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Automobilbranche: 2019 wird ziemlich turbulent werden

Die Autobranche verändert sich radikal. Oft haben wir über die Veränderungen berichtet. Wieviel Optimismus ist angebracht und wieviele Risiken stehen ins Haus ? Die Diesel-Affäre ist alles andere als ausgestanden, Fahrverbote werden Kunden und Unternehmen treffen. Hoffnungsschimmer ist das Elektroauto. Da tut sich was.

von Harald M. Depta | emobicon

Umbrüche kennt die Industrie. Allerdings waren diese nicht nur gut. So haben Kamerahersteller moderne Entwicklungen verschlafen und nach und nach verschwanden diese von der Bildfläche, sogar aus dem Bewusstsein. Auch andere Technikfirmen haben sich nicht der neuen Zeit gestellt und sind abgewandert oder haben Ihr Profil verloren. 

Dieses Schicksal will die Autobranche nicht teilen – und ringt um ihre Zukunft. Aber noch immer wirkt die Abgas-Affäre nach, gerichtlich angeordnete Fahrverbote erschüttern die Konzerne, die Politik schützt nicht mehr so, wie es mal war und gleichzeitig müssen die Hersteller Milliarden in neue Technologien stecken und damit eine Veränderung anstossen, die neue Kompetenz erfordert.

Wächst die Bereitschaft zu Wandel und rollt in 2019 die Elektrooffensive bei den Herstellern ? Zum Teil.
Viele Fragen bleiben offen. Bislang sind mehr Ankündigungen, statt Taten zu erkennen.

Die Politik und die Fahrverbote

Die Uhr tickt. Sehr laut sogar und  Fahrverbote werden kaum noch zu verhindern sein. Ein Desaster für die Vorzeigebranche.

Mit gefälschten Stickoxid Werten für Millionen Dieselfahrzeuge fing alles an. Volkswagen veränderte damit nicht nur das Bewusstsein bei vielen, sondern vor allem seine eigene Zukunft. Doch mittlerweile ist auch klar: Seit Bekanntwerden des Betruges im September 2015 ist es eine Krise der gesamten Branche geworden. In immer mehr Städten werden Fahrverbote kommen. Gerichte haben für zum Beispiel Stuttgart, Köln oder Frankfurt Recht gesprochen, was es seit Jahren gibt, aber stets von Politik und Automobilindustrie ignoriert wurde. Sogar die Autobahn A 40 im Essener Stadtgebiet ist davon betroffen.

Die Politik reagiert ungehalten, aber sie hat kaum Möglichkeiten.
„DieselGipfel“ werden zur Farce und dem „Tricksen“ und „Aussitzen“ des Problems folgt ein selbsternannter Kompromiss mit der Automobilindustrie.

Der mühsam erkämpfte Kompromiss mit der Autoindustrie, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer anpreist, ist nicht ohne Hintertür. Schon allein das ist unglaublich. Die die betrogen haben dürfen noch Forderungen stellen. VW und Daimler haben sich bereit erklärt, bis zu 3000 Euro zuzuschießen, wenn Kunden die Hardware ihrer Diesel nachrüsten wollen, nur BMW mauert weiter obwohl es hier längst Lösungen zu geben scheint. Aber die technischen Lösungen dürften nicht vor 2020 vorliegen.

Das Bundesverkehrsministerium hat aber nun die technischen Vorschriften für die Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Autos festgelegt. Das ist ein wichtiger Schritt für deren Umbau.

Elektromobilität der deutschen Hersteller ist eine Reihe von Ankündigungen

Klar ist, so oder so: Deutschland hinkt in Sachen Elektroautos hinterher. Felix Kuhnert, Global Automotive Leader der Beratungsgesellschaft PwC meint: „Dieses Segment ist im bisherigen Jahresverlauf deutlich schneller gewachsen als der Gesamtmarkt elektrifizierter Fahrzeuge. Damit konnten reine Elektroautos ihren Marktanteil gegenüber den unterschiedlichen Hybriden weiter deutlich ausbauen.“ 

Christoph Stürmer, Analyst der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, sagt: „Es gelingt den Herstellern hierzulande noch nicht, die hohe Nachfrage schnell genug zu bedienen.“

Erst ab 2020 soll es zu einer Marktdynamik kommen. Für erst dann sind massentaugliche Fahrzeuge deutscher Hersteller zu erwarten. Die Zahl der Zulassungen in den Kerngebieten in China und den USA steigen aktuell bereits erheblich. 

Denn während bis jetzt vor allem der Technologiekonzern Tesla mit seinem Model 3 den Massenmarkt ansteuert, lässt Volkswagen ab Ende 2019 seine elektrische ID-Modellfamilie anrollen. Viele Milliarden Euro will der Autobauer in Zukunftstechnologien stecken. Gleichzeit baut man Horrorszenarien auf, das viele Mitarbeiter Ihre Jobs verlieren werden.  

