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Tesla: Droht dem Vorreiter der Elektromobilität das Aus ?

In den letzten Jahren wurde immer viel behauptet, wenn es um TESLA ging. Gerade jetzt gibt es wieder viele Gerüchte. Es geht um Verkauf, eine mögliche Pleite und Elon Musk.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon | TESLA inc.

Man kann es nicht mehr zählen, wie oft, meist auch von immer gleichen angeblichen Experten, die behaupten, dass TESLA bald Pleite ist. JA, es gab und es gibt Probleme. Aber könnte man das auch nicht bei anderen sagen ? Volkswagen mit rund 30 Milliarden Euro Strafe nach dem Abgasskandal wurde auch eine Pleite vorausgesagt. Es wird rauer und es wird für Tesla nicht einfacher, denn es werden immer neue Elektrofahrzeuge von anderen Herstellern auf den Markt kommen. TESLA ist trotzdem weit voraus und hat eine Menge technologischen Vorsprung. Wenn man von Elektromobilität spricht, spricht man von TESLA – immer noch.

Eine Rundmail beflügelt Pleitegerüchte

Elon Musk ruft um Hilfe: Tesla taumelt der Pleite entgegen. In einer Rundmail verordnet der Firmenchef seinen Mitarbeitern „Hardcore“-Sparen. „Ersatzteile, Gehälter, Reisekosten, Mieten“, alles muss auf den Prüfstand. Die Aktionäre suchen scharenweise das Weite. So eine Schlagzeile dieser Tage. Was ist denn jetzt wieder los ?

Die Aktie im Sinkflug

Erstmal gleich zur Klarstellung: Wir fahren kein Modell von Tesla. Bislang zumindest nicht. Muss man auch nicht zwingend, auch wenn wir total auf Elektrofahrzeuge stehen und schon seit Jahren ausschliesslich Elektroauto fahren. Von deutschen Herstellern gibt es aktuell kaum was. Die asiatischen Hersteller sind ganz vorne mit dabei: Kia, Hyundai, Nissan. Ein Smart haben wir – als Ausnahme und natürlich fahren wir immer wieder Modelle unserer Vertragshändler, wenn wir es brauchen oder wenn Probefahrten mit unseren Kunden auf dem Plan stehen. Na klar sind wir schon Tesla gefahren. Immer wieder und das auch gern. Es gehört einfach dazu sich ein Bild zu machen – zumindest wenn es um die Fahrzeuge, die Technologie und das Handling geht. 

Aber selbst eingefleischte Tesla-Fans fallen so langsam vom Glauben ab: Die TESLA Aktie im Sinkflug und das ist alles andere als gut. Mit weniger als 200 Dollar waren die Papiere so billig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Im Juni 2017 waren sie mit knapp 390 Dollar fast doppelt zu teuer. Und Analysten gehen davon aus, dass das noch nicht der Tiefpunkt ist. Aber ist es deshalb das Ende von Tesla ?

Teslas neue Herkulesaufgabe

Ein neuer Auslöser für die Panik dürfte eine Rundmail sein, die Tesla-Chef Elon Musk laut Medienberichten vergangenen Donnerstag an seine Mitarbeiter geschickt hatte. In der E-Mail soll er die Belegschaft informiert haben, dass die Barmittel von Tesla nur noch für zehn Monate reichen. Weiter heisst es darin offenbar, dass man, wenn es so weiter geht, die Gewinnschwelle in diesem Jahr nicht mehr erreichen wird. 

Jetzt folgen „Hardcore“-Maßnahmen. Aus der Tesla Chefetage heisst es dazu: „Alle Ausgaben jeglicher Art, einschließlich Teile, Gehalt, Reisekosten, Miete, buchstäblich jede Zahlung, die unser Bankkonto verlässt“, müssten überprüft werden, zitiert Reuters aus der Mitarbeiter-Mail. Das sei „extrem wichtig, egal wie klein die Ausgaben sein mögen“. Bei Tesla herrsche „Alarmstufe rot“, zitiert der US-Sender CNBC den Analysten des US-Investmenthauses Wedbush, Dan Ives. Verglichen wird es mit einem Aufstieg wie auf den Kilimandscharo, um seine Ziele noch zu erreichen. Man spricht von einer „Herkulesaufgabe“.

