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Elektroauto: Der Stadtwagen e.Go Life enttäuscht zum Start

Lange angekündigt und mehrfach verschoben war die Produktion und die Lieferung an die Kunden. Der e.Go Life ist jetzt da. Aber warum enttäuscht das Elektrofahrzeug ?

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon

Lange angekündigt und mit vielen Startschwierigkeiten wird der Elektro Kleinwagen e.Go Life nun an die Kunden ausgeliefert. Medienwirksam war die Übergabe an NRW Ministerpräsident Armin Laschet. Enttäuschend ist das Gesamtpaket finden wir. Es sollte der grosse Wurf werden, aber aktuell stimmt Preis – Leistung nicht. Auch wir haben unsere Reservierung zurückgezogen.

Das Spardiktat schlägt voll zu

 Klein, wendig, günstig – so die Werbung oder das was man veröffentlicht. Der erste Eindruck im vergangenen Jahr mit einem Vorserienmodelle war schon komisch. Schwamm drüber. Das Modell war ja noch nicht endgültig. Aber jetzt zu den Auslieferungen der „Kleinserie“ ist folgender Eindruck geblieben: Das Spardiktat schlägt voll zu und trotz Spass bleibt ein nicht immer positiver Eindruck. Die Lenkung ist durchaus schwergängig, die Sitze nicht bequem, viel zu viel Hartplastik und irgendwie stimmt der (innere) Gesamteindruck nicht.

Der günstige Preis des e.Go Life (zumindest im Einsteigersegment), muss irgendwo seinen Ursprung haben – und nach dem Einsteigen ist auch klar, wie er zustande kommt. So kommt der Lenkstockhebel und der Zündschlüssel aus dem Regal des PSA-Konzerns, der Wählhebel für die Fahrmodi erinnert an Elemente von BMW. Das Lenkrad kommt vielleicht vom Zulieferer für den Streetscooter. Ist ja auch die selbe Schmiede – um drei Ecken rum.

Die Kopfstützen der Sitze sind wie im Toyota Aygo in die Armlehne integriert, die Oberflächen sind nicht gut gewählt und die Lüftungsdüsen sind auch nicht überragend. Es wirkt recht billig. Klar ist, dass es in der Standardausführung kein Display und kein Radio gibt. Ist man ein wenig objektiver wirkt der Innenraum auch nicht billiger wie ähnliche Fahrzeuge, zum Beispiel der VW up. Aber wo ist der Anspruch geblieben ? Die Idee war doch eigentlich anders, oder ?

Man gibt sich selbstbewusst

„Unser Auto ist das bezahlbarste Fahrzeug überhaupt“, sagt e.Go-Chef Günther Schuh immer wieder gern. „Mit keinem anderen Auto ist der gefahrene Kilometer so günstig wie beim e.Go Life“. So seine Äusserung in der FAZ. Dieses dürfte, laut Schuh, aus der Kombination des niedrigen Preises, der geringen Energiekosten und der Befreiung der KFZ Steuer liegen. Für „bezahlbar“ ist der Preis für den Einstieg für viele aber der Ausstieg. Zahlreiche Interessenten sind ausgestiegen – wir auch. Das was geboten wird ist für den Preis nicht der Anspruch, auch keine Rechtfertigung. Im Basismodell könnte es anders sein – vielleicht – aber jetzt im Editionsmodell ?

Offensichtlich ist es das, was Kunden wünschen, so der Professor: „Und das ist nicht die Lederausstattung oder ein Sportsitz, sondern gute Funktionalität, Fahrspaß und gutes Aussehen.“ Pate standen demnach der Kleinwagen Smart und der Mini. Denn zwei Sitze und ein kleiner Kofferraum wie beim Smart seien selbst für die meisten Menschen in der Stadt zu wenig Platz, sagt der e.Go-Chef.

Alles richtig oder auch nicht. Denn ein Fahrzeug, egal mit welchem Antrieb ist zwar dafür da um von A nach B zu kommen, aber es muss passen und Ansprüche hat man – so oder so. Mit der (überteuerten) First Edition ist das jedenfalls nicht gelungen, finde ich. Wenn man den Preis als Gradmesser nimmt, dann bleibt die Frage, warum man diesen Preis als „günstig“ ansieht.

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Das Fahrzeug macht Spass

Stolz ist man auch noch aus einem anderen Grund: Im elektrischen Stadtflitzer stecken demnach Designelemente eines Vorbilds, das man nicht erwartet hätte: dem Porsche 911. Der eingelassenen Scheinwerfer und die Krümmung des Kotflügels beim e.Go Life sind dafür verantwortlich, so Schuh in der FAZ. Das unterstreiche auch die Ambitionen als Spaßfahrzeug: „Es ist ein Gokart in komfortabel, das tierisch Spaß macht, egal ob man Autofan ist oder nicht. Da kriegen sie am Anfang das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.“

Ladeanschluss ist schlecht gewählt

Ja, das Gokart Feeling ist vorhanden und äusserlich wirkt er gelungen, aber der Ladeanschluss auf der Fahrerseite ist mehr als unglücklich gewählt. Als jahrelanger Fahrer von Elektrofahrzeugen weiss ich, dass es behindert. Denn bei öffentlichen aufladen ist der Ladeanschluss praktisch auf der Fahrerseite zur Strasse. Man muss das Ladekabel also von der Bordsteinkante, da wo die Ladesäulen stehen um das Fahrzeug zur Strassenseite legen, um aufzuladen. Ja, die meisten werden zu Hause aufladen können. Aber nicht jeder kann es und manchmal wird es auch Sinn machen bei der Standzeit des Fahrzeuges zwischendurch nachzuladen.

