Klimapaket: Warum individuelle Mobilität mit dem PKW deutlich teurer wird

von | 19.12.2019 | eMobilität, eMobilität und Umwelt, Klima, Klimaschutz, Mobilität, News | 0 Kommentare

Das Klimapaket steht - zumindest fürs Erste. Diese Überarbeitung wird Folgen für Verbraucher haben. Horrorszenarien haben hier aber keinen Platz, auch wenn Mobilität teurer wird. Wir haben es in der Hand.

von Anja Hentschel | emobicon - CoverBild: emobicon

Horror oder wie kann man sonst diese „Verschärfung“ betrachten, die in den Medien herbeigerufen wird? JA, es gibt Änderungen und ja, wir müssen uns diesen stellen. Man muss aber auch sagen: Jeder von uns hat es in der Hand ob man für individuelle Mobilität mehr zahlen muss, oder nicht. Zu glauben, das sich nichts verändert und verändern darf ist falsch. Ziel dieser Massnahmen ist den CO2-Ausstoß in Deutschland zu verringern, ohne die Wirtschaft abzuwürgen. Anders denken UND handeln ist gefordert, auf allen Seiten.

Umweltbewusstes Verhalten wird belohnt

Sogar sparen ist möglich, aber man muss sich darauf einlassen und ganz ehrlich. Wir haben schon soviel Veränderungen erlebt und uns stets damit angefreundet. Diese Umstellung ist möglich – bei jedem. Auf den Willen kommt es an. Wieviel das verbesserte Klimapaket zum Erreichen des CO2 Ziels beiträgt, lässt sich bisher nicht wirklich abschätzen. Und die Massnahmen erscheinen auch nur als Tropfen auf dem heissen Stein, denn dieses Päckchen wird nicht viel bringen, meint ein Teil derer, die sich meistens nicht mal ganz mit den Änderungen befasst haben.

Die Neufassung soll umweltbewusstes Verhalten belohnen. Bestraft werden wird derjenige der nichts unternimmt um das eigene Verhalten zu ändern. Die Massnahmen seinen so angelegt, dass kein Verbraucher ernsthaft um seinen Lebensstandard oder seine Freiheiten fürchten muss. Wen also belastet das überarbeitete Klimapaket? Und wer spart?

Direkt und indirekt spürbare Veränderungen

Zentraler Punkt der Massnahme ist die Mobilität. Im Verkehrssektor passiert derzeit zu wenig. Die Strassen zu voll, der CO2 Ausstoss ist zu hoch, die Luft in den Metropolen soll auch dadurch besser werden. Ein paar Fakten: 

  • 2021 | 25 € je Tonne CO2
  • 2022 | Steigerung auf 30 € je Tonne CO2
  • 2023 | Steigerung auf 35 € je Tonne CO2
  • 2024 | Steigerung auf 45 € je Tonne CO2
  • 2025 | Steigerung auf 55 € je Tonne CO2
  • 2026 | Auktion - zwischen 55 und 65 € je Tonne CO2

Der reine CO2-Preis hat für uns Verbraucher zunächst aber noch keine unmittelbaren Auswirkungen. Direkt betroffen ist man spätestens zum Zeitpunkt ab 2021, sofern man sein eigenes Verhalten nicht ändert. Klar ist aber bereits, das die möglichen Auswirkungen sich auf viele andere, nachgelagerte Preise auswirken wird. Dieses betrifft dann alle, auch Unternehmen. 

Das Mobilität, die individuell gestaltet wird, teurer werden wird steht zweifelsfrei fest. Und schon beginnen sie, die Debatten, die Horrorszenarien und die Suche nach den negativen Auswirkungen. Glaubt denn jemand ernsthaft, dass wir nichts ändern müssen? Soll es geben. Aktuell beschäftigen sich nur wenige mit den nötigen Änderungen. In drei Massnahmenpaketen  werden aber die Folgen spürbar sein: bei der Mobilität, beim Heizen und beim Stromverbrauch.

Kraftstoffpreise werden stark steigen

Fest steht demnach, dass Kraftstoffpreise durch das Klimapaket deutlich steigen werden. Experten rechnen mit rund 8 Cent pro Liter Preissteigerung, beginnend ab 2021. Ein Rechenmodell sagt, dass der Liter Sprit bei einem CO2-Preis von fünf Euro rund 1,5 Cent teurer würde – und dass sich dieser Trend in Fünferschritten fortsetzen wird. Bei rund 15000 km Fahrleistung im Jahr kommt man auf eine Steigerung der unmittelbaren Kosten von rund 54 €. Nach den bisherigen Zahlen wird die Summe insgesamt rund 130 € Mehrkosten pro Jahr bedeuten. Das auf der Grundlage des Maximalpreises von 65 € pro Tonne CO2 und damit knapp 20 Cent Mehrkosten pro Liter Kraftstoff. 

Bahnpreise sinken im Fernverkehr

Über die Pendlerpauschale wird man wieder entlastet, denn die Pendlerpauschale wird leider auch steigen. So wird man die nötige Wirkung kaum oder nur selten erzielen. Für Entfernungen von 21 Kilometern und mehr wird ab 2021 zunächst um fünf Cent je Kilometer und ab 2024 noch einmal um drei Cent auf dann 38 Cent pro Kilometer entlastet.

Wer auf die Bahn umsteigt, wird künftig günstiger wegkommen. Dafür wurde nun beschlossen den Mehrwertsteuersatz für Bahntickets von 19 auf sieben Prozent zu senken. Die Bahn verspricht die preise demnach zu senken. Zugfahren soll dadurch gut zehn Prozent günstiger werden.