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Chaos bei Tesla trotz Vorsprung

Zu denken geben dürfte Beobachtern, dass es nicht der erste Spar-Appell bei Tesla ist. Als Musk sich vor einen Jahr mit einer ähnlichen E-Mail an die Mitarbeiter wandte und sein Finanzteam anwies, „alle Ausgaben weltweit durchzukämmen“, feuerte er kurz darauf neun Prozent der Belegschaft. Außerdem sollte der Vertrieb der Elektrowagen umgestellt werden, Tesla wollte sein Händlernetz stutzen und vorrangig Online verkaufen. Später ruderte er jedoch zurück. Es dürfte spannend werden, welche Konsequenzen Musk diesmal zieht.

Aber scheint das nicht das Problem vieler Hersteller zu sein ? Auch VOLKSWAGEN wird tausende Stellen abbauen. Hintergrund hier aber, dass der Bau von Elektrofahrzeugen weniger komplex ist. Zudem weiss man auch gar nicht, wie sich Elektroautos verkaufen werden und wie sich die Mobilität verändern wird. Fest steht: Immer mehr Länder werden in ein paar Jahren beginnen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren aus den Städten zu verbannen. Technologisch passiert aber eine Menge. Neue Carsharing Modelle, autonomes Fahren in der Erprobung und das Eigentliche ist ja nicht nur das Fahrzeug, sondern viel mehr die Technik, die Software und das Zusammenspiel dieser Komponenten. Klar dürfte sein: Tesla hat hier immer noch die Nase vorn.

Erneut hohe Verluste im 1. Quartal 2019

US Medien berichten derweilen, dass Tesla Chef Musk seinen Geldgebern, die Tesla Anfang des Monats eine Milliarden-Finanzspritze gegeben haben, beweisen will, dass sich das Investment lohnt. Denn die Zweifel an Musks vollmundigen Versprechen wachsen. Die Tesla 3-Produktion hinkt nicht nur hinterher, das angeblich erste massentaugliche E-Auto ist in der Herstellung immer noch viel zu teuer. Das führte bislang auch zu einem auf und ab der Preise, aber auch bei den Stromern Model S und Model X.

Trotz Model 3 und nach der Produktionshölle kam zunächst die Auslieferungshölle. Das letzte Quartal 2018 noch mit gewinn gemeistert war das erste Quartal 2019 schon wieder verlustreich. Rund 700 Millionen Dollar verlor Tesla demnach – mehr als im Vorfeld erwartet. Eigentlich sollte es nun wieder bergauf gehen. Doch angesichts der vielen Probleme könnte das lediglich ein frommer Wunsch bleiben.

Die Anzahl der Konkurrenten wird wachsen

Klar ist: Die Konkurrenz holt mächtig auf. Neben den asiatischen Herstellern wird auch VW den Pionier angreifen. Bislang aber nur mit vielen Ankündigungen. Die Wolfsburger wollen 2021 einen Elektro-Geländewagen in China auf den Markt bringen und Tesla auf dem weltgrößten Automarkt so unter Druck setzen. Auch Daimler, BMW und General Motors wollen unter Hochdruck ihre Flotten elektrifizieren. Für den ID.3, das erste E-Auto von Volkswagen, das mit Teslas Model 3 konkurrieren soll und nach Angaben von VW für knapp 30.000 Euro zu haben ist, gab es nach Unternehmensangaben in den ersten 24 Stunden 10.000 Vorbestellungen. Zunächst wird es aber nur die Premiumvariante geben. Die Chinesen, wie Byton drängen aber auch auf den Markt. Es wird aber sehr viel neue Konkurrenz geben – das steht wohl fest.

