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Maingau Energie: „Strafgebühr“für kostenfreie Parkplätze?

Maingau Energie: „Strafgebühr“für kostenfreie Parkplätze? | emobicon

Merkwürdig. Man lädt ein Elektroauto an einer öffentlichen Ladesäule und der Park - bzw. Ladeplatz kostet für Elektrofahrzeuge keine Gebühr. Maingau Energie nimmt, ab 4 Stunden Ladezeit, eine Standzeitgebühr, selbst wenn der Ladevorgang noch läuft. Ist das rechtens?

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Wieso wird ein Elektroautofahrer bestraft, wenn er sein Elektrofahrzeug lädt? Sehr komisch, nicht nachvollziehbar und sicher fragwürdig, wenn man sich ein Geschäftsmodell von Maingau Energie mal genauer anschaut. Zumindest schnell erkennbar: Der Widerspruch. Familie F. ist genau das passiert. Technisch könnte man sicher Abhilfe schaffen, die Frage ist ob man das will. Wir fragen uns allerdings, wie die rechtliche Situation aussieht. Aus unserer Sicht hätte der Anbieter hier schlechte Karten. Eine nicht nachvollziehbare Antwort von Maingau Energie gab es dazu auch. Wir erzählen die Geschichte dazu von Familie F. Wir haben Maingau Energie immer wieder empfohlen. 

Ein Ladevorgang kann dauern

Wir erklären erst einmal worum es geht:  Kaarst, eine nette kleine Stadt nahe Düsseldorf. Dort wohnt Familie F., die eine Nissan Leaf mit einem 62 kW Akku fährt. Ab und zu muss das Fahrzeug geladen werden. Tut das Familie F. an einer öffentlichen Ladestation, nutzen Sie die Ladesäulen in Kaarst, betrieben von innogy und autorisieren den Ladevorgang mit dem Zugang von Maingau Energie. Parkgebühren für die Ladesäule erhebt die Gemeinde Kaarst für Elektrofahrzeuge im übrigen nicht. Ob man lädt, oder nur parkt. Maingau Energie erhebt aber ab 4 Stunden Ladevorgang eine Gebühr. Zusätzlich zu den Kosten des Ladevorganges. Parkgebühr, Gebühr als Strafe, wie man das auch immer nennen will. Diese Gebühr wird auch erhoben, auch wenn der Ladevorgang noch läuft.

Familie F. kam mit Maingau Energie nicht weiter

Sehr verwundert zeigte man sich bei Familie F. nachdem die Rechnung für einen dieser Ladevorgänge kam. Einige Versuche, die Sache zu klären, weil man dachte, dass das ein Versehen oder Fehler sein muss scheiterten. 

Folgendes muss man in dem Fall technisch in den Raum werfen. Der Nissan Leaf mit dem 62 kW Akku kann an einer Wechselladestation mit 22 kW Ladeleistung nur einphasig und nur mit max 6,4 kW pro Stunde laden. Hat man kaum noch Strom im Akku dauert damit der Ladevorgang eine Weile. Macht ja nichts, denn ein Fahrzeug steht sowieso mehr, als es fährt. Wenn man nun 4 Stunden an einer Ladestation lädt, dabei technisch zu Grunde legt, das man nur max. 6,4 kW pro Stunde laden kann heisst das rechnerisch, das ich gut 25 kW geladen habe.

Eine Menge und mal eben wieder rund 200 km zu fahren zu können. Möchte ich aber etwas mehr laden, weil man den Strom für zum Beispiel eine längere Tour braucht, dann dauert der Ladevorgang länger. Noch einmal 4 Stunden ist realistisch. Selbst im Alltag. 

Öffentliches Laden wird bestraft?

Anders kann man es auch sehen, dass man ja nicht zwingend täglich laden will, kann oder muss. Das heisst, dass man sich nur ab und zu zu einer öffentlichen Ladestation bewegt, um zu laden. Auch das ist völlig normal.

Was ist aber mit Fahrern von Elektrofahrzeugen die aktuell keine eigene Ladestation haben? Diese sind auf die öffentlichen Ladestationen angewiesen. Sie hätten somit keine andere Wahl. Es geht also nicht darum,  eine Ladesäule zu missbrauchen und nach Beendigung des Ladevorganges für andere frei zu machen. Dann ist diese Gebühr richtig. Andere Roaminganbieter tun das – allerdings nach Beendigung des Ladevorganges. 