Das Fliegen soll künftig deutlich mehr kosten. So will man ab dem Frühjahr 2020 die Luftverkehrsabgabe erhöhen. Details dazu stehen aber noch nicht final fest.

Käufer von privaten PKW sollen sich für klimafreundlicherer Modelle entscheiden. So werden Fahrzeuge mit hohen Emissionen ab 2021 deutlich mehr Kfz-Steuer zahlen, aber auch hier stehen die Details noch nicht fest. Für Elektrofahrzeuge unter 40.000 Euro steigt aber ab 2021 die Kaufprämie.

Heizen wird teurer

Beim Kraftstoffpreis für die Mobilität bleibt es aber nicht. Auch beim Heizen spielt der höhere CO2-Preis in vielen Haushalten eine nicht unwesentliche Rolle. Vor allem dort, wo mit Öl oder mit Gas geheizt wird kommt es durch das Klimapaket zu Preissteigerungen. So geht man heute davon aus, dass die Steigerung von rund 30 € möglich ist, bei einem Durchschnittsverbrauch von von 500 Kilowattstunden Gas und rund 40 € Mehrbelastung bei rund 500 Litern Heizöl. Das betrifft kleine und Single-Haushalte. Letzteres wird sowieso bald verboten sein und Anreize zum Wechseln werden kommen. Für Mehrverbrauch wird man deutlich mehr zahlen müssen – bekommt aber wiederum Anreize, wenn man Änderungen vornimmt. Frieren muss keiner, aber Änderungen müssen sein. Es wird Zeit Energie neu, anders und nachhaltiger zu denken – viel zu lange war das Thema weg.

Strom wird günstiger

Will man die Mehrkosten senken, kann man ab 2020 in steuerlich geförderte Sanierungsmaßnahmen investieren. Zu erstattet der Staat beim Austausch einer alten Ölheizung 40 Prozent der Kosten.

Spannend wird es im Stromsektor und damit wären wir auch wieder bei der Mobilität – bei der Elektromobilität. So sollen vor allem Privatleute entlastet werden. Die sogenannte EEG-Umlage, Bestandteil des Strompreises, soll bis 2023 um rund zwei Cent je Kilowattstunde sinken. Derzeit liegt sie bei etwa 6,4 Cent je kWh.

Ein durchschnittlicher Singlehaushalt oder Kleinhaushalt hat etwa 1400 Kilowattstunden Verbrauch von Strom. Die Entlastung von rund 28 € steht demnach im Raum. Ein Paar kommt auf etwa  2500 Kilowattstunden Verbrauch und damit auf rund 50 € Ersparnis.  Eine Familie, 2 Erwachsene, 2 Kinder hat etwa 4000 kWh Verbrauch und könnte so mit einer Ersparnis von rund 80 € rechnen. Zeit über ein Elektrofahrzeug nachzudenken. Kraftstoff wird teurer, Strom günstiger. Es kann sich prima rechnen.

Lenkung des Verkehrs

Intelligente Kombinationen aus Haushaltsstrom und Autostromvertrag sind denkbar – immer den Einzelfall betrachtet. Ausserdem kann man heute noch vielfach kostenfrei laden – zum Beispiel während des Einkaufs beim Supermarkt. Hier ist der Markt heftig in Bewegung. Beschäftigt man sich mit diesem Themenfeld blickt nicht jeder durch. Aber die Entwicklung findet deutlich, spürbar und sichtbar statt.

Dabei bleibt es ja nicht. Parken, Einfahrverbote, ja sogar Maut, Citymaut sind weiter Thema und sollen Verkehr und Verhalten verändern. Das es teurer wird steht fest und das es in anderen Ländern funktioniert auch. Horrorszenarien helfen uns nicht. Vorrang wird all das haben was klimafreundlich ist. Klimanotstand – ganz neu ist München dabei. Mehr Fahrradwege, weniger Strassen und weniger Parkplätze, mehr Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Das ist erst der Anfang und diese Pilotprojekte, die sie heute noch sind werden normal werden.

Unser Fazit

Individuelle Mobilität als solche muss dennoch anders gedacht werden. Wir stecken mitten in einem gewaltigen Komplex der Änderungen, die ein Umdenken von uns allen erfordern. Zu glauben das aussitzen zu können ist fatal, hilft nicht und schafft nur zusätzlichen Druck. Politik, Automobilindustrie, Energiewirtschaft und viele andere sind gefordert die beschleunigten Veränderungen anzugehen. Wir müssen aber mitmachen.

Schon bald starten die Förderprogramme, die Unternehmen zum Beispiel in NRW heute schon fleissig nutzen und das unterstützt sehr. Auch Privatleute werden vermehrt in den Genuss der staatlichen Förderung kommen.

Elektromobilität ist ein wesentlich und wichtiger Faktor zum Erreichen der CO2 Ziele, aber auch für das Gelingen der Energiewende. Im Moment geniessen Elektrofahrzeuge noch deutliche Vorteile. Bei den Kosten, im laufenden  Betrieb, steuerrechtlich, gesellschaftlich, beim Laden, Parken und beim Image. Diese sollten sie nutzen. Wir bei emobicon tun es. jeden Tag.

Diese gewaltigen Änderungen werden jeden betreffen. Mittelbar und unmittelbar. Sich damit zu beschäftigen ist ratsam. Wie teuer der eigene Lebensstandard und die Bequemlichkeit künftig sein wird, hat man allein in der Hand. Nichts zu tun wird teurer werden – sich thematisch auseinanderzusetzen und Änderungen einzuleiten wird belohnt werden. 

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Autor: Mario

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