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Porsche: Der Taycan kann erstmal nicht mit 350 kW laden

Porsche: Der Taycan kann erstmal nicht mit 350 kW laden | emobicon

Automobilhersteller Porsche nimmt die Ankündigung für sein Elektrofahrzeug TAYCAN zurück, dass das Modell mit 350 kW laden kann. Endlich scheint man in der Realität angekommen zu sein, denn sowohl physikalisch als auch aus Gründen des Akkuschutzes ist das kaum realisierbar.

von Thorsten Bär | emobicon - CoverBild: emobicon

Es sollte das revolutionäre Features von Porsche sein. In Minuten hat man das Elektrofahrzeug TAYCAN an den Ultra Schnellladern aufgeladen. Nicht wenige Experten, aber auch Elektroautofahrer der ersten Stunde wunderten sich, denn diese Ladeleistungen haben nicht nur einen möglichen positiven Effekt. Die technischen Herausforderungen das tun zu können sind enorm und offenbar grösser als man bei Porsche dachte. Aus Sicherheitsgründen wird das mit der Ultraschnellladung erstmal nichts. Diese Schnellladung von bis zu 350 kW ist erstmal vom Tisch. 

Bei 250 kW Ladeleistung ist erstmal Schluss

So sollen technische Probleme das Aufladen an Schnellladestationen mit max. 250 kW Ladeleistung ermöglichen. Das berichtet Auto Motor Sport. Die angekündigte höhere Kapazität soll dann irgendwann in 2021 angelegt werden können und wird zu einem Ladevorgang führen, der „nur noch“ 14 Minuten dauern soll. So die neue Version der Pressestelle von Porsche. Eher Ausrede oder das rausreden sich generell getäuscht zu haben?

Die Mythen zur Elektromobilität halten sich hartnäckig.  Ein Elektrofahrzeug muss genau so schnell geladen sein, wie ein Tankvorgang beim Kraftstoff. Blödsinn sagen wir. Dazu kommt, das man den „vollen“ Ladevorgang beim schnellladen mit 80 Prozent Akkustand angibt. Das liegt daran, das man ab ca. 80 Prozent Akkustand eine technische bedingte  Ladeleistung erhält. Es geht ab dann langsamer voran. Ausserdem spielen Weitere Faktoren eine Rolle, wie Akkutemperatur, Ladeleistung und Akkugrösse mit dem aktuellen Akkustand beim Start des Ladevorganges. 

So soll, rein rechnerisch beim Taycan, in ca. 4 Minuten Ladevorgang 100 km Reichweite bei rauskommen. Für eine Pause nach ein paar Hundert Kilometer mit einem frischen Kaffee, ein Gang auf die Toilette völlig relaxt. Wir kennen das aus über 6 Jahren Elektromobilität und es funktioniert ohne nachteilig zu sein. Man muss sich verabschieden vom Tankvorgang im Kopf. Das Aufladen passiert „nebenbei“ eben immer da wo man sowieso steht. Und da ein Fahrzeug generell mehr steht als es fährt ist es sowieso recht entspannt.

Standard wird eher die 150 kW Ladeleistung werden

Auch wenn wir aktuell in Deutschland immer mehr Schnellladestationen entlang der Autobahnen haben, gibt die echte Schnellladestruktur wie sie Porsche haben will nur bedingt solche Ladeleistungen her. Die meisten Schnelllader an den Raststätten haben aktuell 50 kW Ladeleistung. Für viele Elektrofahrzeuge ausreichend. Selbst Teslas Supercharger V3 aus diesem Jahr bringt „nur“ 250 Kilowatt an den Anschluss. Völlig ausreichend. Ladestationen die mindestens 150 kW Ladeleistung haben gibt es aktuell noch wenige. Der Aufbau läuft und bereits heute kann man sagen das in der „Verdichtung“ zwar einige Schnelllader ausgetauscht werden, aber bei weitem nicht alle. 

