Ausblick ElektromobilitätElektroauto MytheneMobilitätNews

Elektromobilität: „Man muss dafür brennen, sonst wird das nichts“

Elektromobilität: „Man muss dafür brennen, sonst wird das nichts“ | emobicon

Glaube oder Aberglaube - Überzeugung oder Albtraum. Das Übliche, wenn es um Elektromobilität geht. Dabei ist das alles gar nicht so schlimm. Das meint auch Detlef Fischer, Geschäftsführer des Verbandes der Bayrischen Energie - und Wasserwirtschaft

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Immer das gleiche: Die Behauptung, dass Elektromobilität nur schleppend voran kommt. Ist das so, oder woran liegt der Eindruck? Elektromobilisten haben viel zu tun. Sie leisten viel Aufklärungsarbeit bei Zweiflern aber auch Interessenten. Sicher ist noch nicht alles perfekt – muss es sich nicht, denn Elektromobilität darf sich entwickeln. Detlef Fischer, Geschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft, nennt zahlreiche Defizite, die noch gelöst werden müssen.

Fischer hat  der BSZ ein interessantes Interview gegeben, was wir gern ausschnittsweise wiedergeben möchten, denn wir teilen seine Ansichten, die von vielen Widersprüchen gekennzeichnet sind, wenn wir die Veränderungen sehen, die kommen werden. Wie ist der Eindruck insgesamt?

 So meint Detlef Fischer, dass es sicher zu den schwersten Aufgaben eines Unternehmers gehört, sich von einem gut laufenden Geschäftsmodell rechtzeitig zu verabschieden. Klar ist für ihn, dass es unmöglich ist, wenn man wie BMW und Co. nicht restlos davon überzeugt ist, dass der Verbrennungsmotor für Autos ausgedient hat. Man verliert dann zwangsläufig gegen Unternehmen, die für die Elektromobilität „brennen“. Sichtbar war ja, das BMW in 2013 gut mit dem i3 angefangen hatte, aber dann kam nichts mehr. BMW schafft es nach 5 Jahren Produktion für dieses Modell nicht mal einen Dachträger anzubieten. Seine Frau und er fahren deswegen jetzt lieber Tesla.

 Dann ging es um den Kern eines Elektrofahrzeuges – das Akku. Fischer meint ganz klar, dass jeder investierte Euro in Speichertechnologien gut investiertes Geld ist. Da geht es aber nicht nur um Batterien, sondern um viel mehr. So ist bedarfsgerechte Energienutzung das Thema der Zeit, aber auch da haben deutsche Unternehmen viel verschlafen. 

Während hier noch diskutiert wird, wird in Asien und Amerika schon gebaut. Für Fischer ist aber auch klar: Wo die Fabriken dann letztendlich stehen und die Batterien produziert werden, ist in einer internationalen und hochautomatisierten Produktionswelt doch gar nicht so wichtig. Es wird im Übrigen auch nicht jeder Motor für ein bayerisches Dieselfahrzeug in München oder Ingolstadt hergestellt.

Aber Elektrofahrzeuge und Energiewende gehören ausnahmslos zusammen.

Und weil man heute immer noch nicht ausreichend auf die Elektromobilität vorbereitet ist, freuen sich nur wenige darauf – was dann aber auch zu einem Bremseffekt führt.  Aber Fischer ist sich sicher: Das kommt noch. Weil er optimistischer ist, als viele andere hat er aber auch einige Freunde verloren. Das nimmt er aber sehr gelassen. 

Fischer findet es sehr bedenklich, wenn das am besten ausgebaute Schnellladenetz in Europa nicht von einem Energieversorger sondern von einem amerikanischen Elektroautohersteller betrieben wird. Für ihn ist das so, als würde Audi jetzt auch noch die Tankstellen betreiben, um Sprit und Harnstoff zu verkaufen. 

Es gibt aus seiner Sicht auch nur bedingten Widerstand, denn der Diesel sei beliebt – eben auch, weil man ihn vermeintlich günstig anbieten kann. Das muss man als überzeugter Elektromobilist schon hinnehmen können und einfach geduldig sein. Eine ausgedehnte Probefahrt mit einem gescheiten Elektroauto wirkt aber auch bei hartgesottenen Dieselfans manchmal Wunder. Am besten funktionieren aber immer noch Steuerprivilegien, und da hat der Staat ja schon einiges für Elektroautos als Dienstwagen getan. Weitere Maßnahmen kommen sicher bald noch dazu. 

Fischer glaubt: Wenn alle Pkws (E-Scooter eingeschlossen) elektrisch fahren würden, dann bräuchten wir in etwa 25 Prozent mehr Strom als heute. Da der Elektromotor dreimal effizienter arbeitet als ein Verbrennungsmotor, entfällt dafür die dreifache Energiemenge an Diesel und Benzin. 

Für ihn ist klar, dass sich die Stromerzeugung aus Photovoltaik auf dem eigenen Dach mit der Elektromobilität recht ordentlich kombinieren und ergänzen lässt. 

