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Energie: Kohle aus erst 2038 – zu spät für das Klima

Die neue Umweltbewegung und der öffentliche Druck machen es möglich, dass Deutschland aus der Kohleverstromung aussteigt. Wichtig ist nun dran zu bleiben und die Energiewende und die Verkehrswende zu verbinden und voran zu bringen.Es muss aber schneller gehen.

vom Team emobicon: Stefan Blome | Harald M. Depta | Thorsten Bär - Cover Bild: TAZ

Beschlossen ist beschlossen und wird hoffentlich nicht gebrochen. Endlich steigt Deutschland aus der Kohle aus. Das hat die Kohlekommission nun beschlossen. Zähe langwidrige Verhandlungen von so vielen Akteuren und Interessenvertretern waren voraus gegangen. Sie löst damit eine Blockade, die die Energiepolitik dieses Landes schon viel zu lange beherrscht hat. 

Ein Kraftakt, der eine Richtung vorgibt

Im Moment ist das die klare Empfehlung und noch nicht Politik, die noch damit zu hadern scheint, weil auch die Interessenlage der Wirtschaft und der Arbeitsplätze mit dem Strukturwandel verbunden werden muss. Aber es heißt schon was, wenn Vertreter der Wirtschaft, Umweltverbände, Klimaexperten und Gewerkschaften in einem so umstritten Feld wohl feststellen, dass Reden hilft und es nicht zwangsläufig zu einem Stillstand kommt. Klar ist: Man kann auch gemeinsam etwas ändern. Und man muss es tun. Für das Klima und für die Menschheit. Aber 2038 kann nicht die Messlatte sein. Der Widerstand muss und wird weiter gehen.

Dieser Empfehlung müssen nun Handlungen und Taten folgen. Damit könnte man das Klimaziel wohl auch bis 2030 schaffen. Aber der Schlussstrich 2038 darf nicht das Endziel sein. Dieser Konsens kam auch zustande, weil die Wirtschaft blockierte und nur mit diesem Datum einlenkte. Erst dann gab sie zu gab, dass es geht, ohne das wir im Dunkeln sitzen werden, oder die Energiepreise explodieren. Das Symbol, der Hambacher Wald, darf wachsen und wird dem Tagebau nicht mehr weichen müssen.

Strukturhilfen, erste Abschaltung alter Meiler, keine neuen Tagebaue

Beschlossen ist auch, dass keine neuen Tagebaue eröffnet werden, keine neuen Kohlekraftwerke gebaut werden und dass die betroffenen Regionen in NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt und in der Brandenburgischen Lausitz Hilfen für den Strukturwandel erhalten. Die dreckigsten Kraftwerke der Republik werden wohl abgeschaltet. Im Lausitzer Kohlerevier wird schon bald die Kohleverbrennung reduziert. Der Einstieg in den Ausstieg beginnt schon bald. Dann sollen nach Angaben der Kommission insgesamt 12 Gigawatt Kohlestrom vom Netz gehen.

Man muss neue Strukturen entwickeln und darf die Menschen in den Regionen nicht allein lassen.

Wer kann sich den Erfolg nun auf die Fahne schreiben ? Wenn Schüler auf die Strasse gehen und ein Zeichen setzen, ist es das eine, der Protest am Hambaches Forst und viele andere Demonstrationen das andere. Die Umweltbewegung nahm zuletzt, auch deswegen, wieder Fahrt auf. Es scheint auch logisch, wenn die Politik Angst davor hatte, dass die AfD die ungeklärte Zukunft der Kohleregionen zum Wahlkampfthema macht. Jetzt können die etablierten Parteien wieder Punkten, was hoffentlich bei den Menschen auch ankommt. Die Nervosität der Politik ist diesbezüglich jedenfalls deutlich spürbar. Mit versprochenen vielen Milliarden Euro Strukturhilfe federt man diese Veränderungen jedenfalls ab. Einen sonstigen Plan gab es auch nicht.

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Ein historischer Einschnitt

Es ist was anderes, was es so wohl noch nicht gab. Es ist was historisches und sicher auch etwas für die Geschichtsbücher, da sind wir uns einig. Nein, es ist nicht überdemensioniert das zu erkennen und so zu sehen. Blickt man in die Vergangenheit, dann ist das, was da beschlossen wurde, ein richtig großes Ding: Ein echter historischer Einschnitt. Deutschland wurde gross, mächtig und reich. Auch weil es die Kohle gibt. Die Möglichkeiten, die Kohle eröffnete, hat die Industrialisierung befeuert und hat Werte geschaffen, die wir bei aller Freude auf das Erreichte nicht vergessen dürfen. Weltkonzerne sind entstanden, eine mächtige Arbeiterbewegung, die sehr viele soziale Errungenschaften durchsetzen konnte. 

Auch das ist ein Grund für den langen Widerstand, den wir alle erlebt haben, als der Klimawandel sichtbar und spürbar wurde und das Ende der Kohleverstromung damit thematisiert wurde. Die Prägung der Vergangenheit, das Erreichte, die Angst vor Veränderungen und die vielen Mythen die sich lange gehalten haben und noch präsent sind haben den Ausstieg so schwer gemacht. Klar ist auch: Sehr viele der Akteure und auch der nicht direkt beteiligten Menschen können sich heute nicht wirklich vorstellen, wie es sein kann, das man Kohle nicht mehr will, nicht mehr braucht und auch was in der Zukunft sein wird. Die Angst schwebt mit. Das bedeutet dann aber auch die Menschen mit zu nehmen und Wege aufzuzeigen. 

