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Ladeinfrastruktur: Warum das Eichrecht nicht zu unterschätzen ist

Ladeinfrastruktur: Warum das Eichrecht nicht zu unterschätzen ist | emobicon

Das Thema Eichrecht bei Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ist jetzt in vielen Fällen zwingend nötig. Noch wird das Thema unterschätzt, aber "Altanlagen" müssen nun unter Umständen umgerüstet werden. Es betrifft nicht nur öffentliche Ladestationen - sondern kann sogar für Privatpersonen wichtig sein. Wir klären auf.

von Thorsten Bär | emobicon - CoverBild: emobicon/ppm

Mit der Elektrifizierung der Mobilität muss man sich auch um die passende Ladeinfrastruktur kümmern. Es haben sich einige Änderungen angekündigt, die konkret wurden und Neues gibt es ja auch schon wieder. Gut so. Im Endeffekt geht es um die Zukunft.  Es geht um die schrittweise Umstellung der Betriebsflotte auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge und damit auch um die Frage nach eichrechtskonformen Ladesäulen. Dieses betrifft im Wesentlichen zwar öffentliche und halböffentliche Ladeinfrastruktur, aber unter bestimmten Bedingungen aber auch Ladestationen von Unternehmen, Gewerbetreibenden und sogar Privatpersonen. Wir erklären die Sachverhalte.

Meldepflicht besteht ohnehin

Eine „dumme“ Wallbox oder doch mit Backend und wie ist es mit einer eichrechtskonformen Ladelösung? Fest steht: JEDE Ladestation muss zunächst beim Netzbetreiber gemeldet werden, ab 12 kW Ladeleistung ist sogar vorab eine Genehmigung einzuholen. Hintergrund ist, dass der Netzbetreiber wissen will und muss, welche Verbraucher in seinem Netzgebiet liegen. Schliesslich geht es um die Sicherheit, dass wir auch weiterhin immer Energie haben und nicht Gefahr laufen, dass es zu Stromausfällen kommt.

Stromzähler reichen nicht mehr

Bislang reichte Wallbox und ggf. ein Zwischenzähler, wenn man wissen wollte, wieviel Strom über die Ladestation im Fahrzeug ankommt. Einige Wallboxen haben zwar einen Stromzähler verbaut, dieser entspricht aber nicht der Europäischen Messgeräterichtlinie MID (Measuring Instruments Directive). Jetzt kommt das Eichrecht dazu. Dieses verlangt mehr von einer modernen Ladeinfrastruktur. So müssen alle Instanzen, die im Lade- und Abrechnungsprozess involviert sind über geeichte Instrumente verfügen, um die anfallenden Mess- und Abrechnungsdaten korrekt und nachvollziehbar speichern zu können. Bei einem normalen Ladevorgang können zum Beispiel neben den Nutzern und den Betreibern des Ladepunkts noch die Ladekarten-Anbieter sowie die IT-Plattformen der Ladenetzwerke involviert sein, die im Hintergrund agieren und für eine reibungslose Prozesskette sorgen.

Auf die Daten kommt es an

Das bedeutet konkret, dass alle Instrumente, die diese Daten messen, speichern und verarbeiten, den Bestimmungen des Mess- und Eichrechts entsprechen müssen. So fallen bei einem Ladevorgang ein ganzer Satz an Daten an. Dazu gehören der Messwert, die entsprechende Einheit. Ausserdem der Zeitpunkt der Messung, also wann mit dem Ladevorgang begonnen wurde und wann wurde dieser beendet, ausserdem die ID Nummer des Ladepunktes an dem geladen wurde, ausserdem auch die Identifikation des Kunden. Mit welchem Zugang hat er sich angemeldet und den Ladevorgang gestartet.

Elektroauto laden ist nichts anderes als Verbrenner tanken

Was bedeutet das nun? Alle Instrumente, die diese Daten messen, speichern und auch verarbeiten, müssen den Bestimmungen des Mess- und Eichrechts entsprechen. Nach dem Ladevorgang muss die „Quittung“, vergleichbar wie eine Tankquittung aufweisen was eine Kilowattstunde Strom kostet, wie viele Kilowattstunden insgesamt geladen wurden und wie hoch der Gesamtbetrag ist, der in Rechnung gestellt wird. 

