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AUDI: Mit seinem Elektroauto „e-tron“ läuft es nicht rund

Erst die monatelangen Verzögerungen bis zum Produktionsstart, dann offensichtlich keine Akkus und schlussendlich kann das Fahrzeug, auch wegen des hohen Verbrauchs, kaum überzeugen. Was ist da los ?

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon

Das Fahrzeug fühlt sich gut an. Man hat sich Mühe gegeben. Zumindest das Cockpit ist ansprechend, gut verarbeitet und die Konkurrenz hat man sehr genau beobachtet und sich Anregungen geholt. Für das Elektroauto „e-tron“. Das war es eigentlich auch schon. Zumindest sehen wir das so, denn eine Probefahrt bestätigte den viel zu hohen Verbrauch, den wir nicht allein bemängeln.

Bei der Reichweite kann das Modell nicht punkten

20.000 Vorbestellungen soll es für Audis ersten Stromer geben. Nur es läuft nicht rund. Die Produktion hakt und für das 95 kWh Akku sollen 328 Kilometer Reichweite erreicht werden, während man die Reichweite hierzulande im WLTP Modus anderes veröffentlicht. Zumindest ist klar: Mit diesem Wert wäre der Audi e-tron Teslas Model X allerdings stark unterlegen. Dieser kommt in der offiziellen Berechnung der Behörde nämlich auf 383 Kilometer – und das mit einem deutlich kleineren Akku von 75 kWh. 

Die Version des Model X, die mit einer vergleichbar großen 100 kWh-Batterie wie der Audi e-tron ausgestattet ist, schafft laut Berechnung der Behörde gar 465 Kilometer, und also knapp 130 Kilometer mehr als die Audi-Konkurrenz. Viele enttäuschte Anhänger, wie wir hören und auch wir waren erschrocken, als wir vor einiger Zeit eine Probefahrt durch geführt haben. Deutlich mehr als 30 kWh Energie pro 100 km Strecke – und das bei mäßiger Fahrweise. Ein Fahrzeug dieser Klasse und Grösse wird aber eher schneller und auf der linken Spur der Autobahn unterwegs sein. Unter 300 km mit einer Akkuladung scheinen eher realistisch zu sein. Wie sooft: Audi wiegelt ab und redet das „Problem“ klein.

Design und Gewicht passen nicht zu einem Elektrofahrzeug

Woran die eher geringe Reichweite im Verhältnis zum grossen Akku liegt, ist unklar. In einer Analyse, die ein Universitätsprofessor für das US-Medium Quartz durchgeführt hat, müsste das Audi-Auto eine weitaus kleinere Batterie verbaut haben, um auf diesen Wert zu kommen oder der Akkugrösse entsprechend eine deutlich grössere Reichweite aufweisen. Er berücksichtigte dabei offensichtliche Faktoren wie das Design und Gewicht des Autos. In der Tat ist der deutlich über zwei Tonnen Kollos nur bedingt tauglich, wenn man sich die Form des Fahrzeuges anschaut. In Elektroautoforen spricht man von „Schrankwand“ die natürlich Einfluss auf den Verbrauch bei höheren Geschwindigkeiten haben. Das wird hier offensichtlich.

Audi redet die Tatsachen klein

Der Experte spekuliert aber auch, dass das Wärmemanagement des Tesla Model X besser eingestellt ist. Dieses Systemes regelt, wie sich die Batterie beim Laden und Entladen verhält. Audi selbst versuchte auch hier die Ergebnisse herunterzuspielen. Die 328 Kilometer Reichweite seien für die meisten Autofahrer mehr als ausreichend, teilte ein Sprecher in den USA mit. Weniger als zwei Prozent aller Fahrten würden 80 Kilometer übersteigen, sagte der Sprecher. Bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse ist das aber eher vorgeschoben und entspricht nicht unbedingt der Realität.

Ganz nebenbei darf aber noch erwähnt werden, dass neben dem Audi e-tron derzeit offenbar auch der Jaguars I-Pace nicht mit der Energieausbeute Teslas mithalten kann. Denn er schafft zwar die selbe Reichweite wie das Model X, benötigt aber einen Akku von 90 kWh statt 75 kWh. Auch wir können bestätigen, dass bei der Probefahrt mit dem Stromer vom Jaguar ein deutlich zu hoher Verbrauch festzustellen war.