Dieser Weg darf sich entwickeln

Es kommt langsam an, wenn man behauptet, dass nur mit einer grünen Energieversorgung eine gute Zukunft möglich ist. Zumindest die, die sich mit dem Thema Energie und seinen Herausforderungen  beschäftigen können verstehen, was gemeint ist. Man darf aber nicht unterschätzen, wieviel Arbeit da noch drin steckt. Wir glauben, wir können das selber noch nicht ganz einordnen. Die Technik der Zukunft wird vieles möglich machen. 

So vieles neues wird normal werden und wir finden, diese Veränderung darf sich entwickeln. Das ist nicht anderes, wenn wir sagen, dass auch die Elektromobilität sich entwickeln darf.  Wenn man ehrlich ist, dann weiss man auch: Nötig wären noch viel größere, noch schnellere Schritte als das, was die Kommission jetzt empfiehlt. 

Die Umweltverbände weisen zu Recht darauf hin, dass sie nur mit großen Bauchschmerzen zustimmen konnten und nur, damit endlich etwas passiert. Denn wahr ist auch: Der Kohleausstiegsplan erlaubt es zwar, die deutschen und europäischen Klimaziele im Energiesektor zu erreichen. Aber auch die sind nicht wirklich ehrgeizig genug. Selbst wenn sie erreicht werden, ist der Klimawandel längst nicht gestoppt!!

Die Wissenschaft sagt zu dem Ergebnis: Wenn es schneller geht, dann macht auch schneller. Nutzt die Möglichkeiten die sich bieten. Im übrigen hatte genau das die Bundesregierung bei den Klimaverhandlungen in Paris mit beschlossen. Das heisst nichts anderes, als dass Deutschland beim CO2-Einsparen noch einmal nachlegen muss. Die Kohlekommission hat deshalb auch empfohlen, in den 2020er-Jahren immer wieder zu prüfen, ob nicht im Energiesektor doch noch mehr geht. Das heisst nichts anderes, als dass auch andere Sektoren, wie der des Verkehrs, ran kommen müssen. Hier lassen sich unterschiedliche Vorraussetzungen bündeln und miteinander verknüpfen. Wir müssen und werden Energieerzeugung anders denken.

Alle Sektoren müssen berücksichtigt werden

Die Energiewende und die Verkehrswende sind unweigerlich zu verbinden und lassen sich auch prima miteinander verknüpfen. Man kann, zum Beispiel, mit der Elektromobilität die Energiewende verbinden. Beispielsweise das bidirektionale Laden. Der Akku des Fahrzeuges wird genutzt, um Strom zu speichern, wenn er reichlich vorhanden ist. Dieser kann dann später genutzt werden, wenn er benötigt wird, aber nicht genug Strom verfügbar ist.  Weitere Sektoren wie die Landwirtschaft und Gebäude müssen in das Massnahmenpaket des Kohleausstiegs eingebunden werden. Der Verkehr, die Landwirtschaft, die Gebäudewirtschaft.

Für die neue Umweltbewegung heißt das: Sie können jetzt einen kleinen Erfolg feiern. Zurücklehnen sollten sie sich dennoch nicht. Jetzt beginnt etwas, was so neu ist, dass man diese Veränderung begleiten muss.

2 Gedanken zu „Energie: Kohle aus erst 2038 – zu spät für das Klima

  1. Guten Abend. Ja natürlich mir wäre lieber wie heute oder morgen alles umzusetzen das hätte alles 10 bist 20 Jahren eher sein müssen aber leider musst erst alles was passieren egal was auch immer ist ob die Umwelt oder die Krise des Krieges irgendwann kommt noch viel schlimmer die ganze Menscheit der Welt aber auch die Politik ist alles zerstört und auch die wirtschaftkrise kommt noch dicker und der Euro Crash kommt und wer ist die leidentrage die Armen und auch vorallem die Kinder wir werden eine schwere Zeit bekommen. An allen einen schönen Abend. Es gibt so viele Möglichkeiten was man alles verändern könnte um einen Teil des Arbeitslosen zu reduzieren man könnte vieles daraus verarbeiten und für sowas das Geld auszugeben aber nein lieber krieg Rüstung das ist viel wichtiger sowas kann 6 Millionen kosten egal aber wie viel Menschen auf der Straße obdachlos oder Kinder in Armut das ist die Regierung egal die leben gut und abgesichert. Ja Armes Deutschland. So wie habe mein ganzen Leben gearbeitet und nur eine kleine Rente das müssten die Politiker mit Leben die haben uns alles weggenommen. Danke

    1. Hallo Frau Schindler,

      In der Tat gibt es viele Begleitreaktionen und Bedingungen die man im Auge behalten muss. Das denken vieler passt bekanntlich auch nicht zu der Realität oder man setzt andere Maßstäbe an. Oft erschliessen sich manche Reaktionen nicht. Auch wir können manche Kompromisse nicht nachvollziehen oder man erfährt nur einen teil der Wahrheit.
      Jetzt ist es wichtig, das man handelt und der Weg wird nicht leicht. Er wird unbequem und er wird manchem wehtun. Anders wird es kaum gehen.
      Sehen Sie nicht alles negativ – aber bleiben sie kritisch.

      Gruss aus dem Sauerland

      H.M. Depta | emobicon

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