Ziemlich hoher Verbrauch

Bis vor kurzem wäre jeder, der einen klapprigen Kleinstwagen für 20.000 Euro angeboten hätte, vom Hof gejagt worden. Früher war das bei den asiatischen Fahrzeugen ähnlich. Sie hatten insgesamt einen schlechten Ruf. Heute macht man das beim e.Go ein bisschen ähnlich. Dass eine Aufladung nur für rund 100 Kilometer reicht und Nachladen neun Stunden dauern kann, scheint auch nicht weiter zu stören. Man muss es den meisten Neulingen in der eMobilität aber sagen. Ein Urlaubstrip geht damit auch nicht – es fehlt die Möglichkeit der Schnellladung.

Die Idee des Professor Schuh ist prima und sinnvoll: Ein elektrischer wendiger Kleinwagen für die Stadt. Das ist der passende urbane Raum. Nur scheint die Zeit noch nicht reif oder ist es das Konzept aus Aachen nicht ? Der e.Go Life ist auf schlappe 34 PS Dauerleistung begrenzt und verbraucht in ersten Tests viel zu hohe 24 kWh Strom auf 100 Kilometer. Die ersten First Editions Modelle – zwar besser ausgestattet, kosten schlappe rund 25.000 € als Einführungspreis.

Eingeschränkte "First Edition" zum Start

In einer E-Mail des Professor Schuh an die Interessenten, die das Elektrofahrzeug reserviert haben heisst es u.a. das die Freigabe des Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) erst zum Herbst 2019 erteilt werden soll. Auch deswegen muss man sich zunächst mit der Kleinserienzulassung  begnügen, für die kein ESP erforderlich ist. Klar ist damit aber auch, dass bis Herbst 2019 nur 1.000 e.GO Life First Edition produziert werden können. Wegen des fehlenden ESP wird die Leistung zunächst auch 53 kW gedrosselt und ohne Rekuperation (Energierückgewinnung beim Bremsen) ausgestattet. 

Verkaufsstart für Life 20, 40 und 60 soll demnach im Herbst 2019 sein. Wegen der anfänglichen Leistungseinschränkung der First Edition und dem erst ab September möglichen Software Update (Zuschalten der ESP-Funktion und Leistungssteigerung auf 60 kW) sowie den damit verbundenen Ummeldungsaufwand beim TÜV/STVA (ca. 200 €) bietet man die First Edition mit einem Preisvorteil von 1.750 € gegenüber dem regulären Preis dieser Konfiguration (24.650 €) an.

Auf Grund der Beschränkung der First Edition kommt es zu Einschränkungen der Ausstattung: 

Beschränkung der nutzbaren Batteriekapazität auf 21,5 kWh | abgeschaltete Rekuperation, was zu einem Verbrauch von 20,3 kWh/100 km (WLTP City inkl. Ladeverluste) führt (die Rekuperation wird voraussichtlich 3,2-5,1 kWh/100 km Verbrauchseinsparung bringen) | Beschränkung der maximalen Motorleistung auf 53 kW (statt 60 kW) | Beschränkung der Dauerleistung des Motors auf 25 kW (statt 32 kW)

Die Leistungsdaten der e.GO Life First Edition wurden im Rahmen der Homologation somit wie folgt festgelegt:

Reichweite (WLTP City inkl. Ladeverlusten): 106 km | Reichweite (WLTP kombiniert inkl. Ladeverlusten): 89 km
 | Beschleunigung 0-50 km/h: 3,5 sec | Höchstgeschwindigkeit: 132 km/h | Reisegeschwindigkeit: 116 km/h
Zuladung: 259 kg | Ladezeit (0-95%; Typ-2-Stecker, einphasig): 6,0 h, mit Schukostecker ca. 9 Stunden.

Vielleicht auf die günstigere Einsteigerversion warten ?

Das was jetzt geliefert wird, ist einfach schlecht finden wir. Man kann darüber streiten, gern auch anderer Meinung sein. Aber in dem was er kann, ist und kostet finden wir ist es, zumindest jetzt keine Option für einen Kauf. Die günstige Einsteigerversion – nach Förderung vielleicht. Man sollte sein Anforderungsprofil kennen. Es beginnt was und es darf sich entwickeln und dazu wünschen wir dem e.Go alles Gute und viele Käufer. Unsere Meinung beruht auf der Tatsache, dass wir den e.Go Life mehrfach sahen, Probe fahren konnten und seine Entwicklung erlebten. Es lief bei so vielem nicht optimal – leider. Aber was ist schon optimal, wenn auch andere grosse Hersteller derzeit mit ziemlich langen Lieferzeiten zu kämpfen haben. 

Klar ist aber auch, das es sich schon lohnt, den Querdenker Professor Günther Schuh, der zuvor den Streetscooter für die Deutsche Post entwickelt hat, nicht zu unterschätzen. Bekannt ist ja bereits, das er, zusammen mit Volkswagen einen Entwicklungspartner für deren elektrischen Buggy gewonnen hat. Schuhs erste Gehversuche taugen zwar nicht viel, aber seine Umtriebigkeit ist beeindruckend.

Eine First Edition, (vorübergehend) ziemlich eingeschränkt, das Versuchskaninchen zum Preis der viel zu hoch ist – um liefern zu können oder als Interessentenschreck ? Klar ist sicherlich: Es wird schwierig für den e.Go – zumindest jetzt gleich am Anfang. Da muss mehr kommen, um die Interessenten für das echte GünstigModell nicht auch noch zu verlieren.

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