liegen als zurzeit. Zu berücksichtigen sei dabei auch, dass der Eigenstromverbrauch der Kraftwerke durch die Umstellung von Kohle auf erneuerbare Energien sinke. Zumal dabei auch noch gar nicht berücksichtigt wurde, wie hoch der Energieaufwand und Verbrauch beim raffinieren von ÖL ist, aus dem Kraftstoff wird. Das fällt ja bei jedem Elektrofahrzeug auch weg. 

Nur mal zum Vergleich: Stellen Sie sich vor: Sie stellen Ihre Mobilität um, vom kraftstoffbetriebenen Fahrzeug auf ein Elektrofahrzeug. Was sie nicht mehr tanken, brauchen Sie an Strom. Aber der Stromeinsatz für Ihren Kraftstoff fällt weg, den sie bisher gebraucht haben.  Übrigens der selbe Strommix, den man oft auch Elektrofahrzeugen vorwirft.

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Klar ist aber auch: Der Anteil erneuerbarer Energie steigt. So ist im ersten Quartal 2019 rund 40 Prozent der benötigten Energie aus erneuerbaren Energien gekommen. Für das Laden von Elektroautos wird meistens Ökostrom verwendet. Allein schön deshalb ist die „Unsinn“ Studie völlig falsch – aber das Thema hatten wir ja bereits. Eine Debatte, die man immer heraufbeschwören will nützt nichts, wenn man sich mit den Fakten beschäftigt. Klar ist: Der Bau von Photovoltaik Anlagen boomt, wir erleben deutlich wie die Nachfrage steigt. 

Man beschäftigt sich intensiv mit dem Thema. Rechenbeispiele sind Zahlenspiele, die Theorien aufweisen, die in der Praxis aber nicht stimmen. Das Ausspielen von Antriebsarten bringt uns also nicht weiter. Im Gegenteil. Es verunsichert viele. Auch die Offshore Energie geht mit grossen Schritten voran. Klar ist: Der Anteil steigt ständig und bis zu 65 Prozent Anteil von erneuerbarer Energie im Netz ist nicht nur Ziel sondern erreichbar – das bereits in wenigen Jahren. Im Zusammenhang mit Elektromobilität ist das nicht nur sinnvoll sondern entscheidend. 

Denn ausser das Akku zu füllen und elektrisch mobil zu sein werden Elektrofahrzeuge noch weitere wichtige Aufgaben in der Zukunft haben. Zum Beispiel für die Stabilisierung des Stromnetzes. 

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Man ist bereits besser aufgestellt, als viele denken

Es wird intensiv an Lösungen gearbeitet und meistens ist man der Zeit weit voraus. Oder anders: Viele Hausaufgaben sind gemacht und es geht natürlich weiter. Die Energienetze dürfen sich entwickeln. So ist man in vielen Städten bereits soweit dass man viele Elektroautos ans Stromnetz lassen kann, ohne das die Gefahr eines Blackouts kommen wird. Im Gegenteil. Aktuell ist man zum Beispiel in der Hauptstadt bereits auf rund 250.000 Elektrofahrzeuge vorbereitet, also weit mehr als man in den der nächsten Zeit erwartet. Punktuell sind weitere Massnahmen erforderlich. So geht es um Parkplätze, Tiefgaragen oder eben auch darum, das Unternehmen, die Ihren Fuhrpark elektrifizieren Unterstützung brauchen. Das betrifft auch den Berliner Nahverkehr mit Elektrobussen. Probleme erwartet man demnach nicht. 

Es darf sich entwickeln – das tut es auch. Dieser ewige Drang alles jetzt und schon weit voraus in Perfektion abbilden zu müssen ist eigentlich das Absurde daran. Wissen Sie: Ich lebe im Sauerland. Einer der Regionen mit dem wahrscheinlich löchrigsten Mobilfunknetz. Nutzen tun es trotzdem alle und von Perfektion ist hier keine Rede.

