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Bundesregierung: Elektromobilität wollen und selber Verbrenner kaufen ?

Wasser predigen und Wein trinken ? So oder so ähnlich sieht es aus, wenn Theorie und Praxis im Fuhrpark der Bundesregierung zusammen kommen.

Die Verkehrswende – Thema in der Regierung, aber Ihre Ministerien und Behörden fahren nur 253 elektrifizierte Fahrzeuge, aber 8386 mit Verbrennungsmotor. Einige Behörden sind absolute Spitzenreiter der Ignoranz !

von Thorsten Bär | emobicon - Cover Bild: Manager Magazin

Nur ein Bruchteil der Behördenfahrzeuge ist elektrisch

Wir wollen Elektromobilität fördern. So die Aussagen der Bundesregierung. und in der Tat tut sie einiges. Förderungen, Aufbau von Ladeinfrastruktur, Umweltbonus, Steuerbefreiung für Elektroautos – um zumindest das mal zu erwähnen. Nur in den Bundesministerien selbst und vor allem den nachgeordneten Behörden hält man wenig von den Stromern. Das Verhältnis zwischen Stromern und Verbrennungsfahrzeugen stimmt nicht. 

Nach einer Aufstellung des Bundesinnenministeriums, die WELT vorliegt, wurden mit Stichtag 30.November 2018 in den Geschäftsbereichen der Ministerien insgesamt 8386 Pkw mit Verbrennungsmotor gekauft oder geleast. Die Zahl der angeschafften Elektroautos, einschließlich der Hybride, lag in den ersten elf Monaten bei nur 253 Pkw.

Quelle: Infografik | welt

Richtlinien stehen offenbar nur auf dem Papier

Das Fazit dabei: Das Finanz und das Verteidigungsministerium schaffen am meisten Fahrzeuge an, aber genau diese Behörden haben den geringsten Anteil an Elektrofahrzeugen in der Flotte. 

So sind beim Bundesverteidigungsministerium in den ersten 11 Monaten 6475 Neuwagen beschafft worden, aber nur 112 davon waren Elektrowagen oder Hybridmodelle. Beim Bundesfinanzministerium ist das Verhältnis 999 Benziner oder Diesel zu sechs Elektrofahrzeugen. Und das in 11 Monaten. 

Und das, obwohl es eine interne Richtlinien gibt, die in allen Details regelt, welche Autos die Bundesregierung zum Dienstgebrauch anschaffen darf. Denn laut diesen müssen möglichst umweltfreundliche Dienstwagen angeschafft werden. Verfahrenshinweise kommen dabei vom Bundesfinanzministerium – hält sich selber aber kaum an diese Regeln. 

In einem Anhang der Richtlinie heißt es sogar: „Für die Bundesverwaltung sind schadstoffarme Kraftfahrzeuge mit möglichst geringem Treibstoffverbrauch sowie einer überdurchschnittlich guten CO2-Effizienzklasse … zu beschaffen.“ Weiter heisst es: „die Fahrzeugflotten der Bundesressorts als ein geeignetes Einsatzfeld für Elektrofahrzeuge identifiziert“ worden. Schöne Theorie. Die Praxis sehen wir ja.

Und weiter heisst es: „Daher sollen die Bundesressorts mit ihren nachgeordneten Bereichen die Einführung von Elektrofahrzeugen am Markt mit entsprechenden Beschaffungsmaßnahmen in der öffentlichen Verwaltung begleiten“. So steht es in der dienstlichen Anweisung. Der Zielwert der 2017 die Beschaffung von zehn Prozent der Neufahrzeuge, die weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.

Selbst die Kanzlerin macht da nicht mit

Klar ist: Nur Elektroautos oder Kleinstwagen kommen auf diese Werte, dabei lag im vergangenen Jahr der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen in Deutschland bei 127,9 Gramm pro Kilometer. 

Wie die Auflistung des Innenministeriums aber zeigt, kommt das Ministerium selbst nicht auf die Quote von zehn Prozent besonders sauberer Fahrzeuge. Auch nicht der Fuhrpark  der Ministerien für Finanzen und Verteidigung, obwohl dort am meisten Neufahrzeuge angeschafft wurden.  

