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Energie: Der Strompreis steigt und Schuld ist nicht die Elektromobilität

Als Erstes die Entwarnung: Die Preiserhöhung trifft überwiegend die Grundversorger. Warum rund 50 Prozent aller Verbraucher immer noch nicht gewechselt haben, obwohl man soviel Geld sparen kann, ist nicht zu verstehen.

von Harald M. Depta | emobicon - Cover Bild: emobicon

Seit Monaten kennt der Strompreis nur eine Richtung – nach oben! Noch nie haben Privathaushalte in Deutschland so viel gezahlt wie zurzeit. So die Schlagzeilen der letzten Tage. Was ist da dran und wie ist die Entwicklung ? Fest steht: Wir leben eine Veränderung im Energiesektor und Schuld ist nicht das Elektrofahrzeug – im Gegenteil.

Im bundesweiten Durchschnitt koste eine Kilowattstunde Strom derzeit 29,42 Cent, so das Vergleichs- und Vermittlungsportal Verivox. Auch das Portal Check24 berichtet von einem Rekord beim durchschnittlichen Strompreis, der im März den siebten Monat in Folge gestiegen sei. Es betrifft überwiegend die Tarife der Grundversorger.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben laut Verivox etwa zwei Drittel der 826 Grundversorger in Deutschland die Preise erhöht – und zwar um durchschnittlich rund fünf Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden sind das Mehrkosten von rund 60 Euro im Jahr.

Für April und Mai hätten weitere 62 Grundversorger Preiserhöhungen angekündigt. Vereinzelte Versorger haben aber auch die Preise verbilligt. Laut Verivox senkten von Januar bis März 24 Anbieter ihren Tarif um durchschnittlich rund zwei Prozent. Zeit für einen Wechsel ?

Spätestens mit der Beschaffung eines Elektrofahrzeuges sollte man seine Ausgaben für Energie betrachten. Was künftig nicht mehr bezahlt wird, wenn man tankt, wird man, sofern man keine PV Anlage hat, an Strom aus dem Netz brauchen. Hier gibt es nicht nur viel Potential der Optimierung, sondern es macht Sinn tiefer in die Materie zu tauchen. Viele Versorger bieten spezielle Tarife – zum Beispiel in Verbindung mit einer Ladekarte, um unterwegs, also öffentlich aufladen zu können, wenn man es muss.

Es reicht aber bereits schon aus dem Grundversorgertarif in einen Klassik Tarif bei einem Versorger zu wechseln. ÖKO Strom macht Sinn und teurer ist es meistens nicht.

Denn ein Ende der Preisrunde ist vorerst wohl nicht in Sicht. Dieser Anstieg wird sich auch in den kommenden Monaten weiter verfestigen heisst es lapidar von vielen Versorgern. Pauschal gesagt: Man geht zunächst von steigenden Strompreisen aus. 

Woran liegt das? Die Verbraucher bekommen mit Verzögerung die im vergangenen Jahr gestiegenen Beschaffungspreise der Versorger zu spüren. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lag der Großhandelspreis für Strom im Durchschnitt des vergangenen Jahres um rund 30 Prozent über dem Durchschnittspreis für 2017. Mehr erneuerbare Energien, das ist eine Veränderung am Strommarkt.

Die aktuellen Meldungen über den Strompreis-Rekord beruhen nur auf den Grundversorgungstarifen, die für 28 % der Verbraucher gelten. Die Gesamtzahlen vom bdew von Januar zeigen, dass der Strompreisanstieg in den letzten 5 Jahren geringer war als die Inflation | Grafikinformation: bdew

Klar ist: In den vergangenen Monaten hat sich der Preisanstieg an der Strombörse allerdings verlangsamt und lag unter den Höchstwerten vom Herbst 2018. Bei den Großhandelspreisen ist eine Seitwärtsentwicklung mit leicht fallender Tendenz zu beobachten. Experten bestätigen zudem, dass seit dem Höchststand im Oktober 2018 der Preis an der Leipziger Strombörse und zehn Prozent gesunken ist. 

Ein sichtbarer Effekt: Den stärksten Rückgang des Preises erleben wir aktuell bei den Kosten für Kohle und Gas. Sie sind im gleichen Zeitraum sogar um 20 Prozent gefallen, da die Nachfrage nach Steinkohle auf dem Weltmarkt derzeit deutlich geringer ist, als noch vor drei Jahren erwartet wurde., Und genau das drückt auf den Preis für die Kohle. der vergleichbar milde Winter hat auch dazu geführt, das die Gasspeicher gut gefüllt sind und genau das lässt den Preis ebenfalls sinken.

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Aber klar ist auch: Der Großhandelspreis für Strom hat diese Entwicklung nur zu einem Teil mitgemacht. Denn das liegt auch an dem nach wie vor hohen Preisniveau der CO2-Zertifikate von über 20 Euro je Tonne. 

Zur Erklärung: Stromerzeuger müssen Verschmutzungsrechte besitzen. Deren Preise waren im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Auch in diesem Jahr mussten bei den Versteigerungen der Emissionszertifikate bisher im Durchschnitt mehr als 20 Euro je Berechtigung gezahlt werden.

Betrachtet man nun das Ganze wird deutlich, dass der Rückgang der Grosshandelspreise beim Haushaltsstrom vorerst keine Auswirkungen haben wird. Die Rückgänge sind, soweit man es einschätzen kann, zu gering.

Die Beschaffungskosten machen demnach nur etwa 18 Prozent des Endpreises aus. Einen größeren Einfluss auf den Gesamtpreis haben Netzentgelte, EEG-Umlage sowie Steuern und Abgaben. An dieser Stelle könnte es aber eine Entlastung der Haushalte bei weiter steigenden Strompreisen geben, denn die Kohlekommission hat vorgeschlagen, dass der Bund von 2023 an Privatleuten und Unternehmen einen Zuschuss zu den Netzentgelten zahlen soll. Abwarten wie sich das entwickeln wird.

Raus aus dem Grundtarif – rein in den ÖKOStrom. Es ist so einfach, wenn es um das Wechseln geht. Entweder fragen Sie Ihren Versorger direkt, oder am Telefon, oder Sie wechseln online. Portale wie Check24 bieten die Möglichkeiten des Vergleiches. Nach Art und Preis. Das ist einfach und macht zudem Sinn, wenn man viel Geld sparen will. Die Annahme, dass Ökostrom teurer ist, ist falsch. Probieren Sie es aus !

Quelle: Verivox | dpa

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