Der Ausbau der Stromnetze ist in Deutschland geprägt von den erneuerbaren Energien. In Bayern sind in den vergangenen Jahren in den ländlichen Räumen die Stromnetze vor allem aufgrund des Photovoltaik-Booms bereits verstärkt worden. Davon profitiert jetzt die Elektromobilität. In den Städten schaut es anders aus. Dort wird man aufgrund der Elektromobilität in einigen Jahren zu netzverstärkenden Maßnahmen in einem überschaubaren Umfang greifen müssen. Die Energiewende ist jetzt über die Elektromobilität in der Stadt erst richtig angekommen. Die Kosten dafür halten sich in Grenzen.

Grosses Thema ist natürlich immer auch die Ökobilanz bei Elektrofahrzeugen. Fischer meint dazu im BSZ:

Die Elektromobilität alleine rettet die Welt nicht vor dem Untergang. Aber der Unsinn, der über die Ökobilanz der Elektromobilität von in unserer Gesellschaft teilweise hochangesehenen Menschen zu Papier gebracht wird, ist schon erschreckend. Es gibt zahlreiche Studien die mittlerweile nachgewiesen haben, dass heute schon ein Elektroauto über seine komplette Wertschöpfungskette und Lebensdauer gerechnet eine bessere Ökobilanz aufweist als ein vergleichbarer Verbrenner. Klar ist aber auch, dass das künftige Potenzial dieser Technik, noch umweltfreundlicher zu werden, enorm sei. Beim Verbrennungsmotor sieht Fischer das nicht. Für ihn das Beste: Ein Elektroauto macht wirklich Spass. 

Von synthetischen Kraftstoffen hält Fischer nichts. Synthetische flüssige Treibstoffe sind energetisch ineffizient und damit teuer. Die Frage ist ja auch: Wo soll denn die Energie dafür herkommen? Wenn man sich die Energiebilanz mal genauer anschaut ergibt sich: Man braucht dafür fünfmal so viele Windräder, wenn man den Strom über diesen Umweg in die Autos schicken will. Klar dürfte damit auch sein, dass sich kaum jemand in ein Wasserstoff Auto setzen wird. Wir haben ja schon Probleme, die Leute in ein Erdgasauto zu bekommen. Für Transportaufgaben ist die Lösung mit der Wasserstofftechnologie gut. Da wäre als erstes das Fliegen zu nennen. Hier wäre es durchweg sinnvoll, mit deutlich höheren Treibstoffkosten dem Flugverkehrboom auf natürlichem Wege entgegenzuwirken. Manche von uns sind ja mehr in der Luft als auf dem Boden und meinen, sie wären Vollökos, weil sie mit der S-Bahn elektrisch zum Flughafen fahren.

Kritisieren tut Fischer den Flickenteppich bei den Ladevarianten. Das schlimmste für ihn dabei ist, dass das Aufladen eines Elektroautos im Grunde ja viel einfacher ist, als tanken. Man entnimmt das an der Ladesäule angeschlagene Ladekabel, führt es in die Ladebuchse ein und es macht klick. Ist genug geladen, entriegelt man das Ladekabel und steckt es wieder zurück an die Ladesäule. Fertig! Bezahlt wird beispielsweise mit Kreditkarte, und man sieht den Rechnungsbetrag auf dem Handy beziehungsweise auf dem Display im Auto. Man hat als Elektromobilist keine nach Benzin oder Diesel stinkenden Hände und muss sich nicht an der Kasse anstellen und sich fragen lassen, ob man neben der Benzinrechnung auch noch einen Müsliriegel oder eine Leberkässemmel bezahlen möchte. Warum immer alles so kompliziert sein muss erschliesst sich für ihn nicht.

Ja, es wird sich entwickeln und das ist nicht nur nötig, sondern es passiert ja so einiges.  Mit neuer verfügbarer Technik wird so einiges einfacher werden.

Es hat auch ziemlich lange gedauert, bis man in Geschäften bargeldlos zahlen konnte.

Die Gewohnheit macht auch bei der Elektromobilität nicht halt. So war es mal so, das viele Ladesäulen zugeparkt waren. Aber hier ist es spürbar besser geworden meint Fischer. Die Ladesäulen werden benutzt und die Elektroautofahrer verstehen keinen Spaß, wenn „ihre“ Ladesäulen zugeparkt sind. Fischer erzählt: Mir hat ein Verbrennerfahrer schon einmal das Handy geklaut, als ich ihn beim Zuparken gefilmt habe. Da kochen dann schon mal die Emotionen ein wenig hoch. Die Polizei geht derzeit recht milde mit den Verbrennerfahrern um. Es wurden auch schon Polizeiautos auf Ladeplätzen gesehen. Zuparken kostet nach Bußgeldkatalog derzeit 10 Euro. Das ist billiger als Parken in einer Tiefgarage in München. 

Ein Scheitern der eMobilität sieht Fischer nicht, es sei denn dass es womöglich nicht genug Batterien gibt. Alle anderen Sachverhalte wie Reichweite, Kosten und Aufladen sind technisch gelöst und müssen nur noch in die Köpfe der Autofahrer.

Quelle BSZ | Interview von Ralph Schweinfurth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.