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Umtauschprämie: Schön gerechnet und oft draufgezahlt

Mit umfangreichen Rabattaktionen wollen die Autohersteller neue Modelle auf den Markt drücken. Es gibt keinen Umtausch, sondern der betrogene Autokäufer soll neu kaufen. Dieser Fahrzeugkauf kann teuer werden.

von Stefan | emobicon

Zwischen „rechnet sich“ und „schöngerechnet“ stehen Zahlen und Verwirrung. Die meisten Angebote sind nichts wert meint auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Das "Prämien-Wirrwarr" verärgert

Interessenten sollten die Konditionen genau prüfen, empfiehlt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Sein Center Automotive Research (CAR) hat bei einigen Angeboten genau nachgerechnet. Ergebnis: In den NOx-Schwerpunktregionen kann sich die Prämie vielleicht lohnen. Bundesweit hingegen zahlt der Kunde drauf.

Dudenhöffer spricht generell von einem „Prämien-Wirrwarr“. Nicht nur, dass jeder Hersteller seine eigenen Konditionen mit speziellen Detailregelungen aufgelegt hat, zusätzlich gibt es bei einigen Marken Sonderkonditionen für Bewohner besonders schwer belasteter Städte, sogenannter Schwerpunktregionen. Beispielhaft hat das CAR dort die Angebote von VW und BMW nachgerechnet; in beiden Fällen kann der Kunde den durch den Diesel-Skandal erlittenen Wertverlust manchmal ausgleichen.

Der "Restwert" entscheidet

Ein 2014 gekaufter BMW 320d Touring hat heute aufgrund der Branchenskandale und drohender Fahrverbote noch einen Restwert von 43 Prozent, beim Benzinermodell liegt dieser hingegen gut zehn Prozentpunkte höher. Nimmt man an, dass der Diesel-Restwert ohne die Ereignisse der vergangenen Jahre mindestens auf Benzinerniveau gelegen hätte, wäre dem Käufer ein Schaden von knapp 3.361 Euro (alle Preise netto) entstanden. Der wird bei der BMW-Umweltprämie durch die Zahlung von 3.781 Euro beim Kauf eines jungen Gebrauchten ausgeglichen. 

Ähnlich sieht das bei einer entsprechenden Beispielrechnung für den VW Touran aus: Der Kundennachteil von 1.932 Euro wird durch 2.521 Euro Prämie beim Kauf eines Jahreswagens egalisiert. Das CAR bezeichnet die Angebote daher als „im Großen und Ganzen fair“. Allerdings vorausgesetzt, so Dudenhöffer, dass die Händler den Alt-Diesel tatsächlich zum gängigen Restwert aufkaufen. Und genau das scheint das Problem zu sein, denn Händler rechnen oft auf Ihre Weise die Angebote schön und lösen damit immer wieder Verwirrung und Verärgerung aus.

Kein Kundenvorteil in den meisten Regionen

Außerhalb der Schwerpunktregionen sind die Angebote generell weniger verlockend. Hinzu komme die Gefahr, dass die Umweltprämie mit anderen Rabatten zumindest teilweise verrechnet werde. So wie etwa bei Ford, wo von den beworbenen 2.605 Euro beim Kauf eines Fiesta lediglich 1.327 Euro beim Kunden ankommen. Ähnliches gilt für Renault, wo Clio-Käufer zwar 2.521 Euro erhalten, die üblichen Rabatte von 1.680 Euro aber nicht mehr wahrnehmen können. Der Kundenvorteil schrumpft somit auf 840 Euro. 

Dazu kommt: Das Angebot gilt lediglich bei Eintausch des Altwagens. Die meisten Händler dürften aber wenig geneigt sein, einen gebrauchten Diesel in Zahlung zu nehmen. Viele tun es in der Tat nicht, denn die Händler selbst wissen oft nicht, wohin mit den Altfahrzeugen und es rechnet sich oft für sie nicht.

Im Vorfeld neutral informieren

In vielen Fällen dürfte es am Händler und den vom ihm gezahlten Restwerten hängen, ob sich die Dieselprämie für den Käufer lohnt. „Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Ankaufswert vom Händler sehr niedrig angesetzt wird und dann verliert der Kunde viel“, so Dudenhöffer. Kaufinteressenten sollten sich daher im Vorfeld über den Händlereinkaufswert ihres Diesels informieren, etwa bei DAT, Schwacke oder ihrem Automobilclub.

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