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Tesla: Die neue Gigafactory in Deutschland wird alles verändern

Tesla: Die neue Gigafactory wird alles verändern | emobicon

Tesla will seine neue „Gigafactory“ in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER bauen. Dort will der Autohersteller neben Batterien auch das Model Y fertigen. Doch die Pläne der Kalifornier reichen sogar noch weiter.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Der Elektroauto-Hersteller Tesla wird seine europäische Fabrik im Umland von Berlin bauen. Tesla-Chef Elon Musk verkündete das überraschend bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ von „Auto Bild“ und „Bild am Sonntag“ in Berlin. So wurde bekannt, dass das Werk in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER entstehen soll. Die „Gigafactory“ soll zunächst den künftigen Kompakt-SUV Model Y sowie auch Batterien und Antriebe bauen. Und das ist noch nicht alles: Tesla werde zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum in Berlin ansiedeln, sagte Musk. „Deutschland baut großartige Autos.“ Das sein einer der Gründe für die Standort-Entscheidung gewesen. 

Völlig vernachlässigt in der Berichterstattung rund um die Ankündigung von Elon Musk ist allerdings, dass das Model 3 insgesamt 3093 Punkte erzielte und in dieser Bewertung, „die aller-allerhöchste Punktzahl“ von allen 21 Autos im Finale erreicht wurde. Zuvor gab es eine kurze Video-Vorstellung der drei Finalisten in der Mittel/Oberklasse, neben dem Tesla der 3er BMW und der Audi A4, die sich dem Elektroauto jedoch abgeschlagen geschlagen geben mussten. Übrigens: Neben dem Model 3 wurden auch der I-Pace von Jaguar (mittlere SUV) und der Audi e-tron (große SUV) ausgezeichnet.

Brandenburg soll Teslaland werden

Was wissen wir heute? Tesla hatte schon seit längerem nach einem grossen Standort für eine „Gigafactory“ für die Herstellung von Batterien und Fahrzeugen in Europa gesucht. Auch andere Länder buhlten um den Elektroautopionier. Für CEO Elon Musk war aber auch klar: Deutschland hat definitiv gute Chancen.

Von Tesla-Seite aus, gibt es bislang nur wenige Details. Auch per Twitter hat er bislang keine weitergehenden Informationen gegeben. Bekannt ist, es wurde über Monate geheim verhandelt.  Die Tesla-Fabrik solle nahe des neuen Berliner Flughafens in Brandenburg stehen und typisch Musk, der sagt, dass seine Fabrik „definitiv schneller fertig“ werden als der Berliner Airport. Die grösste Überraschung ist aber, das Tesla in Berlin auch ein Ingenieurs- und Designzentrum ansiedeln will. 

Für seine „Giga“ Fabrik wird Tesla laut dem brandenburgischen Wirtschaftsminister Jörg Steinbach ein 300 Hektar großes Gelände in Grünheide nutzen, das vor mehr als einem Jahrzehnt schon mal für ein BMW-Werk im Gespräch war.

Anders als bei Teslas erster „Gigafactory“ sollen in der deutschen Fabrik nicht nur Batteriezellen, sondern sogar komplette Elektrofahrzeuge gefertigt werden. Laut einem Tweet von Musk  soll die deutsche Fabrik mit der Produktion des kompakten Model Y beginnen. Dieses neue Model, auf Basis des erfolgreichen Model 3 soll ab Herbst 2020 in den USA seinen Marktstart haben, die günstigere „Standard Range“-Basisversion soll ab Anfang 2021 produziert werden.

Jetzt braucht es Tempo

So sollen die Bauarbeiten in Brandenburg bereits im ersten Quartal 2020 losgehen. Eine Herausforderung, denn Tesla müsse dafür „mit Rekordgeschwindigkeit“ Unterlagen einreichen, so das Wirtschaftsministerium. Der Produktionsstart des Werks soll bereits 2021 sein. Die Investitionen dafür liegen laut Landesregierung in mehrfacher Milliardenhöhe.

Dass Tesla ein neues Werk sehr schnell hochziehen kann, zeigte das Unternehmen bereits in China. Von der Grundsteinlegung für Teslas „Gigafactory“ nahe Shanghai Anfang Januar dieses Jahres, bis zur Probefertigung der ersten Elektroautos verging nicht mal ein Jahr. Klar ist aber: Ein solches Bautempo wird in Deutschland kaum möglich sein. Hintergrund sind unter anderem der höhere Bürokratieaufwand und auch teurere Arbeitskräfte. Zudem kommt, das nötige Firmen derzeit nicht so einfach zu haben sein dürften.

