Mobilität: Plug in Hybrid – zwischen Versprechen und Realität

von | 09.01.2020 | Allgemein, Autobauer | 0 Kommentare

Plug in Hybrid Fahrzeuge – eine Lösung für die Mobilität von morgen? Teuer und unnötig sagen die einen – eine gute Lösung sagen andere. Die Realität zeigt, dass der Verbrauch oft viel zu hoch ist und die Angaben oft nicht stimmen. Die Hersteller müssen sich das Schönreden. Ihnen drohen hohe Strafen. Ist die Bequemlichkeit der Fahrer nur teuer erkauft oder alles, worum es geht egal?

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Es klingt gut: Kombinierter Verbrauch mit  Benzin: 2,5 l/100 km Verbrauch. Wirklich? Realistisch betrachtet ist das kaum möglich und wenn man ehrlich ist, dann geht es auch nicht. Das liegt auch daran, dass man die mögliche und angegebene Reichweite ganz offensichtlich nur Theorie sind. Funktionieren würde es offenbar nur, wenn man das Akku entsprechend nachlädt, um 100 km in Kombination überhaupt fahren zu können. Vorteil hat nur der Hersteller, denn ihm drohen wegen zu hoher CO2-Werte ihrer Neuwagen ab 2021 hohe Geldstrafen. Auch deshalb sollen Hybride mit Verbrennungs- und Elektromotor die Rettung bringen. Das Argument: Sie sparen CO2 ein und das angeblich eine Menge. In der Realität aber leider auch nur dort. Die politische Weichenstellung der Förderung hat nichts mit Klimaschutz zu tun.

Mit unrealistischen Angaben auf Kundenfang

Glaubt man den Herstellern, dann gibt es nichts besseres. Eingelullt von den Marketingversprechen glauben aber viele den Angaben. Aber Vorsicht: Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, die mit 2 oder 2,5 Liter Verbrauch offiziell angegeben werden, sind mit 2 oder 2,5 Liter zu fahren, wenn man alle 20, alle 30 Kilometer an die Steckdose fährt. Also, solange man vermeidet, dass das Fahrzeug in den Verbrennermodus geht, dann schafft man auch die Verbrauchswerte. 

Das ist aber völlig unrealistisch, nicht alltagstauglich und bringt weder dem Fahrer noch den versprochenen Nutzen für das Klima. Anders betrachtet muss man auch sehen, das sich die Hersteller mit dieser neuen Tricksereien keinen Gefallen tun. Haben Sie aus NEFZ Laborwerten und den Angaben, die falsch waren nichts gelernt? Offensichtlich nicht. Bleibt also die Frage, warum der Käufer solcher Modelle das nicht sehen will?

Vielen scheint es egal zu sein. Der eigene Vorteil der Steuererleichterung ist offensichtlich die Massgabe.

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Der Käufer wird der Dumme sein

So wissen wir auch, dass Unternehmen Mitarbeiter zwingen solche Plug in Hybride zu fahren. Der grüne Anstrich, gute Konditionen für das Unternehmen, Steuererleichterungen und Steuervorteile für Mitarbeiter und eine gute Absatzquelle für den Hersteller und für das theoretische  Erreichen der klimapolitischen Vorgaben machen diesen Unsinn zu einer neuen Mogelpackung. 

Vorteile gibt es nur für den Hersteller

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Die Kehrseite der Plug-in-Hybride ist auch nicht zu unterschätzen: Die Technik ist teuer, sperrig und schwer. Im übrigen auch eine ziemliche Herausforderung für jeden Ingenieur. Vorgaben lassen sich so kaum umsetzen. Die komplexe Technik wird vorzugsweise in größere SUV eingebaut, deren Kunden besonders zahlungswillig sind. 

In kurzer Zeit hat sich der Anteil der Stadtgeländewagen am deutschen Markt deutlich erhöht. Hinzu kommen die vom KBA gesondert gezählten „echten“ Geländewagen mit über 10 Prozent. Das rustikale Design lockt die Kunden vor allem von den Kompaktwagen und den Minivans weg. Wunsch der Hersteller dürften demnach Hybrid SUV sein, denn sie drücken sie den CO₂-Wert und werden vom Staat mit einer Kaufprämie gefördert. Dank des vergleichsweise hohen Preises bringen sie aber trotz der aufwendigen Technik Gewinn in die Kasse. Bei kleineren Autos in der Kompaktklasse ist das kaum noch möglich. VW Chef Diess hatte mal geäussert:  „Große SUV mit positiven Deckungsbeiträgen hybridisieren“.

Technischer Rückstand – aufgezeigt durch hybride Technik

Aus unserer Sicht werden mit den Hybriden ganz besondere Fehlanreize gesetzt. Sie bringen der Umwelt nichts, kosten aber den Steuerzahler viel Geld. Klar wird einfach nicht, wohin die Reise geht, aber klar ist auch: Die meisten Plug in Hybrid Fahrzeuge zeigen einen deutlich technischen Rückstand der Hersteller. Man redet es sich schön. Aus dem Abgasskandal scheint man nichts gelernt zu haben.

In den Niederlanden und in Grossbritannien hat man erkannt, dass man mit diesen Fahrzeugen keine Vorteile hat. Hier wurden die Steuervergünstigungen bei Plug-in-Hybriden längst abgeschafft. Grund waren die Mehrverbräuche, die deutlich über 100 Prozent lagen. Die deutsche Bundesregierung hält aber an der Förderung fest. Damit ist klar: Es geht nicht um Klimaschutz.

Die Realität zeigt den Blödsinn insgesamt

Wie die britische BBC berichtet, wurden zehntausende Plug-In-Hybride zwar staatlich gefördert, aber nur selten und zum Teil sogar nie elektrisch aufgeladen. Mehr als 70 Prozent dieser Fahrzeuge wurden bis 2018 in Großbritannien als Dienstwagen gekauft, 37.000 Stück insgesamt. Oft als Ersatz für Dieselfahrzeuge. 

Die erhobenen Daten des Unternehmens „Miles Consultancy“, die der BBC vorliegen, zeigen: Der Realverbrauch von 1500 untersuchten Hybriden lag bei etwas über sechs Litern pro 100 Kilometer. Laut Herstellerangaben hätte er aber nur bei knapp zwei Litern liegen müssen.

Es gebe sogar Fälle, in denen Dienstwagen-Fahrer ihre Autos tatsächlich nie aufgeladen, sondern ausschließlich betankt hätten. 

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Dabei kommt sogar raus: „Die Kabel lagen noch originalverpackt im Kofferraum, während die Unternehmen einfach das Tanken bezahlten“, berichtet Paul Hollick von „Miles Consultancy“ der BBC. Das sei eine „lächerliche Praxis“ und so weder vorgesehen ist, noch gewollt wurde.

Der Verband der Automobilindustrie widerspricht der Berichterstattung über die Hybride. Sie sagt, dass der Klimanutzen vom Fahrprofil abhängt, also welche Strecken man fährt. Wirklich? Derweilen werden Plug in Hybride weiter massiv gefördert. Die Förderung wird sogar ausgeweitet. Im Gegensatz zu den Forderungen von Experten. Damit kann man die Realität verschleiern, so glaubt man. Politik und Hersteller behaupten das eine – tun dann aber das andere, um sich zu schützen und einen grünen Anstrich zu geben, der mit diesen Fahrzeugen aber nichts weiter, als eine Mogelpackung ist. 

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