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Elektromobilität: Mehr als die Hälfte der Neuwagen in Norwegen fährt elektrisch

Norwegen bleibt auch weiterhin das Land mit dem höchsten Anteil an Elektroautos in Europa. Nach aktuellen Zahlen wurden im vergangenen Jahr sogar mehr Autos mit Elektro- und Hybridantrieb als mit Verbrennungsantrieb angemeldet. Was ist der Unterschied zu Deutschland ?

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon

Noch immer sind wir von unserer Bildungsreise mit wallbe® im vergangenen Herbst von dem Erlebnis Norwegen | Oslo begeistert. Ein paar Dinge müssen ja anders sein, wenn man dort rund 50 Prozent Zulassungen von Elektrofahrzeugen verzeichnet. Die Zahlen aus Norwegen beeindrucken.

Das die Norweger in der eMobilität ganz weit vorne sind, kann man, zunächst an den nackten Zahlen sehen. Bei uns in Deutschland, mit rund 45000 elektrischen und elektrifizierten Fahrzeugen eine Nische – und das bei über 80 Millionen Einwohnern. Norwegen mit seinen rund  5 Millionen Einwohnern hat in 2018 rund 46000 elektrische Fahrzeuge zugelassen. Was ist anders und warum und was können wir daraus lernen ?

Deutlich und schnell ändert sich die Antriebsart

Schauen wir uns zunächst mal die nackten Zahlen an: 47,8 Prozent der neu angemeldeten Autos hatten einen Diesel- oder Benzinmotor, 52,2 Prozent hingegen einen alternativen Antrieb – dazu gehören auch Fahrzeuge mit Brennstoffzelle oder Erdgasantrieb – die Zahlen hierbei sind aber sehr gering.So meldete es der Interessenverbandes Opplysningsrådet for Veitrafikken Das ist sowas wie ein Mobilitätsbeirat. 

Deutlich erkennbar: Dieselfahrzeuge verloren am meisten. Von rund 76 Prozent in 2011, ging die Zahl  auf unter 20 Prozent im Jahr 2018 zurück. Die Präferenzen ändern sich deutlich und schnell.

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Grosszügige Unterstützung als Förderung für den Wechsel

Hauptgrund für den Wechsel auf Elektroautos in Norwegen ist die starke staatliche Förderung, denn der Staat besteuert herkömmliche Autos sehr stark, während beim Kauf von sauberen Fahrzeugen keine Steuern erhoben werden.  Hinzu kommen Vergünstigungen wie eine sehr geringe Kraftfahrzeugsteuer oder die kostenfreie Nutzung der Mautstraßen und der staatlichen Fähren. Ab 2025 sollen in Norwegen nur noch abgasfreie Pkw und kleinere Nutzfahrzeuge verkauft werden.

Dazu kommt: Bis vor Kurzem mussten die Stromer gar keine Gebühren für Straßenmaut, Fähren oder fürs Parken zahlen. Mittlerweile gibt es solche Abgaben auch für Elektroautos, aber nur bis zur Hälfte des normalen Preises. Im Prinzip fördern also sowohl der Staat, als auch die Fahrer von Verbrennerautos die Vergünstigungen der Elektromobile. Außerdem dürfen Elektrofahrzeuge die Spuren von Bussen und Taxen benutzen und im Stau an den Verbrennern vorbeifahren.

Der Staat baut die Ladeinfrastruktur

Wir haben es selbst gesehen. Ob Einkaufszentrum, Laden am Arbeitsplatz und auch für unterwegs. Die Situationen sind gut, auch wenn man immer wieder an die grenzen stösst. Alles darf sich entwickeln, so auch die Ladeinfrastruktur zur Elektromobilität. Dies ist in vielen Ländern ein strittiger Punkt. 

Autohersteller und die öffentliche Hand streiten darüber, wer die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur übernehmen muss. In Norwegen vergibt die staatliche Firma Enova Aufträge für den Aufbau einer Kette an Ladestationen. Ganz uneigennützig geschieht dies nicht. Die Regierung hofft so, Kompetenz und Expertise in dieser wichtigen Zukunftstechnologie gewinnen zu können.

Ein möglicher Nachteil des Booms ist jedoch, dass wegen des großen Bedarfs die Lademöglichkeiten knapp werden. Man arbeitet mit Hochdruck an Lösungen. Die Norsk Elbilforening, die Vereinigung der norwegischen Elektroautobesitzer, hat schon dazu geraten, nur dann ein Elektroauto zu kaufen, wenn die Möglichkeit besteht, es zu Hause zu laden. Der Staat fördert jedoch den Ausbau der Lade-Infrastruktur. So werden verstärkt Parkhäuser mit Lademöglichkeiten ausgestattet.

Auf den Hauptverkehrsstraßen findest man bereits schon jetzt im Schnitt alle 50 Kilometer zwei Schnellladesäulen, mit denen Elektroauto in weniger als einer Stunde aufgeladen werden können.

