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EU: Meldung zum Kraftstoffverbrauch heisst vielleicht höhere Steuern

EU: Meldung zum Kraftstoffverbrauch heisst vielleicht höhere Steuern | emobicon

Eine Überwachung hat immer einen Grund. Nach Abgasskandal und den geltenden Klimagesetzen müssen Autohersteller ab 2021 die tatsächlichen Verbrauchsdaten jedes Fahrzeuges überwachen und an die EU Kommission übermitteln. Für die Hersteller wächst dadurch der Druck, Autos zu bauen, die nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf der Straße sparsam sind. Es trifft nicht nur Verbrenner.

von Stefan Blome | emobicon - CoverBild: emobicon

Nach der Mogelpackung NEFZ und zusätzlich zum WLTP Zyklus wird diese Datenübermittlung nicht nur zwingend. Sie soll sicherstellen, dass die vom Hersteller angegebenen Verbrauchswerte nicht mehr so stark vom tatsächlichen Kraftstoffverbrauch abweichen wie bisher. Laut einer neuen Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) lag der reale Kraftstoffverbrauch neuer Pkw zuletzt durchschnittlich um 39 Prozent über dem von den Fahrzeugherstellern angegebenen Testverbrauch. Auch andere Antriebsarten werden betroffen sein. Hintergrund ist, dass die realen Verbräuche Grundlage neuer Berechnungen für Steuern und Abgaben sein könnten.

Eine spezielle Software soll Übertragungen ermöglichen

Technik macht es möglich. Nach der Verpflichtung die Fahrzeuge, zum Beispiel für eCall verpflichtend datenübertragungssicher zu machen, schafft man damit die Voraussetzung für die Datenübermittlung des Herstellers durch ein sogenanntes On-Board Fuel Consumption Meter, kurz OBFCM. Die Software des Programms zeichnet den Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs ebenso auf wie den Energieverbrauch von Elektroautos oder Plug-in-Hybriden. Insbesondere das Ladeverhalten von Plug in Hybriden steht nach Informationen von emobicon im Focus. 

Mit diesem OBFCM müssen ab dem 1. Januar 2020 daher alle Pkw und leichten Nutzfahrzeuge mit neuer Typengenehmigung ausgerüstet sein. Dies wird unter anderem neue Modell-Generationen, aber auch Facelifts oder neue Motorisierungsvarianten betreffen. Bereits ein Jahr später, 2021, müssen dann alle Fahrzeuge, die zum ersten Mal zugelassen werden, über ein OBFCM verfügen. Ab 2021beginnt auch die verpflichtende Übermittlung der Daten an die EU Kommission. Sie wird ein strenges Auge auf die Daten haben.

Die Hersteller sehen die Vorgaben gelassen

Klar ist, dass bereits heute viele moderne Autos über entsprechende Technologie verfügen. Neu ist nur die Verpflichtung der Protokollierung. Nicht ganz neu ist, dass Hersteller bereits schon Daten Ihrer Flotten auslesen und intern verarbeiten. Diese Daten werden auch im grossen Umfang genutzt.

Unklar ist bislang allerdings, wie der künftige Datentransfer technisch umgesetzt werden soll. Somit sind die einzelnen Schritte, der Umfang der Daten noch nicht definiert. Derzeit werden verschiedene Optionen zur Datenübertragung diskutiert. Das ICCT sieht unterschiedliche Möglichkeiten. 

Die großen Hersteller sind daher nach eigenen Angaben auf die Umstellung vorbereitet. Man beschwichtigt: Im Vergleich zu den zertifizierten Normwerten kommt es im realen Fahrbetrieb regelmäßig zu Abweichungen. Daher unterstütze man die neue Regelung und habe bereits Modelle mit OBFCM im Programm so Daimler.

Wie Daten ausgelesen werden steht noch nicht fest

Auch bei BMW treffe man derzeit entsprechende Vorbereitungen, ließ das Unternehmen mitteilen.

Welche technischen Übertragungen genutzt werden, hängt von der Datenbasis ab. 4 Modelle zur Datenerhebung und Übertragung sollen zur Auswahl stehen. So könnte man die geforderten Daten bei der Hauptuntersuchung vom TÜV auslesen und an die Kommission übertragen. Denkbar sind Strichproben im Strassenverkehr, Fahrzeugflotten könnten die Daten erheben oder und das scheint am wahrscheinlichsten: Es wird automatisiert, drahtlos und direkt vom Fahrzeug an die EU-Kommission übermittelt.

Daten sollen auch Verbrauchern nutzen

Bei der automatisierten Übertragung liegt die Verantwortung beim Hersteller und das Fehlerrisiko durch die direkte Datenübertragung an die Kommission wäre minimiert. Eine Verzögerung der Daten würde man bei der Auslesung beim TÜV sehen, da in einigen EU-Staaten die erste Hauptuntersuchung erst nach vier Jahren verpflichtend ist. Stichproben oder die Erhebung der Daten aus Fahrzeugflotten wären wenig repräsentativ meint die EU Kommission.  Welchen Weg die Kommission wählt, steht derzeit aber noch nicht fest.

Welche Zahlen die Kommission überhaupt veröffentlichen wird ist derzeit ebenso noch unklar. Denkbar, so die Kommission wäre die Daten auf einzelne Fahrzeugmodelle herunterzubrechen. So könne man den realen Verbrauch für jedes einzelne Modell angeben und Kunden könnten Modelle direkt miteinander vergleichen. 

Wenig transparent wäre es, wenn die Kommission nur einen Durchschnittswert für die Verbrauchsdifferenz aller Fahrzeuge in ihren Berichten veröffentlichte. Das nützt dann als Datenbasis wenig, so die Kommission.

Daten könnten für neue Steuermodelle herangezogen werden

Mit den neu erhobenen Daten könnten aber nicht nur die Hersteller in die Pflicht genommen, sondern auch die Autofahrer zum sparsamen Fahren gezwungen werden. So ist denkbar, die Einführung einer CO2-Verbrauchsbesteuerung. Fahrer, die besonders sparsam fahren, würden dann steuerlich entlastet, Fahrer die viel Kraftstoff verbrauchen, müssten hingegen mehr zahlen. Das betrifft neben fossilen Kraftstoffen aber auch den Verbrauch von Elektrofahrzeugen oder ob ein Flug in Hybrid Fahrzeug regelmässig aufgeladen wird. 

Bis es überhaupt soweit ist, dürfte es allerdings noch eine ganze Weile dauern, denn die Einführung der Regelung ist in EU-bürokratischer Langsamkeit geplant. So sieht der aktuelle Zeitplan vor, dass die EU-Kommission in der Erprobungsphase zwischen 2021 und 2026 jährlich einen Bericht darüber veröffentlicht, wie sich der Unterschied zwischen angegebenem und realem Kraftstoffverbrauch entwickelt. Bis spätesten 2030 soll es zudem ein konkretes Gesetz für die Automobilhersteller dazu geben.

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