Tesla – berühmt für seinen Autopiloten –  kämpft zudem aber mächtig mit seiner Technik und vermeintlichen Sicherheitsproblemen.  Bei einem tödlichen Unfall mit einem Lkw hatte ein Fahrzeug im Autopilot-Modus Anfang März das Tempo nicht gedrosselt. Es war bereits die dritte verheerende Kollision, bei der ein Fahrer seine Hände nicht mehr am Steuer hatte. Es bleibt aber abzuwarten wie die neuen Konkurrenten damit umgehen wird und was sie selber vorzuweisen haben. Bislang gibt es meistens nur Ankündigungen.

Tesla muss sich sammeln

Tesla Chef Musk rechtfertigte sich. Die Autopilot-Funktion, bei dem das Fahrzeug selbstständig beschleunigen, bremsen und lenken kann, sei „für den Einsatz mit einem voll aufmerksamen Fahrer bestimmt, der die Hände auf dem Lenkrad hat und jederzeit bereit ist, die Kontrolle zu übernehmen“. Gleichzeitig bemängeln Experten jedoch, dass die Technik es zulasse, dass der Fahrer nicht auf den Verkehr achte. Darauf hin hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde verfügt, dass der Autopilot künftig nicht mehr in „unsicheren Situationen“ benutzt werden darf.

Ist der erneute Ruf von Tesla Chef Musk nun ein Hilferuf ? Es scheint so. Die Baustellen bei Tesla sind zwar ganz offensichtlich, aber die technologische Überlegenheit, trotz aller Probleme, immer noch erlebbar. Tesla Fahrer zeigen sich immer wieder begeistert, was Tesla-Technik kann. Da hilft auch kaum das Guerilla Marketing von AUDI, das an den Tesla eigenen Superchargern seinen e-tron vorfahren lies, um Tesla Fahrer die Vorzüge des Stromers von AUDI zu präsentieren.

Klar ist aber auch:  Der Rückhalt bei den Investoren bröckelt rapide: Erst kürzlich verlor Tesla einen seiner größten und treuesten Aktionäre. Die Investmentgesellschaft T. Rowe Price verkaufte im ersten Quartal gut 80 Prozent ihrer Tesla-Aktien. Analysten gehen demnach davon aus, dass die Sorgen über die weitere Geldbeschaffung, Lieferprobleme beim Model 3 und der Streit mit den Regulierungsbehörden wegen Musks umstrittener Tweets der Auslöser waren. Warum sagen sie nicht.

Analysten fordern von Tesla nun ein radikales Umdenken. So solle Tesla sich ab jetzt voll und ganz auf das Model 3 konzentrieren, statt sich in immer neue Projekte zu verrennen. So würde es zu weiteren Kursverlusten kommen, so die Prognosen.

Tesla war und ist immer noch Vorbild

Ein Fahrzeughersteller in Perfektion ist Tesla sicher nicht. Aber man denkt weiter und technologisch hat Tesla einiges zu bieten. Grosser Pluspunkt ist zudem, dass Tesla mit seinen Superchargern eine grosse (Lade) Sicherheit vermitteln kann, die bei den TopModellen von Audi, Mercedes VW und Co sicher noch lange fehlt. 

Wie sich die Technologie entwickelt, wird entscheidend für die Zukunft werden. Tesla deswegen schon abzuschreiben ist fatal. So oder so: Tesla hat allen eine Menge gezeigt. Die einen, die Tesla belächelt haben, bevor sie viel zu spät aktiv wurden – zum anderen war und ist Tesla immer noch Vorbild. Es ist immer noch so: Tesla gibt den Ton an. Nun muss Tesla aber beweisen dass Sie auch Zukunft können. Tesla in all seinem Chaos abzuschreiben sehen wir derzeit aber nicht.

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