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KOBALT. Ein Fair-Trade Siegel für den Rohstoff ?

Elektroauto, Akku, Batterie. Bei diesen Schlagwörtern fällt den meisten KOBALT ein, als ein wichtiger Rohstoff für die Elektromobilität.

Immer wieder wird Kobalt aber mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht.  Ausbeutung und menschenunwürdiger Abbau des Rohstoff sollen auch dazu gehören.

Sehr oft leiden Mensch und Umwelt unter dem Abbau von Kobalt. Aber, man könnte was dagegen tun. Die Herkunft der Rohstoffe zertifizieren, ist ein erster wichtiger Schritt.

von Micha | emobicon

 

Es geht auch um Menschenwürde, um Kinderarbeit, viel Geld und ein Rohstoff, der wieder ins Bewusstsein geraten ist, nachdem die Elektromobilität Fahrt aufnimmt. Viele Mythen ranken sich um den Rohstoff und darum was vor Ort passiert. Meistens in Afrika: Kinderarbeit. Darüber hatten wir im ersten Teil geschrieben.

Was also muss getan werden, damit die Akkus von E-Autos mit einem guten Gewissen zu kaufen sind?
Muss vielleicht sogar ein Verbot her? Oder reicht es aus, sich mit dem Rohstoff, den Abbaubedingungen vor Ort zu beschäftigen ?

Immer wieder gibt es Stimmen zu einem Embargo. Aber wen hilft es und was für Alternativen sind sinnvoll und nötig ? Klar ist, das bei einem hohen Bedarf des Kobalts, wie wir ihn erleben, der Bedarf nicht zu decken sei.

Auch deutsche Autohersteller sind in der Verantwortung

Mehr als 2 Millionen Menschen arbeiten im überwiegenden Kleinbergbau. Oft sind die Bedingungen unmenschlich, wenn Kobalt abgebaut wird. Die korrupte Regierung des Kongo verdient daran prächtig. 

Rund 50 Prozent des weltweiten Vorkommens an Kobalt befindet sich dort.

Konzerne wie VW, Daimler und Samsung müssen nach Auffassung von Amnesty International entschieden gegen Kinderarbeit in der Lieferkette der Akku-Produktion vorgehen. Elektronikfirmen und Autobauer, die Kobalt aus dem Kongo beziehen, vernachlässigten ihre Sorgfaltspflichten beim Schutz der Menschenrechte, kritisierte die Menschenrechtsorganisation in Berlin.

Sabine Angermann, Bereichsleiterin Einkauf und Lieferantenqualität für Rohmaterial und Strategie bei Mercedes-Benz: „Der Ausbau der Elektromobilität stellt neue Anforderungen an die Automobilindustrie und speziell an den Einkauf. Wir sind uns der Verantwortung bei der Beschaffung von Rohstoffen bewusst und bündeln über die Zusammenarbeit mit anderen Wirtschaftsunternehmen in diesen Initiativen unsere Kräfte.“

BMW erklärte dem Evangelischen Pressedienst (epd), bereits strenge Standards anzulegen, aber jedes Restrisiko bei Umwelt und Menschenrechten ausschließen zu wollen: „Kinderarbeit geht gar nicht“, sagte ein Sprecher. Der Daimler-Konzern betonte, einen verantwortungsvollen Rohstoffbezug zu unterstützen. Von VW war zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Einige Fakten

Weltweit gibt es bekannte Kobalt-Reserven von 25 Millionen Tonnen, so Zahlen des US Geological Survey. Die meisten in der Republik Kongo in Afrika 

Die Zahlen schwanken ein wenig.

Rund 67.000 Tonnen förderte die Republik Kongo in 2016 und ist damit Weltmarktführer.

Auf Platz 2 kommt China mit rund 8000 Tonnen. Aktuell wird der Abbau aber forciert und stetig gesteigert.

Kobalt kommt aber auch aus Kanada, Australien, Russland, Brasilien, Sambia, Südafrika und Marokko.

Da der Bedarf riesig ist, nimmt man hier Fahrt auf im Abbau und der Verarbeitung von Kobalt

66.000 Tonnen förderte der Kongo 2016. China liegt mit nur 7700 Tonnen auf Platz 2, hat seine Produktion aber binnen zehn Jahren um 550 Prozent gesteigert. Drittwichtigstes Förderland ist Kanada.

Da China sich grosse Kobalt Reserven im Kongo gesichert hat, wird sich das Machtverhältnis ändern. Der meiste Rohstoff wird übrigens in China verarbeitet. Auch in Europa stehen Verarbeitskapazitäten.

 

Cobalt wird überwiegend aus Kupfer- und Nickelerzen gewonnen. Die genaue Gewinnungsart ist von der Zusammensetzung des Ausgangserzes abhängig. 

Zunächst wird ein Teil der vorhandenen Eisensulfide durch Rösten in Eisenoxid umgewandelt und mit Siliciumdioxid als Eisensilikat verschlackt. Es entsteht der sogenannte Rohstein, der neben Cobalt noch Nickel, Kupfer und weiteres Eisen als Sulfid oder Arsenid enthält. 