Der Kompakt-SUV auf Basis des jetzigen Tesla-Hoffnungsträgers Model 3, der dort gebaut werden soll,  könne nach Einschätzung von Experten zum meistverkauften Fahrzeug der Firma werden.

Mit dem Model 3, das in Deutschland aktuell ab einem Preis von gut 44.000 Euro zu haben ist, will Tesla sich bereits einen breiteren Markt erschließen. Insgesamt wird der Focus der neuen Gigafactory sicherlich beim Model 3, Model Y und bei der Batterieproduktion sein. Auch die Antriebsstränge der Fahrzeuge sollen im Brandenburger Werk hergestellt werden. Zusammen mit Panasonic plant Tesla zudem die Zellproduktion. Beide Unternehmen gelten als Vorreiter.  Jetzt folgt offenbar BMW mit einem Batteriekompetenzzentrum in München.

Gigafactory heisst auch grösser denken

Die Ansiedlung der Fabrik in Deutschland hat auch symbolische Kraft. Tesla wagt sich ins Heimatland der deutschen Premium-Autobauer, die oft um die selben Käufer-Schichten kämpfen – so kommt das Model 3 als direkter Gegenspieler von BMWs 3er-Reihe daher. Die Deutschen sind gerade auch dabei, ein breiteres Angebot an Elektro-Fahrzeugen auf die Beine zu stellen. Tesla kaufte vor drei Jahren den deutschen Maschinenbauer Grohmann, der auf Fertigungslinien spezialisiert ist

Übrigens: Die Bezeichung „Gigafactory“ hat das Technologieunternehmen Tesla ganz bewusst gewählt. So sollte  das erstes Batteriewerk, die „Gigafactory 1“ in Nevada, alle anderen Lithium-Ionen-Zellproduktionsstätten übertrumpfen. Mit einer gigantischen Grundfläche von 540.000 Quadratmetern zeigt man die Superlativen auf.  Der Endausbau sollte, der ursprünglich für Ende 2020 vorgesehen war, bei 35 GWh jährlich liegen. Das ist genug für 500.000 Elektroauto-Akkupacks pro Jahr. 

Gigafactory ist mehr als Fahrzeugproduktion

Das allein, so hieß es bei der Vorstellung der Pläne von Tesla vor fünf Jahren, würde der gesamten weltweiten Lithium-Ionen-Zellenproduktion des Jahres 2013 entsprechen. Die volle vorgesehene Produktionskapazität hat die Gigafactory 1 aber noch nicht erreicht. Panasonic und Tesla waren zunächst aber in Unstimmigkeiten gefangen. Es ging u die Produktivität der Produktionsanlagen. Die  Teslas „Gigafactory 2“ in Buffalo, New York stellt vorwiegend Solarziegel und Photovoltaik-Module her. Und damit ist man beim 2 Standbein der Zukunft – nicht nur dem Elektrofahrzeug. 

Gigantisch auch das Projekt „Gigafactory 3“ in Shanghai. Hier hat Tesla bislang nur Zahlen zu den dort vorgesehenen Auto-Produktionskapazitäten genannt. So sollen in Phase 1  jährlich 250.000 Elektrofahrzeuge vom Band laufen. Bei einer Steigerung in der voller Ausbaustufe dann doppelt so viele. Die benötigten Akkus dafür will Tesla selbst in diesem Werk herstellen, hat dafür aber noch keine Gigawattzahlen genannt. 

Bis zu 8000 Arbeitsplätze sind möglich

Die Zahl der Beschäftigten ist trotz grosser Werke bislang weniger gross. Die Gigafactory 1 kommt auf rund 6500 Arbeitsplätze nur für die Batteriefertigung, im Shanghaier Batterie- und Autowerk sollen es zwischen 7000 und 8000 Mitarbeiter werden. Die ersten Zahlen für die deutsche Produktion, die man annimmt, sollen laut brandenburgischer Landesregierung zunächst rund 3000 Arbeitsplätze sein, im Endausbau sollen es bis zu 8000 werden. So will Tesla am Standort Grünheide bei Berlin Batteriezellen, Antriebsstränge und bis zu 500.000 Autos pro Jahr fertigen. Zudem plant CEO Elon Musk, wie bekannt, die Ansiedlung von Forschung und Design in Berlin. Detail kennt man noch nicht. In die Stadt hat er sich, nach eigenen Angaben, jedenfalls verliebt und findet Berlin „grossartig“. 
Zum Vergleich: Der Stammsitz von Autobauer Volkswagen in Wolfsburg, eine der größten Autofabriken weltweit, kommt auf nahezu 55.400 Mitarbeiter und nur ein Teil davon ist direkt in der Autoproduktion tätig.

