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Mobilität: Warum Elektromobilität nicht Schuld am Jobverlust ist

Die IG Metall befürchtet Arbeitsplatzabbau durch Elektromobilität in der Automobilbranche. Was nicht gesehen wird sind Chancen, die Verkehrs - und Mobilitätswende und Konzepte statt Panikmache.

von Harald M. Depta | emobicon - Coverbild: FAZ | Welt | DUB | emobicon

Klar ist: Das die Mobilität sich drastisch wandeln wird. Dazu gehören viele Veränderungen in der Automobilindustrie, bei Zulieferern, aber auch beim Kraftstoff, Fragen der Energie und Infrastruktur. Laut IG Metall sind 150.000 Arbeitsplätze bedroht. Erwähnt wird nur am Rande, das auch Arbeitsplätze entstehen – und der Dienstleistungsbereich um die eMobilität erheblich wachsen wird.

150.000 Jobs auf der Kippe

In der Welt hat IG Metall Chef Hoffmann in einem Interview seine Sicht der Dinge gesehen. Schwarzmalerei wie sie von einer Gewerkschaft immer dann kommt, wenn man Veränderungen zu verhindern versucht, statt Chancen zu sehen. Zu einseitig wird argumentiert, das Erreichte nicht gesehen.

So sagt Hoffmann das diese benannten 150.000 Arbeitsplätze konservativ gerechnet seien. Er geht dabei von einer Studie aus, die das Fraunhofer Institut veröffentlicht hat. Dort wurde demnach nur untersucht, wie viele Stellen unmittelbar in der Produktion im Bereich des Antriebsstrangs wegfallen werden.

Sehr einseitig betrachtet

In dem Interview zeigt sich der IG Metallchef sehr einseitig. Klar ist, das der Fahrzeugbau sich ändern wird. Volkswagen macht es aktuell vor und zeigt wieviele Veränderungen hin zur Elektromobilität nötig sind. 

Ein Vierzylinder-Verbrennungsmotor besteht aus mehr als 1000 Teilen, die montiert werden müssen, ein Elektromotor aus bis zu 250 Teilen. Dazu kommt das Akku, mit einem sehr grossen Anteil der Wertschöpfung.

Lapidar sagt er dazu in der Welt, dass auch in anderen Bereichen Jobs verschwinden. Bei der Motor- und Getriebeentwicklung beispielsweise, in den Kfz-Werkstätten und den ganzen Branchen, die an der Produktion hängen. Gießereien etwa produzieren im Wesentlichen für die Autoindustrie, und deren Gussteile werden vor allem im Antriebsstrang verwendet. Die E-Mobilität wird hierzulande weit mehr als nur 150.000 Arbeitsplätze kosten.

Hoffmann setzt weiter auf Diesel

Angeblich will er und die IG Metall keine Horrorszenarien entwerfen. Offensichtlich hat er immer noch nicht verstanden, dass Mobilität und Verkehrswende einhergehen mit weniger Fahrzeugen auf der Strasse, sondern mit intelligenter Mobilität, die nicht mehr so viele Fahrzeuge braucht. Sie werden anders und damit aber intensiver genutzt. Die Technik des „Vernetzt sein“ scheint kein Thema bei der IG Metall zu sein.

Er sagt dazu in der Welt: Veränderung geschieht immer wieder, und wir wollen als Gewerkschaft den Fortschritt nicht blockieren. Aber es ist wichtig für die Unternehmen und die Politik, eine Vorstellung davon zu haben, um welch gewaltige Größenordnungen es geht. Und es gilt, Brücken zu bauen: Auch 2030 brauchen wir den Diesel – aber weniger Menschen werden damit beschäftigt sein. Wie also können wir Übergänge gestalten, damit kein Beschäftigter unter die Räder kommt? Da sind die Arbeitgeber gefordert, aber wir brauchen auch neue arbeitsmarktpolitische Instrumente, wie das Transformationskurzarbeitergeld. Statt Leute zu entlassen, müssen wir sie für Aufgaben von morgen qualifizieren.

Was er nicht sagt, das die Veränderung längst schon laufen und nicht Deutschland, sondern Asien das Zugpferd sind. Er erkennt die Veränderungen offensichtlich nicht.

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Automobilindustrie schrumpft um 30 Prozent

Die Autoindustrie wird, laut Experten, um mindestens 30 Prozent schrumpfen. Es betrifft also Automobilbau und vor allem die Zulieferer. Klar, es wird wie immer Gewinner, aber auch Verlierer geben.

Dazu meint IG Metall Chef Hoffmann, das Zulieferer von Ihrer Existenz bedroht seien. Das ist so, wenn man sich weiter auf Verbrennungsmotoren stürzt, statt auf die Veränderungen einstellt. Zumindest erkennt Hoffmann, das sich zu viele Zulieferer immer noch nicht ausreichend mit den Veränderungen beschäftigen.

