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Autohandel: Mit deutlichen Umsatzrückgängen in der Zukunft zu kämpfen

Autohandel: Mit deutlichen Umsatzrückgängen in der Zukunft zu kämpfen | emobicon

Erinnern Sie sich noch an den schleichenden Prozess im Einzelhandel? Kaum einer glaubte an den Online Handel. Und heute ? Amazon und Co lassen grüssen. Alles verändert sich, auch der Automobilhandel in der Zukunft

von Harald M. Depta | emobicon - CoverBild: emobicon

Tesla zeigt wie Autokauf von morgen funktioniert und die Mobilitätswende weg vom eigenen Fahrzeug wird ein weiteren Rückgang in Produktion und im Vertrieb haben. Mit der Elektromobilität weiss man heute, dass man künftig viel weniger Werkstätten braucht – die Kosten für die Nutzer werden sinken, die Umsätze des wichtigen Werkstattgeschäftes aber auch.

Neue Konzepte sind gefragt

Bereits heute kann der Automobilhandel deutlich erkennen, wie die Zukunft aussieht. Will die Autobranche und damit auch der Automobilhandel zumindest einen Teil ihrer Umsätze und Gewinne künftig retten, muss sie sich bei Vertrieb, Handel und Service auf Vernetzung sowie neue Antriebs- und Mobilitätskonzepte einstellen. Und das ganz offensichtlich schneller und intensiver als man zunächst dachte. 

Das ist ein Ergebnis der Deloitte-Studie „Future of Sales and Aftersales“, die untersucht, wie sich die vier Megatrends der Branche – Konnektivität, alternative Antriebe, Carsharing und autonomes Fahren, aber auch generelle Entwicklungen wie der demografische Wandel oder die Urbanisierung bis 2035 auf das Geschäftsmodell der Autohersteller in Deutschland auswirken. Es werden keine Horrorszenarien aufgestellt, aber generell steht fest. Es muss mehr getan werden.

Die Gewinne werden sich halbieren

Im Autohandel stehen tiefgreifende Veränderungen an, den Fahrzeug verkaufen reicht heute längst nicht mehr. Elektromobilität zwingt zu anderem Wissen und zeigt auf wie sich Mobilität und Verhalten verändern.  Denn wenn sich unabhängige Mobilitätsdienstleister zwischen die Hersteller und ihre Kunden drängen, sinken die Gewinne aus dem Verkauf von Fahrzeugen bis 2035 um 53 Prozent, prognostiziert die Studie. Denn die neuen Vermittler würden mit ihrem direkten Kundenzugang erhebliche Marktmacht innehaben. Zudem lässt sich mit der neuen Marktplatzpositionierung, den Änderungen des Kaufverhaltens und mit Kompetenz in alternativen Antrieben erhebliche Potentiale erreichen.

Beispiel emobicon: Wir selber mischen im Vertrieb von Elektrofahrzeugen mit. Während wir über Partnerhändler oder im eigenen Vertriebsfeld Kunden mit einem grossen Spektrum von Kompetenz in alternativen Antrieben, Kompetenzen und Alltag aufzeigen können, geht unser Gedanke weit darüber hinaus. Förderungen, Infrastruktur, Alltag, Kostenaufstellungen, Mobilitätskonzepte – all das, was der klassische Automobilhandel derzeit kaum machen kann oder will. Das wird, das muss sich ändern.

Der Fahrzeugabsatz geht bereits deutlich zurück

Besetzen Online-Makler das Privat- und Firmenkundengeschäft, gerät auch dieser Bereich stark unter Druck. Automobilhersteller sind daher laut den Beratern von Deloitte gut beraten, eigene Online-Verkaufskanäle zu etablieren und das Direktgeschäft unter Umgehung des traditionellen Autohandels auszubauen. Einige Vorboten gibt es hier bereits. Händlerverträge werden gekündigt, mit neuen Konditionen und Bedingungen neu angeboten – Schwerpunkt hier die Online Aktivitäten oder die Konnektivität der Fahrzeuge. Nicht zuletzt können sie dadurch ihre Vertriebskosten senken, den starken Wettbewerb zwischen den eigenen Händlern vermeiden und so die Gewinnmarge im Vertrieb steigern. Zumindest teilweise. Bereits aktuell ächzt man unter einem Umsatzrückgangs von 16 Prozent, aktuell ist der Vertrieb aber noch attraktiv genug. Nur darauf ausruhen sollte man sich nicht. Hier heisst es sich auch neu zu erfinden, in dem man die Modelle im verkauf radikal umbaut. Die Empfehlung von Deloitte empfehlen Neuwagen in attraktiven Innenstadtlagen zu präsentieren und am Stadtrand Testfahrt- und Service-Zentren aufbauen.

