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Norwegen: 2 Jahre Wartezeit auf ein Elektroauto sind normal geworden

Elektromobilität ist längst im Alltag angekommen und Vorreiter Norwegen hat ein Problem: Die langen Wartezeiten auf ein Elektrofahrzeug. Fahrzeughändler sind verzweifelt und Wartelistenplätze werden sogar schon verkauft. Auch in Deutschland wartet man ziemlich lange.

von Stefan Blome | emobicon - Cover Bild: emobicon

Norwegen will ab 2025 nur noch Elektrofahrzeuge zulassen. Aber schon heute, in 2019, gibt es erhebliche Probleme: Die langen Lieferzeiten für Elektrofahrzeuge. Gerade deutsche Hersteller haben wenig zu bieten und das was schon möglich wäre ist nicht lieferbar. Verzweiflung macht sich breit. 2025 sollen in Norwegen nur noch abgasfreie Autos neu zugelassen werden. Doch deutsche Autobauer kommen bei der Lieferung von E-Autos kaum hinterher. 

Extrem lange Wartezeiten sind Alltag geworden

Norwegen wird schon lange bewundert und trotzdem zweifelt man am Sinn oder Unsinn der Elektromobilität. So oder so. Diese Mobilität ist längst im Alltag angekommen. Das Interesse riesig, die Herausforderungen werden weniger und der Komfort mit einem Elektrofahrzeug ist längst identisch. Aber es gibt neue Probleme. Die Beschaffung von Fahrzeugen. Die Wartezeiten ist extrem lang geworden. Es ist fast unmöglich geworden aktuelle Fahrzeuge so zu erhalten, wie man das von Verbrennungsfahrzeugen kennt. Die Wirklichkeit ist ernüchternd.

Klar ist: In wenigen Jahren – ab dem Jahr 2025 will Norwegen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zulassen. Die Zweifel sind gross, ob das machbar ist. Denn es liegt nicht am Ziel, sondern an der Verfügbarkeit von Fahrzeugen. Wenn man sieht, wie weit die Norweger bereits sind, wäre das durchaus zu schaffen. Energie und Ladeinfrastruktur haben sie jedenfalls ausreichend. Im Land verteilt sind sie überall anzutreffen. Es gehört längst zur Normalität.

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Energie kommt fast ausschliesslich aus Wasserkraft

Norwegen nimmt den Klimaschutz ernst. Auch deswegen schaut die Welt besonders nach Skandinavien. Wie kann das gelingen und welchen Herausforderungen muss man sich stellen ? Ein grossen Vorteil hat Norwegen, denn seinen Energiehunger stillt das Land fast ausschließlich mit Wasserkraft. Auch das ist ein Grund sich von fossilen Kraftstoffen zu verabschieden. Und wegen der staatlichen Förderung, die in den letzten Jahren zwar abgebaut wurden ist die Anschaffung von Elektrofahrzeugen in Norwegen sehr günstig im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Dazu kommt ausserdem, dass man hier keine Rücksicht auf eine Industrie nehmen muss, die nicht vorhanden ist. Eine Automobilindustrie. 

100.000 Neuzulassungen 2019 in Norwegen erwartet

Und das ist aber auch gleichzeitig das Problem. Man ist auf Importe angewiesen. Nur sie kommen nicht so wie man es erhofft hatte. Die Nachfrage ist, genau wie in Deutschland, extrem gross. Das Angebot aber bescheiden oder erst gar nicht vorhanden. Man sieht damit auch das Ziel, bis 2025 emissionsfrei zu sein, in Gefahr. Bis zu 100.000 Neuzulassungen werden in diesem Jahr erwartet. 

Erste Annahmen gibt es, die behaupten, dass Hersteller die Elektrofahrzeuge mit Absicht bis ins Jahr 2020 und darüber hinaus zurückhalten. Denn ab 2020 gilt ein strengerer EU-Flottengrenzwert von 95 Gramm CO2 je Kilometer für alle neu zugelassenen Autos.

Die Hersteller kontern. Man sei mit der Produktion eben noch nicht soweit. So meint Volkswagen, das man erst gegen Ende 2019 in Zwickau sein wird. Dort soll dann das erste Modell der I.D. Familie vom Band laufen – auch in grösseren Stückzahlen. Volkswagen meint, dass der Vorwurf deswegen abwägig wäre. 

Wartelistenplätze werden im Internet verkauft

Verzweiflung macht sich unterdessen bei den Händlern breit. Bis zu zwei Jahre Wartezeit auf ein neues aktuelles Elektrofahrzeug ist fast überall normal geworden. Bis zu 10.000 Norweger wollen den KIA e-Niro haben, aber nur rund 2.000 werden ihn dieses Jahr überhaupt bekommen. Bei Tesla ist es etwas entspannter. Das günstige Model 3 soll hier bald verfügbar sein. Ausreichende Mengen werde es geben mein Tesla. BMW sieht auch nur wenige Probleme, aber auch Hyundai mit seinem KONA elektro sieht noch einigen Mehrbedarf, ähnlich wie im erst von Europa. Mittlerweile gibt es Wartelisten und ein neues Geschäftsfeld. Wartelistenplätze werden im Internet verkauft, um eher an sein begehrtes Elektrofahrzeug zu kommen. 

Die Händler sind sauer. Sie könnten problemlos Fahrzeuge mit Verbrennungsfahrzeuge haben, aber das was nachgefragt wird eben nicht. Die Autobranche trage dazu bei, dass die Umstellung auf grüne Energie mit E-Fahrzeugen verlangsamt werde, so Händler. Hersteller sehen es gelassen. Denn hier meint man, das es nicht vorhersehbar war, das die Nachfrage soweit zunimmt.

Man hofft nun, dass die Situation sich bald verbessert. Im Moment scheint das Problem noch zu sein, das die europäischen Hersteller mit der Abhängigkeit von asiatischen Herstellern zu kämpfen haben. Mit der neuen Batterie Union in Europa will man sich frei machen. Man hat endlich erkannt, dass man handeln muss.

Bei unseren Kontakten und Gesprächen bestätigt es sich, das es im ländlichen Bereich entspannter ist, als beispielsweise in der Hauptstadt Oslo. Deutsche Händler verkaufen schon länger, mit einem Trick Fahrzeuge nach Norwegen. Eben als sogenannte Tageszulassungen. Aber auch das reicht nicht aus um den Bedarf vor Ort zu decken.

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Norwegen gilt als Hotspot und Testmarkt für Elektrofahrzeuge

Klar ist aber auch jedem: Elektromobilität wird vieles verändern, genau das, was es in Norwegen bereits ist. Eine Neuorientierung in der Gesellschaft. Hier ist man sich bewusst, dass man auch mit der Elektromobilität viel erreichen kann. Norwegen gilt auch als Hotspot und Testmarkt für Elektrofahrzeuge. Nicht nur geografisch und des Wetters wegen. In Norwegen fährt man traditionell weitere Strecken als im Rest von Europa. Das möchte man aber nun elektrisch erledigen können. Gefragt sind insbesondere Fahrzeuge die elektrisch sind, aber mit denen man auch längere Strecken unterwegs sein kann.

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