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Politik: Wird die Förderung von Hybridfahrzeugen eingestellt?

Politik: Wird die Förderung von Hybridfahrzeugen eingestellt? | emobicon

Plug-in-Hybride sind umstritten, meist überteuert und der Sinn dieses Doppelantriebs ist auch nicht wirklich logisch. Plug in Hybride gelten als Notprodukt eines Herstellers, dennoch meinen viele damit klimafreundlich unterwegs zu sein und auch deshalb werden diese Fahrzeugmodelle meistens sogar staatlich gefördert. 

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Dabei stellt man in der Realität seit einiger Zeit fest: Autos mit Batteriebetrieb und Verbrennungsmotor tragen immer weniger zum Klimaschutz bei, weil sich die Emissionswerte und die elektrische Reichweiten seit ein paar Jahren wieder verschlechtern. Dies geht aus einer jüngst veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion hervor. Die Grünen halten die staatliche Förderung der Plug-In-Autos für nicht zielführend.

Betrachtet man den  durchschnittlichen CO2-Emissionswert neuer Plug-in-Hybride, sank laut der Auskunft zwar der Co2 Wert von 50 Gramm Co2 pro km in 2013 auf 41 Gramm in den beiden Folgejahren. Aber nun stellt man fest, dass der Ausstoß aber wieder ansteigt. So lag der Wert in 2018 bei 46 Gramm Co2/km. Betrachtet man das Mittel aller zugelassenen PKW (inklusive Elektroautos und Hybride) dann liegt der Wert bei 130 g/km.

Die neuen Grenzwerte im Messverfahren WLTP, die realitätsnähere Verbrauchswerte aufzeigen sollten zeigen aber, dass bei einigen Plug in Hybriden die Werte deutlich schlechter geworden sind, als man erwartet hatte. 

Ausgerechnet der BMW 2er, der sich 2018 mit 4020 Neuzulassungen in diesem Feld hierzulande nur dem Mitsubishi Outlander geschlagen geben musste, gehört zu den Fahrzeugmodellen mit einer Verschlechterung der Co2 Werte. Nach dem alten NEFZ-Prüfmodus kommt dieses BMW Modell auf 46 Gramm CO2/km, nach dem neuen WLTP Messmodus aber auf 65 Gramm. 

Deutlich schlechter auch der VOLVO XC90. Nach dem neuen WLTP Modus stehen nun 81 Gramm gegenüber 49 Gramm Co2 vorher. Vergleichsweise gering fällt der WLTP-Anstieg dagegen beim BMW 5er mit 47 zu 51 Gramm aus. Dabei werden die Grenzwerte immer schärfer, die Fahrzeuge aktuell aber eher grösser.

Die Bundesregierung muss nun einräumen, dass anders als bei anderen Antriebsarten  die Co2 – und Verbrauchswerte der Plug in Hybride nutzungsabhängig sind. Demnach ist das Nachladeverhalten der Fahrer „entscheidend für den Anteil der elektrisch gefahrenen Kilometer und damit den mittleren Verbrauch und die mittleren CO2-Emissionen“, schreibt das Bundesverkehrsministerium. 

Betrachtet man die Ergebnisse genau, dann ist damit klar, dass ein Plug-In Hybrid Fahrzeug in der Ökobilanz nur als vergleichsweise „sauber“ gelten kann, wenn er vorwiegend für Kurzstrecken etwa in der Stadt genutzt wird.  Dabei muss die Batterie möglichst oft geladen werden und der Verbrennungsmotor darf kaum zugeschaltet werden. 

Und genau diese Szenarien sind weder realistisch und schon gar nicht praktikabel, sodass sich die Wertschöpfung und der Sinn von Plug in Hybriden in Zweifel ziehen lässt. So wie man es ökologisch tun müsste, turnt es aber praktisch kaum einer.

