Ausblick ElektromobilitätAutobauereMobilitätLadeinfrastrukturLadesäulenMobilitätNewsTESLAVolkswagen

Tesla: Volkswagen Konzern wird neuer Grosskunde

Tesla - lange belächelt und niedergeschrieben, ist längst zu einem Konkurrenten für Volkswagen und andere Autobauer geworden. Klar ist: Normalerweise kauft man keine Technologie beim Wettbewerb. Die Zeiten haben sich nun aber geändert...

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: Volkswagen

Ein Vorteil für TESLA, denn Volkswagen verschafft seinem Konkurrenten und Lieferanten damit auch einen finanziellen Spielraum. Und das, obwohl Volkswagen schon recht früh TESLA als grossen Konkurrenten ausgemacht hat und stets geäussert hatte, insbesondere Tesla genau zu beobachten.

Was der eine kann, kann der andere nutzen

Die Zeiten verändern sich. Hersteller stehen unter Druck. Nicht nur der Abgasskandal, der Streit zwischen China und den USA, sondern auch die Elektromobilität bedeuten enorme Veränderungen in der Mobilität. Und so ist es offenbar Volkswagen der erkennt, das TESLA nicht nur Konkurrent ist, der den Autobauern das Fürchten lernt, sondern technologisch sind sie den Playern aus Deutschland weit voraus. Jetzt kauf Volkswagen sogar bei Tesla ein. Ein Ritterschlag für TESLA, eine Offenbarung oder Chance für Volkswagen. 

Das von VW gegründete Tochterunternehmen Electrify America, das in den USA ein Netz von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge aufbaut, hat den Kauf von Tesla-Batteriespeichern für 100 der Ladestationen noch in diesem Jahr angekündigt. Damit macht Volkswagen nach Daimler, die über eine Zusammenarbeit mit Tesla bei elektrischen Transportern nachdenken, dem amerikanischen Unternehmen den Hof.

Strom speichern, wenn er verfügbar ist

Die Idee dahinter: Mit den sogenannten Powerpack-Batterien von TESLA soll Strom, der zu günstigen Zeiten vor Ort bei den Ladestationen gespeichert wird dann genutzt werden können, wenn die Nachfrage an den Ladestationen sehr gross ist. Damit kann man, zum Beispiel regenerativen Strom, besonders effizient und günstig nutzen. Jede der hundert Stationen soll eine solche 210-Kilowatt-Batterie von Tesla erhalten. Ein modulares System ermöglicht es, das die Speicherkapazität sogar erweitert werden kann.

Lesen Sie auch

Nicht nur der Fahrzeugbau, sondern das Gesamtkonzept muss stimmen

Mit diesem System hat man eine passende Lösung gefunden. Nicht nur, weil Tesla auf diesem Gebiet Erfahrung hat, sondern die Akkus von Tesla sehr effizient sind. Zudem nutzt man die Expertise von Tesla auf dem Gebiet der Energiespeicher, die in der Branche als bahnbrechend gilt. Ungewöhnlich ist der Schritt und das offizielle Statement von Volkswagen insbesondere deshalb, weil man für gewöhnlich nicht von Konkurrenten kauft. Es gilt als „schwer verständlich“, wenn man diesen öffentlichen Schritt tut. Wir bezeichnen das als mutigen Schritt in die richtige Richtung. Ob sich mit dieser Zusammenarbeit weitere Möglichkeiten ergeben könnten, bleibt abzuwarten.

Erst vor wenigen Tagen übernahm beispielsweise Bosch den Hersteller von Elektromotoren EM-motive vollständig, der bislang zu einem Viertel Daimler gehört hatte. In Bosch-Kreisen heißt es, durch die Komplettübernahme könne man nun auch andere Autohersteller beliefern, die zuvor wohl nicht gekauft hätten, weil EM-motive teilweise zum Konkurrenten Daimler gehörte.

