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Elektromobilität: Warum die deutsche Automobilindustrie hinterher fährt

Elektromobilität: Warum die deutsche Automobilindustrie hinterher fährt | emobicon

Für die deutschen Autobauer war 2019 bereits ein schlechtes Jahr. So produzierten sie so wenig Fahrzeuge wie seit 1997 nicht mehr. 2020 soll die Wende kommen. 
Bei Elektrofahrzeugen haben sie immer noch nicht viel zu bieten. Probleme mit Software und den richtigen Fahrzeugen schaffen mehr Druck, dabei werden die neuen CO2 Flottengrenzwerte zur Gefahr.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Autobauer auf einer Messe mit Software- und Digitalisierungsfirmen ? Gar nicht mal so ungewöhnlich. Auf der CES in Las Vegas zeigt man immer mehr alternative Antriebe. Autobau und Autofahren heute sind eben mehr als die Fortbewegung. Denn das Auto der Zukunft wird zum „Smartphone auf vier Rädern“. Mobilität wird neu erfunden und insgesamt ändert die Mobilitätswende auch das Verhalten der Menschen. Software wird zur Schlüsseltechnologie, Automobilbau wird anders. Die deutschen Hersteller fahren hinterher. Aber warum ist das so?

Automobilindustrie wird anders

Man sieht es in Las Vegas. Für die Autoindustrie verschmilzt immer schneller Hardware und Software zu einem Produkt. Teilweise hat die CES eine noch größere Bedeutung, als die traditionellen Autoschauen in Detroit, Paris oder Frankfurt. Hier zeigt sich all das, was kommen wird. Und auch die deutschen Hersteller versuchen gerade hier zu zeigen, wie deren Entwicklungsstand ist. Allerdings haben sie nicht viel zu bieten. Die Schonfrist ist längst vorbei, denn andere Hersteller und Start ups laufen den etablierten deutschen Herstellern immer mehr den Rang ab. Am Ende wird aber wer der Gewinner sein?

Nach langem Zögern geht es in Sachen Elektromobilität auch in Deutschland voran. Klar ist schon länger, das sich die deutschen Hersteller aber viel zu viel Zeit gelassen haben, um Änderungen einzuleiten. Wie erfolgreich die vielen Ankündigungen und Marketingoffensiven sein werden,  wird sich erst zeigen müssen.

Mercedes hatte für seinen ersten Vollstromer „EQC“ viel Hoffnung in den Markt gesetzt. Mit grossen Kampagnen wurde das langersehnte Elektrofahrzeug in den Markt eingeführt. Bislang mit mässigem Erfolg. Im November 2019 wurden demnach 2 EQC Fahrzeuge in Deutschland verkauft. Ist die Elektromobilität für Daimler damit schon Geschichte? Besser soll es beim Smart EQ laufen. Aktuell läuft die neue Fahrzeuggeneration in die Autohäuser und wird als Stadtwagen stark beworben. Audis „e-tron“ ist auch wenig ambitioniert und wenig gefragt.

Derweilen will Hyundai in den kommenden fünf Jahren umgerechnet etwa 77 Milliarden Euro in elektrische Antriebe investieren. Aktuell scheint man den deutschen Herstellern weit voraus.

Asiatische Hersteller sind viel weiter

Auf einer gemeinsamen Plattform mit dem Schwesterunternehmen KIA verkauft man bereits den KONA,  ausserdem das Modell IONIQ mit immer grösserem Erfolg. Viele weitere Modelle sind geplant. Die Offensive aus Asien könnte zur Gefahr für deutsche Hersteller werden. Und nicht nur das. Tesla, Bayton, Sony und andere mehr starten voll durch. Auch Volkswagen will mit vielen Milliarden aufzeigen, wie sie in die Zukunft denken, allerdings, so hören wir, wird man offensichtlich länger auf den ID.3 warten müssen, als gedacht. Eine unvollständige Softwarearchitektur soll ein Grund sein. Gebaut wird das erste Modell auf der MEB Plattform bereits. Erst im August soll nun die Auslieferung starten. Ob es dabei bleiben wird?

Verbrenner verdienen das Geld für die Inventionen in die Elektromobilität

Leicht wird das Vorhaben für Hyundai und Co allerdings auch nicht. Denn aufgrund der besonderen Umstände in der Automobilbranche schrecken zurzeit einige Investoren zurück. Aktuell besteht die besondere Schwierigkeit und Herausforderung für die großen Hersteller darin, gleichzeitig an Verbrennungsmotoren festzuhalten, um aus den Erlösen dieser verkauften Fahrzeuge die Elektromobilität voranzubringen.

Und gleichzeitig weiss man um die hohe Nachfrage für sprintfressende SUV Modelle. Im vergangen Jahr wurden demnach mehr als eine Million Modelle verkauft. Ein Vorteil für die Hersteller: Die Margen sind ordentlich und man kompensiert Einbussen durch die Elektromobilität. Natürlich wollen die Autobauer die Konjunktur wieder anschieben. Aber wird es mit den Veränderungen gelingen?

Schwieriger wird es, denn die Mobilitätswende und ein verändertes Verhalten sind spürbar. Dazu kommt der Handelskonflikt den US Präsident Trump angezettelt hatte.

Brennstoffzelle ist keine Alternative

Auch die weiteren technischen Entwicklungen, wie autonomes Fahren, werden ein wichtiger Gradmesser sein. Die Entwicklung schreitet auch hier massiv nach vorn und aktuell haben auch hier die deutschen Hersteller das Nachsehen. Die Brennstoffzelle in Fahrzeugen wird zwar auch politisch gewollt, kann sich aber nicht durchsetzen. Hier scheint man sich bei den Autobauern aber auch nicht einig zu sein, wie der richtige Weg ist. Noch weniger Modelle, als reine Batterie Stromer, zu wenig Tankmöglichkeiten, zu teuer. Der Drops scheint gelutscht zu sein. Die Brennstoffzelle im gewerblichen Verkehr scheint aber sicher zu sein und auch bei der Bahn wird es eine Rolle spielen.

