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Studie: Elektromobilität gefährdet mehr als 400.000 Jobs

Behauptung: Elektromobilität gefährdet mehr als 400.000 Jobs | emobicon

Elektromobilität wird für vieles verantwortlich gemacht - das kennen wir bereits. Klar ist schon länger, dass der Umbau der Automobilindustrie Jobs kosten wird. Eine Studie der Bundesregierung macht nun die eMobilität dafür verantwortlich. Ist das so? Die Automobilindustrie widerspricht vehement - zurecht. Ein Kommentar

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Laut einer Studie der Bundesregierung könnte die Umstellung auf die Elektromobilität schwere Jobverluste mit sich bringen. Demnach könnte allein die Produktion von Motoren und Getrieben bis zu 88.000 Stellen wegfallen, schreibt ein Bericht der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) für die Bundesregierung. So sieht die NPM Arbeitsgruppe 410.000 Arbeitsplätze bis zum Ende des Jahrzehnts gefährdet. Aber wie ist die Wirklichkeit? Die Mobilität – und Verkehrswende verändert vieles – auch die Arbeitswelt. Fest steht, dass diese Veränderungen zunächst auch Jobs kostet, aber auch neue Jobs entstehen.

Einseitig betrachtet sieht man nur einen Jobverlust

Ewig an alten Formen festhalten, weil es so bequem ist? Digitalisierung, KI, veränderte Gewohnheiten, aber auch die Mobilitätswende erzeugen Veränderungen. Mehr Automatisierung verändert aber auch automatisch jeden Bereich der Industrie. Damit in diesen Veränderungsprozessen die Jobverluste so gering wie möglich ausfallen, fordert die NPM-Arbeitsgruppe die Unternehmen auf, strategischer Personalplanung vorzunehmen. Zudem sollten regionale Qualifizierungszentren aufgebaut werden, in denen Firmen, Arbeitsagentur und Weiterbildungsträger zusammenarbeiten und auf die Zukunft vorbereiten, in dem man den Veränderungen Rechnung trägt und Menschen, die betroffen sind, zu qualifizieren.

Für diese Annahme werden folgende Berechnungen zu Grunde gelegt. In einem Verbrennungsmotor werden mindestens 1200 Teile verbaut, beim Elektromotor sind es nur rund 200. Dieses Beispiel wird offenbar als Grundlage angesehen. 

Das Festhalten der Verbrennertechnologie bringt Jobverlust.

Damit soll klar werden, das mit jedem Elektrofahrzeug, die klassischen Verbrenner verdrängt werden. Also braucht man weniger Kolben, Getriebe oder Zylinderkopfdichtungen für diese Fahrzeuge. Aber wie ist es denn in Wirklichkeit, wenn man sich die Realität ansieht?

Die EU-Klimaschutzziele für den Verkehrssektor wurden mit dem raschen Umbau auf Elektromobilität beschlossen. Bis 2030  sollen bis zu 10 Millionen Elektrofahrzeuge auf die Strasse kommen. Es kam nicht überraschend. Was überrascht hat war, dass insbesondere die deutsche Automobilindustrie weiter am Verbrenner festhielt und das Thema Elektromobilität zunächst nicht wahrhaben wollte.

Immer mehr Länder und Städte haben ein festes Ausstiegsdatum für den Verbrennungsmotor. Das heisst: Ab einem Zeitpunkt kann dort kein Verbrenner mehr zugelassen werden. Im Rahmen der Energiewende ist es zudem zwingend nötig, das mehr Elektrofahrzeuge auf die Strasse kommen, oder kann ein Verbrenner erneuerbare Energie speichern? Fest steht zudem, dass die Mobilität insgesamt Veränderungen unterliegt. Mehr Nahverkehr, mehr Bahn, Einschränkungen, die wir heute schon in vielen ausländischen Städten erleben. 

Tesla hat alle anderen Hersteller aufgeweckt

Und da ist Tesla. Klein angefangen mausern sie sich zu einem Hersteller von Elektrofahrzeugen und einem Technologieunternehmen, welches nun auch in Deutschland eine Gigafactory bei Berlin plant. Hier werden zwischen 7000 und 10000 direkte neue Jobs entstehen. 

Deutsche Hersteller haben in der Vergangenheit viel angekündigt und versprochen, aber bislang sind kaum sichtbare Modelle am Markt. Klar ist zudem auch, dass die bisherige Einfachheit der Verbrennertechnologie abgelöst wird, durch technische Raffinessen. Dazu kommen künftig KI und autonomes Fahren. 

Auch ausländische Hersteller wie Renault oder KIA / Hyundai haben mit guten Elektrofahrzeugen Elektromobilität vorangebracht. Die Zukunft wird zeigen, mit welchen Konzepten die deutschen Hersteller in den Markt dringen, um dann mit entsprechenden Dienstleistungsstrukturen neue Jobs zu schaffen.

Jede technische Neuerung geht mit Veränderungen einher

Denn so oder so: Die Technik verändert die Jobs – das war so und wird wieder so sein. Unzählige Beispiel gibt es und wird es auch sein, wenn die Elektromobilität normaler Alltag geworden ist. Da war die Einführung von Computern, ausserdem das Internet und dadurch das Shopping im Netz oder vom analogen Telefon zur Smartphonetechnologie. Von der Diesellok zum ICE. Streamingdienste statt Videokassette und vieles mehr. Unzählige Beispiele, die Veränderungen brachten. Sie veränderten nicht nur die Welt der Arbeitsplätze, sondern das Leben insgesamt. Aber deswegen immer zum Schlechteren?

Die Arbeitsgruppe NPM sieht nicht die Chancen

Diese neue Mobilität ist aber auch eine Chance. So fehlen derzeit zum Beispiel Konzepte, um mit notwendigen Strukturen andere Dienstleistungen geschaffen werden, um das Gesamtpaket Elektromobilität abzurunden und zu etablieren.

Diese Experten aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Forschung haben hier sehr einseitig betrachtet, wie die neue Wirklichkeit aussieht. Neues, wird immer Veränderungen bringen – positiv und negativ. Aber das Negative ist eine Chance. Typisch deutsch wenn man diese Veränderungen nur negativ und einseitig sieht.

Auch deshalb hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) scharfe Kritik an dieser Prognose geübt. So heisst es aus Verbandskreisen: „Die Annahme, dass in den kommenden Jahren bis zu 410.000 Stellen wegfallen könnten, geht von einem unrealistischen Extremszenario aus“, versichert VDA-Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel.

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