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Ladeinfrastruktur: Wegen Neuregelung wird der Ausbau ausgebremst und schwieriger

Niederspannungsanschlussverordnung - was für ein Wort. Zumindest scheint eines heute bereits klar: Diese vom Bundesrat beschlossene Neuregelung bremst den Ausbau von Ladesäule massiv aus – und das vollkommen unnötig.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon
Auch wenn es wichtig erscheint und bürokratisch klingt, scheint es so, das diese Niederspannungsanschlussverordnung wichtig ist. Denn die Verordnung regelt das Verhältnis zwischen Energieversorgern und privaten Stromkunden. Es können auch Abnehmer von Elektrizität der „allgemeinen Versorgung“ sein, wie es im Bürokratendeutsch heißt. Es geht um die Stromversorgung der Privathaushalte über das Niederspannungsnetz.

Ein Einfluss der Netzbetreiber gegen den Kunden ?

Trotzdem ist sie unsinnig, die Regelung, die der Bundesrat letzten Freitag verabschiedet hat. Denn in der Verordnung ist auch geregelt, welchen Einfluss die Stromnetzbetreiber auf die Genehmigung neuer Ladestationen für Elektroautos haben. Und dieser Einfluss steigt nun massiv und wird eher behindern als helfen.

Klar ist: Künftig dürfen die Verteilnetzbetreiber entscheiden, ob und wie zügig Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge errichtet wird. Das macht sie zu einer mächtigen Instanz. Die Neuregelung geht sehr weit, denn Netzexperten können im Zweifel sogar ein Veto einlegen, wenn neue Verbraucher an das netz angeschlossen werden.. Das geht erstmal in Ordnung, das gelenkt wird – denn schliesslich geht es auch um die Netzsicherheit.

Neuregelung ohne Sicherheit

Was eigentlich geregelt werden soll, scheint klar: Für Ladeinfrastruktur mit Leistungen unter zwölf Kilowatt (kW) besteht keine Anzeigepflicht gegenüber dem Netzbetreiber. Die 11-kW-Wallbox in der Garage ist davon also nicht betroffen. Wohl aber jene 22-kW-Wechselstrom-Ladesäulen, die in den Gemeinden und Städten stehen und für viele Laternenparker und Elektroautofahrer in der Großstadt die häufigste Lademöglichkeit sind. 

Und genau hier setzt die Neuregelung an. denn der Kunde muss dem Verteilnetzbetreiber melden, dass er einen Ladepunkt (mit mehr als zwölf kW Ladeleistung) errichten will. Und ab diesem Punkt liegt die Macht komplett beim Netzbetreiber.

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Keine Handhabe für den Kunden

Diese Neuregelung bedeutet, das der Betreiber zwei Monate Zeit hat, um zu antworten. Stimmt er dem Bau der Anlage zu oder eben nicht. Antwortet der Netzbetreiber aber nicht, hat der Kunde keine Handhabe, eine Rückmeldung einzufordern. Schlimmer noch: Lehnt der Netzbetreiber den Antrag ab, gibt es ebenfalls keine Handhabe.  Der Murks der Verordnung ist, das der Netzbetreiber nicht verpflichtet werden kann, den Ausbau der Ladeinfrastruktur stärker voranzubringen. Im Gegenteil. Die Regierung schraubt den Anspruch herunter. Das heisst nichts anderes, das mit der Zustimmungspflicht für den Netzanschluss von Ladeeinrichtungen die Ausbauverpflichtung des Netzbetreibers untergraben wird. 

Netzbetreiber können im eigenen Interesse ausbremsen

Die Konsequenz ist ein grosser Rückschritt. Die Netzbetreiber können durch (bewusstes) Nichtstun den Ausbau der Ladeinfrastruktur entscheidend ausbremsen. Das Geschmäckle an der Sache ist, das die lokalen Netzbetreiber (oder wenigstens Tochterfirmen des übergeordneten Stadtwerks) oft selber 22 kw Ladesäulen betreiben oder das künftig vorhaben. Klar ist, das viele dieser Säulen heute noch ein Zuschussgeschäft sind und bei weitem nicht profitabel. Eine Versuchung ist das Ganze dennoch, denn die Frage ist also, warum ein Netzbetreiber, einer möglichen Konkurrenz eine Genehmigung für den Aufbau von Ladeinfrastruktur geben soll. Es wäre also eine Konkurrenz.

Die Auflagen für neue Betreiber können weitreichend sein. So kann der Netzbetreiber die Nutzung des Ladepunktes auch dauerhaft mit Auflagen wie einem Lastmanagement mit einer deutlichen Reduzierung der Ladeleistung belegen. Das ist im Kern nur bedingt sinnvoll. Für ein Parkhaus sicher möglich, aber im öffentlichen Bereich umpraktikabel. Der Nutzer hätte demnach keine Ladesicherheit wie bisher. Ein Betreiber von Ladeinfrastruktur ist also der Macht des Netzbetreibers ausgeliefert, der schlussendlich auch Marktteilnehmer ist. Man kann die Ladesäule der Konkurrenz genehmigen, dann aber per Auflage die Ladeleistung so begrenzen, dass es für den Elektroautofahrer unattraktiv wird. 

22 kw Ladeleistung könnte heute schwieriger zu realisieren sein | Foto: emobicon

Diese Regelung ist Nährboden für Klagen

Klar ist: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist zwingend nötig und es hat sich in den letzten Jahren viel getan – positiv, sichtbar und praktikabel. Aber diese Neuregelung macht es schwieriger, unangenehmer und unsicher für viele Marktteilnehmer. Auch für uns. Wir haben bei der Konzeption für den Kunden mit neuen Hürden und weiterer Bürokratie zu tun. Wir verlieren ein Stück Sicherheit und es stört vor allem die weitere Verbreitung von Elektromobilität. Vielen ist einfach nicht bewusst, in welchem Rechtsrahmen sie sich bewegen und welche Auflagen zu erfüllen sind.  

Viele Unternehmen bereiten sich selbst aktiv auf die Elektromobilität vor und versuchen, sich bereits heute auf eine deutlich größere Anzahl an Elektroautos auf unseren Straßen und in den Stromnetzen vorzubereiten. Diese Neuregelung in dieser Form schafft keinen klaren Kurs, sondern bietet weiteren Nährboden für Diskussionen und eventuell sogar Klagen. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, das Anträge abgelehnt werden oder solch hohe Hürden bekommen, das es für mögliche Betreiber nicht sinnvoll ist Ladeinfrastruktur aufzubauen. Es kann damit zu einer pauschalen Ablehnung kommen in der auch nicht unabhängig festgestellt wird, dass ein neuer Ladepunkt die Netzstabilität gefährdet. 

Fazit

Wir brauchen den gesicherten Anspruch, das die Errichtung von Ladesäulen, der 22 kw Wallbox und damit die Unterstützung für die Sache – der funktionierenden Ladeinfrastruktur. 

Wir hoffen, das wir keine Extremsituationen erleben werden. Bislang hatten wir wohl stets Glück, wenn wir für unsere Kunden technisch bedingte Genehmigungen vom Netzbetreiber benötigt haben und diese auch bekamen.  

3 Gedanken zu „Ladeinfrastruktur: Wegen Neuregelung wird der Ausbau ausgebremst und schwieriger

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