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Probleme auch bei der Produktion

Von Anfang an, so scheint es, gab es Probleme bei der Produktion des Audi e-tron. Zunächst hiess es, man wolle die Produktion des Stromers im Brüsseler Werk hochfahren. Audi scheint manche Faktoren aber deutlich unterschätzt zu haben.

Demnach ist Audis südkoreanischer Akku-Zulieferer LG-Chem nicht dazu in der Lage, ausreichend Batterien aus seinem Werk in Polen zu liefern. Auf Nachfrage des Bayrischen Rundfunks kommentierte Audi den Engpass nicht. So soll infolgedessen des Produktionsengpasses die Anlage zur Akkuproduktion nur noch sechs Stunden pro Tag laufen. Zudem wird die Produktion nur noch 4 Tage pro Woche ausgelastet. 

Klar ist: Zwischen dem Mutterkonzern Volkswagen und LG Chem knirscht es gewaltig. Volkswagen will Akkus und Zellen künftig gemeinsam mit dem koreanischen Zellspezialisten SK Innovation herstellen und mehrere Milliarden Euro in den Bau von bis zu drei Gigafabriken in Werksnähe von VW investieren, berichtet das manager magazin. Daraufhin drohen die Koreaner keine Batteriezellen mehr zu liefern, wenn der deutsche Kunde mit SK Innovation selbst in die Fertigung einsteigt. LG Chem teilte dem Wirtschaftsmagazin auf Anfrage mit, dass Volkswagen ein wichtiger Kunde sei, “unabhängig von einigen Gerüchten und anderen Faktoren”.

LG Chem dürfte für große Mengen der Zellbestellung von Volkswagen zuständig sein, ein Ausfall oder sogar Stopp von Lieferungen wäre für den deutschen Autobauer ziemlich fatal. Das Problem macht sich jetzt bereits bei e-tron bemerkbar. Beide Hersteller wollten sich auf unsere Nachfrage aber nicht äussern. 

Audis Mutterkonzern Volkswagen hat lange mit dem Einstieg in die moderne E-Mobilität gewartet. Plötzlich will man aber zügig den Markt erobern, denn andere Hersteller, die deutlich früher auf Elektroautos gesetzt haben, verkaufen bereits Tausende Stromer pro Monat – darunter US-Pionier Tesla. Um den Vorsprung einholen zu können, braucht Volkswagen dringend Batterien. Mit LG Chem wird nun neu verhandelt, heißt es.

Weiteres Elektromodell verzögert sich

Eine weitere Hürde für Audi ist ein Streik im ungarischen Györer Werk, der die Elektromotoren für den e-tron liefert. Die Wartezeiten erstrecken sich nun weit über 6 Monate hinaus. Und der e-tron ist nicht als einziges Fahrzeug davon betroffen. Eine Lösung scheint derzeit nicht in Sicht.

Diese ganzen Probleme bei Audi in der jetzigen Phase offenbart ein weiteres Problem: Noch 2019 soll der Audi e-tron Sportback mit 320 kW Leistung, >500 km Reichweite (NEFZ) und Sprinter-Qualitäten von unter 4,5 Sek. auf 100 km/h auf den Markt kommen. Nun scheint es deutlich später zu werden.

Statt Ende 2019 soll sich der Marktstart des zweiten Elektroautos von Audi deutlich auf das Jahr 2020 verschieben. Durchaus nachvollziehbar, da der e-tron Sportback die gleiche Plattform, Batterien und Motoren wie der e-tron verwendet und auch auf der selben Produktionslinie produziert wird. Ohne eine gesicherte Versorgung mit Batterien macht es daher gar keinen Sinn, die Produktion zu starten. 

Ein Gedanke zu „AUDI: Mit seinem Elektroauto „e-tron“ läuft es nicht rund

  1. Dieser Bolide zeigt eindrucksvoll, wie wenig die tradierten Hersteller von Elektroautos wirklich verstehen. Anstatt den Raumgewinn zu nutzen, versuchen sie nur ihre tonnenschweren SUVs mit Elektromotoren aufzuhübschen.

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