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Umtauschprämie: Angebot von Volkswagen ist kaum der Rede wert

Es ging hin und her. Aber Bundesverkehrsminister Scheuer und Volkswagen haben sich offensichtlich darüber verständigt, dass die sogenannte "Umtauschprämie" für alle gilt. Das Angebot selber ist aber wenig attraktiv.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: Volkswagen

Dieser Hick Hack und dieses Theater, was eigentlich doch selbstverständlich sein sollte. Ein attraktives Angebot von Volkswagen für den Umtausch eines Betrugsmodells in ein Fahrzeug was den Normen entspricht. Jetzt einigte man sich ganz offensichtlich. Aber genaue Details zu dem Deal seien noch nicht bekannt, so die „Bild“. Doch offenbar bleibe es bei der modellabhängigen Staffelung von 500 bis zu 9000 Euro je Fahrzeug.

Diese Summe gilt sogar für Fahrzeughalter eines beliebigen Herstellers, die ein Euro-4- oder Euro 5-Dieselfahrzeug zurückgeben und auf einen neueren Diesel umsteigen. „Damit ist der größte deutsche Autokonzern der erste Anbieter, der allen Dieselbesitzern in Deutschland ein richtig gutes Tauschangebot für sauberere Autos macht“, so Bundesverkehrsminister Scheuer. Aber wie ist das Angebot in der Realität ?

Nicht selten seien die Schnäppchen Blendwerk

Doch ist das wirklich ein „richtig gutes“ Angebot, das da von VW unterbreitet wird ? Die Staffelung zwischen 500 und 9000 Euro ist recht groß. Aber wer wirklich den Maximalbetrag erhält, ist bislang noch völlig unklar. Und: Wer für viel Geld ein neues Dieselfahrzeug gekauft hat, mit dem er nun nicht mehr in die nahegelegene Innenstadt fahren darf, dem werden auch die 9000 Euro für einen Wechsel nicht helfen. 

Für die meisten „Umtauschen“ wird es sowieso nicht den möglichen Maximalbetrag geben. Denn das Geld für den Schummel-Diesel ist sowie Futsch und der Betrag vergünstigt zwar eine Neuanschaffung. Mehr sicherlich aber auch nicht. Das klingt nach paradiesischen Zuständen, zumal sich alte Diesel kaum mehr privat verkaufen lassen.

Zudem warnt VZBV-Expertin Marion Jungbluth vor allzu schnellen Kaufabschlüssen. Nicht selten seien die Schnäppchen Blendwerk: „Man sollte Angebote und Preise im Internet vorher genau vergleichen. Bloß nicht drängen lassen – sonst wird man in seiner Not über den Tisch gezogen.“

Fraglich ist ausserdem, in wie weit sich die Rabatte der Händler mit dieser Zuzahlung kombinieren lassen. Denn mitunter sind die Abschläge, die Händler Autokäufern einräumen, deutlich saftiger als die angebotene Prämie von Volkswagen. Man sollte sich also so oder so vorab gründlich informieren. 

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Bis zu 7000 € Gesamtkosten für die Nachrüstung

Für Diesel-Fahrer in den sogenannten „Intensivstädten“ gilt darüber hinaus die bereits vereinbarte Nachrüstungslösung. Diese ist sinnvoll, wenn das Fahrzeug noch recht neu und vor allem für längere Zeit nutzbar erscheint. Volkswagen hatte sich zwar bereit erklärt, bis zu 3000 Euro für die Hardware-Nachrüstung zu zahlen.

Doch den Experten vom ADAC zufolge kommt man mit diesem Betrag kaum aus. „Die Kosten für die Nachrüstung von Euro-4- wie Euro-5-Dieseln liegen zwischen 1400 und 3300 Euro pro Fahrzeug, schätzt der ADAC. Dazu kämen die Einbaukosten, wohl mindestens ein Arbeitstag pro Fahrzeug. Einige Experten gehen von 5000 bis 7000 Euro Gesamtkosten pro Auto aus.“ Der betrogene Kunde wird damit doch mal wieder allein gelassen.

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Keine Nachrüstung wegen der Produkthaftung ?

Was Kunden des Marktführers VW besonders verwirrt: Einerseits beteiligt sich die Firma an den Nachrüstkosten. Andererseits rät Entwicklungschef Frank Welsch von einer Nachrüstung dringend ab. Folgeschäden am Fahrzeug seien nicht auszuschließen. Mit dem Eingriff entfalle die Werksgarantie. Für das Klima leiste die Nachrüstung einen Bärendienst: Der Motor verbrauche bis zu sechs Prozent mehr, was den CO2-Ausstoß erhöht. Der ADAC, der SCR-Nachrüst-Kats seit Monaten in drei Autos in Landsberg testet, bestätigt das.

Es gibt ein Rechtsgutachten der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer für VW: Der Autokonzern würde automatisch in die Produkthaftung für die Nachrüstsätze rutschen, wenn er einem Drittanbieter Teile oder Daten liefert. Dieses Milliardenrisiko will kein Anbieter eingehen, schon lange nicht der vom Dieselskandal finanziell gebeutelte VW-Konzern.

Keine Pflicht, weil "ordentlich" zugelassen

Auch sieht sich kein Autobauer in der Pflicht, die 3000 bis 5000 Euro Nachrüstkosten ihrer Kunden mitzutragen. Denn ihre Diesel – von VWs illegal manipulierten Modellen abgesehen – sind ordentlich zugelassen. Sie genügen den, viel zu laschen, gesetzlichen Vorschriften, selbst wenn sie laut Umweltbundesamt im Alltagsbetrieb bis zu sechsmal mehr Stickoxide ausblasen als im Prospekt angegeben. Beim „Dieselgipfel“ im Herbst hat die Bundesregierung die Autobosse deshalb gedrängt, aus moralischen Gründen die Zeche zu zahlen. 

Bislang wollen ausschließlich VW und Mercedes 80 Prozent respektive bis zu 3000 Euro zuschießen – und das auch nur für Bewohner der 15 besonders belasteten deutschen Regionen: Das sind neben Stuttgart Backnang, Bochum, Darmstadt, Düren, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Heilbronn, Kiel, Köln, Limburg, Ludwigsburg, München und Reutlingen sowie die angrenzenden Landkreise. BMW lehnt eine Beteiligung ganz ab. Der Rest – Opel, Ford, die Importeure – schweigt.

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