Glaubt man der Studie, sinkt die Zahl der verkauften Neuwagen im kommenden Jahrzehnt weiter kontinuierlich. Gründe sind hierbei u.a. die Laterne Gesellschaft, aber auch Mobilitätsangebote wie Carsharing. In urbanen Großräumen wird es zudem attraktive Alternativen zum eigenen Auto wie autonome Shuttle-Dienste und Roboter-Taxis geben. Auch der Nahverkehr wird deutlich attraktiver und noch stärker genutzt werden. Individuelle Mobilität wird immer teurer und dadurch unattraktiver werden.

Neue Steuermodelle werden auch zu deutlichen Verschiebungen im wichtigen Feld der Mobilität führen. Die Mobilität selber wird weiter zunehmen, aber anders praktiziert.

Dem Automobilhandel droht nach Angaben von Deloitte in 15 Jahren ein Umsatzrückgang von 55 Prozent. Auch der Gewinn des margenträchtigen Geschäfts mit Ersatzteilen, Wartungsarbeiten und Reparaturen sinke entsprechend deutlich. Auch hier   geht es um die Umsetzung neuer Dienstleistungen.

Alternative Antriebe verändern alles

Der Grund ist klar: Alternativen Antriebe, insbesondere im Elektroantrieb, dessen Einsatz die Studienautoren in einem Basisszenario auf 40 Prozent der Neufahrzeugverkäufe schätzen. Diese Fahrzeuge benötigen weniger Wartung und Reparaturen. So werden hier die Umsätze von aktuell 300 auf 48 Millionen Euro im Jahr sinken – ein Einbruch um 84 Prozent. Gleichzeitig schrumpfe der Gewinn aus diesem Geschäft von 101 auf 16 Millionen Euro.

Ebenfalls erwartet wird ein massiver Rückgang im hoch profitablen Ersatzteilgeschäft – von 205 auf 84 Millionen Euro, denn Elektroautos hätten weniger Verschleißteile als herkömmliche Fahrzeuge. Lediglich das Reifengeschäft profitiere von den steigenden Fahrleistungen.

Als Wachstumsbereich sieht die Studie von Deloitte Finanzdienstleistungen. Demnach würden bis 2035 mehr als die Hälfte aller Neuwagen an Firmen und Flotten verkauft, derzeit seien es 37 Prozent. Damit wachse das Leasing- und Kreditgeschäft um 31 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Weitere Chancen ergäben sich für die Autohersteller, wenn es ihnen gelinge, Mobilität als Service zu verkaufen. Aus Sicht von emobicon geht es aber auch darum mit der Entwicklung von neuen Dienstleistungsstrukturen Teile des Umsatzrückganges zu kompensieren oder sich neunen Märkten zu öffnen und neue Gewinnfelder zu erschliessen. Klar ist aus Sicht der Studie aber auch der von emobicon: Aus Autoherstellern müssen Mobilitätsdienstleister werden, die ihren Kunden ein Fahrzeug oder einen Shuttle-Service genau dann anbieten, wenn diese mobil sein wollen.  Allerdings würden die Konzerne um dieses Geschäft kämpfen müssen, denn auch neue Player wie Uber, Waymo oder die klassischen Nahverkehrsunternehmen drängten in den Markt.

Veränderungen müssen jetzt erfolgen

Bereits heute testen Hersteller verschiedene Modelle und Szenarien. Es geht um die Erfahrungen und auch um die Sichtbarkeit. Es geht um ein Volumen von rund 4,8 Milliarden Euro haben werde. Derzeit seien es noch 600 Millionen Euro. Tendenz stark steigend. 

Die Studie zeigt, dass die Automobilhersteller in den nächsten 15 Jahren durch herausfordernde Zeiten gehen. Ohne tiefgreifenden Wandel werden sie es kaum schaffen, 2035 noch profitabel zu sein. Die Deloitte-Studie kommt zu dem Schluss: Selbst wenn die Unternehmen die richtigen Themen jetzt adressieren, wird es nicht einfach, den Rückgang des traditionellen Autogeschäfts durch neue Geschäftsmodelle zu kompensieren.

Zur Studie HIER

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