Ausblick ElektromobilitätAutobauerBatterieElektroauto MytheneMobilitätKobaltNewsUmweltbilanz

Elektroauto: Das Recycling eines Akkus ist erst der dritte Schritt

Ein Akku ist noch lange nicht am Ende, wenn das Fahrzeug in die Jahre gekommen ist. So viele sprechen von Recycling. Daran arbeitet man. Aber das ist erst der letzte Schritt.

von Harald M. Depta | emobicon

Von der Elektromobilität als Lösung für die Zukunft sind längst nicht alle überzeugt. Sie wird aber einen Teil unserer Mobilität ausmachen. Sowohl im PKW, aber auch im urbanen Lieferverkehr und im öffentlichen Nahverkehr sowieso. Zu den Mythen der Elektromobilität gehört auch der Kritikpunkt, das die Ökobilanz des Akkus schlecht sei und das man diese angeblich nicht recyceln kann. An Recyclingkonzepten arbeitet man schon länger. Hier wird in der Zukunft eine neue Industrie entstehen. Bis dahin hat ein Fahrzeugakku aber noch das 2. leben bevor es dann „auseinander“ genommen wird. 

Es gibt aktuell kaum "alte" Fahrzeugakkus

Klar ist bereits: In der EU ist es heute verboten, Akkus aus Elektroautos einfach zu entsorgen. Vorgabe ist, das mindestens 50 Prozent einer Elektroauto-Batterie wiederverwertet werden müssen Dass das bisher nur im kleinen Maßstab passiert, liegt an verschiedenen Gründen, vor allem aber an einem ganz profanen: Es gibt nur wenige bis kaum alte Elektroautos und ein Fahrzeugakku ist noch für viel mehr zu gebrauchen, als ein rollender Energiespeicher. Eine Industrie entsteht und längst ist das Recycling von Akkus in verschiedenen Projekten thematisiert.

Vor dem Recycling kommt das 2. Leben

Ein Akku ist nicht unbrauchbar, wenn es als Energieträger in Fahrzeugen nicht mehr benötigt wird oder die Kapazität abnimmt. Als Speicher an Ladesäulen, Energiespeicher für die bessere Nutzung von Photovoltaik in der Thematik Energiewende wird es künftig weitere grosse Aufgaben haben. Beispielsweise als Energiepuffer im Stromnetz oder als Energiespeicher für die sogennante „Zeit der Flaute“. Auch eine Wiederverwertung als mobile Lösung ist denkbar. Erste Lösungen für den Markt werden entwickelt.

Diesen Weg geht Hersteller Nissan. Das Unternehmen will künftig Batteriepacks aus gebrauchten Nissan-Leaf-Batterien anbieten. So können locker noch einmal fünf bis zehn Jahre aus den Batterien rausgeholt werden. Daimler nutzt alte Fahrzeugakkus bereits heute als Energiespeicher und BMW hat mit dem belgischen Unternehmen Umicore Konzepte in der Schublade, wie man alte Fahrzeugakku wiederverwendet oder die Rohstoffe in einem Kreislauf wiederverwendet. 

Recycling im Hochofen oder die Handzerlegung

Was man heute weiss ist, dass wir im Grunde erst in zehn bis zwanzig Jahren mit großen Altakkuwellen rechnen müssen. Aber schon heute landen Elektroauto-Akkus im Recycling, etwa wenn sie von kommerziellen Unternehmen so intensiv genutzt wurden, dass sie vorzeitig gealtert sind. Die Probleme tun sich aktuell an anderer Stelle auf: Das Recycling ist aktuell teuer und mühsam. Technische Gegebenheiten und die Hochvolttechnik erfordern ganz andere Massnahmen, um ein Akku sicher zu zerlegen und Teile wieder zu verwenden.

Es gibt gute Gründe für Industrie und Wissenschaft, sich intensiv mit dem Recycling ausrangierter Lithium-Ionen-Autoakkus zu beschäftigen. Mit dem sogenannten „pyrometallurgischen Verfahren“ steht dafür sogar bereits eine Technologie zur Verfügung. Der Prozess wird schon heute für das Recycling von Akkus aus Elektrogeräten genutzt und wird aktuell für das Akkurecycling neu konzipiert.

Beim „pyrometallurgischen Verfahren“ werden die Batterien nach der Demontage in einen Hochofen gegeben. Dort werden sie aufgeschmolzen, sodass sich Metalle wie Kobalt oder Nickel zurückgewinnen lassen. Da sich diese Metalle bei unterschiedlichen Temperaturen verflüssigen, können sie gut voneinander getrennt werden. Das Lithium dagegen bleibt in der Schlacke, kann aber in einem zweiten Schritt extrahiert werden.

Lesen Sie auch

Hersteller arbeiten an Recycling Lösungen

Aktuell werden Akkus per Hand zerlegt. Es liegt daran, das es hier noch keine einheitlichen Standards gibt. Von diesen Standards sind wir noch weit entfernt. Bei der Entwicklung neuer Aktuellen und Akkupakete wird bei der Entwicklung nur bedingt an das Recycling gedacht, was darin resultiert, dass einzelne Komponenten teils nur schwer trennbar sind. Die Rückgewinnungsrate für die einzelnen Materialien liegt im Schnitt bei etwa 50 Prozent. Der Hersteller VW arbeitet jedoch im Moment daran, diese Quote auf 97 Prozent hochzudrücken.

Auch TESLA möchte bei der neuen Generation von Aktuellen die Rohstoffmischungen so ändern, das sie besser verwertet werden können. Das soll die Akkus natürlich erst einmal noch leistungsstärker und noch langlebiger machen. 

Dennoch ist klar: Recycling ist für die Elektromobilität von wesentlicher Bedeutung. Es verbessert nicht nur die Ökobilanz der Fahrzeuge, sondern es senkt die Kosten und verringert auch die Abhängigkeit vom Nachschub an Rohstoffen. So wie die Batterien im Hausgebrauch nichts im Hausmülls zu suchen haben, ist auch bei Akkus für Elektrofahrzeuge klar, das Recycling klar: Es passiert. 

4 Gedanken zu „Elektroauto: Das Recycling eines Akkus ist erst der dritte Schritt

      1. Wenn Sie sagen, dass Sie heute schon wissen wie es geht, die Akkus der e-Autos nachhaltig zu recyceln, dann ist es ja gut. Bei der Einführung der Atomenergie wusste man das nicht. Man hat sie uns als die Umwelt schonende Energiequelle verkauft, den Schlamassel haben wir heute.

        1. … es darf sich alles entwickeln und so wird das 2. Leben der Batterie nach dem Autoleben grosses Thema werden – später dann das Recycling. Das ist absolut wichtig. Es wird bei vielen Technologien immer erst was behauptet, was später in der Realität anders ist. Hoffen wir, das man diesmal schlauer ist
          Danke für Ihre Meinung Herr Nürnberger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.