Es ist keine Überraschung: Autofahrer, die sich umweltschonend fortbewegen wollen, sollten laut einer Studie auf ein Elektroauto - mit Batterie - wechseln. Wasserstoff ist keine Alternative. Zeit für einen Ruck durch das Land.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe, Fahrzeuge mit Batterie – es wird viel diskutiert, wenn es um alternative Antriebe geht. Dabei werden oft Fakten ignoriert, aber klar ist es schon lange: An Elektrofahrzeugen führt kein Weg vorbei. Wasserstoff wird keine Rolle im Privatbereich spielen. Da helfen auch keine Pseudoförderungen. Die Technologie ist viel zu teuer und der Markt hat längst entschieden: Elektroauto kommt nicht erst – sie sind längst da. Ein Grund: Autos mit reinem Elektroantrieb sind klimaverträglicher als alle anderen Antriebsformen. Das geht aus einer Studie des verkehrswissenschaftlichen Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) hervor, die die Forscher aus Heidelberg für die Berliner Denkfabrik Agora Verkehrswende erstellt haben. „Mit dem batterieelektrischen Antrieb existiert eine marktreife Technologie, um den Klimaschutz im Verkehr jetzt voranzutreiben“, sagte Agora-Direktor Christian Hochfeld.

Wasserstoff mit 75 Prozent mehr Treibhausgasen

Laut einer Untersuchung verursacht demnach ein Fahrzeug der Kompaktklasse mit Brennstoffzelle und elektrolytisch hergestelltem Wasserstoff und einer realistischen Fahrleistung von 150.000 Kilometern 75 Prozent mehr Treibhausgase als ein batterieelektrischer Pkw. 

Betrachtet man das mit einem herkömmlichen Diesel-Pkw, der sogar mit synthetischem Kraftstoff angetrieben wird, dann  verursacht dieser sogar rund drei Mal so viel Treibhausgasemissionen wie die eines Batterieautos. Dagegen hat das Batteriefahrzeug verglichen mit einem Diesel, der mit herkömmlichem Kraftstoff gefahren wird, nach 150.000 Kilometern einen Klimavorteil von rund 16 Prozent. Die Ifeu-Wissenschaftler untersuchten auch auch die Klimawirkung eines Fahrzeugs mit Erdgasantrieb. Das Ergebnis ernüchternd. 

Vom Abgasskandal zur Elektromobilität

Klar scheint, dass man vor allem die Automobilindustrie in die Pflicht sieht. Viel zu lange, zu spät hat man auf die Änderungen reagiert. Geschützt durch die Politik hat man viel zu lange weggesehen und man schien sich dabei sicher zu sein. Erst der Abgasskandal, dessen Folgen bis heute spürbar sind, kommt man nun endlich zum Thema Elektromobilität. So erkennt man heute, dass  der batterieelektrische Antrieb die wirksamste und effizienteste Technologie ist, wenn es gilt, die klimaschädlichen CO2-Emissionen von Pkw zu vermindern, so die Wissenschaftler von AGORA und Ifeu.

Die Veränderung trifft jeden

Wichtig ist aber nun endlich auch, dass es jetzt darauf ankommt, den Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen. Dabei spielt vor allem eine Rolle, dass man das auch im eigenen Interesse tun sollte. Klar ist: Die Verkehrs – und Mobilitätswende kommt nicht überraschend, aber eben so, dass diese mit grossen Veränderungen einiger gehen wird.  Schlussendlich geht es um die Zukunft einer ganzen Industrie. 

Nur die, die glauben nichts am eigenen Verhalten ändern zu müssen  glauben Ihren eigenen Aussagen, nicht der von Experten und echten Studien. Irgendeine Ausrede gibt es immer. Klar ist aber: Ändere ich nichts, kommt das dicke Ende dafür um so heftiger. Dabei ist es so einfach, wenn man sich einlässt und sich die Entwicklung anschaut. Sie ist deutlich und unumkehrbar, ob wir wollen oder nicht.

Sagen oder machen - das ist die Frage

Man darf durchaus hinterfragen, was man unter „Umweltfreundlichkeit“ versteht. Die einen sagen das sie was tun, die anderen tun wirklich etwas. Bequemlichkeit wird, kann und darf teuer werden, denn das ist immer noch die einzigste Sprache die jeder versteht und selbst Autobauer räumen längst ein, dass der Verbrenner, wie wir ihn kennen, aussterben. Zumindest aber deutlich teurer werden wird. Der Ruck für Veränderungen ist nur zum Teil spürbar. Aber Änderungen begleiten uns doch alle – jeden Tag. Dabei sind Änderungen nicht immer schlimmer oder schlechter. Im Gegenteil. Sie können auch toll, gut, sogar besser sein. Nur wenn man sich realistisch, echt damit auseinandersetzt, wird man dem Folgen können.

Es geht auch um das Gemeinwohl, um saubere Luft und eine Energiewende, die auch wegen des Klimawandels wichtig und alternativlos ist. 

