eMobilität und UmweltEnergieerneuerbare EnergienKlimaschutzLastmanagementNewsPhotovoltaikVersorgungssicherheit

Energiewende: Wenn erzeugter Strom nicht transportiert werden kann

Energiewende: Wenn erzeugter Strom nicht transportiert werden kann | emobicon

Die Energiewende läuft - oder eben nicht, denn es gibt erhebliche Probleme die erneuerbare Energie dort hin zu transportieren, wo sie gebraucht wird. Fest steht: Viel Ökostrom produzieren heisst nicht automatisch diesen auch nutzen zu können. Es gibt einfach zu wenig Transportmöglichkeiten, das hemmt den Ausbau.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Die Zahl ist erschreckend: Gut 3,2 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom konnten im ersten Quartal 2019 nicht transportiert werden. Ökostrom den wir alle mit der EEG Umlage bezahlen, Strom der produziert wird, oder produziert werden könnte, aber die Netzkapazitäten nicht ausreichend sind. Es ist wieder typisch deutsch: Man stösst die Energiewende an und scheitert dann ganz massiv an der Netzkapazität. Während der produzierte Ökostrom nicht transportiert werden kann, wird Energie aus Kohle und Kernkraft produziert und transportiert. Ziemlich Gaga.

Neue Zahlen liegen vor: Demnach mussten die Übertragungsnetzbetreiber zwischen Januar und März deutlich häufiger Strom aus Windenergieanlagen abregeln als in den Vormonaten. Gigantische 3,23 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) konnten nicht ins Stromnetz eingespeist werden. Der Grund ist ganz klar: Es wurde deutlich mehr Energie erzeugt, als über die vorhandenen Netzkapazitäten in die Verbrauchszentren transportiert werden konnte. 

Netzbetreiber haben nach eigenen Angaben keine andere Wahl: Die Abregelung von Energie – das sogenannte „Einspeisemanagement“ ist immer die letzte zu wählende Maßnahme, um das Netz zu stabilisieren und ein Blackout zu vermeiden.

Mit der Energiewende wurden die Leitungskapazitäten knapp und mit dem Klimawandel produziert man aktuell mehr Energie. Das Wetter verändert sich: Mehr Sonnenstunden und deutlich mehr Wind.

 

3,2 Mrd. kWh Strom sind ausreichend, um mindestens 6 Millionen Elektrofahrzeuge für 3 Monate mit Energie zu versorgen. Aktuell haben wir in Deutschland rund 100.000 elektrische Fahrzeuge auf den Strassen. Allein dieser Vergleich offenbart die Möglichkeiten, die erneuerbare Energien haben, um in der Elektromobilität einen hohen Stellenwert zu haben. Genauso könnte man aus dem abgeregelten Strom auch 2 Mrd. kWh grünes Gas herstellen, um 100.000 Haushalte ein Jahr lang zu beheizen. Gigantische Zahlen – es kostet uns alle viel Geld – unnötig.

Eines wird nun besonders deutlich: Wir brauchen mehr Leitungskapazitäten, aber auch Stromspeicher müssen für die Energiewende bereitgestellt werden werden. Auch eine Möglichkeit: bidirektionales Laden. Dabei nutzt man das Akku im Elektrofahrzeug, um Strom zu speichern wenn er im Überfluss zur Verfügung steht und nutzt diese Energie auch um Lastspitzen auszugleichen – also zu nutzen, wenn mehr Energie benötigt wird, als zur Verfügung steht. 

Die Politik muss endlich Rahmenbedingungen schaffen und Massnahmen einleiten um die Energiewende erfolgreich erscheinen zu lassen. 

Auch lastoptimiertes Aufladen von Elektrofahrzeugen ist möglich. So steuern Betreiber von Ladeinfrastruktur netzdienlich die Ladevorgänge von Fahrzeugen. Je mehr Energie zur Verfügung steht je mehr Fahrzeuge können mit voller Leistung gelesen werden, während bei „Flaute“ die Ladevorgänge reduziert werden können. Auch das unterstützt die Energiewende.

Quelle: BDEW

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.