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Mobilität: Mit oder ohne uns wird sich unsere Mobilität verändern

Mobilität: Mit oder ohne uns wird sich Mobilität schnell verändern | emobicon

Sagen wir Tschüss zu Bequemlichkeit, Ausreden und Mythen, und Hallo Veränderungen die wir sowieso (er)tragen werden müssen. Die Zeit des Verdrängen geht zu Ende und keiner kann sagen: Ich habe das nicht gewusst. Sanft, aber konsequent ereilt uns die Mobilitätswende.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Nichts wird mehr so sein wie es war und nichts wird das Aufhalten, was kommen wird. Veränderte Mobilität heisst nicht zwingend verzichten. Aber Veränderungen heisst sich mit etwas zu beschäftigen, was soweit weg scheint. Dabei kommt die Mobilitätswende nicht so plötzlich, wie einige meinen. Ja, es gibt noch eine Menge zu tun und nein: Die Zeit der Ausreden geht zu Ende. Nicht jammern, wenn individuelle bequeme Mobilität der Gewohnheit drastisch teurer werden wird. Gut so, aber nur, wenn alle Ihre Hausaufgaben machen. Es fängt bei jedem von uns an.

Die Veränderungen kommen schnell

Vielleicht haben sie schon mal davon gelesen: Busspuren, Umweltfahrspur, Fahhradstrasse und so manches mehr. Heute eher noch Exoten, aber bereits im vollen Testmodus, zum Beispiel in Düsseldorf. Der Verkehr soll sich verändern und da die Ausreden nicht mehr der Gradmesser sind, muss man mit sanfter Brechstange eine Veränderung erzwingen. Natürlich wird gemotzt, aber zu wenig sind zu Veränderungen bereit. Ja, die Rahmenbedingungen stimmen noch nicht, aber selbst wenn irgendwas perfekt schien, würde diese Debatte einfach weitergehen. Freiwilligkeit hilft selten. Beim Autofahren sowieso nicht. Wir müssen uns davon verabschieden und sagen Tschüss zur autogerechten Stadt. Nicht nur wegen der Debatte ums Klima.

Weniger individuelle Mobilität, aber bewegen werden wir uns trotzdem

In Kürze kann man folgendes sagen: Das Ziel ist weniger Fläche für den Autoverkehr, stattdessen Vorfahrt für Fahrrad, Bus und Bahn. Das war es schon. Die Konsequenzen werden deutlich sein und in dem neuen Bündnis moderne Mobilität will die Bundesregierung nicht nur Geld zur Verfügung stellen, sondern auch konsequent an der Mobilitätswende mitgehalten. Der Verkehrsraum wird einmal ordentlich auf Links gedreht und gerade in den stark belasteten Städten und Metropolen spürt man heute bereits die ersten Vorboten. Allen ist klar: Geld allein reicht nicht.

Bundesverkehrsminister Scheuer hat mit den Bundesländern und Kommunen ein Bündnis beschlossen und will den Verkehrsraum komplett neu gestalten. Gut 900 Millionen Euro hat Scheuer seit den jüngsten Klimabeschlüssen dafür zusätzlich zur Verfügung gestellt und deshalb lautet sein Appell: Lasst Euch was einfallen. Die Kommunen sind dabei.

Dabei drängt die Politik zur Eile. Bitte kein Tam Tam in Debatten und langen Planfeststellungsverfahren. Macht und ruft das Geld ab, so Scheuer.

 

Mehr Beschränkungen für Individualität

Wie gross man denkt, wieviel Veränderungen tatsächlich rauskommen werden ist heute noch nicht absehbar. Aber Bundesverkehrsminister Scheuer denkt vor allem an mehr Freiheiten. Denkbar sind grundsätzlich Tempo 30 nicht nur vor Schulen, sondern auch für die Schulwege,  der Preis fürs Anwohnerparken könnte künftig durchaus vor Ort und nicht bundesweit einheitlich festgelegt werden. Einschränkungen des Verkehrs in Innenstädten und vielem mehr. Und tatsächlich, so scheint man sich einig zu sein, geht es darum, von der autogerechten Stadt wieder wegzukommen und auf dem Land für bessere Anbindungen an die Städte zu sorgen. Bislang, so auch Tenor der Politik war dem Fahrzeug alles untergeordnet. jetzt die Rolle rückwärts und das bitte schnell.

Planungskapazitäten sind knapp

Andreas Scheuer ließ sich dabei nicht beirren, zumal er bei Städten, Gemeinden und Landkreisen offene Türen einrennt. Die Städte wissen schon lang um die Notwendigkeit von Veränderungen, man traute sich nicht, oder wurde ausgebremst, aber schlussendlich scheiterte es wie sooft einfach nur an politischer Unterstützung. Ein nicht unwesentliches Problem wird nun aber deutlich: es fehlt das nötige Personal zur Planung der vielen Einzelmassnahmen die das Grosse Ganze mitbringen sollen. Ob die Problematik in Berlin bekannt ist, scheint nicht sicher klar zu sein. 

Nicht anders sieht es in den Landkreisen aus. Auch hier fehlt es an Planungskapazitäten. Das bremst nicht nur Ideen aus, sondern lässt die grosszügigen Fördergelder nicht fliessen. Städtetag und andere Verbände wissen: Wir haben keine Zeit mehr, aber das Personal ist das Problem. An Ideen mangelt es nicht.

Immerhin gibt es aber schon weitere Bemühungen für einen besseren Nahverkehr.Die Fördergelder fliessen.

Angst statt Chancen sehen oft Geschäftsleute

Wo Licht ist, ist auch Schatten, oder man meint diese zu sehen. Im Bewusstsein vieler Geschäftsleute heisst weniger Verkehr = weniger Parkplätze, weniger Besucher und damit weniger Umsatz. Komisch. In so vielen anderen Städten gehen genau diese Konzepte voll auf. Kopenhagen, die Fahrradstadt, Amsterdam und London, die Metropolen mit so viel weniger Verkehr, dafür mehr Lebensqualität für die Menschen die dort wohnen und auch mehr Umsatz wegen der noch attraktiveren Innenstädte insgesamt. Im Bewusstsein hier fürchtet man aber überwiegend Amazon und Co. Dabei sehen zu wenige die Chancen.. Wehren hilft nicht mehr.

Mobilitätswende als Chance sehen

Die Hausaufgaben jedenfalls sind gross, bei Politik und den Menschen. Sanfte Änderungen wird es nicht geben und das ewige „Geht nicht“ „Nein“ und „Kann ich nicht“ zieht nicht mehr. Statt sich mit Veränderungen zu beschäftigen, diese mit zu gestalten wird einfach nur schlecht geredet, gedacht, aber Änderungen soll es bitte nicht geben. Viel zu lange haben wir alle die Realität verdrängt. Aber sie holt uns ein und kommt viel schneller, als die meisten glauben. Mobilitätswende heisst nicht automatisch: Alles wird schlechter. Nur dann, wenn man so denkt. Zu wenige denken an die Chancen. Aber sie sind da. Gut so, denn so wie es jetzt ist und war ist es doch auch nicht gut, oder? So oder: Es wird eine megaspannende Zeit. Nicht nur Elektromobilität ist Thema dieser Zeit, sondern Lösungen für die Mobilität der Zukunft insgesamt.

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