So laufen in Wolfsburg  jährlich rund 800.000 Fahrzeuge von den Bändern. In BMWs Werk in Regensburg arbeiten rund 9000 Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr 320.000 Fahrzeuge gebaut haben.

Aufruhr sorgte die Meldung von Tesla auch, weil gerade in Deutschland, der Autoschmiede der Welt ein Konkurrent  natürlich auch an der deutschen Ingenieurskunst interessiert ist. Nur Insider wussten offenbar von den Plänen. Über ein halbes Jahr hatte die Brandenburger Landesregierung mit Tesla heimlich verhandelt. 

Die Realität deutscher Hersteller ist nüchtern

Natürlich redet man bei Elektromobilität von Tesla, weniger von den anderen die gern so tun als ob und gern auch öffentlich behaupten, wie stark sie in Ihrer Innovation sind. Volkswagen bemüht sich mit grossem Marketingaufwand zwar Ihr ID3, der nun in 2020 auf den Markt kommt was wett zu machen, aber ist immer noch getrieben von den Auswirkungen des Abgasskandals und der gerichtlichen Aufarbeitung. BMW verirrt sich derweilen in versuchten Superlativen und den Widersprüchen im eigenen Haus. Noch grösser, noch schwerer, noch durstiger die neuen SUV, daneben ein paar Mogelpackungen in Form von Plug in Hybriden und weiteren Ankündigungen. Ein Mix von Antrieben soll es bei BMW werden, während Volkswagen voll auf Elektromobilität gehen will. Bei Daimler sieht man jetzt ein, dass man zu spät auf Veränderungen reagiert hat und hier hat wieder der Wille der Aktionäre Vorrang, nicht aber die Veränderungen, in denen wir uns befinden. 

Aller Anfang scheint schwer

Wenig substanzielles ist hier  derzeit zu haben. Im kommenden Jahr wieder der Smart EQ, ein toller kleiner Stadtwagen, eVito als Transporter und der EQC, der aber die Handschrift eines Verbrenners trägt. So ist er auch technisch. Eher eine Enttäuschung, als Innovation. In den kalten Tagen erlebt mancher genau dieses Gefühl, wenn sich die Ladeleistung beim Fahrzeug deutlich verschlechtert und die Reichweite deutlich sinkt. Zudem war auch bei diesem Modell gerade ein Rückruf gestartet, wegen technische Probleme. 

Umweltprämie ist falsch gedacht

Audi hat aktuell den „e-tron“ und Plug in Hybride, kämpft mit interneren Problemen, muss Personal abbauen, Produktionen kürzen und hat ebenso wie die Mutter Volkswagen mit dem Abgasskandal zu tun. Der Stromer kann derweilen auch nicht wirklich punkten. OK, es ist ein Versuch, aber sehr hoher Verbrauch beim Fahren überzeugt nicht so viele, wie erhofft. Zudem kommt es ganz offensichtlich immer wieder zu grossen Ladeproblemen. Auch hier liegen die Superlativen in Ankündigungen. Das reicht längst nicht.

Die Posttochter Streetscooter kränkelt unter Absatzproblemen, versucht sich bald mit der neuen Generation der Elektrotransporter mit neuer modernerer Ausstattung. 

e.Go Mobile aus Aachen ist derweilen leider ziemlich aus dem Takt. Produktionsprobleme, schleppende Auslieferungen und zuletzt auch eine gefühlte Bedrohung durch die Erhöhung der Umweltprämie.  Und in der Tat liegt hier der Hase im Pfeffer. Grösser, dicker, nicht umweltfreundlich wird gefördert. Die Rede ist von den Plug in Hybriden.

Politische Widersprüche und Lobbytum bremsen die Zukunft aus

Völlig falsch gedacht und wieder ein deutliches Zeichen des Lobbyismus, der scheinbar alles entscheiden darf. Aber der Sache hilft es nicht. Es fehlt Mut, Vision und Tacheles. Der Blick auf Koalition, Wahlen und Ansehen sind wichtiger, als Ehrlichkeit. Die braucht es. Die gibt es nicht. Die Frage ist auch erlaubt: Gab es sie jemals?

