CES: Sony wird Autobauer und Autobauer werden was?

von | 12.01.2020 | Autobauer | 0 Kommentare

Mobilität von morgen wird auch elektrisch. Das heisst Software, Konnektivität und Management-Systeme. Technisch komplexer und das braucht Kompetenz. Während der Technikkonzern SONY ein Elektrofahrzeug vorstellt, ist „Made in Germany“ eine Randerscheinung geworden. Ideen und Visionen für die Zukunft findet längst woanders statt.

von Stefan Blome | emobicon - CoverBild: emobicon

Messen sind auch gut dafür sie als Überraschungsmoment zu nutzen. Und während CEBIT in Hannover und die IAA immer mehr eine Randerscheinung sind, oder nicht mehr stattfinden, ist die Technikmesse CES in Las Vegas auch für die Automobilindustrie wichtig geworden. Hier zeigt man die Wirklichkeit von morgen, gibt einen Einblick in die künftigen Ideen der Mobilität und thematisiert das Zusammenspiel von Antrieb und technischer Revolution. Spätestens jetzt dürfte den deutschen Herstellern klar sein, dass diese Show hier nicht mehr Ihre Show ist. Sony will ein Elektrofahrzeug herausbringen. Beeindruckend ist die Vision von morgen. „Dieser Prototyp verkörpert unseren Beitrag zur Zukunft der Mobilität“, sagt der Technikriese. Zulieferer werden zur tragenden Rolle. Aber was wird aus den Automobilherstellern?

Automobilbau braucht immer mehr technisches Verständnis

Spätestens jetzt wird einem das Dilemma der deutschen Hersteller klar. Motoren, Getriebe, der Fahrzeugbau – das funktioniert, das können sie, aber das reicht längst nicht mehr, um erfolgreich zu sein. Zulieferer übernehmen häufig komplexe technische Entwicklungen und diese Entwicklungen sind auch bei anderen gefragt – Technik „Made in Germany“ halt. Schnell zu sein, dass gehört zum Geschäft.  Und diese Vision zwischen SONY und seinem Stromer und deutschen Zulieferern ist beeindruckend. Der Blick auf die Details des Elektrofahrzeuges demonstriert klar, zu was der japanische Konzern in der Lage ist. Ohne deutsche Ingenieurskunst wäre das aber nicht möglich.

SONY, bekannt als Gigant technischen Unterhaltung mit Walkman, TV und Spielkonsole lieferte früher die Radios, die in deutschen Fahrzeugen verbaut wurden. Jetzt und in Zukunft wird es anders sein: Deutsche Technik im japanischen Voll Stromer.  Es revolutioniert Mobilität.

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Deutsche Technik gibt es kaum noch

Dabei ist der Automobilbau der ganze Stolz Deutschlands in Las Vegas. Immer wieder mahnt der Lobbyverband VDA an, dass Deutschland von der deutschen Automobilindustrie lebt. Aber die CES zeigt auch: Deutsche Hersteller haben die Stärke des Fahrzeugbaues. Bei der Technik spielen sie kaum noch eine Rolle – da haben längst und schon Jahre lang andere die Nase vorn. Die CES ist auch Sinnbild früherer Stärken. AEG, Telefunken, Schneider – manch andere traditionelle Industrien deutscher Produktion findet man hier nicht mehr. Sie sind nicht mehr da, oder, wie z.B. AEG , findet man sie nur noch namensgebenden aus ausländischer Produktion wieder. Diese Consumer Electronic ist noch der Name – nicht mehr die Entwicklung. Dieser Ursprung gehört zur deutschen Industriegeschichte. 

Innovation Made in… ? Deutschland ist nur noch Absatzmarkt

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Asiatische Technik in europäischer Namensgebung gibt es zu Hauf. Für Unterhaltungselektronik ist Deutschland nur noch als Absatzmarkt interessant. Produktion, Forschung und Entwicklung sind längst Richtung Osten abgewandert: nach Südkorea, China, Japan. 

Die ultimative, einzelne Lösung für das Batterieproblem bei Elektroautos wird auf der CES vermutlich niemals vorgestellt werden. Doch allein schon, dass nun auch Konzerne wie Sony über das Thema nachdenken und ihr Know-how in die Entwicklung von Autos einfließen lassen möchten, ist ein Zeichen für eine globale Verkehrswende.

Es ist aber nicht so, dass sich die deutschen Unternehmen nicht mühten. Sie tun sich schwerer und die Show soll aufzeigen, was deren Zukunft ist. Ein futuristisches Konzeptfahrzeug – vielleicht irgendwann in 15 Jahren Wirklichkeit – das ist die Vision, die nichts sagt, weil sich das keiner vorstellen kann. Heute hat man nicht viel für morgen zu bieten.

Keine Innovation Made in Germany

Das Design brachte auf der Messe viel Aufmerksamkeit. Keine Kanten, alles ist geschwungen, überall pulsieren Lichter. Und im Inneren findet man keine Knöpfe, und keine Schalter, nicht einmal ein Lenkrad. Die Vision die keine ist? Realistisch ist heute eher, dass dieses Modell nie über öffentliche Straßen rollen wird. Daimler plant zudem keine Produktion in Serie. Spektakulär das eine – aber keine Revolution wie man sie heute braucht. 