Ja, man hat irgendwann  die vertragliche Situation so eingesehen und ja, nur selten passiert wahrscheinlich diese Situation, das man länger lädt. Aber kann es sein, das eine Strafe erhoben wird, obwohl man noch lädt?

Maingau Energie erhebt Strafgebühren! | emobicon

Die Tariftabelle von Maingau Energie | Screen: emobicon

Maingau Energie erhebt ab der 241. Minute, also nach Ablauf von 240 Minuten, eine Gebühr von 10 Cent pro Minute und das auch, wenn man noch aktiv am laden ist. Wie kann das sein? Die Rechnung und Information erhält man erst hinterher. Tesla erhebt diese Gebühr nur dann,  wenn man das Auto nicht von seinen Superchargern entfernt.

10 Cent "Strafe" pro Minute wurden zusätzlich fällig

Folgende Situation ist nun eingetreten und wird nicht wenige Nutzer des Anbieters Maingau Energie betreffen. Familie F. bekam eine Rechnung für den Ladevorgang an einer innogy Ladesäule in Kaarst von Maingau Energie. Der Ladevorgang, der an einer Wechselladestation stattfand, ging über die 4 Stunden „Grenze“ vom Roaminganbieter. Der Ladevorgang lief allerdings noch, das Fahrzeug war noch nicht ausreichend mit Energie geladen. Neben der Bezahlung der geladenen Strommenge, kam somit dann die Gebühr von Maingau Energie von 0,10 ct pro Minute dazu.

Schaut man sich auf der Webseite von Maingau Energie um, bekommt man viele tolle und wichtige Informationen insgesamt. Standardfragen werden beantwortet, der Ladevorgang erklärt. Keine Informationen dabei über die „Strafe“ die auf einen zukommen kann. Erst bei Vertrag erfährt man quasi nebenbei von dieser Gebühr. Und das praktisch auch nur einmalig. 

Grundsätzlich, und das möchten wir von emobicon ausdrücklich erklären, finden wir solch eine Gebühr gut, nämlich dann, wenn ein Ladevorgang abgeschlossen wurde, die Ladesäule aber dann als Parkplatz blockiert wird. Es hilft der Elektromobilität, denn es gibt immer wieder Situationen, wenn Verbrenner Ladesäulen blockieren. Gut so, wenn man Massnahmen dagegen gestaltet.

Frau F. selber bemühte sich mehrfach hier mit Maingau Energie eine Lösung zu finden. Ausser Ausreden kam da nicht viel, also erzählte sie uns die Geschichte. Wir waren richtig erstaunt.

Wir von emobicon empfahlen Familie F. den Nissan Leaf als Stromer anzuschaffen, aber auch Maingau Energie als Stromanbieter zu Hause und als Dienstleister, um das Elektrofahrzeug aufladen. Deswegen möchten auch wir verstehen, was der Hintergrund ist.

Nun schalteten wir uns in den Vorgang ein. Wir nahmen Kontakt zu Maingau Energie auf. Zunächst telefonisch, mit dem Hinweis von dort eine E-Mail zu schreiben. Wir erklärten die Situation und baten um Rückmeldung.

Erklärung von Maingau Energie

Widersprüchliche Informationen von Maingau Energie | emobicon
Diese Antwort bekamen wir von Maingau Energie per E-Mail

Für ein besseres Leseergebnis hier der Wortlaut der E-Mail von Maingau Energie


Info Einfachstromladen schrieb am 26.11.2019 um 11:18 Uhr

Hallo Harald,

vielen Dank für deine E-Mail.

Die Standzeitgebühr wird unabhängig vom Ladestatus des Fahrzeugs, des Ladestationsbetreibers, in Parkhäusern oder Hotels, an jeder Ladesäule berechnet welche mit der MAINGAU Ladekarte autorisiert wurde. Da es vielen verschiedene Elektrofahrzeuge gibt können wir keine Unterscheidung des Fahrzeuges und dessen Ladeverhaltens machen.

Alle Ladevorgänge werden immer zu MAINGAU Konditionen abgerechnet wenn unsere Ladekarte oder App zum Einsatz kommt. 