Dem Kollaps entgeht man nur mit Veränderungen

Die Mythen sind längst durch und zehntausende Fahrer von Elektrofahrzeugen können nicht irren. JA, es ist noch nicht perfekt. Was ist es schon. Ist es perfekt Fakten zu verdrehen, sich schön zu reden, oder Behauptungen aufzustellen, die nicht stimmen? Dabei funktioniert es heute schon gut. Wir selber fahren, jeden Tag – auch privat, ohne Nachteile zu haben. Selbst der Urlaub, mit dem sooft argumentiert wird geht schon. Warum auch nicht? 

Die Hersteller werden schon allein aus eigenem Interesse und entsprechenden Marketing dafür sorgen, dass immer mehr Elektrofahrzeuge unterwegs sein werden. Aber das ist nur ein Schritt, denn mit deutlichen Veränderungen im Verkehr ist zu rechnen. Verkehr wird eingeschränkt, individuelle Mobilität wird teurer werden und jeder wird gezwungen sein, dass  eigenes Verhalten zu überdenken. Zu lange wurden Veränderungen ignoriert, deshalb muss es jetzt schneller gehen – bei jedem und ohne Alternative. 

Tanken oder Laden?

Studienleiter Hochfeld räumte ein, dass bei Langstrecken Wasserstoff den Vorteil kürzerer Tankzeiten habe. Stimmt das? Nein. Ich lade in 10 Sekunden im Alltag und mein Akku ist voll. 10 Sekunden? Anhalten, parken, Stecker rein – fertig. Wenn ich losfahren will, dann Stecker raus und los geht es. Weil es nebenbei passiert. Ein Fahrzeug steht mehr, als es fährt. 

Zudem ist klar, dass die Klimabilanz schlechter ist, als bei Elektroautos. Und das selbst dann, wenn das Batteriefahrzeug eine größere Batterie hat und deshalb in der Herstellungsphase mehr Treibhausgase verursacht, heißt es dazu in der Studie. Hochfeld sagt dazu: „Zu glauben, wir hätten heute schon eine Wahl zwischen verschiedenen klimaverträglichen Alternativen zum Diesel oder Benziner ist eine Illusion“. 

Energieökonomin Claudia Kempfert sagt, dass der Brennstoffzellenantrieb rund vier mal soviel Energie braucht, als reine Elektrofahrzeuge mit Batterie. Logisch. Energieaufwand um Wasserstoff herzustellen, im Fahrzeug wieder umzuwandeln. Vom Transport ganz zu Schweigen. Zudem sind Ladestationen viel günstiger, als Wasserstofftankstellen. Kennen Sie den Preis von einem Kilo Wasserstoff? Sehr hoch. Im gewerblichen Verkehr vorteilhaft und praktikabel – im Privatbereich nicht!

Akku im zweiten Leben

Übrigens: Für diese Studie wurden sowohl die Emissionen für Bau und eventuelle Entsorgung der Fahrzeuge berücksichtigt, als auch die Emissionen während der Fahrzeugnutzung. Dabei spielt das Akku eine wesentliche Rolle. Es geht eben anders, als die meisten glauben: So wird ein Stromer nach seinem Betrieb als Fahrzeug nicht einfach so entsorgt. Der wesentliche Bestandteil – also das Akku – wird mit einem zweiten Leben noch als Akku genutzt, bevor er so verschlissen ist, dass dieses Bauteil recycelt wird. Dafür gibt es längst Möglichkeiten, die zunehmen werden. 

Letztere sind allerdings abhängig von der Fahrleistung. Zudem wurden für alle strombasierten Antriebsalternativen der deutsche Strommix zugrunde gelegt und – im Fall des untersuchten Erdgasautos – der tatsächliche Anteil von Biomethan im deutschen Erdgasnetz; dieser beträgt weniger als ein Prozent. Es ist also alles gar nicht so schlimm, wie sooft in der Theorie behauptet wird.

Die Mythen sind kein Argument mehr

Und noch eine Anmerkung zum Schluss: Den Strommix, dem man dem Elektrofahrzeug vorwirft wird genau so genutzt, um mit viel Energieaufwand aus Öl Kraftstoff zu raffinieren. Und Rohstoffe wie Kobalt und Lithium, die in aller Munde sind? Fragen sie sich mal, wieviel dieser Rohstoffe sie im Alltag nutzen und das lange vor dem Elektrofahrzeug. 

Übrigens: Auch in jedem Verbrenner. Zusätzlich verbrennen sie einen Teil der Rohstoffe, in dem Kobalt dazu genutzt wird den Kraftstoff den sie verfahren zu entschwefeln. Damit wären wir schon wieder bei dem Mythen und der Doppelmoral, die aus Bequemlichkeit, manchmal aus Dummheit einher kommt – aber auch, weil sich so mancher nicht wirklich mit Veränderungen beschäftigen will.

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Autor: Mario

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