Verschiedene Lösungen wie Lastmanagement möglich

Man kann eine Menge tun, auch in der Annahme mancher Mythen, das es Probleme gibt, wenn alle gleichzeitig laden müssen. Tun Sie das ? Nein. Es laden auch nicht alle gleichzeitig an die Tankstelle, zumal man auch nicht täglich laden muss, so wie man nicht täglich an die Tankstelle fährt. Hier gibt es aber Lösungen in der Frage der Netze. Ganz simpel: Ein Lastmanagement. Denn klar ist auch: Ein Fahrzeug steht mehr, als es fährt. Also hat viel mehr Zeit als wir gefühlt behaupten. Das intelligent gelöst ergibt eine Lösung und kein Problem. 

Bei den neuen Fahrzeugen und dem Drang nach hoher Reichweite ist das auch simpel erklärt, denn die wenigsten brauchen täglich hunderte Kilometer Reichweite, die viele Fahrzeuge heute bereits fahren könnten. Das Thema Reichweite erledigt sich im Alltag recht schnell. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Anfänglich läd man häufig und täglich. Später noch 1 – 2 mal die Woche, weil man merkt, dass es ausreichend ist. Wobei dann ein Lastmanagent oft auch wieder abgeschafft werden könnte. Man lässt es – klar. Es hat ja auch seine Vorzüge. 

Bayern bremst die Energiewende aus

Viel mehr Unverständnis gibt es in einem Punkt, der auch oft vermischt und damit falsch dargestellt wird: Die Ideotie, dass man mit Milliardenaufwand Fakten schafft, in den man Leitung vom Norden in den Süden zieht, um den Strom zu transportieren. Völlig daneben. Denn wenn man weiss, dass gerade Bayern die Energiewende eher verhindert, als unterstützt, dann kommt das „Gaga“ Verhalten der Politik zum Vorschein.  Warum wird der mögliche Bedarf nicht dezentral produziert. Strom aus der Nähe – produziert und direkt verbraucht ? Das wäre möglich, sagen viele Experten. Man hätte keine Proteste von Anwohner auf der Strecke, man würde viel Geld sparen, was wir schlussendlich alle bezahlen müssen und man wäre viel unabhängiger – in jedem Einzelfall freier zu entscheiden was man braucht und wie man die Energiewende vor Ort gestaltet.

Rahmenbedingungen fehlen

Es fehlen auch noch einige Rahmenbedingungen und damit Vereinfachungen. So geht es auch darum, dass wir nun endlich eine Änderung des Miet- und Wohneigentumsrechts brauchen. Hierbei geht es darum, dass ein einzelner Bewohner nicht mehr verhindern kann, dass Nachbarn auf eigene Kosten einen Ladepunkt installieren lassen. Komisch, dass man sich auf politischer Ebene damit so schwer tut. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe kommt seit mehr als einem Jahr zu keinem Ergebnis. Möglich aber auch, dass Stromversorger ihre Kunden intensiver darüber informieren sollten, dass die Netzentgelte reduziert werden, wenn man dem Netzbetreiber erlaubt, den Ladevorgang so zu steuern. Das hilft, damit die Infrastruktur nicht überlastet wird. Schlussendlich ist es ein Kostenvorteil, den man an seine Kunden weitergeben kann. Praktisch auch als Motivation oder als Guddi.

Energiewende und Elektromobilität gehören zusammen

Wir brauchen mehr Elektrofahrzeuge, mehr intelligente Lösungen um die Vorteile der Energiewende mit der Mobilität zu verbinden. Klar ist für mich: In einigen Jahren werden wir darüber schmunzeln, wenn man sich die Fakten anschaut, die heute bereits geschaffen wurden. Es kann funktionieren, davon bin ich überzeugt. Für mich als eingefleischter jahrelanger Elektroautofahrer sind die Entwicklungen sichtbar, erlebbar und bei zahlreichen Veranstaltungen erlebe ich deutlich, dass man sich technisch immer besser vorbereitet, auf das was kommt. Energiewende und Elektromobilität gehören zusammen – ohne dem geht es nicht.

3 Gedanken zu „Energiewende: Wir brauchen mehr Elektroautos in der Zukunft

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