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Elektroauto: Informationslücken als Grund für die Zurückhaltung

Das Interesse riesig, aber eben auch die Verunsicherung beim Elektrofahrzeug. Laut DAT Report 2019 soll die Bereitschaft, solche Autos zu kaufen gegenüber dem Vorjahr gesunken sein. Der Handel ist unzureichend vorbereitet.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: FAZ

Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) führt jährlich ihren für den deutschen Markt repräsentativen Käufer-Report auf. Im vergangen Herbst befragte das Unternehmen wieder rund 4.000 Einzelpersonen rund um das Thema Autokauf und –Reparatur für den Jahresreport 2019.  Wie sieht es mit Elektrofahrzeugen aus ? Einige Informationen erstaunen.

Klassische Vertriebsform, statt Internetkauf

Das Interesse an neuen Antrieben ist gross, neue Vertriebsformen stehen Autokäufer bisher noch überwiegend skeptisch gegenüber. Wenn Hersteller heute Auto Abos anbieten, dass einen regelmäßigen Autowechsel sowie alle anfallenden Kosten inklusive Sprit umfasste, lehnen das 75 Prozent der Neuwagenkäufer ab. Aber immerhin 20 Prozent von ihnen können sich ein solches Modell für ihren nächsten Kauf vorstellen. Bei den Gebrauchtwagenkäufern ließen sich nur elf Prozent von einem Abo-Modell überzeugen. Logisch.

Informationsquelle Nummer 1: Das Internet

Sehr interessant ist auch eine gewisse Trendumkehr beim Informationsverhalten der Käufer. Vorabinformationen aus dem Internet sind bei fast allen Kaufentscheidungen wichtig und zum Standard geworden. Für Detailfragen oder als Bestätigung  sind klassische Offline-Faktoren aber nach wie vor wichtig. Scheinbar hat dabei der Fachhandel an der Beratungsqualität gearbeitet, er genießt bei 60 Prozent der Kunden das höchste Offline-Vertrauen. Aber an zweiter Stelle folgen Gespräche mit Freunden und Kollegen, auf das immer noch 58 Prozent der befragten Neuwagenkäufer setzen. Immerhin 17 Prozent der Käufer sehen Testberichte in Magazinen als wichtigste Informationsquelle an.

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Online Angebote und Möglichkeiten der Konfiguration sind erste Anlaufstelle für 41 Prozent der Neuwagenkunden. 28 Prozent der Befragten vertrauen auf die Ergebnisse einer Suchmaschine, immerhin 14 Prozent vertrauen direkt auf die Testberichte der Fachmagazine. Informationen in Blogs und Videos machen mit fünf Prozent Anteil bislang noch einen geringen Teil der kaufvorbereitenden Information aus.

Auf Grund der vielfältigen Informationsmöglichkeiten dauert der Autokauf in der Regel nicht länger. So vergeht zwischen Beginn der Informationsphase und dem tatsächlichen Kauf zwischen 26 Tagen bei Gebrauchtwagen und 33 Tagen bei Neuwagen. Erstaunlich: Käufer sind treu: 51 Prozent der Neuwagenkunden wählen dieselbe Marke wie beim Vorgängermodell.

Zurückhaltung bei Elektrofahrzeugen

Alternative Antriebe spielen beim Autokauf vor allem bei Gebrauchtwagen bisher noch eine untergeordnete Rolle. Es gibt ja noch wenig Angebot. Immerhin Zwölf Prozent erwägen die Anschaffung eines alternativ angetriebenen Fahrzeugs. Wenn es um Neuwagen geht sind es mit rund 24 Prozent immerhin doppelt so viele. Demnach würden die meisten der Interessierten einen Hybrid kaufen, nur ein Drittel zuerst ein Elektroauto.

