Ausblick ElektromobilitäteMobilitätLadeinfrastrukturLadesäulenLadesystemeNews

Ladeinfrastruktur: Hersteller werben mit Eichrecht und haben kaum Produkte

Ladeinfrastruktur: Hersteller werben mit Eichrecht und haben kaum Produkte | emobicon

Das Eichrecht. Grosses Thema im Bereich Ladeinfrastruktur in der Elektromobilität. Viel Ärger gab es deshalb in den vergangenen Monaten. Jetzt werben Anbieter, dass sie eichrechtskonform sind. Schaut man hinter die Kulissen ist das aber nicht so. Eichrechtskonforme Produkte sind aktuell oft nicht lieferbar. Es dauert noch eine Weile.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Es ist schwer, widersprüchlich und ärgerlich zugleich. Das Thema Eichrecht. Ärgerlich ist das für Hersteller, Betreiber von Infrastruktur, aber auch für den Vertrieb, den Handwerker. Und dazwischen sind dann die Marketingleute der Hersteller, die sich schon seit Monaten ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt haben: „Wir sind ab sofort eichrechtskonform“. So oder so ähnlich wird es per Pressemitteilung in die Öffentlichkeit getragen. Stimmt aber meistens nicht. Fragt einer nach oder will einer ein eichrechtskonformes Produkt, wird er entweder belogen, hingehalten oder mit Ausreden ausgetrickst. Es ist absurd. Weil wir das nicht gut heissen, sagen wir das jetzt.

Eichrechtskonforme Vorbereitung ist nicht eichrechtskonform

Wir müssen aktuell oft betteln gehen. Nach Informationen zum (eichrechtskonformen) Produkt, zum neuen Preis, und zur Lieferfähigkeit. „Eichrechtskonforme Vorbereitung“. Liest man das falsch und das tun viele für gewöhnlich, dann wird es doppelt teuer, denn eichrechtskonform ist ein Produkt damit noch lange nicht. Es muss dann noch nachgerüstet werden. Aber was und wie, zu welchen Kosten bleibt oft erstmal ein Geheimnis.

Wir erleben derzeit folgende absurde Situation: Ein Kunde fragt uns nach einem Konzept, einer Idee – will eine Lösung zum Laden von Elektrofahrzeugen. Die Ansprüche sind recht unterschiedlich. Von einer einfachen Ladelösung in der privaten Garage bis hin zur Komplettlösung mit Abrechnung, steuerrechtlich einwandfrei gelöst für den Dienstwagen. Die einfache Lösung ist in der Regel kein Problem. Aber geht es in die Richtung „Zukunft“ dann wird es schon undurchsichtig. Denn so ziemlich jeder Hersteller behauptet aktuell: Wir haben jetzt und hier alle technischen Möglichkeiten. Nur will man das passende Produkt ist es nicht lieferbar. Es dauert noch und Informationen zum Eichrecht gibt es kaum. Weder für einen Kunden noch einen Vertriebspartner der wie wir diese Lösung auch an den Mann oder die Frau bringen will. Wir finden es sogar gefährlich.

Das nächste Problem ist aber auch, das im Netz viel behauptet wird. Kundenfang, Kundenverdummung könnte man das auch nennen. Nach aussen den schönen Schein darzustellen, aber dann in der Realität nichts von den Versprechen auch einzuhalten. Kommen konkrete Anfragen, weil die Behauptung im Raum ist bedeutet es viel Aufklärungsarbeit zu leisten und damit erfolgt dann oft für alle die Ernüchterung.

Was ist das Eichrecht?

Seit 1. April müssen in Elektroauto-Ladesäulen Messgeräte eingebaut sein, die dem neuen Eichrecht entsprechen und kilowattstundengenau abrechnen. Damit sollen Fahrer von Elektroautos künftig genau erfahren, wieviel Strom sie gezapft haben und was dieser kostet. Es soll somit beim aufladen von Strom ähnlich laufen wie beim Kraftstoff-Tanken: Elektroauto-Fahrer sollen vor dem Ladevorgang exakt wissen, was sie eine Kilowattstunde Strom kostet. Rein zeitbasierte Tarife, meinen Fachleute, dürften damit ab April unzulässig sein. 