Auch andere deutsche Hersteller treiben die Pläne für Elektrofahrzeuge voran.So bringt Daimler ab Mitte 2019 das erste Fahrzeug der Marke EQ auf den Markt und BMW will 2021 einen i4 fertig haben. Reichlich spät, denn man hatte seine Vorreiterrolle mit dem i3 nicht wirklich genutzt. Die Musik spielt allerdings längst woanders, im Leitmarkt China. Nicht nur die vielen Start ups, die dort bereits aktiv in der Elektromobilität wirken, aber mit über 400.000 verkauften Elektrofahrzeugen setzt man gerade dort die deutschen Hersteller ziemlich unter Druck. 

Die Bundesregierung organisiert die Batteriezellen ?

Was wurde hier nicht diskutiert. Während man den Kern der Elektromobilität – das Akku – bislang kaum auf dem Schirm hatte, hat nun die Bundesregierung mit Milliardensubentionen eine Zellen Produktion in Deutschland auf dem Weg gebracht. E-Autos sollen der Branche den Weg in die Zukunft ebnen – bei der Herstellung der Batteriezellen aber hält man sich in Deutschland bis jetzt zurück. VW prüft noch, während asiatische Hersteller längst machen. BMW, Daimler und VW kaufen die Zellen in Asien und bauen sie zu Akkus zusammen. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh mahnt immer wieder, die Batterie habe einen Wertschöpfungsanteil von 40 Prozent am künftigen Auto: „Wir werden Batteriefabriken bauen müssen.“

Bis 2021 will die Bundesregierung demnach eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Mehrere Konsortien seien dabei, sich zu bilden. Als Ziel gab Altmaier an, dass 2030 bis zu 30 Prozent der weltweiten Produktion aus Deutschland und Europa stammen sollen. Peinlich für deutsche Automobilindustrie

Schärfere CO2 Grenzwerte erhöhen den Druck nochmals

„Der Diesel wird gebraucht“ – so die immer wiederkehrende Argumentation der deutschen Automobilindustrie. Jetzt wird auch klar warum. Die EU-Staaten wollen, dass Neuwagen 2030 durchschnittlich 35 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als 2020. Je strenger die Vorgaben, desto mehr emissionsfreie oder emissionsarme Autos müssen die Hersteller verkaufen – also reine Elektroautos oder die als etwas klimafreundlicher geltenden Diesel, deren Anteil allerdings seit Langem sinkt. Und wie immer kommen vom VDA Klagen, das die deutsche Automobilindustrie stärker als der internationale Wettbewerb belastet wird. Und natürlich auch, das es um deutsche Arbeitsplätze geht.

WLTP zeigt mehr Realität bei den Verbrauchsangaben

Kaum jemand dürfte den Verbrauchsangaben noch geglaubt haben, oder haben sie das ? der alte NEFZ Prüfzyklus war der grösste Betrug am Verbraucher überhaupt.  Und eigentlich sollte das mit dem neuen WLTP ändern. Zumindest zeigt es technische Grenzen und nicht zuletzt, wie viele Motorentypen und Kombinationen überflüssig sind. Auch, weil die neuen Grenzwerte durch die veränderten Verfahren offensichtlich geworden sind. Doch Europas Autobranche kämpft mit der Umstellung, vor allem Volkswagen hadert damit und kommt wegen der Vielzahl an Motor-Getriebe-Varianten bei der Typgenehmigung nur schleppend voran. Die Folge sind sichtbar geworden. Die Autohersteller, allen voran Volkswagen handeln sich ein herbes Minus bei den Auslieferungen ein. Daimler wiederum hat inzwischen zwei Mal seine Prognosen gesenkt, auch BMW hat seine Gewinnprognose gekappt. Gründe, die sich an eine Reihe von weiteren Problemen festmachen lassen.

Ein unkalkulierbares Risiko: Donald Trump

Der Streit um mögliche Sonderzölle auf Autos aus der EU bereitet vor allem den deutschen Herstellern Sorgen. Sie müssen sich arrangieren. US-Präsident Donald Trump hat ganz eigene Vorstellungen vom Welthandel – und die deutschen Autobauer stören ihn besonders. Der derzeit einzigste Trumpf sind Arbeitsplätze in den USA, wenn Trump seinen Willen durchdrückt. Noch gibt es Hoffnung, dass die USA auf die Sonderzölle verzichten. Für den Fall der Fälle hat die EU aber schon eine Liste von Vergeltungsmaßnahmen vorbereitet.

Ein weiteres Desaster während des Abgasskandals: Tierversuche

Erstaunliche Bilder gingen zum Jahresbeginn 2018 um die Welt: Mehrere als Versuchsobjekte benutzte Affen kauern im Testlabor im US-Wüstenstaat New Mexico und atmen Abgase eines VW Beetle ein, während ihnen Zeichentrickfilme gezeigt werden. Dieses Fahrzeug hatte sogar schon die Betrugsoftware an Bord. Die Tests einer von VW, Daimler und BMW finanzierten Lobby-Initiative waren Teil einer Studie, die zeigen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. 

Sogar der Verdacht dass es Schadstofftests mit Menschen gegeben haben soll, kam auf. Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus von der Universität Aachen wies dies zurück. 

Ein weiteres Desaster für die deutsche Automobilindustrie.

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