Wir können ebenfalls für einzelne Ladesäulen die Standzeitgebühr nicht ändern oder entfernen. Die Standzeit wird nicht berechnet wenn das Fahrzeug nicht mehr an der Ladestation steht und nicht mehr angeschlossen ist.

Wenn eine kostenfreie Ladestation ohne Gebühren genutzt werden möchte, muss hierzu der Ladestationsbetreiber kontaktiert werden, wie diese genutzt werden kann. Manche kostenfreie Ladestationen können mit einem Knopf gebührenfrei gestartet werden. Dies variiert jedoch unter den Ladestationsbetreiber.

Gerne sind wir bei Rückfragen 24 Stunden, an jedem Tag der Woche, telefonisch unter der kostenfreien Servicetelefonnummer für Dich da. Du erreichst uns innerhalb Deutschlands unter 0800 98 98 444 und aus dem EU-Ausland  unter  00800 1000 1300 oder per E-Mail unter info@einfachstromladen.de.

Freundliche Grüße

i. A. AXXXXXXXXX

EinfachStromLaden
Kundenservice Elektromobilität

MAINGAU Energie GmbH
Ringstraße 4-6
D-63179 Obertshausen

Nicht nachvollziehbare Argumentation von Maingau Energie

Diese offensichtlichen Textbausteine der E-Mail sind kaum nachvollziehbar. Zum einen handelt es sich nicht um eine Ladestation an einem Hotel oder in einem Parkhaus. Maingau Energie weiss offensichtlich um die Situation unterschiedlichen Ladeverhaltens, kann aber, nach eigenen Angaben, keine Unterscheidung vornehmen.

Sie können die Standgebühr nicht entfernen oder ändern.  Und viel schlimmer, aus unserer Sicht, die Information: „Die Standzeit wird nicht berechnet wenn das Fahrzeug nicht mehr an der Ladestation steht und nicht mehr angeschlossen ist.“ 

Die Situation ist fragwürdig

Eine Antwort ist das aus unserer Sicht auch nicht. Eine Klärung scheint es nicht zugeben. Es wird sich lapidar und pauschal rausgeredet. Es bleibt der gute Grund zu glauben, dass diese Gebühr zum Geschäftsmodell der Maingau Energie gehört. Zumindest dann, wenn man, wie in diesem Beispiel aufzeigt, das eine Ladevorgang aktiv stattfindet.

Wir haben beim Rathaus in Kaarst, der das kostenfreie Parken für Elektrofahrzeuge gestattet, nachgefragt: Dort war man bereits informiert, denn Familie F. hatte hier schon einmal den Kontakt gesucht. Man empfindet die Situation als “ unverschämt“ und auch der Betreiber der Ladestation „innogy“  empfindet die Situation nach unserer Darstellung als „fragwürdig“. Wir übrigens auch. Es ist schlicht und einfach nicht akzeptabel. Wir fahren seit Jahren Elektrofahrzeug und kennen diese Situation so nicht. Wir hätten gern eine Lösung gefunden, dass scheint aber nicht möglich.

Wie ist die rechtliche Situation?

Wir haben dann unseren Firmenanwalt zu der Situation befragt. Er hat sich das einmal genau angesehen. Ja, der Hinweis auf diese Gebühr wird online und vertraglich angezeigt, einmalig. Allerdings meint er auch, das man keinen Hinweis erhält, wenn man im laufenden Ladevorgang ist. Ebenso zeigt er sich erstaunt, das bei Nutzung der App der Maingau Energie kein Hinweis zu der Gebühr ab 240 min Länge ersichtlich ist. Hier müsste man das aktiv bestätigen oder eine technische Lösung finden, dass der Ladevorgang abgebrochen wird. 

Technisch wäre das sicher darstellbar. Aus seiner Sicht ist es rechtlich problematisch, wenn der eigentliche Betreiber der Ladesäule, aber auch die Kommune grundsätzliche keine Gebühren erhebt, der Raomingpartner, der nur zwischengeschaltet ist aber schon. Die Frage war auch, was tut man mit den Einnahmen und wie werden diese verteilt? Darf ein Roaminganbieter quasi Parkgebühren erheben? Auch das ist rechtlich nicht statthaft.

