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Meinung: Transformation der Automobilindustrie wird sehr teuer

Wer sich nicht früh und konsequent auf die teure Transformation der Autoindustrie vorbereitet, bekommt ein großes Problem, so die Meinung von der Unternehmensberatung Roland Berger.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: Volkswagen

Das sich viel tut ist sichtbar, spürbar und die Meldungen und Informationen der letzten Monate gehen klar in Richtung Digitalisierung, veränderte Mobilität durch Elektrofahrzeuge, Klimawandel und Energiewende. Viele Punkte die einen klaren Schluss zulassen: Veränderungen in vielen Bereichen. Auch in der Automobilindustrie, die sehr mit sich selbst aber auch mit der komplexen Situation umgehen muss. Marcus Berret ist seit 2003 Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger und leitet seit  2015 das Automobilgeschäft. Im Manager Magazin gibt er Einblick.

Transformation muss selbst finanziert werden

Wir malen nicht schwarz. Wir sind realistisch. So die Meinung von Marcus Berret, denn die Autoindustrie befindet sich in einer sehr schwierigen Situation. Klar ist, sie muss viele Milliarden Euro in neue Technologien wie die Elektromobilität investieren, mit denen sie zunächst kein Geld verdienen wird. Gleichzeitig schwächeln fast alle wichtigen Märkte, insbesondere der chinesische Markt, wo aktuell das meiste Geld verdient wird.

Berret findet ausserdem, das die Schwäche wichtiger Märkte zur Unzeit kommt. Klar ist für ihn auch, dass die Transformation der Branche teuer wird. Unternehmen sollten ihre Transformation selber finanzieren können. Ein echtes Problem sind die gleichzeitigen Herausforderungen in der Automobilindustrie.

Notwendige Investitionen zwischen politischen und sozialen Aspekten

Berret schaut zurück und meint in dem Interview, dass einige Autohersteller und -zulieferer bereits 2018 ihre Finanzziele verfehlt haben. Doch mit der Elektromobilität werden die Gewinnmargen der Branche weiter verwässert werden. Die europäischen Autohersteller haben ihre jährlichen Investitionen in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 20 Milliarden Euro erhöht und 2019 dürften sie mehr als 100 Milliarden Euro investieren. Dadurch ist klar, dass der negative Cashflow bis 2025 voraussichtlich um weitere rund 15 Milliarden Euro sinken wird. Wer da nicht frühzeitig reagiert, bekommt ein großes Problem, so Berret. Die Erkenntnis für Veränderungen in allen Bereichen ist in den meisten Vorstandsteams da. Aber Unternehmen müssen auch politische und soziale Aspekte berücksichtigen. Ein schwieriger Spagat.

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Keine Alternative zu Jobabbau

Der Cashflow der Autoindustrie wird weiter sinken. Die Unternehmen werden deshalb die Kosten senken müssen, so Berret.  Das betrifft seiner Meinung nach insbesondere die beiden großen Blöcke: die Material- und die Personalkosten. Deshalb schätzen Berret, dass die europäischen Hersteller ihre Personalkosten bis 2025 um 15 bis 20 Milliarden Euro reduzieren müssen.

Das heisst für Berret: Jobabbau. Es ist für ihn realistisch und es betrifft wohl einige Bereiche. Klar ist: Es passiert ja bereits. Auch wenn die deutsche Autoindustrie heute noch in einer guten Position ist, muss jetzt schnell umsteuern , um die Position langfristig halten zu können.

Sparen ist für ihn kein Selbstzweck. Es ist aber wichtig um wichtigen finanziellen Spielraum zu schaffen, denn die künftigen Inventionen sind erheblich.

Aufgaben und Kosten müssen künftig geteilt werden

Die neue Mobilität, die Digitalisierung sind Chancen aber bedeuten weitere Veränderungen für Berret. So müssen Hersteller zusammenarbeiten und sich Aufgaben und Ausgaben teilen. Nicht einmal die Größten der Branche können alle nötigen Investitionen alleine stemmen. Es macht keinen Sinn, wenn 10 oder 15 Unternehmen gleichzeitig den Antriebsstrang oder das Fahrwerk neu erfinden. 

Das BMW und Daimler, die einstigen Erzfeinde bei Mobilitätsdiensten zusammen arbeiten und Volkswagen mit Ford kooperieren will, ist für Berret der richtige Weg. Aber das kann nur ein Anfang sein.
Die Autohersteller müssen sehr schnell die alten Grenzen in ihrem Wettbewerbsdenken weiter verschieben. Gemeinsame Modellarchitekturen, mehr Einkaufsgemeinschaften, die gemeinsame Nutzung von Werken –  da ist noch vieles möglich. Die Frage, was ich als Hersteller wirklich selber machen muss und was nicht, muss völlig neu beantwortet werden. Berret meint, dass das kein einfacher Weg ist, aber es führt auch kein Weg daran vorbei.

Alles was keine Zukunft bietet muss weg

Es wird künftig Übernahmen und Überkreuzbeteiligungen geben, so Berret. Ob bei Zulieferern oder den Automobilherstellern selbst. Innerhalb von mehr als 100 Jahren hat sich dort unter dem Druck der großen Kunden ein hoch effizientes System entwickelt. Egal welche Komponente Sie nehmen – ob Bremsen, Lenksysteme, Reifen oder Außenspiegel – jedes dieser Segmente wird heute von weltweit drei bis fünf relevanten Unternehmen bedient. Bei den Fahrzeugherstellern sind es heute mindestens dreimal so viele. Langfristig wird das nicht zu halten sein.

Das Geschäftsmodell eines Zuliefert muss überprüft werden, so Berret. Alles was keine Zukunft bietet muss weg um künftig wirtschaftlich profitabel arbeiten zu können. Wenn Unternehmen das über ein Jahrzehnt oder länger nicht schaffen und der Wettbewerb auf diesem Markt gleichzeitig härter wird, dann sollten sie über einen Rückzug nachdenken.

Zukunftsbereiche sollten nicht länger gebremst werden

Partnerschaften können eine Alternative sein, so Berret. Denn der europäische Markt ist durch hohe Wettbewerbsintensität und vergleichbar geringes Wachstum nicht mehr sonderlich attraktiv. Das gilt übrigens auch für andere Regionen. Die freiwerdenden Ressourcen könnten dann in zukunftsträchtige Geschäftsbereiche und Märkte investiert werden.

Man sollte zwischen Bereichen die zu Ende gehen und den zukunftsorientierten Bereichen unterscheiden. Gleichzeitig sollten neue Einheiten zum Beispiel für Zukunftstechnologien nicht länger durch traditionelle Geschäftsbereiche gebremst werden. Alle könnten von solchen Entwicklungen profitieren.

Alle sind momentan dabei, sich zu verändern, so Berret. Aber die Konsequenz und die Geschwindigkeit reicht bei vielen Unternehmen noch nicht aus. Das gilt sowohl für Hersteller als auch Zulieferer.

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