Das neue Eichgesetz gilt bereits schon seit 2015. Bisher gab es aber Ausnahmeregelungen und Übergangsfristen. Doch viele Betreiber kümmern sich wohl erst jetzt darum, die Ladesäulen im Bestand eichrechtskonform umzurüsten. Und das hat Folgen. 

Umrüstungen oft nicht möglich

Es wird noch Monate dauern bis mit Nachrüstungen angefangen wird, oder bis Ladesäulen generell umgerüstet sind. Allmählich wird klar, dass die meisten öffentlichen Ladestationen nicht umrüstbar sein werden.  Streng genommen werden diese möglicherweise wohl ausser Betrieb genommen werden.

Noch vertrackter ist die Lage bei sogenannten Schnellladern. Für Gleichstrom-Schnelladesäulen existieren aktuell noch keine eichrechtskonformen Messgeräte – die sind noch in der Entwicklung. Sämtliche Schnellladesäulen-Betreiber konnten also die Auflage ab April also rein technisch nicht erfüllen.

Was passiert denn nun ? Auf der einen Seite die Bundesregierung, die Elektromobilität voran bringen will – auf der anderen Seite die Behörden. Diesen wird wohl auch klar, dass nicht alle Ladesäulen abgeschaltet werden können.

Im Moment geht man noch von einer Duldung durch die Behörden aus. Allerdings legt man die Zügel enger an. Demnach erwartet die Behörden mittlerweile, dass zumindest proaktiv Meldungen über den Zustand eines Ladesäulen Betreibers und einem Nachrüstplan gegeben werden.

Spielregeln beachten

Und diese bestehende Ladeinfrastruktur ist aktuell ein Riesen Problem. Einerseits wird über undurchsichtige Preispolitik gemeckert, aber Anbieter, Betreiber sind gezwungen Massnahmen zu erlassen, um überhaupt noch Ladeinrichtungen in Betrieb halten zu können. Dieses passiert häufig mit pauschalen Preisen pro Ladevorgang, oder sogar gratis – zumindest dann, wenn die Unsicherheit besonders gross ist.

Dabei sind die Spielregeln ganz einfach. Es gibt klar Richtlinien und Empfehlungen. So soll man sich zunächst an den Hersteller der Ladeeinrichtung wenden. Das Problem dabei ist, das die meisten Hersteller abwinken, sich rausreden oder keine Lösungen haben.

Die Physikalisch – Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig wünscht eine Abstimmung zwischen Hersteller und Betreiber ob, wie, ab wann und bis wann eine Nachrüstung des gesamten Bestands möglich ist.

Das erfordert einen Nachrüstplan. Das Problem hier. Die gibt es fast nicht. Das heisst oft, dass Hersteller die Betreiber meistens damit ganz alleine lassen und was noch schlimmer ist: Für die meisten bestehenden Ladestationen wird keine Nachrüstung möglich sein, technisch bedingt. Trotzdem wird heute noch meter behauptet: Alles kein Problem. Wirklich? Wer sich darauf verlässt der ist aus unserer Sicht verlassen.

Bei Nichtbeachtung der Vorgaben des Mess – und Eichrechts bzw. der Preisangabenverordnung kann ein Ordnungswidrigkeitsverfahren und sogar die Stilllegung der Ladeeinrichtung durch die zuständige Landeseichbehörde bzw. durch die Landespreisbehörde drohen und damit verbunden die Rückforderung der gewährten Fördermittel.

Um solche Schritte zu verhindern, wird dringend empfohlen, nur noch eichrechtskonforme Ladesysteme zu installieren bzw. bereits in Betrieb befindliche Ladesysteme entsprechend umzurüsten.

