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Elektromobilität: Ist Wasserstoff eine Mogelpackung ?

Ist Wasserstoff der Kraftstoff der Zukunft? Kann er dafür sorgen, dass wir besser mobil bleiben? Vielleicht.

von Stefan | emobicon - MDR Wissen

Aber nur, wenn wir sauberen, grünen Wasserstoff tanken. Denn heute ist er meist grau, und ökologisch ziemlich bedenklich.

Wasserstofftechnologie ist märchenhaft ?

Viel Tam Tam und viele Fördergelder fliessen aktuell in die Errichtung von Wasserstoff Tankstellen. Denn Wasserstofftechnologie klingen märchenhaft. Da wird einfach aus dem Wasser der Wasserstoff genommen. Eine Brennstoffzelle unter der Motorhaube holt aus dem Wasserstoff die Energie wieder heraus und treibt damit einen Elektromotor an. Und all das geschieht absolut leise und ohne die Umwelt zu belasten. Wirklich ?

Rund 350 Autos fahren laut KBA so schon in Deutschland. Doch die brauchen Wasserstofftankstellen und davon gibt es erst 52. an der Zahl So zum Beispiel bei TOTAL. Der Tankstellenriese errichtet, in die Zukunft gerichtet solche Stationen.

„Wir haben in den letzten zehn Jahren sehr viel an der Technik gearbeitet, vor allem in Ballungsgebieten und die Brennstoffzellentechnik, sprich die Technik im Auto,
hat sich auch in den letzten Jahren sehr stark entwickelt.“

Burkhard Reuss | H2 mobility

Dem Zeitalter der Brennstoffzelle im Auto steht also nichts mehr im Weg. Doch was kommt da eigentlich aus der Zapfsäule raus. Denn Wasserstoff ist nicht gleich Wasserstoff. Es gibt ihn in grün (unproblematisch) und grau (ökologisch bedenklich).

Und das ist das Problem. Denn über 80 Prozent des Wasserstoffs, der an den Tankstellen verkauft wird, ist noch grau. Prof. Florian Mertens vom Institut für Physikalische Chemie der TU Bergakademie Freiberg kennt den Unterschied zwischen grünem und grauen Wasserstoff genau.

„Beim grünen Wasserstoff soll er so produziert sein,
dass es gar nicht zu Emissionen von CO2 führt.
Beim grauen Wasserstoff ist das nicht der Fall,
da er aus fossilen Energieträgern gewonnen wird,
im Wesentlichen aus Methan.“

Prof. Florian Mertens, Bergakademie Freiberg

Der Preis macht den Unterscheid

Also meist aus Erdgas. Das besteht zu 90 Prozent aus Methan. Ökologisch gesehen sei das auch schon mal nicht schlecht, so Mertens, denn Methan enthält sehr viel weniger CO2 als Erdöl. Aber es ist eben nicht CO2-neutral. Grüner Wasserstoff hingegen schon. Der wird aus Wasser gewonnen und zwar mit Strom aus Wind, Sonne, Wasserkraft.

Dabei würden die Betreiber gern mehr grünen Wasserstoff anbieten. Aber es gibt nicht genug. Doch das ist weniger ein technisches als ein politisches Problem, sagt Sybille Riepe von H2 Mobility, dem Unternehmen, das die Tankstellen bereibt.

 

„Es wäre wichtig, dass Speichertechnologien wie Wasserstoff als eigenständiger Baustein in der deutschen Gesetzgebung aufgenommen würden. Denn noch ist die Erzeugung von grünem Wasserstoff mit hohen Abgaben belastet.“

Sibylle Riepe, H2 mobility

Bei grauem Wasserstoff sieht das anders aus. Von dem werden seit Jahrzehnten jedes Jahr etliche Millionen Tonnen für die Industrie hergestellt. Hartmut Krause ist Experte für Gaskraftstoffe. Der Geschäftsführer des Leipziger DBI Gas und Umwelttechnik rechnet vor.

„Für einen Großverbraucher kostet der graue Wasserstoff zwischen 2,5 bis vier Euro für ein Kilogramm. Sehr wenig, muss man sagen.“

Hartmut Krause, DBI Leipzig

Wasserstoff wird in Kilo verkauft. Auch an der Tankstelle. Ein Kilo Wasserstoff entsteht aus elf Kubikmetern gasförmigen Wasserstoffs. Mit diesem einen Kilo kommt ein Autofahrer 100 Kilometer. In den Tank passen im Schnitt fünf Kilo, das macht 500 Kilometer. Grau oder grün, gibt es da einen Preisunterschied? Hartmut Krause hat ausgerechnet, dass ein Kilo grüner Wasserstoff aus einer Großanlage künftig etwa drei bis vier Euro pro Kilogramm liegen.

Wasserstofftankstelle | Bild: TOTAL

Grüner Wasserstoff: Zukunft ungewiss

Plus Steuern wird das Kilo grüner Wasserstoff an der Tankstelle um die neun Euro kosten, so wie auch derzeit schon. Doch jetzt ist er noch grau und nicht Klimaneutral. Auch die Wasserstofftankstellen seien noch nicht perfekt. Manchmal käme es vor, dass eine nicht funktioniert. Doch wann ist die Technik zuverlässig und vor allem, wann tankt der Autofahrer tatsächlich grünen Wasserstoff? Stefan Schünemann, Geschäftsführer von IKAM, dem Institut für Kompetenz in der Auto Mobilität in Magdeburg, weiß, dass ganz schwer zu prognostizieren ist.

Die Brennstoffzellenspezialisten sagen immer in fünf Jahren. Und wenn man sie in fünf Jahren nochmal fragt, sagen sie auch: in fünf Jahren.

Stefan Schünemann, IKAM

Bis 2020 soll es 400 Wasserstofftankstellen in Deutschland geben. Derzeit sind es 52. Im November wird eine in Magdeburg eröffnet. Halle und Zwickau bekommen eine Tankstelle im nächsten Frühjahr.

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