Die Bundesregierung beschäftigt sich nun intensiver mit dem NEFZ Modus von früher und den Anforderungen im WLTP Modus von heute. So sieht man generell ein verbessertes, auf europäischen Fahrleistungsstatistiken beruhendes Verfahren zur Gewichtung zwischen elektrischem Fahren und „Verbrennermodus“ in Abhängigkeit von der Batteriereichweite vor. Ein solches Gewichtungsverfahren ist laut Experten zwingend erforderlich, um mit dem hieraus ermittelten mittleren Co2-Emissionswert eine vergleichbare, standardisierte Bemessungsgrundlage für den C02-Ausstoß aller Neuwagen zu erhalten.

Klar ist ausserdem längst geworden, dass „Realverbrauch“ von vielen weiteren Faktoren abhängt. Dazu gehören u.a. Fahrstil, die Beladung des Fahrzeugs und den Umgebungsbedingungen.

Auch mit dem neueren WLTP  Messverfahren wird es deshalb trotz des erweiterten Ansatzes „Abweichungen zwischen den im Genehmigungsverfahren ermittelten Werten und dem individuellen Verbrauch geben“.  Dabei steigt der Druck auf die Hersteller zusätzlich, denn schon in Kürze gelten neue Bedingungen zum Erreichen der WLTP Grenzwerte.  So will die EU Kommission den Verbrauch auf der Straße und den Abgasausstoß unter realen Fahrbedingungen künftig mit erneut verschärften Anforderungen messen lassen. Die Automobilhersteller hatten sich zuletzt heftig dagegen gewährt – vergeblich.

Betrachtet man die Zulassungsstatistik dann ist die  Anzahl der neu zugelassenen Plug-in-Hybriden im vergangenen Jahr nach Regierungsangaben auf 31.442 und damit auf 0,92 Prozent aller erstmals registrierten Pkw leicht gestiegen. Die Zulassungsstatistik spricht von rund 78.000 zugelassene Plug-In-Hybride, das entspricht 0,21 Prozent aller Pkw. Laut Ministerium ist die Nachfrage nach diesen Modellen stabil und ein Zuschuss von bis zu 3000 € pro Fahrzeug fördert diese Mobilität. 

So waren bis Ende Juni für rund 42.000 Plug in Hybrid Fahrzeuge Förderungen mit dem sogenannten Umweltbonus  beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangen.  Das entspricht einem Förderanteil von über 63 Millionen Euro. Erst vor kurzem hatte die Bundesregierung die Förderungen in der Elektromobilität über das Jahr 2019 hin verlängert.

Über die Förderungen von Plug in Hybriden wird schon lange diskutiert, sowohl in der Community aber auch in der Politik. So halten die Grünen die Förderung für falsch. „Der geringe Klimaschutz-Beitrag durch Plug-in-Hybride rechtfertigt keine so starke Förderung“. Das sagt der Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, Stephan Kühn. So müsse die Kaufprämie für derlei Fahrzeuge abgebaut, die für reine Elektroautos verdoppelt werden, um „klare Anreize für wirklich abgasfreie Autos“ zu schaffen. 

Weiter heisst es, dass es nicht sein dürfe, „dass die Bundesregierung schwere Hybrid-SUVs als Dienstwagen genauso behandelt wie rein elektrisch fahrende Kompaktwagen“. Das grösste Ärgernis dabei ist, das auch Hybride mit geringen Reichweite „E“ Kennzeichen bekommen können und damit ebenso alle Vorteile laut Elektromobilitätsgesetz. 

Das Verkehrsministerium hält dagegen und verweist auf Gutachter. Diese sagen, dass Hybride wegen ihrer besseren Gesamtreichweite Elektromobilität populärer machen könnten und so eine nötige Brückentechnologie seien. Im Klimakabinett im September sollen mögliche Vorteile des elektrischen Fahrens und die sogenannten Vorteile von Plug in Hybrid Fahrzeugen Gegenstand der Beratungen werden.