Quelle: BMWi | Arbeitsgemeinschaft Mess und Eichwesen (AGME)

Mit den Behörden zusammen arbeiten

Die Fachgruppe Recht beim IKT für Elektromobilität hat folgende Informationen veröffentlicht. Demnach gibt es  keine förmlich-einheitliche Frist, bis zu der deutschlandweit alle DC- und AC-Ladeeinrichtungen umgerüstet werden müssen. Jeder Betreiber von Ladeeinrichtungen stellt seinen konkreten, individuellen Nachrüstplan der am Sitz seiner Niederlassung zuständigen Eichbehörde vor. Darin hat er zu erläutern, ob der Messgerätehersteller, mit dem er zusammenarbeitet, sich bereits in einem Konformitätsbewertungsbewertungsverfahren befindet und wann voraussichtlich mit dem Erteilen einer Baumusterprüfbescheinigung bzw. wann mit der Marktverfügbarkeit einer konformitätsbewerteten Ladeeinrichtung und dem Abschluss der Umrüstung des kompletten Bestandes des betreffenden Ladepunktbetreibers zu rechnen ist. 

Die Landeseichbehörde wird dann darüber einen Bescheid erlassen, indem sie den Nachrüstplan bestätigt, ggf. aber auch dazu rät, auf am Markt verfügbare Produkte zurückzugreifen, falls von dem Ladepunktbetreiber ein Nachrüstplan eingereicht wird, der eine Nachrüstung erst zu einem deutlich späteren Zeitraum vorsieht. Dieser Bescheid soll dann durch den CPO der zuständigen Landespreisbehörde vorgelegt werden, die dann ebenfalls in Wahrung ihres Ermessens die Entscheidung der Landeseichbehörde ihrer eigenen Entscheidung, z.B. weiterhin bis zum Abschluss des konkreten Nachrüstplans das Erheben einer Session Fee (Pauschale) zu dulden, zugrundelegen kann. Für neue Ladeeinrichtungen gilt: Aufgebaut werden dürfen nur noch konformitätsbewertete Ladeeinrichtungen. Bei Missachtung kann es zur angeordneten Stilllegung von Anlagen kommen, was weitere Folgen bedeuten kann.

Oft passiert einfach nichts

Man kann für den Übergang noch eine Menge mehr tun, allerdings mit Auflagen. Das Problem dabei: Weil die meisten Hersteller für Ihre Bestandsprodukte keine Nachrüstung vorsehen, oder bis heute nicht wissen ob und wie, wann und zu welchen Kosten nachgerüstet werden kann, kümmern sich die meisten auch nicht um mögliche Lösungen. Der Betreiber erwartet das vom Hersteller. Die meisten von denen halten sich da aber am liebsten raus. Erschreckend naiv. Der Handwerker, das Unternehmen, der Betreiber von Infrastruktur – all die werden von den Herstellern oft allein und im Stich gelassen, obwohl es so wichtig wäre proaktiv auf die Betreiber zuzugehen und mit denen zu sprechen und nach Lösungen zu suchen. Wussten Sie, das die meisten Betreiber noch gar nichts von der Eichrechtsproblematik wissen? Sehr erschreckend und scheinbar sitzt man das lieber aus.

Warum man eichrechtskonforme Lösungen braucht

In aller Deutlichkeit mal ein paar Tipps von uns:

Sie sind ein privater Fahrer eines Elektrofahrzeuges oder beabsichtigen sich eines zu kaufen, dann müssen sie sich nur um eine einfache Ladelösung bemühen. Sie sollte zu Ihren technischen Gegebenheiten vor Ort passen, ebenso zu Ihrem Fahrzeug. Es gibt viele Lösungen – in vielen Preisklassen und Designs.

Sind sie darauf angewiesen, dass der durch das Laden verbrauchte Strom abgerechnet wird – zum Beispiel weil Sie Fahrer eines elektrischen oder teilelektrischen Dienstwagens sind, dann sollten Sie bereits heute eine eicherechtskonforme, netzwerkfähige Ladeeinrichtung verbauen.

