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Elektroauto: Freie KfZ Werkstätten rüsten durch Weiterbildung auf

Es ist eine Chance für freie Werkstätten: Service für Elektroautos. Je mehr Elektrofahrzeuge auf den Markt kommen, je lukrativer wird auch diese Technologie werden.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon

Egal welcher Antrieb – auch Elektroautos müssen mal in die Werkstatt. Es ist aber wesentlich weniger Aufwand und die Kosten sind für den Autofahrer wesentlich geringer. Jetzt entdecken auch freie Werkstätten das Elektroauto und wollen hier in starker Konkurrenz zu Markenwerkstätten gehen. Ein neues Geschäftsmodell, was sich lohnen kann. Aber es gibt noch einiges zu tun. Im Moment gibt es noch wenige freie Werkstätten für Elektrofahrzeuge.

Fortbildungen sind ein Muss

Elektroautos gelten als Killer – zumindest für den Service und für mögliche Reparaturen. Denn beim Elektroauto gibt es fast nichts zu reparieren. Auch deswegen tun sich Händler mit dem Service schwer. Kein Ölwechsel, kaum Verschleiss der Bremsen – alles eher Routine nach den Vorgaben für die Garantieleistungen, die sich beim Elektrofahrzeug sehen lassen können. 

Klar ist: Wer an Elektro- oder Hybridautos arbeiten darf, ist genau geregelt. Man muss spezialisiert sein und man braucht Weiterbildungen, denn die Hochvolttechnik macht einen Check und eine Reparatur anders. Ohne die richtige Qualifizierung ist es einem Mechaniker bei einem elektrifizierten Pkw nicht einmal erlaubt, die Reifen wechseln. Das wissen aber viele noch nicht. Nach einer dreistufigen Fortbildung darf man an den Elektrofahrzeugen arbeiten. Der Weg dorthin ist lang und auch teuer. Über 100 Unterrichtseinheiten sind nötig, um Elektrofahrzeuge und deren Technik zu verstehen und sicher daran arbeiten zu können.

Der Aufwand pro Elektroauto ist gering

Gerade für freie kleine Werkstätten ist der Aufwand ziemlich hoch. Und immer wieder stellt sich die Frage: Ist die Investition attraktiv, oder noch uninteressant ? Klar ist: Zur Zeit lässt sich nur wenig Geld damit verdienen. Weil nicht nur viele mechanische Arbeiten wegfallen, wird das Reparaturgeschäft in der Ära des E-Autos deutlich abnehmen. So sinkt der sogenannte Arbeitswert – eine Art genauerer Stundensatz – bei reinen E-Autos im Vergleich zum Benziner deutlich und das um mindestens die Hälfte. Beim Hybridfahrzeugen hingegen kann er in einigen Fällen sogar zeitweise  steigen – vor allem bei teuren und aufwändigen Plug-in-Hybridmodellen. Denn zwei Technologien an Bord erfordern unterschiedliche Massnahmen mit unterschiedlichem Aufwand.

Hybridmodelle sollen das Geschäft sein

Das Elektroauto wird das Geschäftsmodell ändern, was bislang beim Verbrenner anders kalkuliert war. Das Werkstattgeschäft für den Händler ist lukrativ und auch freie Werkstätten leben gut damit. Was der teilweise gegenläufige Trend am Ende für die Branche bedeutet, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Die einen sehen den Untergang einer ganzen Branche, andere sehen durchaus Chancen im Aftersalesgeschäft. So sieht der Zentralverband einen Rückgang im Werkstattgeschäft von rund fünf Prozent, während Hybridfahrzeuge aber einiges wieder wettmachen werden.

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Zu wenig Elektrofahrzeuge und zu wenige KFZ Werkstätten

Ein neues Fahrzeug – egal welcher Antrieb, wird überwiegend in der Markenwerkstatt gecheckt. Aktuell ist für freie Werkstätten mit E-Mobilität sowieso kaum Geld zu verdienen. Aber auch schon ältere Modelle von Elektrofahrzeugen werden markengebunden gewartet. Das liegt aber auch an der noch geringen Anzahl freier Werkstätten, die das schon übernehmen könnten. Es gibt noch zu viele Fragen und die Besitzer von Elektrofahrzeugen sehen hier noch nicht den Vertrauensvorschuss, den eine Werkstatt , die Verbrennungsfahrzeuge repariert mit einem Elektrofahrzeug haben müsste. Die Sicherheit geht bei vielen offenbar noch vor.

Die Zeiten ändern sich

Ein Umstand, der sich jedoch langsam ändert, auch wenn konkrete Zahlen aktuell fehlen. Der Branchenverband ZDK geht aber davon aus, dass es bereits wenige freie Werkstätten gibt, die Elektrofahrzeuge komplett warten könnten. Das zeigen die Weiterbildungszahlen der Akademie Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe in Bonn, dass zahlreiche Werkstätten die Voraussetzungen dafür geschaffen haben.  Rund 15.000 Handwerker sind bereits ausgebildet. Die Zahl soll in den nächsten Jahren deutlich steigen.

Freie Werkstätten werden für Elektroautos lukrativ sein

Auch die großen Systemanbieter und Werkstattketten rüsten langsam auf. Bei Bosch Car Service etwa registriert man eine steigende Nachfrage nach Hochvolt-Schulungen. Ein Großteil der rund 1.000 Betriebe habe schon entsprechendes Personal ausgebildet. So will zum Beispiel e.Go Mobile, die nun endlich den e.Go Life auf die Strasse bringt, die Wartungen über diesen Verbund machen lassen. Bei ATU haben bereits alle Filialen mindestens einen Mitarbeiter auf Stufe 1. Das reicht, um umfangreiche Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie Inspektionen an Hybrid- und E-Fahrzeugen vornehmen zu dürfen. Allerdings sind hier Arbeiten an der Hochvolttechnik noch nicht möglich. 

Klar ist: Für die Kunden wird es lukrativ sein, die wenigen nötigen Arbeiten an einem Elektrofahrzeug in einer freien Werkstatt durchführen zu lassen. Spätestens, wenn in einigen Jahren größere Mengen an Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden auf dem Gebrauchtwagenmarkt landen, dürften viele Nutzer nach einer kostengünstigen Alternative zur Vertragswerkstatt suchen. Bis dahin wird man in der Weiterbildung und Kompetenz auch entsprechend soweit sein.

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