Daimler droht Ungemach von der EU

Das grösste Problem unter den deutschen Herstellern scheint Daimler zu haben. Der Konzern aus Stuttgart ist nach jetzigem Stand ganz offensichtlich der einzigste Hersteller, der die verschärften Klimaschutz Vorgaben nicht erreichen wird. Seit diesem Jahr müssen alle Autohersteller im Schnitt 95 Gramm CO2 – Ausstoss pro Kilometer pro Neufahrzeug einhalten. Gelingt das nicht drohen ab 2021 milliardenschwere Strafzahlungen. Dafür müsste der Anteil von Voll und Teilzeit Stromern deutlich zunehmen. Zur Zeit sieht es, zumindest bei Daimler aber nicht aus.

Trotzdem glaubt man bei den Autobauern daran, das die Wende zur Elektromobilität gelingen wird. Ein Grund soll demnach die Aufstockung der Förderung sein. Ausserdem puschen einige Bundesländer zusätzliche Förderungen für die Elektromobilität. Auch damit will man mehr Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. Elektrooffensiven sind angekündigt. In wie weit das der Markt honoriert muss man zunächst abwarten.

Weiter schrumpfender Absatz bei Fahrzeugen erwartet

Das Denken Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor 1:1 in alternative Antriebe zu ersetzen ist Wunsch der Hersteller, aber eher unrealistisch, so Experten. Man rechnet mit einer weiteren Schrumpfung der weltweiten Nachfrage um mindestens deutlichen ein Prozent. Grosse Hoffnung setzt man wieder auf China und deren Erholung nach zuletzt deutlichem Rückgang der Zulassungszahlen.

Auf Grund des Handelskriegs zwischen China und den USA setzen die Hersteller wieder verstärkt auf den Markt der USA. Auch deswegen ist die CES in Las Vegas wichtig für die deutschen Hersteller. Noch ist das nicht sicher wie sich mögliche neue Zölle auswirken werden. Zuletzt verschob Trump das Vorhaben nochmals.

Gegenwind wird es auch ohne neue Zölle geben. So spüren zuerst die Zulieferer das Auftragsminus und bauen kräftig Personal ab. Zudem steigen die Inventionen in die Elektromobilität und auch die Kosten der CO2 Regulierung belasten die Hersteller schwer. Der Prozess der Konsulidierung und der Zusammenschlüsse in der Zusammenarbeit dürfte sich nach unserer Einschätzung noch verschärfen.

Tesla greift die deutschen Hersteller direkt an und baut bei Berlin seine 4. Gigafactorxy, während Fiat Chrysler mit dem französischen Konzern Pia zusammengeht. Dabei scheint Opel eine tragende Rolle zu erhalten.

Mehr Kooperationen und Zusammenschlüsse erwartet

Derzeit gehen Branchenexperten davon aus, dass es in weniger als fünf Jahren weniger eigenständige Hersteller geben wird, als zuletzt. der Anteil der Kooperationen wird deutlich steigen, um sich hohe Entwicklungskosten zu teilen. Ein Beispiel hier ist sicherlich die Zusammenarbeit zwischen BMW und Daimler beim autonomen Fahren und bei Mobilitätsdienstleistungen. Mehr als diese Kooperation schließen beide Hersteller aus. Die Transformation bei den Autobauern scheint unerlässlich.

Ausstattungspakete werden out

Spannend wird die Zukunft auch, denn während viele Hersteller auf „Pakete“ Ihrer Fahrzeuge setzen, geht Tesla den Weg wie man diesen beim Smartphone und Computer kennt. Zusätzliche Dienste werden kostenpflichtig. Die Hardware wird derweilen in allen Modellen verbaut werden. 

Deutsche Hersteller hingen setzen weiter auf zahlreiche zusätzliche Ausstattungsvarianten. Viele Extras, die bekanntlich ziemlich ins Geld gehen können und die besonders für die Hersteller lukrativ sind.

Mit neuen Diensten, Konnektivität in den Fahrzeugen und der Verschmelzung zwischen Fahrzeug und Anbieter Apps in Smartphones wird auch hier so manches neu gedacht werden müssen.

Volkswagen will zudem den Ladestrom für die zu verkaufenden Elektrofahrzeuge selbst vermarkten. Sie haben damit erkannt, dass man mit diesen zusätzlichen Dienstleistungen Geld verdienen kann.

Treibhausemissionen gesunken - der Verkehr bleibt Sorgenkind

Mit den alternativen Antrieben werden sich neue Märkte und Geschäftsfelder eröffnen. Die, die zuerst darauf setzen haben es dann in der Hand den Markt damit zu erobern. Zwar sind in 2019 die Treibhausemissionen auf ein Rekordtief gefallen, aber die Werte im Verkehr gestiegen. Immer mehr SUV zeigen hier in eine völlig falsche Richtung, deshalb ein Eingreifen der Politik notwendig machen.

Grund für das Absinken der Werte sind u.a. der grössere Anteil von erneuerbaren Energien. Der Anteil ist zuletzt deutlich gestiegen und liegt nun über 40 Prozent.

Nichts wird mehr sein, wie bisher und auch weiter ist es nötig mit grösseren Anstrengungen, insbesondere ihn Verkehr die Reduzierung der CO2 Emissionen zu erreichen.

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