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Meinung: Elektroauto und der brennende Journalismus

Meinung: Elektroauto und der brennende Journalismus | emobicon

Ein Elektroauto brennt, ein Hybridfahrzeug steht in Flammen, die Feuerwehr in Not. Solche und ähnliche Schlagzahlen liest man immer wieder. Zur gleichen Zeit brennen zahlreiche Verbrenner, aber darüber wird kaum berichtet. Das ist halt normal geworden. Die Feuerwehren sagen, es brennt nicht häufiger, nur anders.

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Klar, es wird im Netz geteilt. Der spektakuläre Brand eines Elektrofahrzeuges. Oft übertrieben und manches kann sogar weit übertriebener sein, als es tatsächlicher ist. Ja, es ist neu. Ja, auch Stromer oder Hybride können brennen. Ja, das Neue ist noch nicht normal. Journalisten wissen, es wird gelesen, geteilt und verteilt. Und da man Blätter füllen muss und ordentliche Klickzahlen braucht, wird all zu gern auch noch übertrieben, gern noch was dazu erfunden. Manche brauchen es für Ihr Ego oder die Bestätigung, dass eMobile angeblich gefährlich sind. Es ist nicht gefährlicher als andere brennende Fahrzeuge und es ist oft der Doppelmoral geschuldet, dass man gern verdrängt das Brände bei Verbrennungsfahrzeugen zum Alltag gehören. 

Übertreiben, Überbewerten, spektakulär machen

Ok, Elektrofahrzeuge sind noch vergleichbar selten auf den Strassen. Ihre Anzahl aber steigt stetig. Was neu ist, muss erfahren werden. Prozesse müssen in Gang gesetzt werden und alles fängt auch mal an. Da Elektrofahrzeuge sowieso in aller Munde sind, nehmen sich auch Journalisten gern der Thematik an. Meistens nicht, um fair und real zu berichten, sondern all zu oft die Darstellung das Elektroautos ziemlicher Käse sein sollen. Das ist weder Journalismus, och fair. Aber getrieben von Auflage und Klickzahlen wird nicht nur in diesem Thema gern viel behauptet und noch mehr übertrieben. Als jahrelanger Fahrer vieler Elektrofahrzeuge lächelt ich nur noch. Früher hab ich mich darüber geärgert. Heute zeigt es mir, wie man Journalismus auch sehen kann. Eine Krake, bei der der eine vom anderen abschreibt oder wo von Anfang an klar ist: Elektromobilität darf nicht funktionieren.

Wenn ein Elektroauto brennt, ist es nicht schlimmer oder besser als jeder andere Brand, aber die Feuerwehr steht vor anderen Herausforderungen. Es geht um die technische Realisation und der Massnahmen die ein Ziel haben sollen: Der Brand muss gelöscht werden.

Es ist anders, aber nicht gefährlicher

Klar ist: Alles kann brennen, jedes Fahrzeug kann brennen und jeder Brand ist anders. Die pauschale Annahme, das Elektrofahrzeuge mehr und öfter brennen ist falsch. Die Feuerwehr sagt ganz klar: Sie brennen nicht häufiger, aber anders. Es ist und wird ein Lernprozess sein. Wie gehe ich mit der Situation um. Was ist technisch erforderlich, um brennende Elektroautos schneller und effektiver zu löschen. Beim Verbrenner ist klar: Man braucht Wasser, meist auch Ölbindemittel – soweit so normal. Ein Akku ist anders zu bewerten, der Elektromotor unspektakulär. Klar ist, das die Hochvoltechnik bei einem Elektrofahrzeug vom Fahrzeug getrennt wird, wenn es zu einem Unfall kommt und die Airbags ausgelöst werden.

"E-Autos brennen aber weder heftiger noch häufiger als Benziner oder Diesel, nur anders."
Karl Heinz Knorr
Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes

Die Prozesse kommen in Gang. Die Feuerwehren bereiten sich auf Gefahren durch Brände von Elektroauto-Batterien vor. Aber sie raten auch zur Gelassenheit. Gegenüber dpa sagte Karl Heinz Knorr, der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes: „Wir haben es hier mit einer neuen Herausforderung zu tun, auf die die Einsatzkräfte vorbereitet werden müssen. E-Autos brennen aber weder heftiger noch häufiger als Benziner oder Diesel, nur anders.“ 

Ruhig Blut , rät der Vize und  will für eine bessere Vorbereitung der Einsatzkräfte sorgen.

Eine Empfehlung des Verbandes in Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Fachleuten kommt entsprechend zu dem Schluss, die herkömmlichen und bekannten Vorgehensweisen seien zur Brandbekämpfung von Lithium-Ionen-Akkus „grundsätzlich geeignet“. Bei guten Fertigungsstandards und sachgerechter Handhabung seien die Akkus zudem als ausreichend sicher einzustufen.