Quelle: dpa

4 Gedanken zu „Politik: Wird die Förderung von Hybridfahrzeugen eingestellt?

  1. Die Verbrauchswerte nach WLTP oder sonstigen „Normen“ sind nur eine weitere Falle, mit denen uns die Autobauer und Politiker hinters Licht führen. Ergänzend zu den o.a. Werten kann ich nach 4 Jahren PlugIn-Hybrid (Volvo V60 PHEV) folgendes ergänzen:
    Obwohl ich (fast) jede Nacht geladen habe und im Grunde nur auf Langstrecken auf der Autobahn mit Diesel gefahren bin, war mein Verbrauch nach 55Tkm über 4 Jahre 3,9l/100km. Versprochen lt. Prospekt waren 1,9l/100km. PHEVs sind etwas für ängstliche Menschen, die immer noch Angst vor dem Liegenbleiben haben. Leider kauft man sich damit auch alle Nachteile beider Technologien ein. Teuer, komplex, schwer. Insofern wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, die Subvention für PHEVs zu streichen. Vor allem Dienstwagen werden oft zurückgegeben, ohne dass das Ladekabel je benutzt worden ist.
    Noch schlimmer sind die Hybriden ohne PlugIn. Keiner sagt, dass für den Strom im Akku erstmal Benzin/Diesel verbrannt werden muss. Wo ist da der Fortschritt? Mit ausrollen lassen und Rekuperation sind kaum ein paar Meter zu gewinnen. Viel Aufwand für (fast) nix.

    1. Hallo Herr Strecke,

      besten Dank für Ihre Erfahrung und Ihren Ihren Einwand.

      Wir sehen es ähnlich, das Plug in der Wunsch der Automobilbauer ist Technik zu zeigen, die nicht mehr zeitgemäss ist aber den Herstellern gute gewinne bescheren soll. Ja, es macht kaum mehr Sinn sich mit Hybride Modelle zu kümmern und ja, es ist teuer und auch unnütz.

      Sie bestätigen mit Ihrer Erfahrung die Wirklichkeit und sie bestätigen damit auch das Hybride Ihren nicht wirklich genutzt haben

      Gruss Stefan Blome

  2. Wir haben eigentlich immer noch die Vorstellung das wir mit unserem Fahrprofil, an 95% aller Tage max. 50km, mit einem entsprechend proportionierten Plug in Hybriden genau richtig fahren würden und zumindest private Käufer auch entsprechend laden würden.
    Aber auch hier heißt es ja immer größer, immer mehr PS. Ressourcenverbrauch schon bei der Herstellung scheint weder Autobauer, Kunden noch den Gesetzgeber wirklich zu interessieren.
    Und das ein Teil des zumindest einsparbaren Verbrauchs durch die sinnlose Fortsetzung des SUV und Drehmomentwahns wieder durch den Auspuff geht ist wohl auch allen wurscht.
    Vielleicht sollte die Förderung einfach eine Vernunftklausel bekommen. Z.B. max 125 PS. Dann müssen sich die Dienstwagenfahrer ein anderes grünes Feigenblatt umhängen und die Hersteller würden
    vielleicht weniger klobig bauen. Ich fürchte nur die CO-Autoren unserer Gesetzeschreiber in Wolfsburg, Sindelfingen etc. finden das bestimmt gar nicht gut. Wenn ich meinen alten Ford Focus Diesel mit 109 PS (der eigentlich einem e.go life weichen sollte) mit einem Plug In von Ford ersetzen wollte müsste ich demnächst einen Ford Kuga mit einer Systemleistung von 225 PS bestellen. Was für ein Irrsinn.

    1. Hallo Herr Alex.

      Wir können Ihnen zustimmen.

      Schuld an der Miesere ist der Drang mit immer schwereren Fahrzeugen immer mehr Platz zu brauchen, mehr zu verbrauchen – sinnfreien, unlogisch, unökonomisch. Schert scheinbar nur wenige. Und genau deshalb ist es richtig hier anzusetzen und mit einer hoffentlich hohen CO2 Steuer aufzuzeigen: So geht es nicht.
      Die einzige Sprache die verstanden wir ist eben: Wenn es ans Geld geht. Nur dann kommen die meisten aus dem Modus der billigen Ausreden in der Realität an.

      Gruss Stefan Blome

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