Zusätzlich muss gegebenenfalls auch das Backend, mit welchem die Ladestationen verbunden sind, eichrechtskonform sein, um eine sichere Übermittlung des signierten Datensatz sowie eine spätere Überprüfung des Ladevorgangs durch den Kunden zu ermöglichen. Eine Herausforderung für Hersteller, Backendbetreiber und die involvierten Behörden.

Stellen sie sich vor, sie würden beim Tanken, statt der Aufstellung auf dem Kassenbon eine pauschale Quittung erhalten. Es wäre intransparent und man kann davon ausgehen, dass die meisten damit nicht zufrieden wären.

Der Beweis der Aufladung muss gegeben sein

Da die Fahrstromanbieter den Ladevorgang meist – anders als bei konventionellen Tankstellen – einige Zeit später berechnen, etwa am Monatsende, muss demnach sichergestellt  sein, dass die erhobenen Messdaten nicht manipuliert wurden und die Rechnung anhand von korrekten Daten erstellt wurde.

Eine eichrechtskonforme Ladeinfrastruktur ist dann zwingend nötig, wenn man bei wechselnden Nutzern und Zählerständen über einen längeren Zeitraum jeden Ladevorgang mit allen relevanten Daten korrekt ausweisen muss. Wichtig ist dabei, dass sich beweisen lassen muss, dass die für die Rechnung benötigten Daten korrekt sind. Einige wenige Produkte z.B. von wallbe, ABL und Mennekes können das schon abbilden.

Kaum realisierbar, weil technisch aufwendiger, ist die Ausrüstung von Gleichstrom-Ladestationen. Auch diese Schnelllader sind grundsätzlich vom Eichrecht betroffen. Kaum eine dieser DC Stationen ist zur Zeit eichrechtskonform ausgestattet, da dies bei den teuren DC-Stationen eine technisch komplexere Aufgabe darstellt. Derzeit gewährt die Politik den Betreibern dabei Sonderrechte und eine verlängerte Übergangsfrist, um praktikable Lösungen zu entwickeln und die bestehende Ladeinfrastruktur umzurüsten.

Dienstleister können hilfreich sein

Das Thema Eichrecht verunsichert. Denn dort, wo der bereitgestellte Ladestrom abgerechnet wird, unterliegt die Ladeinfrastruktur den Bestimmungen des Eichrechts. Wenn Mitarbeiter und Kunden die firmeneigene Ladeinfrastruktur entgeltlich nutzen können, muss sie  eichrechtskonform sein.

Wird der Ladestrom grundsätzlich kostenlos zur Verfügung gestellt oder dient er ausschließlich dazu, die Firmenflotte aufzuladen, greift die Eichpflicht nicht. Aber wird der elektrische Dienstwagen zuhause an einer privaten Wallbox geladen, kann auch dieser Vorgang eichpflichtig sein, nämlich dann, wenn dort noch andere Elektrofahrzeuge Strom tanken und eine eindeutige Verrechnung mit der Firma erfolgen soll.

Kaum ein Installateur kennt sich aber mit den Gegebenheiten aus – selten gibt es hierzu auch Unterstützung von den Herstellern der Ladeinfrastruktur. So stellt sich für viele Unternehmen die Frage, ob sich bei der Umstellung wie sie mit der Thematik umgehen sollen. Klar ist: Vor allem bei größeren Betrieben kann es sehr sinnvoll sein, Dienstleister in Anspruch zu nehmen, die den Betrieb und alle dazugehörigen Prozesse vereinfachen und darüber hinaus dafür sorgen, dass die betriebliche Ladeinfrastruktur allen gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Es geht dabei auch um Ihr Geld.

 

Netzdienliches Laden kommt

Ob nun alle Ladestationen eichrechtskonform sein müssen kommt drauf an. Schlussendlich empfiehlt es sich den Steuerberater zu fragen und ein Blick in die Zukunft kann auch nicht schaden, denn schon demnächst wird es grosse Änderungen geben. So testet aktuell schon Hamburg das netzdienliche Laden und auch NRW wird im kommenden Jahr dabei einen Schwerpunkt setzen. Mit „Extra“ Förderungen will man so erreichen, das Netzbetreiber mehr Sicherheit bekommen, um die Netzstabilität zu erhalten. Wir finden das prima.

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