Viel zu zaghaft der Ansatz endlich in die richtige Richtung zu entscheiden. Statt dessen Widersprüche, Rausreden und keine Substanz mit Blick in die Zukunft. Wir brauchen die Elektromobilität, um die Energiewende zu stemmen, aber nicht, das Kohlenmeiler doch länger am Netz bleiben, Windkraft als eine Säule der Energiewende zum Erliegen kommt und Massenentlassungen anstehen. Ein paar unbedeutende Cent mehr Kosten, die keiner versteht und der Widerspruch, das zeitgleich mit den Förderungen zur Elektromobilität auch Diesel und andere fossile Energiewende weiter gefördert werden. Kein Austrittsdatum für Verbrenner und kein Plan für gar nichts – schon gar nicht Richtung Zukunft. Es ist absurd was läuft und schürt kein Optimismus, sondern Ignoranz. Auf so vielen Seiten. Es geht anders, besser und Richtung Zukunft. Das zeigen andere Länder und viele Eigeninitiativen. All das weiss diese Lobbyregierung, es interessiert sie aber offensichtlich nicht. Ganz klar: Wir sind satt.

Visionen brauchen Mut

Derweilen gilt Tesla als Vorreiter bei der Elektromobilität, kämpfte aber angesichts teurer und verzögerter Produktions-Anläufe bei neuen Modellen immer wieder mit hohen Verlusten. Allerdings zeichnet es auch Mut und Vision. Ein ausgerolltes zuverlässiges Netz von Ladeinfrastruktur ist nur ein Baustein der verstandenen Gesamttechnologie. Zugleich wird praktisch nach jeden Quartalszahlen der Firma diskutiert, ob die Nachfrage nach Elektroautos generell stark genug ist, um Musks ambitionierte Wachstumspläne auch tragen zu können. Auch zeichnet sich wachsende Konkurrenz aus China ab, wo Elektrofahrzeuge massiv vom Staat gefördert werden.

Unbeirrt dessen setzt Tesla seine Vision fort. Das bringt Bewunderung. Und ich darf auch mal dazwischenfunken, dass wir gar nicht den Wunsch hatten ein Tesla Elektrofahrzeug von Tesla bei emobicon fahren zu wollen. Aber aus einem Test wird Begeisterung, aus der Überwindung Alltag und der stimmt einfach. Es gibt schlimmeres, nämlich die Realität zu leugnen, die Zukunft zu ignorieren und sich einzureden: Weiter so. Das ist echt bescheuert.

Alle werden plötzlich zu Experten und wissen meist doch nichts

Ohne diese üblichen Mythen, Falschinformation und das Geblubber vieler aus der Theorie, dass das alles nicht geht, nicht funktioniert und nicht alltagstauglich ist. Falsch. Es geht. Und wie. Wir keinen schon das Fahren aus eigener jahrelangen Praxis. Was Tesla aber hier schafft ist echte Innovation. technisch allen weit überlegen, viel weiter gedacht, als alle anderen insgesamt und die Begeisterung stimmt. Das man hier nun nach Deutschland kommen will setzt ALLE unter Druck, denn aus Ignoranz die Tesla sehr lange erleben durfte, wurde ernsthafte Konkurrenz. Das gute ist: Die theoretischen Meckerer werden auch hier einen neuen Blick bekommen auf das was ist, was behauptet wird und wie die Realität insgesamt sein wird. Sie kommen nicht drum herum.

Brandenburg ist stolz

Derweilen heisst es: „Für den Autostandort Deutschland ist Musk Ankündigung eine gute Nachricht“, so Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Mit der Entscheidung von Elon Musk für Deutschland werden wir gestärkt und die Elektromobilität nimmt mehr Fahrt auf als bei 100 Kanzlergipfeln in Berlin.“ 

Wer Deutschland kennt, weiss aber auch, das berechtigte Zweifel gibt, ob die Produktion schon 2021 beginnt, zudem müsse Musk mit den Finanzen haushalten und China habe für ihn Vorrang. Dort ging es reibungsloser. Nicht mal ein Jahr nach Baubeginn läuft dort bereits der Test der Produktion. 

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte der dpa nach der Ankündigung: „Das ist eine hervorragende Nachricht für unser Land. Wir haben uns dafür seit längerem in intensiven Gesprächen und mit guten Argumenten eingesetzt. Ich bin glücklich, dass sich Elon Musk für unseren Standort Brandenburg entschieden hat.“

Jetzt bleibt zu hoffen, das Tesla mit dieser Änderungen auch zu einem Umdenken führt. Im Moment erleben wir Widersprüche, Ignoranz und Blockade der Politik.

Spätestens jetzt sollte sich das ändern. Der Druck wird derweilen eher steigen und es gibt noch ein wenig Hoffnung, das Tesla  als Ganzes gesehen wird und genau diesen Schutz geniessen wird, wie die deutschen Autobauer bisher auch. Übrigens: Die, die jetzt über Subventionen und Förderungen meckern, der sollte sich mal anschauen, wieviel Förderungen die deutschen Autobauer ständig bekommen – nämlich direkt und indirekt.

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