Tesla wird bei der Ladeleistung nicht überholt werden

Tesla hat mittlerweile ein europaweites Schnellladesystem, was sogar für das Model 3 mit CCS nachgerüstet wurde. Hier sind Ladeleistungen von 150 kW möglich. Technisch gab es hier vor einiger Zeit ein Softwareupdate, dass es ermöglicht, dass das Model 3 bereits bis zu 200 kW Ladeleistung an Ladestationen ausserhalb vom Superchargernetz aufnehmen kann. Noch in diesem Jahr soll dann per Softwareupdate die Ladeleistung auf 250 kW erhöht werden.

Tesla hat das was Porsche gerne hätte. Fahrzeuge die praktisch überall laden können, während Porsche Fahrzeuge nicht an die Supercharger von Tesla laden können.

Porsche will zwar mit seinem Joint-Venture-Unternehmen Ionity dafür sorgen, bis Ende 2019 bundesweit 400 Ladestationen mit 350 Kilowatt zu installieren, das dürfte aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Ebenso ist offen ob es technisch auch machbar erscheint. Hier hängt man dem Zeitplan aktuell deutlich hinterher.

Einstiegsmodell von rund 80.000 Euro kommt später

Für Porsche ist klar: Die Zukunft des Unternehmens hängt auch am Taycan. Dieses Fahrzeug soll im Herbst auf der Internationalen Autoausstellung offiziell in den Markt eingeführt werden. Der mit den Vorschusslorbeeren eines Tesla-Killers bedachte Taycan soll voraussichtlich Anfang 2020 in den Handel kommen. Der Porsche muss sich hier erst einmal beweisen. Während Tesla mit seinen Modellen S, X und 3 bereits Milliarden elektrische Kilometer an Erfahrung gesammelt hat, wird Porsche mit dem Top-Modell starten, für das wenigstens 130.000 Euro zu haben sein wird. Wie bei vielen Herstellern auch bei Porsche: Die günstigeren Varianten mit Einstiegspreisen von rund 80.000 Euro kommen erst deutlich später. 

Fazit

Man redet sich ein, das alles an der Ladeleistung hängt. Es ist falsch. Das beweisen die zehntausenden Fahrer von Elektrofahrzeugen schon jetzt. Bei selbst 20.000 km Jahresfahrleistung ist eher die Frage, wie hoch der Anteil ist  um an Schnellladestationen zu laden. Fakt ist: Die meisten Ladevorgänge finden an Wechselladestationen zu Hause oder im Unternehmen statt. Das reicht in der Regel aus. 

Bei gelegentlichen Fernstrecken kommt es vor, dass man Schnelllader entlang der Strecke benötigt. Das ist planbar und eine Pause in Verbindung mit einem Ladestopp ist problemlos realisierbar. Es geht auch um Sicherheit für Fahrer und Fahrzeug.

Es ist nicht revolutionär, wenn Porsche behauptet das alles schnell schnell gehen muss. Es sind hohe Risiken damit verbunden. Zum einem ist es ultra teuer solche hohe Ladeleistung vorzuhalten und was solch eine gelegentliche Schnellladung mit dem Akku macht kann derzeit noch keiner sagen – selbst Porsche nicht, die mit Ihren Probefahrzeugen dafür zu wenig Erfahrung gesammelt haben. 

Selbst Tesla lässt sich damit Zeit und schlussendlich geht es um Sicherheit und Bequemlichkeit, aber auch um die Technik die beherrschbar sein will. Da hat Tesla mit seinen Modellen ganz klar die Nase vorn und viel Erfahrung.

4 Gedanken zu „Porsche: Der Taycan kann erstmal nicht mit 350 kW laden

  1. Anstatt alle Kommetare zu löschen, hätte man einen Link auf die Quelle für die angebliche 350kW Ankündigung setzen können. Das fehlt nämlich immer noch und wäre ein wesetlicher Punkt, der den Artikel glaubwürdig machen würde.

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