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Mobilität: Warum es keine Alternative zur Verkehrswende gibt

Mobilität: Warum es keine Alternative zur Verkehrswende gibt | emobicon

Wir müssen gute Mobilität gestalten und selber machen. Es ist nicht allein Thema der Politik, sondern von uns allen. Werdet locker, denn pauschal dagegen sein hilft nicht.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon

Mobilität. Es ist nicht nur ein wichtiges und emotionales Thema, sondern eines voller Widersprüche, falschen Annahmen und viel dummes Zeug was oft geschrieben wird. Wir müssen und wir werden gezwungen sein uns mit dem Thema zu beschäftigen und es wird bei jedem zu Veränderungen führen. Freiwillig oder gezwungener Maßen. Aber es pauschal abzulehnen hilft nicht mehr ! Es darf sich auch was entwickeln. Für uns alle – für unsere Zukunft !

Vor allem die Politik hat versagt

Die Politik steht unter Druck. Sie soll mit der Verkehrspolitik Rahmenbedingungen schaffen, das wir mobil bleiben. Auf der anderen Seite muss sich Mobilität aber verändern. Denn eines steht fest. Zu viele Fahrzeuge, zu viel Verkehrsraum, zu viel Parkplätze, damit eingeschränkter Lebensraum für Menschen und Natur. Die CO2 Belastung, Abgase, Lärm zwingen zu Massnahmen. Auf der anderen Seite stellt man nun plötzlich fest, das man jahrelang keine Verkehrspolitik gemacht hat. Die Bahn ein Sanierungsfall, marode Infrastruktur, zu viel Güter auf der Strasse. Dinge die man kaum schnell ändern kann. Eine Schnelligkeit die nötig wäre, um beim Thema Klimaschutz schneller und nachhaltiger reagieren zu können.

Das Statussymbol Auto wird immer weniger wichtig werden

Klar ist aber auch, dass die Wirtschaft voll und fast ausschliesslich auf das AUTO gesetzt hat und jetzt erkennen muss, dass Sie bei den Veränderungen kaum Schritt halten kann. Elektromobilität verändert sicher nicht alles, aber sie ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und nimmt auch das Thema Energiewende gleich mit.

Die Mobilitätswende krankt aber auch daran, dass fehlender Nahverkehr, der alles andere als attraktiv ist, erst wieder aufgebaut werden muss. Im Zeitalter von Computer, Smartphone und der Möglichkeit vernetzt tätig zu sein, schaffen wir es noch nicht uns mobil zu organisieren. Klar ist, die Veränderungen kommen. Sie müssen nicht nur – sie werden. Wir haben keine Wahl und das Statussymbol Auto wird immer weniger wichtig werden.

Wir brauchen Mobilität

So wie es jetzt läuft – läuft es nicht. Wenn man sich die Staustatistiken ansieht – kann es jedenfalls nicht weiter gehen. Damit die Wende aber nicht zum Selbstzweck wird, empfiehlt sich zunächst ein Blick darauf, was wir brauchen.  Millionen Beschäftigte müssen täglich zur Arbeit und zurück, Handwerker müssen zu den Kunden, Waren wollen ausgeliefert werden, Touristen die Stadt erkunden, und der Müll muss ja auch irgendwie weg. Klar ist, die Tendenz in allen Bereichen ist deutlich steigend. Wie gehen wir damit um ? Die Lösung ist sicher nicht, das wir so weiter machen. Der Kollaps ist längst da und wenn man ehrlich ist, weiss man das auch. 

Wer was ändern will, muss Alternativen bieten

Wie verändern wir nun mit all seinen Begleiterscheinungen ? Die Antwort ist simpler, als gedacht: weniger Individualverkehr! Aber leider liegt die Tücke im Detail. Denn wer was ändern will, muss Alternativen bieten. Klar ist aber auch, wer von einem Ort zum anderen pendeln muss hat oft nur das eigene Fahrzeug. Wäre man bereit wenn es anders wäre? Pauschal sagen die meisten nein. Ich finde das schlimm. 