Durch weiteres Abrösten mit Natriumcarbonat und Natriumnitrat wird weiterer Schwefel entfernt. Dabei bilden sich aus einem Teil des Schwefels und Arsens Sulfate und Arsenate, die mit Wasser ausgelaugt werden. Es bleiben die entsprechenden Metalloxide zurück, die mit Schwefel- oder Salzsäure behandelt werden. 

Dabei löst sich nur Kupfer nicht, während Nickel, Cobalt und Eisen in Lösung gehen. Mit Chlorkalk kann anschließend selektiv Cobalt als Cobalthydroxid ausgefällt und damit abgetrennt werden. Durch Erhitzen wird dieses in Cobalt(II,III)-oxid (Co3O4) umgewandelt und anschließend mit Koks oder Aluminiumpulver zu Cobalt reduziert

Quelle: Wikipedia

Kinderarbeit im KONGO. Wie lange noch ? | Bild: Welt.de

Alternativen zum Boykott

Gibt es Alternativen zu einem Boykott, wie man es schlicht oft sofort fordert ?

Klar ist: Ohne Kobalt keine Akkus und damit kein Smartphone, kein e Auto, kein elektrischer Rasernäher, keine akkubetriebene Zahnbürste, kein Laptop. Nichts.

Wer sanktionieren will, sollte aber auch andere Möglichkeiten ins Auge fassen. Eine durchaus sinnvolle und sogar nötige Möglichkeit wären Zertifizierungen und dazu muss die Industrie in die Pflicht genommen werden.

Rohstoff Zertifikate gibt es bereits, in vielen Bereichen und die meisten funktionieren sogar.

Dank der ITRY Tin Supply Chain Initiative, kurz iTSCi, können Konzerne die nach Rohstoffen gieren sich von Rebellengruppen kontrollieren lassen. 

Industrieverbände haben das Zertifizierungs-System angestoßen, das auf eine mehrstufige Versiegelung setzt. Nachdem lokale Gutachter eine Mine als sauber eingestuft haben, packen Arbeiter die Rohstoffe in Säcke, wiegen diese, verschließen und kennzeichnen sie – und speichern die Informationen in einer Datenbank. 

Zwischenhändler können die Säcke nur öffnen und wieder versiegeln, wenn ihnen dabei ebenfalls ein Gutachter über die Schulter schaut. Entscheidend ist vor allem die Schmelzhütte, wo die Rohstoffe unter Hitze vermengt werden. Jene Weiterverarbeiter werden regelmäßig kontrolliert – und sind nur dann „konfliktfrei“, wenn sie den sauberen Ursprung der Rohstoffe entlang der gesamten Lieferkette belegen können. Elektronikkonzerne die hier kaufen, sind somit auf der sicheren Seite.

Auf technischer Ebene sind die Lieferketten von Koltan und Kobalt vergleichbar, sagen Experten.
Auch Kinderarbeit ist bereits ein Ausschlusskriterium. So ein System könnte also auch auf Kobalt angewendet werden.

Es geht auch anders

Und auch die Gesetze sparen Kobalt aus: der Dodd-Franck-Act beispielsweise, der US-Konzerne zu Herkunftsnachweisen über die verwendeten Mineralien verpflichtet – sowie eine vergleichbare Regelung, die ab 2021 in der EU in Kraft treten wird.

Es läuft noch nicht rund

Keine Frage, noch läuft es nicht so, wie erhofft. Kriminelle Machenschaften versuchen immer wieder „schmutziges Kobalt“ in das Programm zu schmuggeln um sich durch die Zertifizierung zu bereichern.

Für Grossminen wäre die Zertifizierung problemlos zu realisieren.

Nur das Gewerbe der ungezählten, manchmal winzigen Minenschächte des Kleinbergbaus ist zu  unübersichtlich, um es heute schon großflächig zu kontrollieren. Zudem sind die Arbeiterfamilien oft so arm, dass Kinderarbeit nicht von heute auf morgen verschwinden würde. Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie es mit der Kinderarbeit weitergeht und wie wir sie aus der Lieferkette ausschliessen. Es geht nur mit Bildung und anderen Jobs. Eine Möglichkeit aus der Zertifizierung zu profitieren und damit Alternativen zu zeigen. Pilotprojekte zu dieser Idee sind bereits gestartet.

Mit internationalen Konzernen hat die chinesische Handelskammer, die sich mit Metallen, Mineralien und Chemikalien beschäftigt angekündigt, das z.B. Daimler, Apple, Sony und Volvo mit an Bord sind, um, durch die Zertifizierung, Kinderarbeit einzudämmen. Wie sie das aber umsetzen will, ist bislang noch nicht bekannt.

Renata Jungo Brüngger, Vorstandsmitglied der Daimler AG und verantwortlich für Integrität und Recht, ergänzt: „Der Beitritt zu Initiativen ist eine wichtige und sinnvolle Ergänzung zu unseren eigenen Aktivitäten zur Achtung der Menschenrechte wie dem Human Rights Respect System. So können wir zu dauerhaften Verbesserungen für die betroffenen Menschen beitragen.“

 

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