Indirekte oder direkte Hilfe von Volkswagen an TESLA

Es scheint aber so zu sein, das man bei Volkswagen offensichtlich keine Probleme mehr mit Tesla hat.  Das ist auch deshalb überraschend, weil die Wolfsburger dem Unternehmen von Elon Musk mit dem nun verkündeten Großauftrag auch neue finanzielle Luft verschaffen dürften. Aber auch hier wird ersichtlich, wie sehr sich das Blatt gewendet hat. Nicht nur, das Tesla spätestens mit dem Model 3 gerade den deutschen Herstellern in Amerika zusetzt, sondern auch, weil ähnliche Modelle wie das neue Modell 3 von deutschen Herstellern nicht angeboten werden. Zudem hat Tesla verstanden, das Elektromobilität auch Ladeinfrastruktur braucht. Bei Tesla in Europa längst kein Problem mehr, während es hier bei den etablierten Herstellern an Fahrzeugen und der passenden Infrastruktur fehlt oder es noch eine ganze Weile dauern wird, bis man ähnlich gut aufgestellt sein will.

Tesla hat immer noch mit der Ausweitung der Produktion seines Elektroautos Model 3 zu kämpfen und muss derzeit beweisen, dass das Unternehmen nachhaltig profitabel arbeiten kann. Und auch das, wenn nun die weniger teuren Varianten des Model 3 in die Produktion gehen. Die ersten Model 3 haben derzeit den Weg nach Europa gefunden und in Kürze beginnt die Auslieferung. Zunächst im Elektroauto – Boomland Norwegen, bevor dann auch in Deutschland das langersehnte Model 3 zu haben sein wird.

Klar ist: TESLA ist nicht der klassische Hersteller von Fahrzeugen, sondern ist vor allem ein Technologie und Energieunternehmen, die in Ihrem ganzheitlichen Konzept der Zukunft das Elektrofahrzeug und erneuerbare Energien verbinden wollen. Während dessen, war das Geschäft mit der Energieerzeugung und Speicherung im vergangenen Jahr für Tesla mit einem Umsatz von gut 371 Millionen Dollar zwar deutlich kleiner als das Geschäft mit dem Verkauf von Elektroautos. Die Speichersparte wuchs aber im Vergleich zum Vorjahr um satte 25 Prozent.

Der Kampf um das schnellere Aufladen

Insgesamt will Electrify America rund 500 Schnellladesäulen in den gesamten USA aufbauen. Damit ist es möglich, die Elektroautos noch schneller mit Energie zu versorgen. Dieser wichtige Schritt soll es ermöglichen, das Elektrofahrzeuge schneller laden – zumindest schneller als Fahrzeuge von Tesla an den eigenen Superchargern. Theoretisch sollen Fahrzeuge an den Stationen der VW-Tochter mit bis zu 350 Kilowatt geladen werden können. Das heisst eine theoretische Reichweite von rund 20 Meilen in einer Minute.  

Die Milliarden Strafe von Volkswagen im Abgasskandal wurde auch genutzt um Volkswagen zu verpflichten ein flächendeckendes Ladenetz in den USA aufzubauen. Eine offensichtlich gute Entscheidung. Es bleibt einfach abzuwarten, wie sich TESLA aber auch Volkswagen und andere Hersteller entwickeln. 

Klar ist aber auch: Man hat von Tesla viel gelernt. Ob es die kostenpflichtige Reservierung ist, die Tesla schon vor Jahren von über 400.000 Interessierten erhalten hat oder das schnelle Laden und die Konnektivität, die dank moderner Technik längst Einzug in die Mobilität gehalten hat. Der Vorsprung bei Tesla ist jedenfalls enorm und es bleibt abzuwarten, mit welchen Innovationen man aufwarten wird.

Lesen Sie auch

VW-Tochter Porsche möchte auch profitieren

Während dessen möchte die VW-Tochter Porsche das Netzwerk von Electrify America nutzen, um den Besitzer des Porsche Taycan das schnelle Aufladen zu ermöglichen. Der erste Sportwagen mit Elektroantrieb soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Es scheint, dass das schnelle und schnellere Laden von Elektrofahrzeugen an die Ladestation der neue Gradmesser sein wird. 

Aktuell gibt es aber noch einige technische Fragen zu klären und der Ladestationsanbieter hat noch mit technischen Problemen zu kämpfen. So gab es kürzlich Sicherheitsbedenken wegen der eingesetzten Ladekabel und die bereits aufgebauten Ladestationen mussten vom Netz genommen werden. Inzwischen wurde der Betrieb aber wieder aufgenommen.

Ein Gedanke zu „Tesla: Volkswagen Konzern wird neuer Grosskunde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.