Wie heisst es in der Ladesäulenverordnung? Es muss eine gewisse Transparenz herrschen. Ist es transparent, wenn man nicht im laufenden Zugang und Aktivierung eines Ladevorganges wiederholt hingewiesen wird? Nein!

Stromvertrag wird gewechselt

Familie F. hat nun als Zwischenlösung folgende Neuorganisation ausprobiert: Vor Ablauf der ersten 240 min wird ein Ladevorgang per App oder Karte beendet, der Stecker gezogen. Anschliessend wird der Ladestecker neu gesetzt und der Ladevorgang neu gestartet. Ein nicht vollziehbarer Handlungsstrang der hier abverlangt wird. Es klappt. Diese erhobene Gebühr wird nun nicht mehr fällig. 

Familie F. wird nun Ihre Stromvertrag insgesamt prüfen und wechseln. Wir unterstützen sie bei der Findung eines Anbieters, der diese Gebühren nicht erhebt, wenn ein Ladevorgang noch aktiv ausgeführt wird.

Update

Uns erreichte eine E-Mail zum oben genannten Fall mit einer Erklärung des Sachverhaltes und einer Entscheidung, warum man das tut und eine selbsternannte „Standzeitgebühr“ erhebt.

Hallo Herr Depta,

da Sie selbst zertifizierter Elektromobilitätsberater sind, werden Sie eventuell unsere Idee hinter dem Produkt EinfachStromLaden bereits kennen. Wir möchten das Laden für Elektroautofahrer in ganz Europa einfach machen. Eine Ladekarte/App für ganz Europa. Ein kWh-basierter Preis, egal ob AC- oder DC-Säule.

Leider mussten wir feststellen, dass sich die Roaminggebühren der einzelnen CPOs teils erheblich voneinander unterscheiden. Wir werden von den Betreibern nach unterschiedlichen Methoden abgerechnet. Nach kWh, Pauschalbetrag pro Ladevorgang, nach Minuten, im 15-Minuten Takt, oder in einem Mix aus Session-Fee, kWh und Minutenabrechnung. Preise von bis zu 45€/Stunde oder 22€ Session-Fee gehören hierbei für uns zum ernüchternden Alltag.

Wir versuchen dennoch unseren Kunden weiterhin einen festen kWh-basierten Preis an allen AC- und DC-Säulen anzubieten. Dafür müssen wir den Wirrwarr an unterschiedlichen Preisstellungen von Seiten der Betreiber für unsere Kunden ausgleichen. Dies können wir nur durch eine Mischkalkulation erreichen. Der Standzeitzuschlag ist dabei ein notwendiger Bestandteil unseres Tarifsystems, um den Endpreis für unsere Kunden einheitlich gestalten zu können.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es sich nicht um eine Parkgebühr handelt. Es handelt sich um eine zeitbasierte Komponente in unserem Tarifsystem, die offen und transparent kommuniziert und von jedem Kunden durch Bestätigung unserer AGB akzeptiert wird.

Wieso haben wir die Zeitgrenze von 240 Minuten AC/ 60 Minuten DC gesetzt?

Wir haben es uns bei der Wahl der richtigen Standzeitgrenze nicht einfach gemacht. Dazu haben wir tausende Ladevorgänge ausgewertet und uns mit Kunden unterhalten. Zudem fährt ein großer Teil unserer Belegschaft auch privat elektrisch. Dabei haben wir festgestellt, dass ein normaler Ladevorgang an DC-Säulen nicht länger als 60 Minuten dauert. Bei AC-Säulen liegt ein durchschnittlicher öffentlicher Ladevorgang unter 4 Stunden.

Da wir selbst überzeugte Elektromobilisten sind, kann ich Ihnen versichern, dass es unser stetiges Bestreben ist, den Preiswirrwarr an Ladesäulen für unsere Kunden auszugleichen und einen einheitlichen kWh-Tarif anzubieten. Eine intransparente Lösung mit direkter Kostenweitergabe je Betreiber, wie bei Plugsurfing oder NewMotion, ist für uns aus Überzeugung keine Option. Der zeitbasierte Standzeitzuschlag ist dazu ein derzeit nötiger und wesentlicher Bestandteil unseres Preissystems.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Hintergründe verständlich vermitteln.

Freundliche Grüße aus Obertshausen

i. A. Michael AXXX

EinfachStromLaden
Kundenservice Elektromobilität

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