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Studie widerlegt Mythos: Kaum mehr Strombedarf durch Elektroautos

von Stefan | emobicon

Wenn in Deutschland künftig  deutlich mehr Elektroautos auf den Markt kommen und verkauft werden, droht dem Land der Strom-Gau – so ähnlich lautet ein beliebtes Apokalypse-Szenario von E-Auto-Skeptikern. Das ist einer von zahlreichen Mythen, die sich halten. Diese  Argumentation klingt zunächst durchaus logisch: Wenn die Deutschen in Massen Elektroautos kaufen, müssen die Energieversorger Strom für hunderttausende oder gar Millionen E-Autos bereitstellen. Das Netz bricht zusammen, die Lichter gehen aus.

Dieser Strombedarf, so behaupten viele am Stammtisch, würde wohl so enorm sein – und neben Riesen-Investitionen ins Stromnetz auch den Bau vieler weiterer Kraftwerke erfordern oder Kernkraftwerke müssten weiter laufen. Ja, alles als Argument schon gehört. Klingt am Stammtisch daher gesagt logisch, ist aber ziemlich daneben gegriffen. Das zeigt eine neue Studie von McKinsey, die manager-magazin.de vorliegt.

Wie wirken sich der Strombedarf auf Elektroautos aus ?

Die Unternehmensberater von KcKinsey haben nachgerechnet, wie sich steigende Elektroauto-Zahlen auf den Strombedarf in Deutschland auswirken. Im Jahr 2015 entfielen noch weniger als 1 Prozent des gesamtdeutschen Pkw-Bestands auf Elektroautos. 2030 sollen nach McKinsey-Annahmen bereits 7 Prozent des deutschen Fuhrparks rein batteriegetrieben fahren, 2050 bereits 40 Prozent.

Für die kommenden 12 Jahre wirkt sich das nur sehr geringfügig auf die deutsche Stromnachfrage aus, haben die McKinsey-Experten ausgerechnet. Bis 2030 steigt die Stromnachfrage durch Elektrofahrzeuge gerade mal um 1 Prozent oder zusätzliche fünf Gigawattstunden an. Denn ein Großteil des in Deutschland nachgefragten Stroms wird für Gebäude und in der Industrie verwendet – das Laden von Elektroautos fällt da nur wenig bis kaum ins Gewicht.

Selbst im Jahr 2050 sollen laut McKinsey-Berechnungen nur rund 6,5 Prozent der gesamten Stromnachfrage von E-Autos stammen. Also 40  von insgesamt gigantischen 619 Terawattstunden. Dabei soll der deutsche Fuhrpark dann zu 40 Prozent aus Elektroautos bestehen, prognostizieren die Berater. Der überwiegende Teil dieses zusätzlich benötigten Stroms dürfte dann wohl aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen werden, merkt McKinsey an.

Was kommt auf die Stromversorger zu ?

Allerdings dürfte, bei stärkerer Verbreitung von Elektroautos, die sogenannten Spitzenlasten Zeiten verschärft werden. Das sind jene Zeiten, an denen am meisten Strom benötigt wird. Nicht nur für Elektroautos, sondern in der gesamten Gesellschaft. Die Berater von McKinsey meinen, das künftig mehr Strom am Abend gebraucht werden wird. Ein Grund sollen dann viele Autofahrer sein, die Ihr Fahrzeug zu Hause oder an öffentlichen Ladesäulen laden.

Für das gesamtdeutsche Stromnetz dürfte dieser Effekt zwar recht gering ausfallen, meinen die Berater. Bis 2030 werde die Spitzenlast im Schnitt nur um ca. 1 Prozent steigen, bis 2050 sind es ca. 5 Prozent. Das dürfte das Stromnetz durchaus verkraften, meint McKinsey.

Auf lokaler Ebene sieht die Sache jedoch etwas anders und unterschiedlich aus. Denn die McKinsey Berater rechnen damit, dass sich Elektroautos in einigen Landkreisen viel schneller als im bundesweiten Schnitt durchsetzen werden – und dort in relativ kurzer Zeit deutlich mehr Elektroautos geladen werden müssen.

Neben dem Hochtaunuskreis, Wolfsburg und Umgebung und dem Münchener Speckgürtel, erwartet man hier einen besonders hohen Anteil von Elektrofahrzeugen. Dort gibt es viele Familien mit mittleren oder hohen Einkommen, die zumeist in Einfamilienhäusern leben und oft mehrere Fahrzeuge im Haushalt besitzen. Es ist wahrscheinlich das sie auf Elektrofahrzeuge umsteigen könnten. 

Energieversorger könnten mit anderen Stromtarife planen

Um das Spitzenlast-Problem in diesen Regionen in den Griff zu bekommen und und Gefährdungen für die Netzstabilität zu gewährleisten  könnten Energieversorger etwa deutlich günstigere Stromtarife in den Nacht- und frühen Morgenstunden anbieten – oder in solchen Regionen selbst größere Batteriespeicher aufstellen. Mit einem geringeren Anteil an privaten Elektroautos rechnen die McKinsey Berater hingegen in vielen ostdeutschen Regionen und in zahlreichen Berliner Bezirken.

Einen weiteren möglichen Engpass sehen die Experten auch etwa bei öffentlichen Schnellladestationen, die etwa entlang von Autobahnen gebaut werden. Wer wann und wie häufig dort lädt, lässt sich nur schwer prognostizieren. Eine hohe Nachfrage am Schnelllader könnte die lokalen Netze jedoch schnell an ihre Grenzen bringen, warnt McKinsey.

Fazit von emobicon

Die Entwicklung der Netze muss einhergehen mit der Entwicklung des Strombedarfs. Genau, wie es bisher geschehen ist. Dank der McKinsey Studie ist wieder eine Bestätigung gekommen, das es nicht so schlecht bestellt ist, um das Stromnetz in Deutschland. Allerdings wird klar deutlich, das man mit der Entwicklung mithalten muss, wenn man die Versorgungssicherheit erhalten will.

Versorger haben u.a. auch eine Lenkungsfunktion. Diese ist nicht nur sinnvoll, sondern entscheidend für die Netzstabilität und Versorgungssicherheit.

Aus technischer Sicht, was die öffentliche (Schnell)Ladeinfrastruktur betrifft, lässt sich bereits heute sagen, das man künftig vernetzter vorgehen wird, um die Auslastung der Ladeinfrastruktur nicht zur Belastung der Netze werden zu lassen. Mit intelligenten Lösungen aus App, Information und Prognose, wird das Aufladen von Fahrzeugen stattfinden können, ohne das man Noteingriffe ins Netz machen muss. 

Man arbeitet heute bereits an Lösungen, wie wir wissen. Die künftige Technik macht es möglich !

Fotos: emobicon

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