So wird angegeben, das die zu geringen Reichweite für 60 Prozent der Neuwagenkäufer der Hauptgrund gegen Elektroautos ist. Ausserdem hat man Bedenken wegen der noch nicht überall verfügbaren Ladeinfrastruktur.  Dabei haben 44 Prozent der Neuwagenkäufer Lademöglichkeiten in der Nähe. Nur 38 Prozent hätten  eine Lademöglichkeit zu Hause. 

Informationslücken ein Grund für die Zurückhaltung

So sehen Verbraucher Informationslücken als Grund für die Zurückhaltung gegenüber alternativen Antrieben. Neuwagenkäufer geben auf einer Notenskala von 1 bis 5 durchschnittlich eine 2,7 an, wenn es um ihre Kenntnisse von Elektroautos geht. Bei Hybrid (2,9) und Plug-in Hybriden (3,1) sieht die Informationslage ähnlich düster aus. Die Digitalisierung der Werkstattleistungen wird eher gesehen, als die Elektrifizierung.

Fast die Hälfte der Fahrzeughalter würden sich zutrauen, einen Unfallschaden mit dem Smartphone selbst zu dokumentieren und so eine digitale Schadensabwicklung zu ermöglichen. 36 Prozent der Befragten würden einen Werkstatttermin online vereinbaren, wenn es denn möglich wäre.

Kaum eine Rolle spielen Vergleichsportale für Werkstätten. Nur 15 Prozent informieren sich im Internet über ihre Werkstatt, aber beim Autokauf sind es 80 Prozent. Autohalter sind Ihrer Werkstatt treu. 81 Prozent der Fahrer deutscher Premiummarken suchen immer dieselbe Werkstatt auf, bei Importeuren sind sogar 82 Prozent.  Einfluss auf diese Entscheidung hat auch, ob ein Fahrzeughalter in der Großstadt (76 Prozent) oder in einer Kleinstadt (81 Prozent) lebt.

4 Gedanken zu „Elektroauto: Informationslücken als Grund für die Zurückhaltung

  1. Informationslücken bei Autohändlern zum Thema E-Mobilität ist sehr diplomatisch ausgedrückt. Ich halte Vorträge an VHSs zum Thema E-Mobility. In Vorbereitung meines letzten Vortrages bin ich in 10 Autohäusern in Moers und Duisburg gewesen mit dem Wunsch, ein E-Auto zu kaufen. Zum Mitlachen hier ein paar wenige Auszüge:
    BMW: Der elektrische i3 wird mit „Schnellstrom“ geladen.
    Man konnte mir nicht den verbauten CCS-Anschluss erklären und sagte: Das ist für die Zukunft.
    Man konnte mir nicht den Unterschied zwischen einem PlugIn-Hybriden und einem Range-
    Extender erklären
    VW: E-Auto? Aber nicht bei uns! Vor 2020 tut sich da nichts.
    Renault: Wir haben da den Zoe. An der Steckdose wird der eigentlich nie richtig voll. Und mit dem
    Ladekabel braucht er ca. 8 Stunden. So ist das eben.
    Nissan: Versuchte mir den Chademo-Anschluss als Tesla-Anschluss zu verkaufen. Den daneben platzierten
    Type2-Anschluss konnte er nicht mal benennen.

    Und da kommt man als unbedarfter Kunde zu solchen Leuten und soll mehrere zehntausend Euros investieren auf Basis solchen Stümpereien? So wird das nix! Zuerst müssen sich mal die Hersteller und Autohäuser umstellen. Ich persönlich halte das aber für unmöglich. Jemand, der sein Leben lang Verbrenner verkauft hat, wird sich definitiv nicht umstellen. Ich habe schon viele Gespräche dazu geführt. Das Dilemma hat Tesla sehr früh erkannt und sich gegen den Verkauf in Autohäusern mit Verbrennern gewehrt. Auch Renault hat das offensichtlich gemerkt und ein reines E-Autohaus in Berlin eröffnet. Da könnte ich jetzt weitermachen mit der Geschichte unserer Renault-Zoe-Bestellung, haarsträubend! Aber das führt zu weit.

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