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Studie: Umweltbewusstsein ist kein Nischenthema mehr

Friday for Future und Rezo haben das Bewusstsein für Klima und Umweltschutz bei den Deutschen geweckt. Man beschäftigt sich mehr mit dem Thema der Zukunft. Was deutlich wird: Sie sind mehrheitlich unzufrieden mit dem Klimaschutz von Industrie und Politik - aber auch mit dem eigenen Engagement. Es muss sich vieles ändern - bei jedem.

von Heide Simon | emobicon - CoverBild: emobicon

Für viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland werden Umwelt- und Klimaschutz immer wichtiger. Das ist deutlich spürbar. Rund zwei Drittel der Befragten, 64 Prozent, schätzen Umwelt- und Klimaschutz als eine sehr wichtige Herausforderung ein. Das sind elf Prozent mehr als noch 2016. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Umweltbewusstseinsstudie 2018, die die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, und Bundes-Umweltministerin Svenja Schulze vorgestellt haben.

Energiewende geht zu langsam

Umweltpolitik und der Zustand der Natur sind allgegenwärtig und klar ist, dieses Bewusstsein erreicht immer mehr Menschen und auch deshalb ist das ganzen Themenfeld längst kein Nischenthema mehr. Gleichzeitig steige die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger. Viele der 4000 Befragten sind der Meinung, Politik und Wirtschaft engagieren sich nicht genug für den Klimaschutz. Aber auch das eigene Engagement wird zunehmend selbstkritisch hinterfragt. Das ist auch nötig, denn immer noch glauben viele: Dusch mich, aber mach mich nicht nass.

Für die meisten Befragten (81 Prozent) geht die Energiewende zu langsam voran. Das Besondere dabei: In den Bereichen Landwirtschaft und Verkehr wünschten sich viele Menschen, dass Umwelt eine noch größere Rolle spielt. So wünschen sich die meisten der Befragten höhere Umweltauflagen und strengere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel. Klar wird bei der Studie in diesem Themenfeld, dass sich hierbei die Mehrheit generell ambitionierte Maßnahmen zum Schutz von Natur und Umwelt wünscht. Insofern kann Politik mutiger sein und den gesetzlichen Rahmen so gestalten, dass die umweltschädlichen Folgen der intensiven Landwirtschaft wirksamer begrenzt werden.

Soziale Aspekte im Interesse der Bürger gefordert

Bei der Befragung spielen auch soziale Aspekte eine große Rolle. So sind viele der Meinung, (94 Prozent)  dass die Energieversorgung bezahlbar bleiben muss. Auch bei der Verkehrspolitik wünschen sich die Hälfte der Befragten (53 Prozent), das der Umwelt- und Klimaschutz eine übergeordnete Bedeutung einnehmen muss. Gleichzeitig findet eine große Mehrheit, das die aktuelle Verkehrspolitik sich überwiegend an den Interessen der Wirtschaft, weniger an den Interessen der Bürgerinnen und Bürger orientiert.

Umweltministerin Svenja Schulze sprach sich erneut für die Einführung einer CO2-Steuer in Deutschland aus. Es ist aber auch wichtig, hierbei einen sozialen Ausgleich herzustellen. Menschen mit kleinem und mittleren Einkommen sollen dabei nicht stärker belastet werden. Man hat erkannt, dass klimafreundliches Verhalten teurer ist als klimaschädliches Verhalten. Es sollte umgekehrt sein. Die Umweltministerin sagte zudem dass derzeit drei Forschungsinstitute, mit „rauchenden Köpfen“ beraten, wie ein CO2-Preis konkret aussehen könnte.

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Wir brauchen ein Klimaschutzgesetz

Klar wird auch: Wir brauchen ein Klimaschutzgesetz. Dies habe die Große Koalition vereinbart, betonte Schulze. Sie hat nun ihren Gesetzentwurf zur Ressortabstimmung an die übrigen Ministerien verschickt, obwohl das Kanzleramt offensichtlich nicht informiert war. Die Ministerin verteidigt ihr Vorgehen: „Ich mache jetzt seit einem Jahr Druck. Seit einem Jahr sage ich immer wieder – es muss was passieren. Und seit einem Jahr werde ich vertröstet. Das geht doch so nicht weiter. Wir werden Antworten geben müssen.“

Wir schreiben das Jahr 2019. Dieses Jahr muss das Jahr des Handelns sein. Nur so gibt es Klarheit für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Es müsse konkreter gesagt werden, was nun getan werden soll, um das Pariser Klimaschutzabkommen zu erfüllen. Im Klimakabinett sollen die beteiligten Ministerien Vorschläge vorlegen, wie in den jeweiligen Sektoren die deutschen Klimaziele für 2030 erreicht werden sollen. Handlungsbedarf gibt es vor allem in den Sektoren Verkehr und Gebäude außerdem in den Bereichen Energiewirtschaft, Industrie und Landwirtschaft.

Mein eigener Beitrag

Die Europawahl hat deutlich gezeigt, wie die Meinung ist. Handlungsdruck ergibt sich nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft und Gesellschaft. Wir müssen uns mit dem Thema beschäftigen und wir müssen Massnahmen ergreifen, die auch, im Einzelfall weh tun können. Die Bequemlichkeit von vielen muss hinterfragt und bei jedem Einzelnen von uns auf den Prüfstand. Jede Kleinigkeit hilft. Anfangen kann jeder bei sich selber.

Ich kann Ihnen sagen was ich tue. Ich beschäftige mich mit den Möglichkeiten und bereits beginnend mit meinem Alltag. Ich kaufe anders ein: Mehrweg, unverpacktes Gemüse, regionales Biogemüse als wöchentliches Abo. Ich esse weniger Fleisch, dafür vom Biobauern aus der Region.  Ich fahre Elektrofahrzeug, nutze die Bahn wenn es möglich ist und verzichte auf innerdeutsche Flüge. Ich stelle mich damit nicht schlechter, denn es funktioniert im Alltag. Bequemlichkeit verliere ich auch kaum, denn Regionalist, Tierwohl und damit auch Umweltschutz sind es mir wert. Ich habe an Lebensqualität gewonnen  und nein, ich habe auch nicht mehr Aufwand. Ich organisiere mich anders und passe die neuen Umstände meinem Leben an. Ich kann Ihnen sagen, es funktioniert.

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