Hintergrund ist hierbei, dass, ähnlich wie beim Tanken, die verbrauchte Menge an Energie, die sie mit Ihrem Arbeitgeber verrechnen werden konform mit dem Einkommenssteuerrecht sein muss. Auch der Einfachheit eben geht es darum, dass das Unternehmen eine Lösung hat, die das Finanzamt anerkennt. Und sie, der seinen Stromanschluss zur Verfügung stellt, möchte ja dann für die geladene menge Strom zu Hause die Kosten erstattet bekommen.

Auch Ladelösungen, zum Beispiel auf dem Mitarbeiterparkplatz eines Unternehmens müssen eichrechtskonform sein. Zwar wird erst im nächsten Jahr der Steuerfreibetrag zum Aufladen von Elektrofahrzeugen herangezogen, aber das sollte man heute bereits einplanen. Anerkannt dabei für später eine Zukunftslösung.

Ein Parkhaus, eine Tiefgarage,  ein gemeinsamer Parkplatz eines Hauses und hier wird eine gemeinschaftliche und damit meist kostengünstigere Lösung für die Installation von Ladestationen gesucht, dann kommt man um eine eichrechtskonforme Lösung nicht herum. Immer da wo jemand abrechnet – öffentlich, halböffentlich, in Unternehmen, auf gemeinsam organisierten Stellplätzen muss eine Eichrechtskonforme Lösung verbaut werden. Einige Anbieter, aber eben auch Verkäufer von Ladelösungen glauben tatsächlich immer noch: Es kommt nicht oder erst viel später. Die Frage ist aber: Wollen Sie nach kurzer Zeit bereits eine neue Ladelösung anschaffen müssen, weil es notwendig geworden ist? Fatal und muss doch nicht sein, wenn man heute bereits Lösungen verbaut, die zukunftssicher sind.

Sicherlich ist das nur ein Teil dessen, was man wissen muss und sollte. Das Thema ist grösser und auch wichtiger, als man denkt. Die Finanzämter schauen sich die Entwicklung in diesem Bereich genau an. Finanzämter? Ja genau diese. Hintergrund hier ist die Abrechnung von Energie – ähnlich wie man sich das beim Tanken von Kraftstoff vorstellen kann. Nur hier etwas differenzierter. Man kann hier auch zu Hause laden oder unterwegs – das ergibt weitere Fragen und Möglichkeiten. Aber es ist machbar – es kommt nur darauf an wie man das löst.

Immer da wo jemand abrechnet egal ob öffentlich, halböffentlich, in Unternehmen, auf gemeinsam organisierten Stellplätzen o.ä., muss eine eichrechtskonforme Lösung verbaut werden.
Harald M. Depta
Elektromobilitätsberater | emobicon

Unser Tipp: Fragen Sie gezielt nach eichrechtskonformen Ladelösungen. Damit sind sie rechtssicher mit Blick auf die Zukunft. All diese Ladelösungen sind sind ebenso förderfähig. Lassen Sie sich nicht einreden, dass diese Produkte zu teuer sein. Ja, sind sind teurer, aber es ist technisch aufwendiger, aber nötig.

Leider haben sehr viele Verkäufer von Ladeinfrastruktur in den Punkten Eichrecht und Steuerrecht zu wenig Ahnung. Erschreckend dabei, das viele noch nie davon gehört haben wollen. Seien Sie schlauer – in Ihrem eigenen Interesse.

HINWEIS:

… übrigens: emobicon ist zertifizierter Fachpartner für Ladeinfrastrukturlösungen.
Wir finden Ihre zukunftssichere Lösung – nach Ihrem Bedarf, nach Ihren Vorgaben. 

Sicher, Komfortabel und eichrechtskonform, wenn es notwendig ist!

Der schnellste Weg zu einer guten Lösung beginnt immer mit einem Gespräch.

Rufen Sie uns an unter 02933 | 8259 959, senden Sie uns eine E-Mail an info@emobicon.de
Gerne beraten wir Sie umfassend für Ihren Einstieg in die Elektromobilität.

Gern übernimmt emobicon die Antragsstellung zur Förderung der Ladeinfrastruktur für Sie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.