Aber auch wir selber haben mit emobicon viel mit Kunden zu tun, die meistens nicht im Ort oder mal eben um die Ecke sind. Gespräche und Begegnungen sind nicht nur wichtig, sondern notwendig. OK, wir fahren rein elektrisch – aber das kann nicht das Endziel sein – zumindest nicht überwiegend. Einen Beitrag leisten wir dennoch. Weniger Lärm, keine örtlichen Emissionen, aber in den Stau geraten wir natürlich dann und wann auch. Ein Nahverkehr hier auf dem Land gibt es zwar – aber völlig unattraktiv und kaum praktikabel. Mal eben zum Kundenbesuch nach Dortmund ist mit dem Fahrzeug meistens recht zügig, aber vor allem bequem. Mit Bus und Bahn nur mit mindestens der doppelten Zeit zu schaffen. Was machen wir daraus ? Erstmal wenig.

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Fehlt der Mut von uns allen ?

Wir brauchen keine NEIN Sager und Bremser – wir brauchen Ideen. Die Industrie- und Handelskammern arbeiten an einer Reihe von Vorschlägen, wie der Umstieg geschafft werden kann. Ganz oben steht der massive Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Über Jahrzehnte wurde der Nahverkehr wider besseren Wissens zusammengespart, während die Nachfrage immer weiter stieg. Die Folge sichtbar und für viele tägliches Ärgernis: Überfüllte Züge vor allem zu den Stoßzeiten, Verspätungen oder Zugausfälle wegen der überalterten Fahrzeugflotte. Das macht den Umstieg nicht wirklich verlockend. Die Preise hoch. Meistens völlig unattraktiv.

Für die nächsten Jahre sind angesichts der langen Streckenbau- beziehungsweise Fahrzeuglieferzeiten die Alternativen eher schlecht. Aus dem angesparten Dilemma kommt man nur mit echten Zukunftsinvestitionen heraus. Dazu gehören neben Regional- und Straßenbahnen eben auch neue U-Bahnstrecken mit neuen U-Bahnzügen in den Metropolen. Aber man tut sich schwer, statt einfach mal anders zu testen. Wir brauchen nur innerhalb Europas mal zu schauen was dort bereits funktioniert.

Aber die Politik traut sich nicht. Veränderungen brauchen Mut. Da hilft auch kein Widerstand. Die Lobby kann sich nicht mit Drohungen aus der Verantwortung ziehen, denn die Notwendigkeit hat auch sie erkannt. Die Politik arbeitet in Wahlperioden und eine Wahlperiode ist zu kurz, um etwas auf die Beine zu stellen. 

Dazu kommen aber Sie und ich. Und die meisten tun sich schwer mit einer Veränderungen die sich nicht greifen können. Zu tief sitzt die Verunsicherung, naja und klar ist auch: Für die meisten ist es doch dann doch zu bequem etwas zu verändern, weil zu negativ gedacht wird. Klar ist auch: Egal was entschieden wird, es wird Widerstand geben. Aber ist das nicht normal geworden ? Aber wie oft sind Dinge entschieden worden, die gut für uns waren – hinterher, als eine Entwicklung im Themenfeld etwas verändert und bewirkt hat.

Positive Beispiele gibt es bereits

Die Radinfrastruktur muss ausgebaut werden. Vielerorts. Je attraktiver und sicherer das Radfahren in ist, umso eher wird man von vier Rädern auf zwei Räder umsteigen. Es ist deshalb ein gutes Signal, dass die dänischen Stadtplaner, die Kopenhagen zur Fahrradmodellstadt machten, sich nun auch um die Berliner Radschnellwege kümmern sollen.