Auf die Vorbereitung kommt es an

Auch der ADAC hält ein Risiko eines Brandes bei Elektrofahrzeuges für vergleichsweise gering. So seinen die Fahrzeuge,  wie auch Crashtests zeigen , bei einem Unfall mindestens genauso sicher wie herkömmliche Modelle mit Verbrennerantrieb.

Feuerwehr Vize Knorr findet aber, dass es wichtig sei, dass sich Feuerwehren bereits vor dem dennoch möglichen Einsatzfall mit der neuen Technologie befassen müssen, um Unsicherheiten vorzubeugen. Bisherige Brände zeigten ganz klar, dass „mit enormer Brandleistung zu rechnen ist“. Diese ist aber nicht geringer, als mit einem aufgerissenem Tank. 

Die Entwicklung eines Brandes hängt von vielem ab

Man sollte bedenken, dass die Energie, die freigesetzt wird, unabhängig von der Technologie darauf ausgelegt ist, dass ein Auto über eine längere Strecke in Bewegung zu setzen. ist. Klar ist aber auch, dass Autos, wenn sie in Brand geraten, heutzutage größerer Hitze ausgesetzt sind. Zudem entwickeln sich Flammen durch die deutliche Zunahme verbauter brennbarer Stoffe in den Karossen. Dazu gehören auch mehr Dämmung und breitere Reifen. Andere Polster in den Fahrzeugen nähren heute viel größere Feuer als früher.

Zu bedenken gilt auch, dass anders als bei einem brennenden Treibstoff, durch Löschschaum Sauerstoff entzogen wird, ein Brand so gelöscht werden kann. Flammen aus einem brennen Akku zu löschen funktioniert nicht mit Ersticken der Flammen. Die eigentliche Energie werde im Innern des Akkus freigesetzt, wo sich der Brand wie bei einem Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle fortsetze, „thermal runaway“ nennt das der Experte. Da hilft nur kühlen.

Das heisst auch, dass man dem Akku mehr Energie entziehen muss. Eine Empfehlung vom FeuerwehrVize: „Wenn der Brand in einem Gebiet ohne Hydranten ist, etwa auf der Autobahn, könnte man gleich ein zweites Tanklöschfahrzeug mitschicken.“ Zudem reicht laut einer Fachempfehlung des Feuerwehrverbandes die reguläre Schutzausrüstung. Verbrenner oder Akku. Es ist erstmal nicht gefährlicher, wenn man starke Rauchentwicklungen hat. Der Schutz der Einsatzkräfte hat immer Priorität.

Ein Wasserbad kann eine Unterstützung sein

Ein weiteres Problem der brennenden Akkus liegt darin, dass sich auch gelöschte Speicher bis zu 24 Stunden lang wieder entzünden können. Durch die grosse Hitzeentwicklung ist es meistens schwierig vorauszuschauen, was im Inneren eines Akkus passiert. So kann es daher sinnvoll sein, die Batterie in ein Wasserbad zu legen, um ganz auf Nummer sicher zu gehen. So geschehen zum Beispiel kürzlich im Kreis Düren. Dort hatte ein Kran der Feuerwehr das gesamte Elektroauto in einen mit Wasser gefüllten Container gesetzt.

Aber zwingend wird es nicht sein. Vielmehr ist eine  fachgerechte Lagerung in der Verantwortung der Entsorger, die das Elektrofahrzeug nach dem Löschen und abkühlen bergen und abschleppen

Noch einmal zurück zum Journalismus. Es wird Zeit, dass Journalisten erkennen, dass sie sich und Ihren Lesern keinen Gefallen tun, wenn Sie Geschichten verfälschen, übertreiben oder so aufplustern, weil man die Masse an den Mythen glaubhaft machen will.

Schon bald wird die Aufmerksamkeit eines Brandes versiegen

Dabei tun es auch all zu gerne auch Journalisten. Hier liegt der Hase im Pfeffer, denn Fahrer von Elektrofahrzeugen können meistens darüber lachen, was Schreiberlinge so von sich geben. Es nützt aus unserer Sicht wenig, wenn Klickzahlen und Auflagen wichtiger sind, als die Realität. 

Die, das erleben wir ja ständig wird so genutzt wie man es meint. Tägliche Brände von Verbrennern spielen, journalistisch betrachtet, nur noch dann eine Rolle, wenn spektakuläres passiert. Sonst ist es Alltag und all zu oft kaum mehr berichtenswert. Es wird noch eine Weile dauern, bis auch hier Normalität einkehrt. Dann wird eine andere Technologie herangezogen, denn Journalismus lebt von Aufmerksamkeit und die erreicht man nur, wenn man  mit viel Schlagzeile allzuoft wenig Inhalt liefert.

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