Es gibt andere Themen: Elektromobilität und autonomes Fahren. Und bei keinem der beiden Themen können die deutschen Unternehmen wirklich Akzente setzen. Zu weit weg das Thema. Kaum Fahrzeuge aus deutscher Produktion, kaum ernstzunehmende Zukunft. Es wirkt bieder, technisch veraltet und nicht konsequent die ‚“etrons“ und „EQC“ dieser Saison. Volkswagen produziert einen unvollständigen ID.3 und Plug in Hybride spielen keine Rolle – nicht viel, was man bieten kann.

Elektromobilität als Trend wird offenbar nicht ernst genommen

BMW suchte die Aufmerksamkeit mit dem Zero-G-Lounger – einen Sitz. Er ist sehr bequem, seine Rückenlehne lässt sich um 60 Grad nach hinten neigen, sodass man fast liegt. Ist das Zukunft?  Audi zeigte einen Showcar namens Al:ME, in dem sich viele Funktionen per Blick steuern lassen sollen. Pupillenbewegung löst damit zum Beispiel eine Bestellung oder Reservierung aus. Aber was hat das mit den Trendthemen Elektromobilität und autonomen Fahren zu tun? Nichts.

Wie sooft zeigen andere nicht nur Konzepte und hollywoodbasierte Studien, sondern konkrete Ideen. Robotorautos, die über die Strassen von Las Vegas fahren. Ohne Fahrer und dafür gab es auch die erhoffte Aufmerksamkeit. Deutlich wird das Zusammentreffen von Fahrzeug und Technik. Weitergedacht und nicht nur ein theoretische Annahme, sondern echte Praxiserprobung für eine baldige Zukunft. Den Deutschen gilt ein solcher Stunt als zu riskant. Sowas machen sie nicht – aber warum? 

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Spektakuläre Realität kommt von anderswo

Ähnliches beim Themenfeld „Elektromobilität“. Die Neuheiten kamen aus anderen Ländern. Während bei uns die echte elektrische Reichweite von Audi, Daimler und Co bei eher rund 300 km liegen, zeigt das niederländische Start-up Lightyear einen Stromer, der mit einer Akkuladung 725 Kilometer weit kommen soll. Das wäre ein spektakulärer Wert. Und auf dem Dach des Lightyear One befinden sich zusätzlich Solarzellen, die sogar noch zusätzliche Kilometer bringen sollen. Das Unternehmen sagte: rund 10.000 pro Jahr, wenn man unter der Sonne von Las Vegas fährt, etwa 8000 Extrakilometer im wolkigeren Europa.

Visionär oder abgekuppelt von Sono Motors, die mit einer ähnlichen Vision derzeit noch Kapital brauchen, um das Projekt voran zu bringen. Man ist bei Lightyear offensichtlich schon weiter, denn im kommenden Jahr soll die Auslieferung beginnen.

Byton, Tesla und Zulieferer geben den Weg vor

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Stardesigner Henrik Fisker zeigte auf der CES den Ocean – das angeblich sauberste Auto der Welt. Der gesamte Innenraum ist aus recycelten Materialien, zum Beispiel aus alten Plastikflaschen, T-Shirts, Autoreifen und Fischernetzen, die einst irgendwo im Meer verrotteten. Gewagt und nicht nur gesagt die Visionen der Treiber aus dem Ausland. Aber sie sind zielstrebig und weiter, weil die deutschen Hersteller leider nicht soweit denken. 

Was man deutlich sehen kann: Deutschland ist hier kein Player, kein Visionär und hat keinen echten Fortschritt aufweisen können. Deutschland hat eher vorgemacht, wie man Fahrzeuge, Mobilität bauen kann – aber die fehlende Kompetenz in Batterie, KI, in Technik und Konnektivität lässt sie eher als Helfer darstellen.  Technik von deutschen Automobilzulieferern, die offensichtlich schon viel weiter sind, als die Hersteller der Fahrzeuge.

Viele TESLA Killer soll es ja schon gegeben haben – aber da ist keiner – bis jetzt?  – Jetzt kommt Byton , die mit Bosch dem M-Byte vorgestellt haben. 

Andere deutsche Zulieferer setzen ebenso auf Technik von morgen. So will Continental, dass das Auto per Smartphone aus der Ferne einparken kann. Hightech aus Deutschland gibt es aber auch trotzdem. Bosch zeigte im seine neuen Lidar-Sensoren, die ihre Umgebung dreidimensional erfassen. Ein wichtiges Element, für das autonome Fahren.

Den Wandel nicht als Chance verstanden?

 Deutsch, europäisch oder eher asiatisch? Jeder sucht die Lösung für die Verkehrswende. Unterschiedlich weit gedacht sind die Ideen und erste Konzepte gibt es von überall – wenige Visionen aus Deutschland. Es gibt gewaltiges Potential in der Mobilität von morgen. Man tut es, oder lässt es tun. Der Übergang ist scheinbar fliessend. Doch Mobilität, die sich verändert hat auch hier Sieger und Verlierer. Schnelligkeit, Innovation und Ideen müssen in die Zeit passen.

Klar ist aber auch, das ganze Industrien sich verändern. Analog war gestern – Digitalität ist morgen und jetzt. Wer Hersteller ist und welcher Kontinent das produziert, wird man kaum noch wissen – zumindest nicht der Konsument. 

Das dieser Wandel und diese Veränderung nicht nur Risiko, sondern vor allem eine Chance ist, dürfte auch den deutschen Herstellern klar sein. Wie weit sie denken bleibt abzuwarten. Ers hilft nicht mehr nur lange genug vorher anzukündigen, sondern liefern muss man, um glaubwürdig zu sein und ernst genommen zu werden.

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Über mich: Der Experte rund ums Thema eMobilität.

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Autor: Harald

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