Weiter heisst es, dass man viele Firmen besucht habe und erkennt, das viele auf Sicht fahren und sich nicht wirklich auf die Elektromobilität einstellen. In jedem zweiten Betrieb gibt es demnach bis heute keine Strategie für den Wandel hin zu E-Mobilität. Deshalb fordert die IG Metall die Betriebsräte auf, die Arbeitgeber permanent zu löchern. Es geht darum Geschäftsmodelle der Zukunft zu entwickeln, um den Bestand des Unternehmens zu sichern. Festgestellt wird aber auch: Wenn das Management den Kopf in den Sand steckt, müssen die Arbeitnehmer Druck machen.

Falsche Fakten als Information

Der IG Metallchef schreit nun nach dem Staat. Er will mehr Infrastruktur, mehr staatliche Investitionen. Er vergleicht das morgen mit dem gestern, als man alle einhundert Kilometer eine Tankstelle an der Autobahn gebaut hat. Dabei gibt es heute längst, fast flächendeckend Raststätten mit Ladeinfrastruktur und es tut sich noch mehr, durch Ausbau, durch Verdichtung und durch Konzepte einzelner Akteure in dem Bereich. Scheinbar ist das noch nicht bei ihm angekommen.

Hoffmann rechnet mit über 10 Milliarden Euro Kosten für den Aufbau der Infrastruktur. So behauptet er, dass gegenwärtig die regionalen Verteilernetze so ausgelegt sind, dass maximal zehn Prozent aller Kfz hierzulande E-Autos sein können. Wenn es mehr werden, überlastet das die Netze. Nur diese Zahlen sind längst überholt. Problemlos, so die Einschätzung der Energieversorger, wird man bereits heute über 10 Millionen PKW mit Strom vweersorgen können, ohne das es nennenswerte Auswirkungen hat. Aktuell geht man hierbei von einem Mehrbedarf von Strom unter einem Prozent aus. Er will offensichtlich sofort die Perfektion, aber das sich was tut, sich Elektromobilität entwickeln darf sieht er offensichtlich nicht.  

So behauptet Hoffman ferner, dass die Politik endlich anfangen muss, die Ziele auch umzusetzen. Nur Vorgaben zu machen, ohne die Umsetzung zu unterstützen, ohne Maßnahmen dahinter und ohne die nötigen Investitionen – das wird für ein Fiasko sorgen: bei den Kunden, den Beschäftigten und auch beim Klimaschutz. Bisher macht sich der Staat an dieser Stelle extrem schlank und drückt sich vor seiner Verantwortung.

Mit keinem Wort werden zumindest die Bemühungen benannt, welche den Ausbau der Ladeinfrastruktur sehen. Ja, man kann sich drüber streiten, ob es ausreichend ist und ob die Fördermassnahmen greifen.

Europawahl ist Chance für die Zukunft

Die Europawahl sieht Hoffmann als Chance und als Weckruf für die Politik. Die Wähler haben nicht für Grün gestimmt, weil sie noch mehr schöne Klimaziele wollen, sondern weil sie zu Recht erwarten, dass die Politik nicht nur wolkige Reden schwingt, sondern auch handelt.  Weiter sagt er: Es genügt nicht, den Ausstieg aus der Braunkohle zu beschließen und nicht zu klären, woher morgen der regenerativ erzeugte Strom kommen soll. Das Gleiche gilt für den Ausstieg aus Verbrennungsmotoren.

Fazit

Es entsteht immer wieder der Eindruck, dass die Gewerkschaften zu selten den Blick auf das Ganze sehen oder die Veränderungen mittragen. Vielmehr macht man Stimmung und schürt Ängste. Statt sich mit den Veränderungen zu beschäftigen, Möglichkeiten aufzuzeigen wie man die Zukunft mittragen kann wird nur gefordert und kritisiert. Das wir insgesamt eher den satten Eindruck machen, statt nach vorne zu schauen kommt dabei zu kurz.

Schön wäre es, wenn die Gewerkschaften aufzeigen was man konkret tun kann, denn neue Berufszweige, neue Dienstleistungen sind gefragt. Hier kann man mit einem Massnahmebündel aufzeigen, wie die Zukunft sein wird. Klar ist: Die Mobilität von morgen wird auch elektrisch – mit oder ohne die deutsche Automobilindustrie, denn die sichtbaren Veränderungen lassen sich, in einem globalen Markt, nicht mehr aufhalten.

JA, in jeder Veränderungen stecken Chancen und Risiken. Risiken die Veränderungen mit Arbeitsplatzverlusten zu sehen, aber auch die Chancen, das sich neue Berufe, Dienstleitungen und Industriezweige entwickeln. Das ist völlig normal. Viel wichtiger ist, was wir alle daraus machen. Die Zeiten sind längst vorbei, dass man ein lebenslang immer in einem Unternehmen ist. Man muss flexibler sein und auch bereit Veränderungen mitzutragen und sich selber immer weiter zu entwickeln.

Elektromobilität ist nicht schuld das Jobs verloren gehen. Elektromobilität ist ein Teil der Energie – Verkehrs und Mobilitätswende. Das muss uns klar sein. Wir werden in Jahren anders mobil sein. Es ist nicht nur notwendig, sondern es macht Sinn. Die Frage ist eher: Wie gehen wir damit um.

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