Nicht weniger wichtig ist aber der Wirtschaftsverkehr, eine der Lebensadern dieser Stadt – Lieferanten, Handwerker oder die Müllabfuhr. Auch hier gilt: Eine Wende braucht Alternativen. Micro-Hubs, dezentrale Umladestationen, gehören etwa dazu. Unternehmen, die passende Angebote entwickeln, ähnlich wie es zum Beispiel in Amsterdam funktioniert. Flächen für die Micro-Hubs bräuchte man natürlich auch, oder zumindest einen Plan, wo diese Flächen sein könnten. Denn der Warenverkehr wird zunehmen, also auch der Verteilverkehr.

Mit einer einzigen Maßnahme würde der Wirtschaftsverkehr übrigens schon heute besser fließen: wenn die traditionell blockierten Ladezonen konsequent freigehalten würden. Höchste Zeit also, dass dieser unverzichtbare Teil eines Stadtverkehrs neben dem Rad- und dem Fußverkehr auch eigene Regelungen im Mobilitätsgesetz erhält. Strafen müssen sein, wenn sie Konzepte stört oder aushebelt.

Bequemlichkeit vor Veränderung ?

Wir brauchen die Mobilität, aber sie darf nicht über uns stehen. Sie belastet Menschen und Umwelt und sie schränkt die Lebensqualität ein. Das will der eine oder andere nicht hören. Man muss direkt dort parken können, wo man hin will. Warum ? Wäre es nicht besser am Rande einer Metropole zu parken, mit einem guten günstigen Nahverkehr viel schneller zum Ziel zu kommen ? JA, ganz klares Ja. Aber da die meisten in der Perfektion leben wollen geben Sie vielem keine Chance. Komisch ist es nur, das die meisten mit einem Smartphone durchs Leben gehen und das Mobilfunknetz alles andere als zuverlässig und funktional ist. Geben Sie zu: Ein bisschen Doppelmoral ist dann auch in diesem Themenfeld dabei. Alles darf sich entwickeln, auch die nötige Veränderung.

Elektromobilität gehört zur Veränderung dazu

Elektromobilität gehört sicher auch zur nötigen Veränderung. Auch, weil entgegen der Annahme vieler der Bedarf an Reichweite nicht so hoch ist, wie die meisten behaupten. Elektrofahrzeuge können und werden in der Zukunft sowieso einen wichtigen unerlässlichen Beitrag zur Energiesicherheit liefern. Und wenn schon individuell, dann eben auch elektrisch. Das Hick hack, welcher Antrieb und die vielen falschen Behauptungen derer, die sich nicht wirklich mit dem Problem beschäftigen zeugen aber auch von einer Verunsicherung. 

Nur hilft es nicht Fakten zu verdrehen. Man sieht es doch: Alternative Antriebe sind nicht nur längst da, sondern werden immer stärker nachgefragt. Die Industrie richtet sich gerade darauf. Nicht zuletzt deshalb, weil es in den nächsten Jahren und wenigen Jahrzehnten dazu kommen wird, dass wir sie brauchen, wenn wir eine sichere Energieversorgung haben wollen.

Fazit von emobicon

Ohne Alternativen bleibt’s beim Auto – und beim Stau. Für eine echte Mobilitätswende braucht es ein durchdachtes Gesamtkonzept. Hier kann man Mobilitäts – und Energiewende verknüpfen. Micromobilität, saubere Luft, Lebensraum für Menschen – all das und noch viel mehr müssen organisiert sein und dürfen sich entwickeln. Klar ist aber auch: Die individuelle Mobilität wird teurer werden und vernetzter Mobilität gehört die Zukunft. Es gibt viele Beispiele in Europa, wo den Menschen das Leben wieder attraktiv gemacht werden wird. Der Klimaschutz ist aber auch zentraler Bestandteil in der Mobilität. Denn so kann es jedenfalls nicht weitergehen.

2 Gedanken zu „Mobilität: Warum es keine Alternative zur Verkehrswende gibt

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