Das reiche Norwegen ohne Autolobby

Norwegen ist eines der reichsten Länder der Welt – nicht zuletzt dank der Einnahmen aus dem Ölgeschäft. So liegt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bei über 75.000 US-Dollar. Dies entspricht weltweit Platz drei hinter Luxemburg und der Schweiz. Zum Vergleich: Deutschland kommt auf einen Wert von 41.902 Dollar. Die Förderprogramme der norwegischen Regierung wurden also auch deshalb so gut angenommen, weil ausreichend Geld für den Kauf eines Elektroautos vorhanden war.

In Norwegen gibt es zudem keine traditionsreichen Autohersteller mit vielen Mitarbeitern. Das hat zur Folge, dass auch die emotionale Bindung an eine bestimmte Marke nicht so hoch ist, wie grösstenteils in Deutschland. So hatte es der Technologiekonzern TESLA einfach in Norwegen zur gefragten Marke zu werden.  In Deutschland hingegen sind mehr als 850.000 Menschen in der Automobilindustrie beschäftigt. Diese Mitarbeiter fahren zudem sehr häufig ein Fahrzeug Ihres Arbeitgeber. 

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Elektroautobesitzer sind mächtig

Der Verband der Elektroautobesitzer in Norwegen ist eine mächtige Institution mit entsprechendem Einfluss. So fordert man immer wieder ein komplettes Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2025. Und man fordert nicht nur, man tut auch was dafür. In erster Linie ist man für Aufklärung. Hier hat man, nach langer Skepsis der Norweger geschafftDie Organisation sitzt mit am Tisch, wenn über Veränderungen diskutiert wird. In mehreren Arbeitsgruppen ist man organisiert und gestaltet mit.

Die neue "Umwelthauptstadt" setzt ehrgeizige Ziele an

Über die deutsche Umweltprämie können Norweger nur müde lächeln. Der Unterschied der Unterstützung ist enorm. Während beim Kauf eines Diesel oder Benziners eine hohe Steuer anfällt, die je nach Gewicht und Abgasen bis zu 10.000 Euro betragen kann, fällt diese beim Elektrofahrzeuges weg. Auch die KFZ Steuer entfällt und obendrauf auch die Mehrwertsteuer, die satte 25 Prozent beträgt.

Norwegen macht das Elektrofahrzeug einfach billiger, als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Der hiesige Umweltminister meint dazu, das ein alternativ betriebenes Fahrzeug immer billiger sein müsse. Nur so könnte man überzeugen.

Und die norwegische Förderung geht weiter: Oslo möchte seine Emissionen bis 2030 um 95 Prozent senken. Ein ehrgeiziges Ziel, aber als „European Green Capital 2019“ muss man die Latte hochlegen. Aber Oslo will mehr: Bis Ende nächsten Jahres will die Stadt seine Emissionen um 36 Prozent gegenüber 1990 senken. Bis 2030 sogar um 95 Prozent. Dazu hat die Stadtverwaltung ein eigenes Klimabudget eingeführt – möglicherweise das weltweit erste dieser Art.

Auch in Norwegen: Lange Lieferzeiten für Elektrofahrzeuge

Norwegen hat eine starke Elektro-Lobby: den Verband der Elektroautobesitzer. Sie fordern ein landesweites Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2025 – und die Regierung zieht mit. Doch noch ist unklar, ob dieses Ziel erreichbar ist, denn dafür braucht es noch deutlich mehr Ladesäulen.

Der Marktanteil der Elektrofahrzeuge könnte in Norwegen deutlich höher sein, wenn die Hersteller schneller liefern würden. Das kennen wir ja auch bereits aus Deutschland. Ähnlich ist es auch in den meisten anderen europäischen Ländern. Aktuell müssen Norweger teilweise bis zu ein Jahr auf ihr neues E-Auto warten.

Ein Fazit

Norwegen profitiert zum einen vom hohen Anteil erneuerbarer Energien, die auch dafür genutzt werden, die Mobilität zu verändern und elektrisch zu gestalten. Zum anderen gibt der Staat erhebliche Förderungen dafür. Das norwegische Modell lässt sich aber nicht ohne weiteres in anderen Ländern wiederholen. Dafür ist zum Beispiel die deutsche Regierung, auch durch den Einfluss der deutschen Automobilindustrie und der auf fossilen Energien ausgerichteten Wirtschaft viel zurückhaltender. Auch das ist ein Grund für den unterschiedlichen Erfolg in den Ländern.

Ein Gedanke zu „Elektromobilität: Mehr als die Hälfte der Neuwagen in Norwegen fährt elektrisch

  1. Ein Lob an die norwegische Regierung, hier wird nicht nur der Finger erhoben was der Bürger alles tun sollte sondern hier wird gehandelt und durch die vielen Vergünstigungen das E Auto attraktiv gemacht. Tja da kann sich unsere Bundesregierung mal eine Scheibe von abschneiden, aber so lange nur gequatscht wird und nichts passiert wird man keine großen Veränderungen erzielen.

    Mit besten Grüßen

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