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Elektroauto: Warum alle Tankstellen Ladesäulen bekommen sollen

Elektroauto: Warum alle Tankstellen Ladesäulen bekommen sollen | emobicon

Die Bundesregierung hat ein umfangreiches Klimaschutzprogramm beschlossen. Umstritten die Massnahmen und die Ziele, die vielen nicht ausreichen. Auch Elektrofahrzeuge sollen deutlich mehr gefördert werden. Für die Installation privater Ladesäulen soll es u.a. mehr Geld geben.

von Harald M. Depta | emobicon | CoverBild: emobicon

Die Bundesregierung will den Aufbau von Ladesäulen für alle Tankstellen verpflichtend machen. So steht es im Klimaschutzprogramm 2030. Demnach will die Regierung „verbindlich durch eine Versorgungsauflage regeln, dass an allen Tankstellen in Deutschland auch Ladepunkte angeboten werden“. Einige Tankstellenbetreiber haben bereits begonnen testhalber Ladeinfrastruktur an Ihren Standorten aufzubauen. Bereits Ende September hatte man sich in beschlossenen Eckpunkten auf einen umfangreichen Ausbau der Elektromobilität festgelegt. Dafür sollen demnach in den kommenden vier Jahren rund 9,3 Milliarden Euro ausgegeben werden. 

Viele Fragen müssen noch geklärt werden

Das umfangreiche Programm mit 173-Seiten (PDF) soll die vom Bund und von den Herstellern getragene Kaufprämie für Elektroautos von 2021 an für Pkw mit Elektro-, Hybrid- und Wasserstoff- beziehungsweise Brennstoffzellenantrieb verlängert und für Autos unter 40.000 Euro erhöht werden. Beschlossen ist das noch nicht wirklich, weil eine mögliche Finanzierung derzeit noch nicht gegeben ist. Diese „Gerüchte“ gab es schon länger – insbesondere bei der letzten Verlängerung der BAFA Prämie für Elektrofahrzeuge oder elektrifizierte Modelle.

Insbesondere scheint, so hören wir aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das Problem der Akzeptanz deutlich höher zu sein. Grund hierbei sind die durchaus meist höherpreisigen Modelle, auch jenseits der Marke von 40.000 €. Ein nicht unerhebliches Problem, auch wenn der Einstieg zum Beispiel Volkswagen mit dem Modell ID.3 bei unter 40.000 € liegen soll.

Das wird auch deshalb klar, weil eine genaue Höhe in dem Programm noch nicht benannt wurde. Klar, so scheint es ist, dass die Dienstwagenregelung für die Nutzung eines batterieelektrischen Fahrzeuges oder eines Plugin-Hybriden bis 2030 verlängert werden soll. Besonderes Interesse dabei, das die Dienstwagensteuer für reine Elektrofahrzeuge bis zu einem Preis von 40.000 Euro von 0,5 auf 0,25 Prozent gesenkt werden soll.

Regionales Marktversagen entgegenwirken

Darüber hinaus will die Regierung die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur weiter ausbauen, damit in Deutschland bis zum Jahr 2030 insgesamt eine Million Ladepunkte zur Verfügung stehen. Deshalb fördert der Bund den Aufbau von öffentlichen Ladensäulen mit entsprechenden Programmen bis 2025. Dazu will die Regierung auch die Automobilhersteller und die Energiewirtschaft in die Pflicht nehmen.

Bereits heute wird Ladeinfrastruktur auf Länderebene gefördert. Die bisherige Bundesförderungen wird dabei in einem „Kataster“ geführt um eine sonst mögliche ungleiche Verteilung der Ladeinfrastruktur entgegen zu wirken.

 Im Falle von „regionalem Marktversagen“ soll es auch Verteilnetzbetreibern wie den Stadtwerken ermöglicht werden, öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur zu errichten. Die Förderungen hierfür stehen bereits bereit. Für Ladesäulen gibt es bereits in den meisten Fällen keine Beantragung einer Baugenehmigung. Wir hatten darüber berichtet.

Erleichterungen für die private Ladestation zu Hause

Neben den rechtlichen Erleichterungen für den Einbau von Wallboxen in privaten Tiefgaragen will die Regierung dies auch finanziell fördern. Das betrifft „gemeinsam genutzte private und gewerbliche Ladeinfrastruktur (z. B. in Mehrfamilienhäusern und auf Mitarbeiterparkplätzen)“. Dafür hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bereits im März 2019 die Summe von einer Milliarde Euro gefordert. 

Zudem verweist das Klimaschutzprogramm darauf, dass die Installation von privater Ladeinfrastruktur mit dem sogenannten Handwerkerbonus gefördert werden kann. Wegen der rechtlichen Rahmenbedingungen wurden die Beschlussvorlagen immer wieder verzögert. Eigentlich sollte bis Ende 2019 Rechtssicherheit geschaffen werden. Nun wird man erst bis Mitte 2020 Regelungen ermöglichen, wonach die pauschale Ablehnung für die Errichtung von privater Ladeinfrastruktur erschwert wird. Das ist auch ein zentraler Bestandteil für die Elektromobilität.