Auch das Bundeskanzleramt und die Beauftragte des Bundes für Kultur und Medien, Monika Grütters, sind keine Vorbilder. In ihren Geschäftsbereichen wurde 2018 kein einziges E-Auto oder Hybridfahrzeug angeschafft.

Wenn Ministerien wollen geht es offenbar

Positiv hingegen: Das Bundesumweltministerium. Dort hat man Elektroautos statt Verbrenner bestellt. Auch das Wirtschaftsministerium, in dem auf 25 Benziner und Diesel immerhin 17 Stromer kamen oder das Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer, wo immerhin 34 Stromer und 140 andere Antriebe bestellt wurden. 

Auch das Ausfertige Amt mit 3 Verbrennungsfahrzeugen und zwei mit Elektromotor ist vorbildlich in Sachen saubere Mobilität. Für zwei weitere Stromer wurden bereits Leasingverträge abgeschlossen, die Autos sollen noch vor dem Jahreswechsel ausgeliefert werden.

Begründung: "Die Automobilindustrie kann nicht liefern" !

Insgesamt ist der Anteil von Elektroautos in den Ministerien beziehungsweise den Bundesbehörden ziemlich mager. Denn vor mehr als zwei Jahren hat die Bundesregierung 100 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt, um verstärkt Elektroautos anzuschaffen. Von dem Geld sind bisher nur zwei bis drei Prozent genutzt worden. 

Unterschieden muss man auch, das viele der Elektroautos aber Hybridfahrzeuge sind. Eigene Massnahmen, Regeln und Bestimmungen sind intern offensichtlich gekloppt. Wundert es dann, das auch das Volk nicht will ?

So heisst es zu den Vorwürfen lapidar, das für viele der in den Bundesbehörden benötigten Zwecke würden derzeit schlicht noch keine E-Autos angeboten. Die Automobilindustrie könne gar nicht liefern.

So verweist das Finanzministerium darauf, dass in der Anfrage nicht die Anschaffungen für die Ministerien selbst, sondern für die Geschäftsbereiche abgefragt wurden.

Bildergebnis für flotten Bundesregierung

Die Flotte der Bundesregierung – hauptsächlich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor | Bild: emobicon

Es geht auch um Sonderfahrzeuge mit Zusatzausstattung die derzeit nicht am Markt angeboten werden. Deswegen sei ein Einsatz nicht möglich, heisst es..

In den Geschäftsbereich des Bundesverkehrsministeriums würden unter anderem Behörden wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) fallen, die auch für den Betrieb und die Wartung der Schleusen zuständig ist. Man will sich offenbar „bessern“. Aktuell gibt es, laut den Aussagen 37 Dienstfahrzeuge – 30 davon mit Elektroantrieb. Im kommenden Jahr sollen alle dienstlich genutzten Fahrzeuge auch einen E-Motor haben. 

Beim Verteidigungsministerium heißt es: Elektroautos würden sich nur für eine geringe Anzahl von Personen und geringe Lasten eigenen und damit den Anforderungen der Bundeswehr nicht genügen. Ausserdem genügen die Reichweite nicht zum Anforderungsprofil. Eine große Zahl an Standorten erfordert es jedoch, dass die überwiegende Anzahl der Fahrzeuge der Bundeswehr deutschlandweit auch lange Strecken zurücklegt. Solche Fahrzeuge bietet derzeit keiner an.

Beschaffungsstellen sollten sich neu orientieren !

Es heisst aber auch: Dass KdB ist zuständig. Das Kaufhaus des Bundes ist eine elektronische Einkaufsplattform für Behörden und Einrichtungen des Bundes.

Vier Zentrale Beschaffungsstellen bündeln die Bedarfe der öffentlichen Verwaltung auf Grundlage von Bedarfserhebungen und schließen Rahmenvereinbarungen mit den Unternehmen ab. Es handelt sich hauptsächlich um Standardprodukte, also Produkte, die viele Behörden gleichermaßen brauchen. Dadurch wird eine erhebliche Entlastung der Behörden geschaffen. 

Könnte es vielleicht auch sein, das bürokratische Hürden über diese Plattform dazu führen, das man zu wenig elektrische Fahrzeuge in den Verwaltungen anschafft ? Es würde ins Bild passen, da es kein wirkliches Interesse an der Förderung der Elektromobilität gibt.

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