Individuelle Mobilität wird deutlich teurer

Aber wo geht die Reise hin ? Klar ist: Mobilität verändert sich. Aus verschiedenen Gründen. Unterschiede gibt es hierbei im ländlichen Bereichen gegenüber der Stadt. Was auf jedem Fall passieren wird: Städte werden für die individuelle Mobilität teurer, aber auch unattraktiv. Das sich alles dem Auto unterordnen muss geht eben so zu Ende. Parkplätze werden teurer, Verkehrsräume knapper. Mehr Platz für Nahverkehr, Fahrrad und Fussgänger wird die Zukunft werden. Parallel einhergehen muss  der Umbau der Flächen, aber auch der Aufbau des Nahverkehrs. Denn wir werden mobiler sein als je zuvor. Die Anstrengungen müssen deutlich zunehmen.

Ölmultis wissen: Der Absatz von Kraftstoffen wird sich verringern und auch deshalb will man den Platz an Tankstellen nutzen um die veränderte Mobilität auch zu nutzen das Geschäftsmodell mitnehmen zu können.

Bereits heute, und wir erleben das ja auch selber, fahren kaum noch zu einer Tankstelle. Warum sollten wir das tun? Strom gibt es überall. Das heisst das praktisch jeder Ladesäulen betreiben kann. Und Stadtwerke die fast keine Tankstellen haben, aber eine Energiekompetenz haben nutzen dieses neue Modell um Kunden wieder zurück zu gewinnen. Mit attraktiven Angeboten bindet man Kunden wieder an sich. Hier ist der Markt deutlich in Bewegung und man probiert sich aus.

Da nicht in jeder Strasse, auf jedem Parkplatz Lademöglichkeiten sein können, ist es sinnvoll vorhandene Plätze, wie Tankstellen zum Laden von Elektrofahrzeugen zu nutzen. Der Kampf um den Kunden von morgen ist längst im vollen Gange und der Kampf um die angenehmste „Ladeweile“ wird entscheiden, wo in Zukunft die Fahrzeuge aufgeladen werden. Supermärkte, Restaurants, aber auch Raststätten, Hotels u.a.haben längst das Potential von morgen erkannt.

2 Gedanken zu „Elektroauto: Warum alle Tankstellen Ladesäulen bekommen sollen

  1. Genauso wichtig wie eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur finde ich eine eine unkomplizierte , allgemeinverständliche Handhabung sowie ein vereinheitlichtes Abrechnungssystem.
    Es kann nicht angehen, dass ich auf der Autobahn nicht weiterkomme, weil Säulen von Innogy und E.ON keinen Kartenleser aktiviert haben und/oder gängige Karten ignorieren. Freischalten per App finde ich persönlich blöde und den von Preis 10,95 € pauschal pro Ladung Preis eine Frechheit. Bei einem Riesenakku mag das angehe, aber bei Nachladen von 10 kWh unmöglich.
    Eine Abnahmegenaue Abrechnung a’la Maingau ist fair und günstig.
    An der Tanke zahle ich ja auch pro Liter, nicht pauschal.
    Da ist noch viel zu tun.

    Gruß Stefan

    1. Hallo Stefan

      Wir müssen mal einige Dinge „sortieren“

      Pauschale Abrechnung pro Ladevorgang ist deshalb gekommen, weil jetzt das Eichrecht gilt. Das bedeutet aber das die Technik, also die Ladesäule das können muss. Nachrüstungen gibt es für Bestandsäulen erst mit der neuen Generation. Die „alter Ladestationen“ egal ob schnell oder langsam können es meistens nicht. Ebenso die Kartenzahlung. Auch die muss eichrechtskonform gestaltet werden. bei den „alten“ Ladern wird es nicht aktiviert werden können – bei neuen Stationen kommt es, nach und nach. Aber auch nicht überall, denn es kostet. Roaming, Aktivierung, Abrechnung usw. Maingau, j ist eine tolle Sache, aber eben auch „eingeschränkt“ Auch das hängst mit dem Eichrecht zusammen. Hier würden sicher mehr Anbieter auch Maingau den Zugang geben, sie dürfen es schlicht nicht. Eichrecht ist notwendig, wenn auch stümperhaft gemacht. Und aktuell haben die meisten Hersteller grosse Probleme ausreichende Mengen an Ladesäulen zu produzieren. Wir werden noch eine Weile Geduld haben müssen und eine Abrechnung pauschal ist besser als die Komplettabschaltung. Das wäre die Alternative gewesen…

      Gruss H.M. Depta | emobicon

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